Autor Thema: Apocalypse: No(w)!  (Gelesen 1816 mal)

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Offline DAOGA

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #15 am: 6. März 2018, 16:46:32 Uhr »
„Sie reden von negativen übernatürlichen Phänomenen. Wir wurden aber Ihrer Aussage nach von einem gerettet.“ bohrte Premierminister Griffith.
„Das war reines Glück, auf das ich mich nicht ein zweites Mal verlassen möchte. Die negativen überwiegen leider, meiner Erfahrung nach.“ seufzte der General. „Mich auch darum zu kümmern, zum Wohl meines Landes und zum Wohl aller Nationen, die dadurch ebenfalls betroffen sein könnten, ist meine Aufgabe. Neben den üblichen Kriminellen, Terroristen und feindlichen Agenten, die im Vergleich damit wie ein harmloses Tagesgeschäft wirken.“
Der Premierminister fixierte Tom. „Mr. Richards, was haben Sie dazu zu sagen?“
„Keine Einwände. Alles ist so, wie er es gesagt hat.“ antwortete Tom seelenruhig. „Noch vor ein paar Jahren hätte er das alles schlicht geleugnet und totgeschwiegen, daran können Sie erkennen, wie viel er von mir gelernt hat.“
Das Publikum fand das witzig.
„Sie bleiben also bei Ihrer Geschichte.“
„Wir bleiben dabei, weil es die Wahrheit ist. Jede Lüge würde mehr Phantasie erfordern. Glaubwürdige Phantasie wohlgemerkt, die man der Allgemeinheit verkaufen kann. Die Story vom Omega-Code stammt nicht von mir, weil ich zu der Zeit gerade tot war, aber sie findet meine Zustimmung. Wenn ich auf dem Damm gewesen wäre, hätte ich sie mir selbst aus den Fingern gesaugt. Richten Sie Ihre Zeigefinger also gern auf mich, aber nicht auf den General und schon gar nicht auf unseren Präsidenten, die sind in dieser Hinsicht unschuldig.
- Ausnahmsweise mal.“ Er zwinkerte und grinste in die Runde, was wieder für Heiterkeit sorgte.
„Wer sind Sie, Mr. Richards? Sie wurden uns nicht weiter vorgestellt, außer als Experte in Begleitung von General Wade, in Stellvertretung von Präsident Thompson.“
„Ich bin ein Hansdampf in allen Gassen, wie man so schön sagt. Ich habe mein Domizil in Washington, bin nicht unvermögend, Doktor der Medizin, Geschäftsmann, Abenteurer und interessiert an allem, was irgendwie ungewöhnlich ist, weil ich selber nicht gewöhnlich bin. Aber ich suche nur das Echte, mit gefälschten Alien-Autopsien kann mich niemand hinter dem Ofen vorlocken. Da ich einiges an Erfahrungen in diesem Bereich habe, kann ich echt und falsch unterscheiden. Ich berate die Federal Security Agency, wenn sich Fälle ergeben, die in meinen Fachbereich fallen, und auch andere Stellen, wenn sie mich anfordern. Da der gute General weiß, daß ich für jede Art von Unfug gut bin, hat er es sich angewöhnt, immer mindestens einen seiner Leute in meiner Nähe zu halten, für den Fall, daß ich selbst auf etwas stoße, was der Agency zur Kenntnis kommen sollte. Denn je mehr wir erleben, um so mehr Erfahrungen sammeln wir, die uns beim nächsten Fall vielleicht weiterbringen. Inzwischen sind wir wie ein altes Ehepaar, das sich schlägt und verträgt, denn wie Sie sich vorstellen können, unterliegt der General zahlreichen Beschränkungen durch sein Amt, während ich fast so frei bin wie ein Vogel im Wind. Alles in allem sind wir ein gutes Team, Weltrettungen hin und wieder eingeschlossen.
Aus meiner Sicht der Dinge ist eigentlich gar nichts besonderes passiert, weshalb ich gut darauf hätte verzichten können, erst im Weißen Haus und jetzt hier einen großen Wind zu machen. Aber unsere eigenen Regierungsvertreter und Sie alle hier wollten es ja nicht anders, Sie wollten die Wahrheit. Und jetzt haben Sie mich hier, und leben Sie damit. Egal ob ihnen gefällt was Sie von uns hören, oder nicht, aber dummerweise ist es zufällig die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Wenn ich Sie anlügen soll, dann bitte, sagen Sie mir das, und ich denke mir was aus.“ Er grinste froh und lehnte sich in seinen Stuhl zurück.
„Sie sagten, Weltrettungen hin und wieder. Gab es andere Vorfälle, von denen wir bis jetzt nichts wußten?“
Tom nickte grinsend in Richtung des Generals, der durfte übernehmen - und dabei ein weiteres Puzzlestück an Geheimhaltung aus dem Fenster werfen.
„Die gab es,“ seufzte Wade. „Nichtnuklearer Art, aber deswegen nicht weniger bedrohlich, wenn wir ihnen die Zeit gegeben hätten sich auszubreiten. Er sagte Ihnen bereits, daß er Ereignisse anzieht wie ein Misthaufen Ungeziefer. Da er in den Staaten lebt, ist unser Land logischerweise der Ground Zero für alles was passiert, und meine Agency der erste Ansprechpartner. Mein einziger Trost in der Sache ist, daß er sich auch als guter Prellbock erwiesen hat, jede Bedrohung, die sich an ihm die Nase blutig schlägt, hat hinterher nicht mehr die Kraft, noch eine nennenswerte Breitenwirkung zu entfalten. Deswegen ist es die reine Wahrheit, wenn er sagt, daß sich aus seiner Sicht der Dinge nichts bemerkenswertes ereignet hat. Es war diesmal nur ein wenig extrem, weil er dabei gestorben ist und viel zu viele Unbeteiligte darauf aufmerksam gemacht wurden, aber ansonsten war es business as usual.“
Die beiden auf dem Podium bemerkten durchaus, daß immer mehr Köpfe im Publikum mehr oder weniger dezent wackelten, der Unglauben im Raum hing so dick in der Luft, daß man ihn fast greifen konnte.
„Können wir genaueres dazu erhalten?“
„Könnten Sie, wenn meine Vorgesetzten dem zustimmen, was vermutlich nicht der Fall sein wird. Aber das wirkliche Problem wäre, daß Sie die Inhalte nicht glauben würden, wenn Sie sie bekämen, und das weiß ich sicher. Niemand der nicht selbst dabei war oder genau weiß, daß die Augenzeugen nicht zum Lügen neigen, hat es geglaubt. Diese Vorfälle waren nämlich um einiges bizarrer als eine simple Umlenkung von Atomraketen auf einen neuen Kurs. Tut mir leid, Herr Premierminister, aber mehr dazu darf ich ohne Erlaubnis meines Präsidenten wirklich nicht sagen. Und ich weiß nicht, ob es Ihr persönliches Weltbild überstehen würde, wenn Sie diese Angaben bekommen dürften.“ 
Griffith blieb hartnäckig - und verlor allmählich Geduld und britische Countenance.
„Es wäre trotzdem schön, einen Beweis zu erhalten, Mr. Richards. Erzählen kann man bekanntlich viel, wenn der Tag lang ist. Schaffen es Ihre Aliens nicht, Ihnen wenigstens mal die außerirdische Version einer Zahnbürste zu schicken, oder etwas anderes handfestes, was man anfassen und untersuchen kann?“
Der Premier gefiel Tom, das war ein Mann, der denken konnte.
„Ich habe etwas viel nützlicheres erhalten. Spielen Sie mein Versuchskaninchen?“
„Gerne. Machen Sie.“

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #16 am: 15. März 2018, 15:59:27 Uhr »
Selbstverständlich glaubte Griffith nicht, daß Tom liefern konnte wie er versprach. Aber da wurde er gleich enttäuscht. Denn auf einmal verlor er den Boden unter den Füßen, schwebte langsam empor, sah sich zuerst verdutzt und dann zunehmend erschreckt um, wie er da vermeintlich über sich selbst hinauswuchs, während er schwerelos der Saaldecke zuschwebte, während um ihn herum all die anderen Würdenträger ungläubig zu ihm hochblickten. Und auch Tom selbst erhob sich aus seinem Stuhl, ohne seine Beine zu benutzen, denn zugleich mit dem Premierminister begann auch er zu schweben. Ganz relaxt stieß er sich mit einem Finger an der Stuhllehne ab und bewegte sich prompt schneller in die Höhe, er schwebte wie ein Raumfahrer in der Raumstation, völlig schwerelos wie ein großgeratener glücklicher Luftballon. Dann, schon drei Meter über Bodenniveau hängend, streckte er sich in eine ganz bestimmte Pose und verkündete lautstark und strahlend: „Superman!“
Diesmal lachte keiner, die Leute waren einfach zu verblüfft. Nur der General seufzte hörbar, schüttelte resigniert den Kopf und tat so, als wolle er gar nicht hinsehen. 
Tom hing jetzt kopfüber in der Luft, das Gesicht dem Publikum zugewandt, hielt die Arme vor der Brust gefaltet und wackelte locker mit einem Fuß. Er schien sich absolut wohlzufühlen in seiner Lage, während Griffith jetzt knapp unter der Saaldecke hing und unglücklich herumzappelte wie ein flügellahmer Geier im schicken Anzug.
„Wenn Sie wohin wollen, strecken Sie den Arm dahin aus und tun Sie so, als wollten Sie Ihr Gewicht in diese Richtung verlagern, Herr Premierminister.“ riet Tom. „Wenn Sie sich zu heftig irgendwo abstoßen, fliegen Sie unkontrolliert durch die Gegend, das könnte mit blauen Flecken enden.“ Er machte es auch gleich vor, wieder die Superman-Pose, und schon glitt er in die gewählte Richtung. 
„Noch jemand, der gerne mitfliegen will? Es ist völlig harmlos, das garantiere ich! Bei mir zuhause mache ich das manchmal als Partygag. Die Putzfrauen freuen sich auch jedesmal, wenn sie sich nicht mit Leitern abschleppen müssen, um die hohen Schränke abzuwischen.“
Hände gingen hoch, und Tom willfuhr mit seinem kleinen Zaubertrick, und bald schwebte nicht mehr allein der Brite im Zuschauerraum. Ängstlichere Naturen hielten sich zu mehreren gefaßt, während die Mutigen eifrig testeten, wie sich wohl ein echter Superman beim Fliegen fühlen mußte. Und die ganze Zeit über fühlten die, die nicht mitfliegen wollten, sich normal an die Erde gebunden und kein bißchen leichter, nicht mal wenn sie einen der Schweber festhielten, die Kräfte der Levitation wirkten selektiv nach Toms Befehl ... die natürlich von seiner versteckten Energiematrix ausgingen, deren Energien in kleine immaterielle „Schlüssel“ gingen, von denen jeder Fluginteressierte einen unbemerkt angehängt bekam und der wie ein persönlicher Antischwerkraft-Generator funktionierte. Ein netter kleiner Partytrick, wie Tom gesagt hatte, und völlig harmlos.
Er ließ die Leute etwa zehn Minuten lang in den Genuß des schwerelosen Fluges kommen und lenkte sie dann vorsichtig zurück auf den Boden der Tatsachen. Der Geräuschpegel im Saal war hoch, weil jeder, ob Sitzengebliebener oder Flieger, seine persönliche Meinung zu diesem Geschehen kundtun mußte.   
Es wurde stiller, als sich der General von seinem Stuhl erhob und ein paar Schritte zur Seite tat, damit er unverstellt vom Mikrophonständer sichtbar war. So steif, wie es nur einem Vollblut-Militär - oder einem geborenen Asiaten - möglich war, verneigte er sich tief vor den Anwesenden.
„Herr Premierminister, Ladies and Gentlemen, ich muß mich bei Ihnen allen zutiefst entschuldigen für dieses ... würdelose Schauspiel. Ich hätte es besser wissen und Sie vorwarnen müssen. Ein Tom Richards verspricht nichts, was er nicht einhalten kann.“ Sprach er und verbeugte sich wieder.

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #17 am: 21. März 2018, 17:54:22 Uhr »
„Wir vergeben Ihnen, General Wade.“ entgegnete ein schmunzelnder Griffith. Sobald er nicht mehr der einzige war, der in der Luft hing, schien ihm die Sache sogar Spaß gemacht zu haben.
„Mr. Richards, wie haben Sie das gemacht?“
Tom war gerade dabei, als letzter sanft und völlig unbewegt in seinem Sitz zu landen.
„Das war ein einfacher Trick zur Neutralisierung der Schwerkraft. Aber wie das genau funktioniert, da muß ich Sie bitten, mir meine kleinen Geheimnisse zu lassen. Es ist keineswegs so einfach, wie es für Sie gewirkt haben mag, es erfordert viele Jahre des Lernens und Übens, um es so perfekt hinzubekommen. Nicht ganz ohne Grund bin ich ein Ehrenmitglied der angesehenen Society of American Magicians, der ältesten existierenden Vereinigung von Zauberkünstlern in den Staaten. Einige der Dinge, die ich durch meine Alienkontakte und anderen Erfahrungen erlernte, sind einfach zu gut, um sie der Allgemeinheit vorzuenthalten, und da sie überwiegend wie Magie erscheinen, oder wie sehr gut gemachte Zauberkunststücke, war für mich der Weg in diese Richtung praktisch vorgegeben. Bis jetzt wußten aber nur wenige Personen, daß in meinem Fall mehr als Rauch und Spiegel * dahinterstecken.“
„Wie viele Ihrer Geheimnisse haben Sie mit dem Rest der Menschheit geteilt?“
Tom lächelte nachsichtig. „Nur die, die mir ausreichend harmlos erschienen - oder die, die von normalen Menschen nicht nachzumachen sind. Sie wissen doch selbst, daß die Menschheit ein unwahrscheinliches Talent dafür besitzt, selbst die harmlosesten Dinge für böse Zwecke zu mißbrauchen. Und einige der Dinge, über die ich im Lauf der Zeit stolperte, sind so gefährlich, daß nicht einmal ich leichtsinnig daran herumdrehe. Aber bevor Sie fragen: ich habe mich und meine Geheimnisse gut abgesichert. Niemand bekommt sie mit Gewalt aus mir heraus, nicht die Federal Security Agency, keine andere Regierungseinrichtung und auch kein fremder Geheimdienst oder Verbrecher.
Deshalb kann ich Ihnen gleich sagen, daß es keinen Sinn hat, wenn einige von Ihnen mir jetzt ihre Bluthunde an den Hals hetzen wollen. Ich denke, daß mein Name in diversen Organisationen bekannt ist, und genauso bekannt dürfte sein, daß ich einen Heidenspaß dabei habe, Leute, die mir und den meinen übel wollen, abzupflücken. Und wenn ich erst die Handlanger habe, widme ich mich ihren Auftraggebern, egal in welch hoher Position sie sitzen, und verpasse ihnen den Denkzettel den sie verdienen. - Vergessen Sie nie, daß ich als verrückt gelte, und mich bestimmt nicht immer an die geltenden Gesetze halte. Und vor meiner Rache ist niemand sicher, auf der ganzen Welt nicht, egal wo der Bösewicht sich versteckt oder wer ihn schützt.
- Ich bin ganz sicher kein Messias, der die Welt von was auch immer erlöst. Ich bin mehr wie eine Atombombe mit scharfem Wackelzünder, wer mich zu stark erschüttert, dem explodiere ich ins Gesicht. Bitte merken Sie sich das, Ladies and Gentlemen, und handeln Sie entsprechend, indem Sie es lieber sein lassen.“
„Bitte hören Sie auf seine Worte.“ fügte General Wade nach einem Moment der Kontemplation an.
„Unserem Präsidenten hat er gezeigt, was er ist, und wie gefährlich er sein könnte, wenn er es darauf anlegen würde. Glauben Sie bitte nicht, daß meine Männer oder ich ihn aufhalten könnten, wenn er auf die Jagd geht. Oder in einen Krieg zieht. Denn wenn er erst mal in Bewegung ist, verlangt er sein Pfund Fleisch. Deshalb ist es besser, ihm erst gar keinen Anlaß dafür zu geben. Packen Sie ihn in Watte, falls Sie mit ihm zu tun bekommen sollten, nicken Sie seinen Irrsinn ab, umgeben Sie ihn mit ein paar Wachhunden, die jeden Unfug mitzumachen bereit sind - und drücken Sie alle Augen zu, egal was er tut. Das ist die einzig geeignete Methode, mit ihm umzugehen. Sonst landen Sie entweder irgendwann auf seiner Beuteliste - oder verlieren ebenso den Verstand. Und wir haben noch Glück, daß er keinerlei politischen Ambitionen hat, weil er alle Mittel dazu hätte, ins höchste Amt aufzusteigen. Er als Präsident, und ich gebe mir sofort die Kugel, denn das was dann passierte, möchte ich nicht miterleben.“
„Zum Glück ist unser Land in dieser Hinsicht vor mir sicher.“ lächelte Tom. „Selbst ich habe einige Regeln, an die ich mich halten muß, und dazu gehört, kein offizielles Amt anzunehmen. Inoffiziell darf ich machen was ich will, solange ich nicht übermäßig Gefahr laufe, in den Geschichtsbüchern aufzutauchen. Kulminationspunkte wie ich rufen schon ohne Publicity genug Ärger herbei, man muß das nicht auch noch historisch festschreiben.“
„Und auch das ist ein Grund, warum ich darauf hoffe, daß Sie alles was Sie hier und heute erfahren haben, auch in diesem Raum lassen.“ fügte Wade an. „Diese Veranstaltung dient der inoffiziellen Befriedigung Ihrer Neugier, indem wir Ihnen als Repräsentanten Ihrer Nationen die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit präsentieren. Ihre Erklärung nach außen hin sollte einem Konsens unterliegen, und den Standpunkt unserer Nation haben wir Ihnen bereits dargelegt. Die Weltrettung ist einem Computercode zu verdanken, und Punkt. Keine Aliens, keine Verrückten, und garantiert kein auferstandener Messias.“
„Angenommen, irgendwer von uns versucht jetzt, diese mächtigen Aliens direkt zu kontaktieren. Was dann?“


* "smoke and mirrors" = Lug und Trug, fauler Zauber, Bühnentricks

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #18 am: 14. Mai 2018, 16:04:02 Uhr »
Expressives Kopfschütteln und Gesichtsverziehen von Tom Richards.
„Würden Sie wirklich das Risiko auf sich nehmen, Aliens aufzuscheuchen, die die Erde mal ganz nebenbei aus einer Laune heraus mit einem einzigen Schlag vernichten können, wenn irgendetwas sie vergrätzt? Jeder Benu besitzt die Macht und Energiefülle einer lebendigen Sonne, keine Armee und keine Waffe dieser Welt könnte etwas gegen nur ein einziges Wesen dieser Art ausrichten. Und manchmal kommen sie sogar zu mehreren, das habe ich schon mal miterlebt.
- Würden Sie dieses Risiko eingehen, um irgendwelcher nichtiger politischen Ziele willen oder einfach nur aus Mutwillen, Herr Premierminister? Denn ich würde das niemals tun, und ich bin schließlich verrückt und habe vor ziemlich wenig Angst. Vor den Benu aber habe ich Angst, und zwar sehr berechtigte. Ich mache mir jedesmal vor Angst fast in die Hose, und riskiere eine Kontaktaufnahme auch nur dann wenn es absolut nicht anders geht. Aber schiere Notwendigkeit macht nun mal seltsame Bettgenossen, das Universum ist kein Ponyhof, und meine persönlichen Vorlieben sind außen vor, wenn es um den Fortbestand der Menschheit geht.“
„Was, außer einem Weltuntergang, könnte Sie dazu veranlassen, mit diesen Wesen Kontakt aufzunehmen?“ fragte Griffith neugierig zurück. Denn Tom sprach ganz offen von multiplen Kontakten...
„Nichts außer einem Weltuntergang.“ antwortete Tom seelenruhig. „Und ich nenne jeden verrückt, der es anders hielte. Verrückt, selbstmörderisch und potentiell genozidal, denn Sie alle könnten den Benu nichts bieten, was sie nicht schon von mir bekommen.“
„Und das ist?“
Da grinste Tom wieder. „Sie werden es nicht glauben: Unterhaltung. Großes Kino, auf einer Bühne, die viel größer ist als Sie sich vorstellen können. Technologisch können wir gegen viele Alienrassen, die da draußen sind,“ sein Daumen zeigte aufwärts, Richtung Weltraum, „nicht anspucken, und die Benu sind nur eine Rasse unter vielen. Die vermutlich mächtigste, aber keineswegs die einzige. Aber was Einfallsreichtum, Kreativität, kulturelle Vielfalt und schieren Unterhaltungswert angeht, da gehören wir zu den Großen. Wir hören keinen Piepser von draußen, von außerhalb unseres Sonnensystems, weil wir dazu noch zu unterentwickelt sind, aber Sie können sicher sein, daß einige Spezies ihre Lauscher ganz nah an uns dran haben, die holen sich schon jetzt auf gesunde Distanz, was sie von uns kriegen können.
Wenn es mal zu einem offiziellen Erstkontakt kommt, sollte niemand überrascht sein, vom fremden Raumschiff mit einem Konzert von Mozart, oder einem Song von Michael Jackson begrüßt zu werden. Musik hat nämlich bei vielen Spezies einen besonderen Stellenwert, für jede aus ihren eigenen Gründen. Und die meisten dieser Gründe beinhalten zum Glück keine Todesstrahlen aus dem All. Ein gutes Unterhaltungsprogramm macht sich schließlich niemand leichtsinnig kaputt. Und wer es doch versuchen möchte, kriegt von den anderen Mithörern eine auf die Finger.“ Er grinste weiter.
„Wir sind nicht das einzige intelligente Leben im All, aber als Spezies so einzigartig wie als Individuen und in unserer Vielfalt von Kulturen. Das sollten Sie nie vergessen, und Sie dürfen gerne Selbstbewußtsein daraus schöpfen. Erhalten Sie mit Sorgfalt, was Sie an Kultur und Vielfalt haben, zerstören Sie nichts davon leichtsinnig, unsere Zukunft im All wird es Ihnen danken. - Vielen Dank, Ladies and Gentlemen.“
Zufrieden mit seiner Ansprache lehnte er sich zurück.
„Dem ist nichts hinzuzufügen.“ bestätigte General Wade.
Griffith war trotzdem nicht zufrieden. „Ist das nicht etwas herablassend, uns als die - Hofnarren des Universums darzustellen?“
„Hofnarren gab es im Mittelalter. Heute nennt sich das Entertainer. Wenn Sie wissen, wie viel ein prominenter Entertainer im Jahr machen kann, dann müssen Sie zugeben, daß das nicht der schlechteste Job ist. Wir könnten schlechter dastehen, zum Beispiel als Kloputzer für intelligente Schleimpilze. Wäre das mehr nach Ihrem Geschmack?“ lachte Tom den Mann an. „Und irgendwann, wenn wir uns politisch und gesellschaftlich einen offiziellen Erstkontakt leisten können, wird es auch Tantiemen geben. Jetzt schon mal einen guten Ruf zu erarbeiten als fleißige Erfinder von Entertainment aller Art, halte ich nicht für die schlechteste Vorgehensweise. Auf den Pianisten wird selbst in der übelsten Star-Wars-Spelunke nur selten geschossen.“
Der Premierminister konnte Toms breitem Lachen nicht widerstehen.
„Schon gut, ich glaube Ihnen.“ Ob er das ernst meinte, oder ob er einfach nur die Verrücktheiten abkürzen wollte, ließ Tom dahingestellt.
„Seit wann sind Sie übrigens ein Kulminationspunkt? Wann begann es, wie erwarben Sie es?“