Autor Thema: Hard Stuff  (Gelesen 847 mal)

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Hard Stuff
« am: 22. September 2016, 11:32:48 Uhr »
Vorwarnung: Diese Geschichte rutscht vermutlich früher oder später in die Area 21, weil es hier etliche deftige Szenen geben wird. Mit deftig meine ich Splatter, nix Schweinkram. Und mein Schreibstil läßt der Phantasie bekanntlich wenig zu tun übrig. 
Allerdings sind meine Storys ja generell nicht auf Teletubby(grusel!)-Niveau angesiedelt, wer auf Blümchen und rosa Ponys und fliegende Herzchen steht, liest bei mir sowieso nicht mit. Da ich außerdem mal fromm annehme, daß die meisten meiner Mitleser das leicht beeindruckbare pubertäre Alter bereits hinter sich gelassen haben und sich die Grenzen des gerade noch Erträglichen ohnehin ständig verschieben (manches von dem Zeug, was heute im Kinderprogramm läuft, hätte vor 30 Jahren noch die FSK in Marsch gesetzt), beginne ich in meinem eigenen Unterforum. Zumindest der Anfang ist nämlich noch harmlos. Ich überlasse es den Moderatoren zu entscheiden, ob und wann die Schmerzgrenze (pun intended) erreicht ist.

Tom Richards hat neben seiner gutmütig-irren auch eine andere, dunkle Seite, die er selten herausläßt. Aber wenn, dann kommt es dicke. Ereignisse wie der 9/11 (selbst in der Richards-Version, abgespeckt um 2 Flugzeuge und fast 3000 Tote), Madrid, London, Paris und jetzt Brüssel, um nur ein paar zu nennen, lassen selbst einen Tom Richards nicht kalt, und daß er sich an Hitler & Genossen nicht vergreifen durfte, um den Zeitstrom nicht zu sehr zu verändern, wurmt ihn bis heute. Aber das gilt nicht für zeitgenössisches „Kleinvieh“, vor allem wenn seine Bosse, die Benu, die genauen Einblick in die Zeitströme besitzen, grünes Licht geben für einen Einsatz.
Und wenn ein Fünfer-Matrixtechniker mit flammender Benu-Fluggestalt und feuerspuckendem Drachen erst mal Feuer fängt, dann gibt es einen Feuersturm seltenen Ausmaßes.

Noch ein Hinweis. Mit dem Schreiben dieser Geschichte begann ich an einem Mittwoch. Nachdem ich am Tag vorher den Film „London has fallen“ im Kino sah und am Morgen des gleichen Tages die Attentate in Brüssel stattfanden. Der Plan, Toms dunklere Seiten mal wirklich loszulassen, stand schon länger, mir fehlte nur ein Aufhänger. Der Film sorgte für die nötige Inspiration, die realen Ereignisse für den nötigen Zorn. 

Und behauptet nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt!

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Man schrieb das Jahr 2016.
Ein Jahr der weltweiten Unrast, der Unsicherheiten und des Terrors.

Eines Nachts wurde das oberste Stockwerk von Lyonshome Manor von einem gewaltigen Blitz getroffen, der in einer klaren Nacht, als nichts an der aktuellen Wetterlage auf ein Gewitter schließen ließ, aus heiterem Himmel von oben kam und sämtliche Überwachungsgeräte auf den Dächern ins elektronische Jenseits beförderte.
Als Butler Larry und mehrere andere Hausbewohner nach oben stürmten, um die Schäden zu überprüfen, fanden sie ihren Hausherrn Tom Richards regungslos und wie tot auf der obersten Terrasse liegen. Brandspuren sahen sie nicht, aber das mußte nichts heißen, der in der Luft hängende starke Ozongeruch bewies, daß genau hier das Zentrum des Einschlags gewesen war. Und ein Tom Richards verkraftete zwar Strommengen, die jeden anderen Menschen gebraten hätten, aber einem echten Blitz auf Einschlags-Nullpunkt war selbst er nicht gewachsen... wenn es denn ein echter Blitz gewesen war und nichts anderes.
„Tom? Sir?“ rief Larry Kiromoto, aber er wußte es besser, als den Mann anzufassen und zu schütteln, denn wenn Tom erst vor kurzem seine übermächtige Fünfermatrix benutzt hatte, war er möglicherweise noch so aufgeladen, daß er jedem, der ihn leichtsinnig berührte, einen tödlichen Schlag versetzte. Stattdessen kniete er sich direkt neben ihn, bedeutete den anderen, wie sie mit ihren Taschenlampen zu leuchten hatten, da der Blitz auch die Terrassenbeleuchtung hatte ausfallen lassen, und stellte erleichtert fest, daß er leichte Atembewegungen sehen konnte.
Seinen Silberstock trug Tom nicht bei sich und Larry konnte ihn auch nirgendwo liegen sehen, aber das mußte nichts heißen, weil Tom seine Matrix zuweilen an anderen Stellen aufbewahrte als im gläsernen Knauf des Stocks, an Orten wo die Sonne nie hinschien, wie er es fromm ausdrückte. Was ihn dann doppelt gefährlich machte, weil eine extrem starke Matrix in unmittelbarem Körperkontakt mit einem nur halb oder gar nicht wachen und aufmerksamen Benutzer, was einem ständigen Zustand des Aktiviertseins entsprach, ungefähr so harmlos war wie eine Atombombe mit scharfem Wackelzünder - die erste falsche Bewegung, und die ganze Marie ging hoch. Deshalb war Larry in der momentanen, unbestimmbaren Lage mehr als nur ein bißchen besorgt, und nicht nur wegen der Gesundheit seines Masters.
Toms rechte Hand war um etwas geschlossen, möglicherweise seine Matrix, möglicherweise etwas ganz anderes.
„Sir?“
Endlich schlug Tom die Augen auf, und blinzelte ins Licht der Taschenlampen.
„Alles in Ordnung, Larry. Denke ich jedenfalls.“ sagte er mit leiser, heiser Stimme, die von schwerer Erschöpfung oder Anstrengung sprach. Aber als allererstes, noch bevor er seine Gliedmaßen sortierte, um aufstehen zu können, hob er seine eine, geschlossene Hand und öffnete sie langsam. Zum Vorschein kam etwas, was definitiv nicht die Matrix war, weil es aussah wie ein winziges Planetenmodell aus reinem, weißem Licht, bestehend aus einzelnen kugelförmigen weißleuchtenden Schichten mit dunkleren Stellen wie von Ozeanen darin, eine über der anderen, die übereinander rotierten wie Wolken über einer fremden Welt, und von denen dünne und feine Tentakel aus weißem Licht, wie einzelne Nylonfäden, träge nach allen Seiten tasteten.
„Nein, Larry läßt du in Ruhe, der gehört mir. Und auch alle anderen, die ich brauche. Jeden anderen kannst du haben, das verspreche ich.“ sprach Tom zu der Lichtkugel wie zu einem verständigen Lebewesen, und Larry konnte absolut nicht ausschließen, daß die Kugel so etwas war, ein unbegreifliches Wesen aus anderen Dimensionen oder von einer fremden Welt. Was würde wohl General Wade vom Geheimdienst zu dieser neusten Narretei sagen, sobald er davon erfuhr?
„Was ist das, Sir?“ fragte er.
„Ein Geschenk der Benu, und ihr Name ist Gerechtigkeit. Bald werden wir gemeinsam auf die Jagd gehen.“ antwortete Tom. Und das Lächeln, das er dabei zeigte, hätte bei Larrys früherem Arbeitgeber von der Yakuza bedeutet, daß er bald einen Haufen blutige Kleidung verbrennen und vielleicht die eine oder andere Leiche entsorgen mußte, bei jemandem wie Tom Richards jedoch war es ein Grund, in echte Panik zu verfallen und alles, was einem etwas bedeutete, in den nächsten Atomschutzbunker zu verbringen, es war nämlich das erwartungsfreudige Grinsen einer ausgehungerten Hyäne, die plötzlich ein argloses Gazellenkitz in bequemer Reichweite vorfand. Wenn ein Tom Richards „auf die Jagd ging“, dann galt das nicht mehr unschuldigen Tieren. Diesem Art von billigem Kitzel hatte Tom längst abgeschworen, weil er ihn nie wirklich befriedigt hatte.
Und erst jetzt ließ Tom sich von seinem Butler auf die Beine helfen, nachdem sein Nicken Larry bewies, daß es sicher war, den Master zu berühren.
„Ich brauche Charly und sein Team.“ sagte Tom dann als Hinweis, daß er nicht in seine Privaträume gebracht werden wollte. Und Larry und die anderen wußten es besser, als Widerrede zu leisten. Also ging es hinunter durch das Labyrinth des alten Herrenhauses, bis vor jene schwere Metalltür mit unheilverkündenden Stickern und Aufschriften, hinter der sich das Reich von Charly und seinen Computerjockeys befand. Die versteckten Sensoren vor der Tür kündigten ihr Nahen an, und es war erst kurz nach Mitternacht, weshalb man damit rechnen konnte, daß die Truppe vermutlich bereits aus den Federn gekrochen war, als Kreaturen der Nacht und lichtscheues Gesindel, das sie waren.
« Letzte Änderung: 22. September 2016, 11:35:34 Uhr von DAOGA »

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Re: Hard Stuff
« Antwort #1 am: 4. Oktober 2016, 09:24:36 Uhr »
„Öffnet die Tore! Euer Herr und Meister bittet um Rat und Orakel bei den allmächtigen Beherrschern der Datenströme!“ forderte Tom geziert mit lauter Stimme. Larry behielt natürlich seine asiatisch-stoische Miene, aber er wußte genau, daß hinter ihnen jetzt breit gegrinst wurde.
Über die Lautsprecher, die sich ebenfalls gut getarnt in den Wänden befanden, kam zuerst Gekicher, und dann ein elektronisch verfremdetes „Parole korrekt!“, und dann schwang langsam die schwere Metalltür auf. Hinter der sich erst nochmals eine gleichartige, nur unverschmierte Tür verbarg nach Art einer Druck- und Schutzschleuse. Auch diese öffnete sich, und dann durften Tom und Larry eintreten. Alle anderen blieben draußen, weil sie wußten, daß sie in diesen geheiligten Hallen nichts verloren hatten. Und die Strafen für jeden, der unbefugt und ungebeten hier eindrang, wogen schwer, von nächtlichen Juckpulver-Attacken im Bett bis zum jähen Abgang in pfahlgespickte Fallgruben, letztere allerdings nur in wirklich begründeten Ausnahmefällen.
Der Raum, den sie betraten, war der Wunschtraum von jedem Nerd. Technisches Equipment der allerneusten und allerteuersten Sorte (ein paar Uraltgeräte, die den Hackern als unverzichtbar galten, waren allerdings auch darunter, echte Museumsstücke, jedoch voll funktionstüchtig), dazwischen Aufstellbilder von muskelbepackten Fantasyhelden und dürftig bekleideter weiblicher Gegenstücke, Actionfiguren und anderes Spielzeug überall, herumliegende Stapel von Comics und Fachzeitschriften und benutztem Geschirr, das aus dem Speisesaal stammte und nur deshalb nicht nur mit Resten Nerd-typischer Ernährung (Pizza, Chips und Sushi) verkrustet war, weil die Küche von Lyonshome Manor jedem Fünf-Sterne-Restaurant Konkurrenz machen konnte. Und irgendwo dazwischen, kaum erkennbar unter all dem Zeug, was darauf lag, auch ein paar Sitzgelegenheiten, die nicht aktuell den Hintern der residierenden Bewohner dienten.
Kein Wunder also, daß Tom Richards das Betreten dieser Räumlichkeiten normalerweise strikt vermied.
Heute allerdings hatte er einen Anlaß. Statt etwas zu sagen, öffnete er einfach seine Hand und zeigte vor, was sich darin befand.
„Cool!“ Charly Simmons war vor langer Zeit als Kind auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen. Es war Tom Richards gewesen, der ihm mit Hilfe seiner Matrix die Benutzung seiner Beine wiedergegeben hatte und zugleich sein Talent als Weltklasse-Hacker anerkannte, indem er ihn in seine Dienste nahm. Exzellent bezahlt und zugleich mit Möglichkeiten, die Charly selbst in einer weltbekannten Softwarefirma oder in Diensten des Staates niemals zur Verfügung gestanden hätten.
Allerdings war Charly inzwischen klug genug zu begreifen, daß es ratsam war, von Dingen, die Tom mitbrachte, grundsätzlich erst einmal die Finger zu lassen, bis er die offizielle Bestätigung bekam, daß Weiteres einschließlich Berühren erlaubt war. Also fixierte er das kleine Planetenmodell erst einmal nur intensiv, streckte aber seine Hand nicht danach aus.
 „Was ist das?“
„Ihr Name ist "Gerechtigkeit". Sie ist ein Todesengel für die Ungerechten, kurz gesagt. Wunderschön, semiintelligent und absolut tödlich. Ein Geschenk der Benu.“ sprach Tom Richards wie selbstverständlich.     
„Aha, deshalb der Kurzschluß auf dem Dach. Das wird wohl einiges an Reparaturen kosten, oder?“
Halte deine Hardware in Ordnung, sonst kannst du deine Software sowieso vergessen, lautete einer von Charlys Wahlsprüchen. Und als Dauerbewohner von Lyonshome Manor hielt er sich für hartgesotten genug, um sich nicht so schnell beeindrucken zu lassen, von was auch immer. 
„Sie ist dafür geschaffen, Furcht und Terror unter den Bösewichten zu verbreiten. Aber Furcht und Terror verbreiten sich heutzutage über Internet am schnellsten, und deshalb brauche ich Schnittstellen. Eine eigene Homepage mit ständigen Updates, Location selbst für Top-Experten nicht aufspürbar, aber abrufbar für jeden, der sie finden will, selbst wenn jemand zu zensieren oder blockieren versucht, und das werden sie.“
Das „Kriegt ihr das hin?“ verkniff sich Tom, selbstverständlich bekamen sie das hin.
„Wer sind „sie“?“ fragte Charly. Ganz geschäftsmäßig, schließlich mußte er wissen, gegen welche Feinde er die Homepage eichen mußte.
„So ziemlich jeder. Regierungen, Politiker mit Sympathie für Bösewichte, Gutmenschen, viele Kirchen sowieso, sogar Gruppen, die normalerweise Kinderpornos und Snuff-Filme tolerieren. Aber Du darfst automatische Weiterleitungen einbauen an jeden, der gruslige Bilder liebt, egal von welchem Standort aus. Mit Kindersicherungen bitte, Adults only, volles X-Rating. Was „Gerechtigkeit“ produzieren wird, wenn ich mit ihr fertig bin, wird kein schöner Anblick sein, verstanden?“
„Irgend jemand besonderes?“ fragte Charly, der bereits über das ganze Gesicht grinste, ein ähnliches zahniges Grinsen wie Tom vorher.
„Zuerst die Schwergewichte. General Wade wird mir vermutlich sehr gern eine Liste überlassen, wenn ich ihn um die Jagdlizenz angehe. Aber jeder Bösewicht kennt mindestens einen weiteren, und „Gerechtigkeit“ ist ein autonomes Search-and-Destroy-System, sie zieht selbständig los und folgt jeder Spur. So klein wie jetzt wird sie nicht immer sein, sobald sie sich voll aktiviert, hat sie eine ziemliche Reichweite. Sie wird aber immer unter meiner vollen Kontrolle stehen, wird also immer eine moralische Kontrollinstanz besitzen. Und ihr wißt alle, welch hohe Maßstäbe ich dabei anlege.“
Sie nickten, das wußten sie. Tom war tausend Jahre alt und wußte vermutlich besser als jeder andere, was Vergebung bedeutete, und der auch einem früheren Bösewicht die Chance auf Rehabilitation gewährte, wenn die Reue echt war und von Herzen kam. Larry Kiromoto war nur ein Beispiel für einen reformierten ehemaligen skrupellosen Killer im Haus. Aber sie wußten auch, daß Tom es als Arzt gewohnt war, gefährliche Tumore aus den Körpern seiner Patienten zu schneiden, und hier hieß der Patient „Menschheit“, und das neue, blitzende, scharfe Skalpell in seiner Hand, das sie soeben bewundern durften, war sicher nicht ohne Grund getauft auf den Namen „Gerechtigkeit“.
„Was wird die Seite beinhalten?“
„Eine Aufrechnung. Auf der einen Seite eine Liste unschuldiger Opfer. Aller Seiten, nicht nur der unsrigen. Aber auch Kollateralschäden unter Unschuldigen gehen letztlich auf das Konto der Bösewichte, denn hätten die nicht Ärger gemacht, hätten wir nicht zurückschießen müssen. Auf der anderen Seite die Übeltäter. Zuerst ein paar als Eyecatcher, die ohne mein Zutun schon verhackstückt wurden - Saddam Hussein, Gaddafi, Bin Laden, ihr kennt ihre Namen. Abgesehen von Saddam allerdings keine, die in Gefängnissen und rechtsgültig hingerichtet wurden, der dient nur als Beispiel, was danach in der Liste zu erwarten ist. Und ein unzweideutiger Hinweis, daß ab sofort der einzig sichere Ort für Bösewichte hinter schwedischen Gardinen liegt. Unser Todesengel hier wird sehr bald dafür sorgen, daß sich diese Botschaft herumspricht.
Einfache Zahlenangaben. Für jedes unschuldige Opfer einen Schuldigen. Auge um Auge. Je mehr Opfer ihr einspeichert, um so fleißiger wird „Gerechtigkeit“ sein. Sie wird von jedem Beutestück einen Head-Shot einspeisen, dazu Fingerabdrücke - falls der Fiesling von der Polizei gesucht wurde, was bei vielen der Fall sein dürfte - und ein Stück identifizierbarer genetischer Code, den sie vor Ort aus den Überresten abliest. Volle Nachweisbarkeit also, und abrufbar für jeden, der damit was anfangen kann. Ich überlege noch, ob ich die Koordinaten jedes Kills auch einspeisen will. Das gäbe sicher die eine oder andere Überraschung für den General.“
Er lächelte. Die Federal Security Agency, also der Inlandsgeheimdienst der USA, würde zu den Dauerabonnenten dieser Homepage gehören, da Tom keineswegs vorhatte, die „homebred“ Fieslinge aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten und ebenso unbegrenzten Bosheiten auszulassen. 
„Wann willst du loslegen?“ fragte Charly.
„Wie sieht es mit den Daten zu IS und Boko Haram aus?“ fragte Tom retour. Um an diese Daten heranzukommen - Fahrzeug- und Personenbewegungen, die eindeutig diesen Gruppen zuzuordnen waren, mit Ortskoordinaten und allem, was zum Beispiel für Drohnen- oder konventionelle Luftschläge brauchbar war -, hatte sich Charlys Team in militärische Spionagesatelliten sowohl der USA, unter anderem die sogenannten „Keyhole“-Satelliten, als auch anderer Nationen einschließlich der Russen einhacken müssen, unbemerkt und unerkannt selbstverständlich, und das hatte selbst ihre Fähigkeiten auf die Probe gestellt.
„Ich dachte schon, du fragst nie danach, Boss!“ grinste Charly jetzt. „Alles bereit auf dein Kommando. Ich dachte, du willst mit der Fluggestalt oder mit Azure ´reingehen.“
„Dachte ich zuerst auch. Zumindest für den Anflug, dann Tarnung - Monsieur Jean, die verkörperte Rache von Paris oder so - und dann gute alte Handarbeit mit Katana und Matrix. Aber jetzt habe ich etwas viel besseres, was sich von hier aus steuern läßt. Das bringt den Begriff Drohneneinsatz auf ein ganz neues Level, nicht?“
Nicken reihum, die Leute ahnten, worauf Tom hinauswollte, und das bereitete ihnen jede Menge diebische Vorfreude.
„Wieviel wirst du dem General erzählen?“
„Nur daß ich auf Großwildjagd gehen will. Der Nordirak soll schön sein um diese Jahreszeit, ebenso die Region des nördlichen Nigeria. Und ich werde ihn fragen, ob er eine Ahnung hat, für welche Arten von Wild gerade keine Schonzeit herrscht, dort und anderswo auf der Welt. Vielleicht kennt er ja ein paar besonders erfolgversprechende Jagdreviere. Dann wird er, vielleicht und sehr theoretisch, ganz in Gedanken und geistesabwesend eine Liste auf den Tisch legen und sie dort vergessen, bis sie ein sehr eventuell auftretender unerwarteter Windstoß möglicherweise geradewegs in meine Tasche weht.“
Die ganze Bande grinste schon wieder, sie wußten Bescheid über das schräge Verhältnis zwischen ihrem Boss und dem Leiter des Inlandsgeheimdienstes, das hin und wieder einige Schnörkel erforderte, um die Form zu wahren. 
„Allerdings wird er später völlig vergessen haben, daß es jemals eine Liste gegeben hat. Kann ja mal vorkommen in seinem Alter, nicht? Wir werden alle nicht jünger. Wenn man ihn später befragen wird, kann er jedenfalls ziemlich wahrheitsgemäß bekräftigen, daß er von nichts eine Ahnung hat. Wenn man ihm die Pistole auf die Brust setzen sollte, kann er zwar spekulieren, und vielleicht hätte er sogar Grundlagen für eine sehr begründete Spekulation, aber niemand kann einen Geheimdienstchef dazu zwingen, Spekulationen als bewiesene Fakten zu verkaufen, nicht? Vor allem wenn es diesmal keinerlei ersichtliche Verbindung zwischen mir und dem, was geschehen wird, geben wird.“
Gekicher. Charly und seine Truppe lebten für solch einen Schwachsinn. Und Tom bot ihnen regelmäßig Schwachsinn der erwünschten Sorte, deswegen liebten sie ihn. Nicht nur wegen des Geldes, das er ihnen zahlte.
Jetzt auch noch der Gerechtigkeit ein wenig auf die Sprünge zu helfen, und das weltweit, wo man sonst dazu verdammt war, hilflos die Horrormeldungen aus der ganzen Welt zur Kenntnis zu nehmen und nichts tun zu können - ein Traum, der wahr wurde. Sie wußten alle, wenn ein Tom Richards die Sache in die Hand nahm, wurde es richtig gemacht und kein unvollendetes Stückwerk, das am Ende nur noch mehr Probleme bereitete, wofür die amerikanische Regierung bekannt und berüchtigt war.

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Re: Hard Stuff
« Antwort #2 am: 10. Oktober 2016, 10:19:12 Uhr »
„Bis wann soll die Seite fertig sein?“ Die Informationen, um die Tom ersucht hatte, waren mit ein paar Knopfdrücken zu erlangen, und für eine neue Homepage gab es jede Menge Tools, mit denen die Arbeit in einer halben Stunde erledigt war. Kleinigkeit für die geübten Hacker.
„Ich dachte, wir stellen sie erst ins Netz, sobald „Gerechtigkeit“ ein paarmal tätig geworden ist. Kann nicht schaden, wenn die Seite zumindest für den Anfang als das Werk eines Fanboys gilt, also nicht übertrieben aufgemotzt, nur simple Basics. Fakten hier und Fakten da, ergänzt um ein paar rotzfreche Schlagzeilen, die den Lesern entgegenschreien. Um so größer wird die Überraschung, wenn die Leute merken, daß zukünftige Updates bei den Kills in Realzeit erfolgen.“
„Das wird ein Renner, Boss!“ johlte Charly. Er konnte seine Begeisterung kaum im Zaum halten. Am liebsten wäre er selbst losgezogen, um ein paar Fieslinge plattzumachen, aber er wußte, daß er hier an seinem Arbeitsplatz seinem Brötchengeber am besten helfen konnte - und daß dieser ihn aus den Ereignissen nicht draußenhalten würde. Besser als einen Bösewicht selbst kalt zu machen, war nur, mit Popcorn im Mund live dabei zuzusehen, wie ein anderer - oder eine andere - es dem Typen besorgte. 
„Was willst du ihr alles verpassen?“ fragte er jetzt neugierig, auf „Gerechtigkeit“ in Toms Hand deutend. Sobald es um die sogenannten „Schlüssel“ ging, mit Hilfe von Matrixenergie erzeugte Programme, die alle Arten von Funktionen übernahmen, sobald sie aktiviert wurden, saß er Tom regelmäßig auf der Pelle. Charly war leider nicht matrixaffin, was hieß, ihm fehlte leider das Talent, eine Matrix oberhalb von Level Eins zu benutzen, und für die Erstellung von Schlüsseln brauchte man mindestens das Talent und die Ausbildung für eine Matrix dritter Stufe.
„Auf alles, was die Jagd selbst betrifft, ist sie schon voreingestellt, einschließlich der Schnittstelle mit ihrem User. Was ich brauche ist die Verbindung zu der Homepage.“ Das war die Aufgabe von Charlys Truppe, eine solche Verbindung bereitzustellen in einer Form, die Tom in einen Matrixschlüssel umwandeln konnte, der mit „Gerechtigkeit“ kompatibel war.
„Außerdem ein extra Kontrollprogramm zur Sicherheit, sie darf sich nicht von sich aus und ohne meine Kontrolle aktivieren. Trau schau wem, auch bei Benu-Produkten. Vielleicht ein Morph-Zusatz, wenn sie nicht die Formen annehmen kann, die ich mir wünsche. Das hier wird öffentlich, Leute, da will ich gut aussehen.“ Geziert strich er sich über die Haare und wackelte mit den Hüften, was wieder Gekicher hervorrief. Sie wußten alle, daß er nicht schwul war, aber verdammt, konnte er sich tuntig geben, wenn er gut drauf war!   
„Dazu möchte ich eine zweite Verbindung, die nicht zu der Homepage geht, sondern zu einem gut gesicherten Speicher, der jeden Schnipsel an Information aufnimmt, den sie irgendwo aufpickt. Sogar in den Kloaken in den Köpfen der Bösewichte könnte das eine oder andere Goldnugget versteckt sein. Daten von fetten Bankkonten in Steueroasen beispielsweise, deren Inhalt der Besitzer selber nie mehr brauchen wird. Vielleicht beglücken wir Waisenheime damit, oder die Hinterbliebenen ihrer früheren Opfer. Ich möchte wetten, daß jede Menge Blutgeld zum Vorschein kommt, und Zeug, das den General interessieren könnte. Außerdem muß ich testen, ob sie eine Teleporter-Funktion hat, das macht es einfacher, sie zu bewegen.“
Ohne Teleporter, der „Gerechtigkeit“ von einem Einsatzort zum anderen, von einem Kontinent zum anderen bewegte, mußte entweder Azure als Transportmittel tätig werden oder Tom mit seiner Fünfermatrix einen Mini-Wurmloch-Teleporter erschaffen, was eine extrem komplizierte und diffizile Arbeit war.
„Und natürlich braucht sie die Zusatzprogramme für das Abkonterfeien der Bastarde, ihre Fingerabdrücke und einen Schlüssel für die Erstellung einer Gensequenz für genetische Abgleiche, falls sie schon mal Spuren an Tatorten hinterlassen haben. All das in gutem Polizeistandard, für einfach zu handhabende Abgleiche.“
Noch ein Job für Charly & Co., der leicht und schnell zu erledigen war, die Mustervorlagen waren ohne Schwierigkeit zu bekommen.     
„Wie findet sie ihre Fährten?“
„Sie ist telepathisch. Sucht sich das nötige Wissen direkt aus den Hirnen der Leute, mit denen sie in Kontakt kommt, sie sucht einfach alles in ihrer Reichweite ab, ohne Unterschiede. Wer als unschuldig und harmlos eingestuft wird, hat von ihr nichts zu befürchten. Aber wehe allen, die die Kriterien als Jagdbeute erfüllen. Böse Jungs kennen und erkennen ihresgleichen, und sobald sie den ersten erwischt hat, wird dessen Wissen sie weiterleiten zum nächsten und übernächsten. Die Liste von Wade wird auch ein wenig helfen. Ich möchte daran erinnern, daß sie nicht heimlich eingesetzt werden wird. Die bösen Jungs sollen bei ihrer puren Erwähnung das große Nervenflattern bekommen, und wenn wir den einen oder anderen auf der Kippe davon abhalten können, überhaupt zu einem bösen Jungen zu werden, ist es den Aufwand schon wert. - Ab sofort sind übrigens alle Mitteilungen über Terroranschläge, Geiselnahmen und andere menschengemachte Großereignisse der unerfreulichen Art unmittelbar an mich weiterzuleiten, zusammen mit Ortskoordinaten. Ich brenne darauf, sie möglichst bald zu testen.“
„Warum ist es eigentlich eine sie?“
„Sie hat es mir gesagt, bei unserem ersten Kontakt.“ lächelte Tom. „Und wer wäre besser geeignet als Engel des Todes als eine Frau?“
Tom konnte gut mit Frauen, er schätzte die Reize des weiblichen Geschlechts, auch wenn er im Moment Single war. In seinem Alter strampelte er sich nicht mehr ab, um die Damen zu beeindrucken, aber er nahm gerne mit, was sich von selber blicken ließ und willig war.
Also bastelten und planten Tom und seine begeisterten Helfer, und es dauerte gar nicht lange, bis alles bereit war und ein geeigneter Notruf einging.
„Geiselnahme in Genf, in einem Hotel, in dem mehrere hohe Tiere wegen einer Konferenz einquartiert sind. Es sind Schüsse gefallen, vermutlich gibt es Tote, die vermummten Attentäter haben sich mit ihren Geiseln verschanzt. Mutmaßlich islamistischer Hintergrund, aber noch nicht bestätigt.“
Tom, der sich gerade im Speisesaal eine Mahlzeit munden ließ, wartete noch exakt so lange, bis über den hausinternen Rundruf die genaue Ortsangabe folgte, und war dann plötzlich verschwunden, so schnell wie ein Blitz. Selbstverständlich wußte er, wie er an den Tatort kam, Azure teleportierte die Distanz bis Genf in einem Augenzwinkern, und dann mußte er nur noch lauschen, von wo das Geheul der Sirenen ertönte. Noch hoch in der Luft nahm er wieder seine menschliche Gestalt an und entließ „Gerechtigkeit“, die er bis dahin wie einen gewöhnlichen Schlüssel in seine Körperaura gebunden hatte. Mit einem aufmunternden telepathischen Impuls schickte er sie dorthin, wo ihre Beute wartete, völlig ahnungslos ob des Schicksals, das den Terroristen bald blühte.
Lange bevor sein haltlos stürzender menschlicher Körper auf der Erde aufschlagen konnte, verwandelte er sich wieder zurück, so daß mächtige Flügel die Luft einfingen und ihn zurück in die Höhe schleuderten, und einen Sekundenbruchteil später war er wieder über der obersten Terrasse von Lyonshome Manor, von wo der Weg zu seiner privaten Zimmerflucht nicht weit war.
Dort hängte er das „Stören verboten, außer die Welt geht unter“-Schild mit dem warnenden Totenschädel an die Tür seines Schlafzimmers (er hatte noch andere mit anderen Aufschriften im Schilderkasten, dieses hier war das mit der höchsten Warnstufe), machte es sich auf seinem übergroßen Bett bequem, aktivierte seine Matrix, die sofort die Verbindung mit „Gerechtigkeit“ herstellte und ein schützendes Stasisfeld für seinen Körper für die Dauer der Jagd, und schloß die Augen. Und --
 
Hing über dem Hotel, das von Einsatzkräften umstellt war.


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Re: Hard Stuff
« Antwort #3 am: 16. Dezember 2016, 10:27:42 Uhr »
Im Moment nahmen sie ihn nicht wahr, selbst wenn sie nach oben blickten, weil „Gerechtigkeit“ im Moment noch ziemlich klein war, nicht mehr als eine in der Luft schwebende leuchtende Murmel, ihre Idealgestalt für Bewegung über größere Entfernungen. Erst im Jagdrevier angekommen, entfaltete sie sich. Völlig unbemerkt im hellen Tageslicht, das ihren eigenen Lichtschein minimierte, ließ sie sich auf das Dach des Gebäudes nieder, fand ein Dachfenster, das sie einfach durchdrang, ohne einen Schaden daran zu verursachen, und suchte sich ihren Weg zum ersten Beutestück. Dabei bewegte sie sich oben an der Decke entlang und blieb so unbemerkt von einigen Personen, die sie passierte, verschreckte Gäste und Hausbedienstete, die sich in jedem erstbesten Versteck vor den Terroristen zu verstecken versuchten. Vielleicht befand sich auch unter ihnen der eine oder andere, der Leichen im metaphorischen Keller hatte, aber „Gerechtigkeit“ strebte eilig weiter, weil ihr der Sinn nach Besserem stand.
Sie gierte nach ihrer ersten großen Trophäe, mit der sie protzen konnte, und war obendrein so hungrig wie ein [host:einheimisches Raubtier, als fressgierig verrufen]Wolf, weil sie seit ihrer Geburt [in jenem aus reinem Licht bestehenden Mutterleib, in dem sie herangewachsen war, und auch danach, während der Reise zu diesem winzigen, abgelegenen und unwichtigen Jagdrevier/Planeten] keinerlei Nahrung erhalten hatte.
Ihr lief schon [host:Sprichwort] das metaphorische Wasser im Mund zusammen. Beziehungsweise in vielen Mündern, denn ihre erste Beute würde sie selbstverständlich besonders intensiv und mit allen Sinnen auskosten. Mit hoher Geschwindigkeit schoß sie unmittelbar unter der Decke des Flures entlang, und falls jemand sie überhaupt wahrnahm, hielt er sie vermutlich für eine Augentäuschung, ein kurzes, sofort wieder verschwundenes Aufblitzen wie bei einer Sehstörung.
Sie passierte einen Toten - Schußwunden im Rücken, registrierte Tom - , dann einen zweiten. Dieser hier in der Livree des Hauses, ein Angestellter, der nie mehr nach der Arbeit nach Hause zurückkehren würde. Der hat vermutlich auch nicht geahnt, daß er hier und heute sterben würde, seinen täglichen ehrlichen Broterwerb mit dem eigenen Leben bezahlen, dachte Richards ergrimmt, bei weitem nicht zum ersten Mal beim Anblick eines Unschuldigen, der sterben mußte. Aber heute würde die Rache auf dem Fuße folgen, denn jetzt war er schon angefixt und scharf darauf, den Übeltäter in die Finger zu bekommen. „Gerechtigkeit“ lauschte seinen Empfindungen, hielt sich aber mit Kommentaren zurück, sie spürte instinktiv, daß sie hier gar nicht weiter bohren mußte.
Sie erreichte die Stelle, wo sich die Lifts und dahinter das Treppenhaus des Hotels befanden, und hier:
Beute!
Ein Mann, schwarz gekleidet, schwarze Hose, ein dicker Parka, der verriet, daß sich darunter potentiell ein Sprenggürtel befand, Balaklava über dem Kopf und eine Uzi in den Händen. Ein Wächter, der aufpaßte, daß niemand dem Lift und den Treppen nahe oder über sie in dieses Stockwerk gelangte, bereit, jeden niederzu-schießen, der sich vielleicht aus den Zimmern auf diesem Gang heraustraute.
„Gerechtigkeit“ konnte sich nicht beherrschen. Schneller als der Mann sie überhaupt bemerken konnte, schoß sie auf ihn zu und faltete sich erst auf den letzten zwei Metern aus der Bewegung heraus auseinander. Schlagartig schnellten die mehrere Meter langen Fangarme - wie weißleuchtende Nylonfäden, dünner als menschliche Haare und doch stärker als Stahlseile - von allen Seiten auf den Mann zu und drangen in seinen Körper ein, während der Rest von „Gerechtigkeit“ sich noch zu ihrer spinnwebartigen aktiven Gestalt aufplusterte. Und dann --

Pure Ekstase. 
Jähe Angst, die zu einer Fingerkrümmung um einen Abzug führte, doch die Geschosse fuhren wirkungslos in eine Wand, bevor Tom zumindest diesen Teil des Körpers lähmte, denn „Gerechtigkeit“ hatte bereits über einen ihrer vielen Tentakel die Kontrolle über seine Bewegungsfähigkeit übernommen.
Der Terrorist begriff nicht, was dieses leuchtende weiße Gespinst direkt vor seiner Nase und rings um ihn herum zu bedeuten hatte und warum er seine Hand, seinen ganzen Körper auf einmal nicht mehr bewegen konnte, bis „Gerechtigkeit“ es ihm genußvoll zeigte, indem einer ihrer kürzerer Ausleger, der direkt vor den Augen des Mannes hing, sich auf einmal zu einem winzigen, aber furchterregend lebendigen, weil nach seiner Nasenspitze schnappenden [host:Vorlage]Drachenkopf verwandelte. Das Schmerz, den die winzigen Zähnchen verursachten, war jedoch nichts im Vergleich zu dem, was gleich folgen würde, „Gerechtigkeit“ schleckte erst mal genüßlich an ihrer Beute, bevor sie wirklich ihre Zähne hineinschlug, gönnte sich den wohligen Schauer der winzigen Verzögerung. Und damit klar war, worum es hier ging, spielte sie gleichzeitig über den Sensor, der im Erinnerungszentrum des Mannes steckte, die Szene ab, wie er kurz vorher die im Gang liegenden Personen niedergestreckt hatte - kaltblütig, ohne Mitgefühl, sogar mit ein wenig Triumph und Überlegenheitsgefühl, weil es sich ja nur um „Ungläubige“, wahrscheinlich reiche Menschen und somit Feinde handelte.
„Wo ist deine Überlegenheit jetzt?“ fragte „Gerechtigkeit“ hämisch per Telepathie und wußte, daß ihr Opfer sie verstand. Seine Augen weiteten sich vor Erstaunen unter der Vermummung, und dann zwickte er sie im Reflex und vor Schmerz zu, weil der Tentakel an seiner Nase diese kurzerhand abriß, Haut und Knorpel mit einem einzigen jähen, mächtigen Biß vom Körper abtrennte.
„Gerechtigkeit“ trank seinen lodernd aufflammenden Schmerz mit Genuß, während er verzweifelt zu schreien versuchte, aber nicht konnte, weil er gelähmt war. Aber es war nur ein Schmerz, wenn auch ein großer, und sie hatte viele Tentakel, viele Münder, um zu trinken, und sehr großen Hunger. Die Hand, die an der Waffe abgedrückt hatte, war als nächste dran, ein Biß zum Festheften, und dann brach ein Fingerknochen nach dem anderen, platzte die Haut auf, wurde abgefetzt, zusammen mit dem darunterliegenden Fleisch, und floß das Blut, bis ein kurzer Hitzeimpuls, der Haut schmelzen ließ und Fleisch versengte, die Wunden versiegelte, denn zu schnell sollte das Opfer noch nicht sterben.
Schnell griff Tom ein, verdammt, er hatte ganz vergessen, das Opfer erst zu identifizieren. Entferne die Vermummung, befahl er der außerirdischen Waffe, selbst ohne Nase war der Typ vermutlich noch zu identifizieren, und der immaterielle ID-Schlüsselcode, den er vorprogrammiert hatte, begann das freigelegte Gesicht samt Iris der Augen aus allen Richtungen und die Fingerabdrücke zu scannen, solange noch genug vorhanden war, um es zu scannen. Genetisches Material für diesen Abgleich gab es jetzt bereits genug aus Angstschweiß, Blut und Hautfetzen, und Tom sah die ebenso einprogrammierten immateriellen Leuchtbalken, die ihm anzeigten, sobald alle Daten in ausreichender Menge gesichert worden waren.
„Gerechtigkeit“ ließ sich von diesen für sie belanglosen externen Tätigkeiten nicht stören, sie machte weiter. Grub mit Begeisterung in den Erinnerungen des Mannes, während sie seinen Körper Stück um Stück und unter größtmöglicher Schmerzentwicklung zerstörte, zog alles heraus, was für zukünftige Jagdzüge oder auch einfach für das zusätzliche Ängstigen dieser Beute - Bedrohung geliebter und geschätzter Menschen, seine Freunde, seine Kollegen in Sachen Terror, eine ehemalige Freundin?, und, ganz definitiv! - die Männer, die zu diesem Anschlag ermutigt und aufgerufen hatten [host:Vorfreude - Versprechen: Die sind als nächste dran!]- geeignet war.
Und mit reiner Häme zeigte sie ihrem Opfer, was sie gefunden hatte und wie sie es - vielleicht! - zu nutzen gedachte, setzte ihm Bilder ins Hirn, wie seine Verwandte und Freunde genüßlich von ihr in Stücke gerissen wurden, und trank begeistert das Grauen, das ihr Opfer dadurch erlebte. Ein Festmahl für sie, das noch einen Gang gesteigert wurde, als sie ihm haarklein ausmalte, wie sie erst mit denjenigen, die zum Dschihad gegen die Ungläubigen aufgerufen und jedes Mittel erlaubt hatten, umspringen würde... und er, das Opfer, hatte ihr alles in die Hände gegeben, was sie brauchte, um diese neuen Opfer aufzuspüren, er selbst war der Verräter an seinen Kameraden und seinen Herren...
Wenn Tom in seinem Stasisfeld in Lyonshome Manor sich hätte bewegen können, hätte er jetzt vergnügt gegrinst, als er das Begreifen und den Terror in den Augen und Gedanken des Attentäters lesen konnte. Nibelungentreue zur eigenen Blase zählte viel in den islamistischen Terrorzellen samt tief verwurzeltem Haß gegen alle „Verräter“. Etwas schlimmeres als das hätte „Gerechtigkeit“ ihrem ersten Opfer gar nicht antun können.
Und damit war der Höhepunkt auch schon erreicht, denn eine weitere Steigerung des psychischen Horrors und des körperlichen Schmerzes auf Seiten des Opfers ließ sich nicht mehr erreichen, nachdem sie schon dabei angekommen war, ihm die Innereien einzeln aus dem Leib zu pflücken, weil das Knochenbrechen vorher seinen Reiz bereits verloren hatte. Inzwischen gehörte Mühe dazu, den Terroristen noch bei Bewußtsein zu halten, weil jeder einzelne Schmerzimpuls ihn inzwischen unter normalen Umständen in eine gnädige ewigwährende Ohnmacht geschickt hätte. 

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Re: Hard Stuff
« Antwort #4 am: 20. Dezember 2016, 18:27:30 Uhr »
... und wieder ein Anschlag.  >:( Die Welt wird einfach nicht besser.  [wallbash]


„Gerechtigkeit“ war zufrieden, denn sie hatte gut gespeist, und das hier war nur das erste Beutestück, weitere fanden sich gar nicht weit von hier, ihre Tafel war reich gedeckt. Noch etwas war zu tun, was ihr Hüter und Lehrer [host: Klon/Avatar von Siwa Hendricks, zur Zeit genannt Thomas Adalmar Richards der Dritte] ihr aufgetragen hatte: aus Umgebungsmaterial - Kunststoff und anderem Material des Bodens - erschuf sie einen dünnen, schlanken Pfahl per Veränderung der Molekülstruktur der Materie, etwa eineinhalb Meter hoch. Sie zeigte ihn ihrem Beutestück, das vor Erschöpfung und Schmerz schon gar nicht mehr reagieren, jedoch auch nicht sterben konnte, denn das ließ sie - noch - nicht zu. Eine flirrend schnelle Bewegung eines verfestigten Tentakels trennte den Kopf vom Körper, und dann löste sich der Körper in einer kurz aufflammenden Aschenwolke auseinanderstrebender Moleküle auf, ohne die Sprengsätze in der Weste zu zünden und in direkter Sichtlinie des verbleibenden Kopfes, und erst dann, in Erkenntnis des eigenen Todes, erlaubte sie dem Sünder, zu sterben und, da bereits lebendig durchs Fegefeuer absoluten Leides gegangen, als „gereinigte“ Seele die Reise in sein Jenseits anzutreten.
Den Kopf spießte sie, wie befohlen, auf den Pfahl, und diesmal war ihr der Sinn dieser Handlung begreifbar und wohlgefällig, diente er doch als Warnung an alle, einen Lebensweg, der an einer vergleichbaren Stelle enden mochte, lieber von vorneherein zu vermeiden.   
Und dann zog sie ihre Ausleger wieder an sich und schwebte als weißleuchtende Murmel weiter, benutzte das Treppenhaus, um die tiefer liegenden Stockwerke zu erreichen. Sie hätte auch den Lift in Bewegung setzen können, wollte jedoch lieber den Überraschungseffekt nutzen und genießen, wenn sie jäh und ohne jede Vorankündigung über ihre nächste Beute herfiel. Es mochte weitere Wächter in den weiteren Stockwerken geben - mit absoluter Sicherheit gab es die, dachte Tom, ein Killer pro Stockwerk, der darauf achtete, daß die in den Zimmern verbliebenen Hotelgäste und Angestellte auch dort blieben und niemand den Terroristen ins Handwerk pfuschte - aber er wollte, daß sie sich sofort um die Anführer der Geiselnahme kümmerte.
Sein Eifer, seine Gier, sich nicht lange mit Handlangern abzugeben, sondern sofort ins Herz des Bösen vorzustoßen, vermischte sich mit der von „Gerechtigkeit“. Sollten die örtlichen Behörden ruhig ein paar Geiselnehmer als Dessert und Belohnung abbekommen, solange sie die Hauptmahlzeit für sich beanspruchen konnte, denn Festmähler gab es auf diesem Planeten für sie reichlich, das hatte sie den Erinnerungen ihres Hüters entnehmen können.
Abermals zuerst unbemerkt drang sie ein paar Stockwerke tiefer aus dem Treppenhaus in den Flur vor, ignorierte den hier stehenden Wächter erst einmal - denn [Zitat:host:] aufgeschoben war nicht aufgehoben - , genauso wie die Leichen am Boden und das Blut.
Abermals unbemerkt, denn der Wächter achtete auf menschliche Angreifer oder Flüchtige, nicht irgendetwas aufblitzendes oben unter der Decke, was er einer Augentäuschung oder einem verirrten Insekt zuschrieb - flitzte sie in die Lobby, wo die Angreifer ihre eigenen Beutestücke, nämlich Angestellte des Hauses und etliche Gäste, darunter die Vertreter der Wirtschaft, die tatsächlichen Ziele des Terrorkommandos, gefangen hielten. Weitere Leichen lagen hier, abseits der ebenfalls am Boden liegenden Geiseln, zumindest einige davon Bodyguards der erwähnten Wirtschaftsbosse, die für den Schutz ihrer Arbeitgeber mit dem Leben bezahlt hatten, andere Menschen hatten vermutlich versucht, sich zu wehren oder zu fliehen oder liefen in Panik den Angreifern in die Schußlinie.
Schwer Verwundete gab es offenbar nicht, vermutlich hatte man sie sofort erschossen, damit sie mit ihrem Gestöhne nicht störten.
Doch egal wie, wann und warum, indem man sie ermordet hatte, hatten ihre Mörder ihr eigenes Todesurteil unterschrieben. Zweifellos hatten sie ihre Forderungen an die Polizisten dort draußen vor dem Haus gestellt, zweifellos waren sie bereit, ihre Geiseln zu töten und ihre Sprengsätze zu zünden, zweifellos waren sie bereit, ihre eigenen Leben zu opfern, um ihre Ziele zu erreichen, nämlich Angst im gesamten dekadenten Westen zu verbreiten und seine absolute Unterwerfung unter ihre vorgeschobene Religion beziehungsweise die reale Gier nach Macht und Dominanz, die dahinter stand...

... aber nichts von dem, was sie im Rahmen ihres Anschlags vorhergesehen oder vorbereitet hatten, konnte sie auf das vorbereiten, was jetzt geschah.
 
Tom und die Waffe kommunizierten miteinander, welchen Gegner sie als erstes aufs Korn nehmen sollten, und dann hätte Tom auf seinem Bett abermals breit gegrinst, wenn er gekonnt hätte, weil sie beide gleichzeitig auf die gleiche Idee kamen: warum einen nach dem anderen, wenn man alle gleichzeitig auf einen Schlag erwischen und sie dann reihum bearbeiten und gegeneinander ausspielen konnte? Das machte bestimmt Spaß! 
„Gerechtigkeit“ zögerte keine Sekunde. Noch unter der Raumdecke hängend, entfaltete sie sich schlagartig, ihre Fangarme in alle Richtungen ausdehnend.
Köpfe fuhren herum, Augen weiteten sich ungläubig, als sich da mit einem Mal etwas, was aussah wie ein viel zu groß geratenes Spinngewebe aus wie in hellem Sonnenlicht leuchtenden, feinen Fäden, unter der Decke ausstreckte und meterlange einzelne Fäden dieses Gewebes mit trägen Bewegungen, als würde sie eine leichte Luftbrise streicheln und tragen, langsam bis zum Boden herunterschlängelten.
Die Attentäter fragten sich vermutlich sofort, welche bizarre einheimische Spinne dieses Gewebe geschaffen hatte, und wo sich das dazugehörige Krabbeltier befand, das ziemlich groß sein mußte. Um irgendeinen Trick der Polizei draußen konnte es sich nicht handeln, weil es eindeutig zu organisch aussah. Und von Spinnen als neuen Polizeihunden hatte hier noch niemand gehört. Allerdings hatte dieses Netzgespinst unter der Decke keinen sichtbaren Mittelpunkt, in dem sich eine Spinne vermutlich aufgehalten hätte. Vielleicht war das Tier längst anderswo, und ihr bisher unsichtbar da oben klebendes Netz hatte sich einfach gerade losgerissen, nachdem es anscheinend einige Zeit den Reinigungskräften des Hauses entgangen war?
Jedenfalls zeigten im Moment viele Waffenläufe auf dieses seltsame Phänomen - und es nützte den Trägern dieser Waffen nicht das geringste.

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Re: Hard Stuff
« Antwort #5 am: 30. Januar 2017, 18:32:32 Uhr »
Denn sobald „Gerechtigkeit“ und Tom sich gemeinsam und ausreichend an der Verblüffung der Terroristen geweidet hatten, sprang erstere in Aktion, indem sie sich einfach fallen ließ und zugleich ihre Fangarme mit blitzschnellen Bewegungen in die Terroristen jagte. Mehrere in jeden einzelnen davon, egal wie weit weg er stand, denn sie konnte ihre Ausläufer wirklich weit dehnen, wenn sie wollte, und sie besaß genug Fangarme.
Sobald die Spitzen der Fangarme in den für die Motorik zuständigen Hirnteilen der Terroristen ankamen, sorgten sie für eine Sofortlähmung, genauso wie bei ihrem ersten Beutestück. Für „Gerechtigkeit“ war das nicht wichtig, sie liebte es im Gegenteil sehr, wenn ihre Beute hilflos zappelte, aber Tom wollte natürlich vermeiden, daß noch Waffen abgedrückt oder Bombengürtel gezündet werden konnten, wenn mit Schäden bei Geiseln oder an Besitztümern zu rechnen war. Ein anderes Mal, tröstete er, und sie fügte sich. Fürs erste.
Denn jetzt genoß sie erst einmal. Die Ungläubigkeit, die beginnenden Schmerzen, die Panik, die sich in den Hirnen ihrer Opfer ausbreitete, als sie bemerkten, daß sie bewegungsunfähig waren, völlig hilflos und unfähig zur Gegenwehr gegen dieses unheimliche Gespinst, das seine Ausläufer in ihre Körper versenkt hatte, und das ihren Verstand mit Horrorbildern einer vorher stattgefundenen Folter samt Hinrichtung überflutete und zugleich jede Erinnerung, die dabei freigesetzt wurde, sofort aufnahm und manipulierte in der Hoffnung, daraus weiteren Terror bei ihren Beutestücken hervorzurufen.
Und ständig zog sie die hier gar nicht metaphorischen Daumenschrauben an, ließ ihre Opfer am gegenseitigen Leiden teilhaben, stachelte und quälte und pflanzte furchterregende Phantasien in ihre Hirne - und genoß und schnabulierte jedes Quentchen Leid, das sie dafür zurückbekam.
Tom überwachte nur in den ersten paar Minuten, danach kapselte er sich ab. Denn die von Schmerz, Panik und Terror freigesetzten Informationen kamen ihm nach einem ersten einleitenden Getröpfel plötzlich wie ein Dammbruch entgegen, und er hatte alle mentalen Hände voll zu tun, die Daten zu sichten, nach Brauchbarkeit zu sortieren und hin und wieder Rückfragen zu stellen, solange noch genug Leben in den Terroristen steckte, um eine Rückfrage zu ermöglichen, da konnte er Störungen in Form fremder Gefühle nicht brauchen.
Und zugleich, er gab es zu, hatte er Angst um das bißchen Menschlichkeit, das ihm nach einer ungewollten Entstehung als Klon vor tausend Jahren und einem Leben voll Kämpfe, Leiden und pragmatischer Kompromisse geblieben war.
Er stimmte dem zu, was die Waffe tat, weil er wußte, daß es getan werden mußte, und auch der Art, wie es geschah - weil die Benu ihm dieses Geschenk gar nicht erst geschickt hätten, wenn sie nicht gewollt hätten, daß er es zu passender Zeit einsetzte. Aber das hieß nicht, daß er selbst daran Gefallen finden und sich am Leid der Schuldigen so ergötzen mußte, wie „Gerechtigkeit“ es gerade tat.
Deswegen betrieben sie Arbeitsteilung, sie folterte, und er schöpfte die Informationen. Und hoffte, daß dieses drastische Spekakel möglichst wenig Wiederholungen erleben mußte, bevor die Bösewichte dieser Welt sich bekehrten - eine fromme Hoffnung, der er leider von vorneherein wenig Chancen einräumen konnte.
Inzwischen hatte längst das Schreien angefangen, gemischt mit ekelerregenden Geräuschen, wenn Knochen brachen oder Haut aufgefetzt wurde, und dem Gestank nach frischem Blut und Üblerem, wenn Blasen und Gedärme sich im Todeskampf entleerten.
Die Geiseln, die von den Terroristen gezwungen worden waren, sich in diesem Raum auf dem Boden auszustrecken, die Gesichter nach unten, hatten längst gemerkt, daß hier etwas bei den Geiselnehmern vorging, was wohl nicht in der Planung enthalten gewesen war. Einer von ihnen wagte es jetzt, kurz den Kopf zu wenden und hinzusehen - und dann blickte er sehr eilig wieder in die andere Richtung und hörte man sein leises Würgen.
„Schaut nicht hin.“ flüsterte er dann auf englisch in Richtung der anderen Geiseln, fast übertönt vom qualvollen Gekreische. „Um Gottes willen, schaut nicht hin! Das ist grauenvoll! Bleibt ganz still liegen, macht die Augen zu und schaut nicht hin!“
Vermutlich hatte er - und nicht ganz zu Unrecht - Angst, daß dieses mysteriöse silbrige, spinnwebfeine Gewebe, das soeben die Terroristen stückchenweise massakrierte, auch auf sie aufmerksam werden könnte, sobald sie sich bewegten.
Aber „Gerechtigkeit“ waren die Geiseln im Moment pottegal. Vielleicht befanden sich auch unter ihnen das eine oder andere schwarze Schaf, das ihrer Aufmerksamkeit würdig war - egal. Dafür war an einem anderen Tag noch Zeit genug. Sie schwelgte in ihrer momentanen Beute, und Tom führte ihr ein weiteres Exemplar zu, als er sie auf die Handys hinwies, mit denen die Gruppe kommunizierte.
Sich in das Kommunikationsnetzwerk einzuschalten und die Geräte der nicht Anwesenden der Gruppe anzuwählen war eine Kleinigkeit für die semiintelligente außerirdische Waffe, und schon übermittelten die Handys gellende Schmerzensschreie an die Spießgesellen im Haus. Prompt stürzte ein paar Minuten später ein weiterer Vermummter in den Raum, Waffe schußbereit gegen jeden Feind, und stoppte irritiert, als er außer ein paar leuchtenden dünnen Fädchen, die sich kreuz und quer durch den Raum spannten, nichts verdächtiges bemerken konnte.
Alles was er sah, waren seine Genossen, die zuckend und blutend und kreischend vor Schmerz aufrecht dastanden und alle miteinander aussahen, als würden sie soeben ein Duell mit einem unsichtbaren Mähdrescher oder einer Kettensäge ausfechten, weil das Blut spritzte und Haut platzte, riß und schmorte, ohne daß man eine Ursache sehen konnte. -
Und dann zuckten auch auf diesen Mann mehrere lange, dünne Fädchen zu und fügten dem Dinner einen weiteren Gang hinzu.
Viel schneller als gedacht und doch nach einer halben Ewigkeit, wenn es nach Tom Richards ging, der vor lauter Arbeit nicht wußte, wo ihm der virtuelle Kopf stand, endete das Massaker, und abermals erschuf „Gerechtigkeit“ schlanke Pfähle aus umgewandeltem Bodenmaterial, die den Experten, die das Schlachtfeld untersuchen mußten, absolut Rätsel aufgeben würden, steckte die abgetrennten Köpfe ihrer Opfer darauf und verwandelte den Rest in zerpuffende Aschewölkchen. Inzwischen hatten sich auch die letzten Attentäter, die das Gebäude sicherten, von den seltsamen Geräuschen aus ihren Handys anlocken lassen, aber „Gerechtigkeit“ tötete sie nicht, sondern setzte sie nur mit je einem gezielten Tentakelstoß in die Gehirne für längere Zeit außer Gefecht, lange genug, daß die Behörden sie auflesen konnten, bevor sie wieder munter wurden.
Richards wußte, daß es wichtig war, auch der örtlichen Polizei und Anwaltschaft ein noch lebendiges Pfund Fleisch für eine Anklage samt ein paar daran hängenden Mündern zum Befragen übrigzulassen, denn auch die Öffentlichkeit wollte Blut sehen für diesen neusten Angriff auf ihre persönliche Freiheit.
Das hatte er „Gerechtigkeit“ selbstverständlich wissen lassen, und sie war großzügig genug, sich zum Teilen der Beute mit den Behörden überreden zu lassen. Aber es gab schließlich mehr als genug Futter für sie auf dieser Welt...
Und „Gerechtigkeit“ fuhr ihre Tentakel ein und erhob sich in die Luft, durchdrang das nächstliegende Fenster und schwebte draußen in die Höhe, abermals unbemerkt von den Einsatzkräften, die das Gebäude in sicherer Entfernung umstellt hielten, denn wegen der geringen Größe ihres zusammengeschlungenen Körpers hätte man sie allenfalls für ein zielstrebig fliegendes großes Insekt gehalten.