Autor Thema: Apocalypse: No(w)!  (Gelesen 2558 mal)

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #15 am: 6. März 2018, 16:46:32 Uhr »
„Sie reden von negativen übernatürlichen Phänomenen. Wir wurden aber Ihrer Aussage nach von einem gerettet.“ bohrte Premierminister Griffith.
„Das war reines Glück, auf das ich mich nicht ein zweites Mal verlassen möchte. Die negativen überwiegen leider, meiner Erfahrung nach.“ seufzte der General. „Mich auch darum zu kümmern, zum Wohl meines Landes und zum Wohl aller Nationen, die dadurch ebenfalls betroffen sein könnten, ist meine Aufgabe. Neben den üblichen Kriminellen, Terroristen und feindlichen Agenten, die im Vergleich damit wie ein harmloses Tagesgeschäft wirken.“
Der Premierminister fixierte Tom. „Mr. Richards, was haben Sie dazu zu sagen?“
„Keine Einwände. Alles ist so, wie er es gesagt hat.“ antwortete Tom seelenruhig. „Noch vor ein paar Jahren hätte er das alles schlicht geleugnet und totgeschwiegen, daran können Sie erkennen, wie viel er von mir gelernt hat.“
Das Publikum fand das witzig.
„Sie bleiben also bei Ihrer Geschichte.“
„Wir bleiben dabei, weil es die Wahrheit ist. Jede Lüge würde mehr Phantasie erfordern. Glaubwürdige Phantasie wohlgemerkt, die man der Allgemeinheit verkaufen kann. Die Story vom Omega-Code stammt nicht von mir, weil ich zu der Zeit gerade tot war, aber sie findet meine Zustimmung. Wenn ich auf dem Damm gewesen wäre, hätte ich sie mir selbst aus den Fingern gesaugt. Richten Sie Ihre Zeigefinger also gern auf mich, aber nicht auf den General und schon gar nicht auf unseren Präsidenten, die sind in dieser Hinsicht unschuldig.
- Ausnahmsweise mal.“ Er zwinkerte und grinste in die Runde, was wieder für Heiterkeit sorgte.
„Wer sind Sie, Mr. Richards? Sie wurden uns nicht weiter vorgestellt, außer als Experte in Begleitung von General Wade, in Stellvertretung von Präsident Thompson.“
„Ich bin ein Hansdampf in allen Gassen, wie man so schön sagt. Ich habe mein Domizil in Washington, bin nicht unvermögend, Doktor der Medizin, Geschäftsmann, Abenteurer und interessiert an allem, was irgendwie ungewöhnlich ist, weil ich selber nicht gewöhnlich bin. Aber ich suche nur das Echte, mit gefälschten Alien-Autopsien kann mich niemand hinter dem Ofen vorlocken. Da ich einiges an Erfahrungen in diesem Bereich habe, kann ich echt und falsch unterscheiden. Ich berate die Federal Security Agency, wenn sich Fälle ergeben, die in meinen Fachbereich fallen, und auch andere Stellen, wenn sie mich anfordern. Da der gute General weiß, daß ich für jede Art von Unfug gut bin, hat er es sich angewöhnt, immer mindestens einen seiner Leute in meiner Nähe zu halten, für den Fall, daß ich selbst auf etwas stoße, was der Agency zur Kenntnis kommen sollte. Denn je mehr wir erleben, um so mehr Erfahrungen sammeln wir, die uns beim nächsten Fall vielleicht weiterbringen. Inzwischen sind wir wie ein altes Ehepaar, das sich schlägt und verträgt, denn wie Sie sich vorstellen können, unterliegt der General zahlreichen Beschränkungen durch sein Amt, während ich fast so frei bin wie ein Vogel im Wind. Alles in allem sind wir ein gutes Team, Weltrettungen hin und wieder eingeschlossen.
Aus meiner Sicht der Dinge ist eigentlich gar nichts besonderes passiert, weshalb ich gut darauf hätte verzichten können, erst im Weißen Haus und jetzt hier einen großen Wind zu machen. Aber unsere eigenen Regierungsvertreter und Sie alle hier wollten es ja nicht anders, Sie wollten die Wahrheit. Und jetzt haben Sie mich hier, und leben Sie damit. Egal ob ihnen gefällt was Sie von uns hören, oder nicht, aber dummerweise ist es zufällig die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Wenn ich Sie anlügen soll, dann bitte, sagen Sie mir das, und ich denke mir was aus.“ Er grinste froh und lehnte sich in seinen Stuhl zurück.
„Sie sagten, Weltrettungen hin und wieder. Gab es andere Vorfälle, von denen wir bis jetzt nichts wußten?“
Tom nickte grinsend in Richtung des Generals, der durfte übernehmen - und dabei ein weiteres Puzzlestück an Geheimhaltung aus dem Fenster werfen.
„Die gab es,“ seufzte Wade. „Nichtnuklearer Art, aber deswegen nicht weniger bedrohlich, wenn wir ihnen die Zeit gegeben hätten sich auszubreiten. Er sagte Ihnen bereits, daß er Ereignisse anzieht wie ein Misthaufen Ungeziefer. Da er in den Staaten lebt, ist unser Land logischerweise der Ground Zero für alles was passiert, und meine Agency der erste Ansprechpartner. Mein einziger Trost in der Sache ist, daß er sich auch als guter Prellbock erwiesen hat, jede Bedrohung, die sich an ihm die Nase blutig schlägt, hat hinterher nicht mehr die Kraft, noch eine nennenswerte Breitenwirkung zu entfalten. Deswegen ist es die reine Wahrheit, wenn er sagt, daß sich aus seiner Sicht der Dinge nichts bemerkenswertes ereignet hat. Es war diesmal nur ein wenig extrem, weil er dabei gestorben ist und viel zu viele Unbeteiligte darauf aufmerksam gemacht wurden, aber ansonsten war es business as usual.“
Die beiden auf dem Podium bemerkten durchaus, daß immer mehr Köpfe im Publikum mehr oder weniger dezent wackelten, der Unglauben im Raum hing so dick in der Luft, daß man ihn fast greifen konnte.
„Können wir genaueres dazu erhalten?“
„Könnten Sie, wenn meine Vorgesetzten dem zustimmen, was vermutlich nicht der Fall sein wird. Aber das wirkliche Problem wäre, daß Sie die Inhalte nicht glauben würden, wenn Sie sie bekämen, und das weiß ich sicher. Niemand der nicht selbst dabei war oder genau weiß, daß die Augenzeugen nicht zum Lügen neigen, hat es geglaubt. Diese Vorfälle waren nämlich um einiges bizarrer als eine simple Umlenkung von Atomraketen auf einen neuen Kurs. Tut mir leid, Herr Premierminister, aber mehr dazu darf ich ohne Erlaubnis meines Präsidenten wirklich nicht sagen. Und ich weiß nicht, ob es Ihr persönliches Weltbild überstehen würde, wenn Sie diese Angaben bekommen dürften.“ 
Griffith blieb hartnäckig - und verlor allmählich Geduld und britische Countenance.
„Es wäre trotzdem schön, einen Beweis zu erhalten, Mr. Richards. Erzählen kann man bekanntlich viel, wenn der Tag lang ist. Schaffen es Ihre Aliens nicht, Ihnen wenigstens mal die außerirdische Version einer Zahnbürste zu schicken, oder etwas anderes handfestes, was man anfassen und untersuchen kann?“
Der Premier gefiel Tom, das war ein Mann, der denken konnte.
„Ich habe etwas viel nützlicheres erhalten. Spielen Sie mein Versuchskaninchen?“
„Gerne. Machen Sie.“

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #16 am: 15. März 2018, 15:59:27 Uhr »
Selbstverständlich glaubte Griffith nicht, daß Tom liefern konnte wie er versprach. Aber da wurde er gleich enttäuscht. Denn auf einmal verlor er den Boden unter den Füßen, schwebte langsam empor, sah sich zuerst verdutzt und dann zunehmend erschreckt um, wie er da vermeintlich über sich selbst hinauswuchs, während er schwerelos der Saaldecke zuschwebte, während um ihn herum all die anderen Würdenträger ungläubig zu ihm hochblickten. Und auch Tom selbst erhob sich aus seinem Stuhl, ohne seine Beine zu benutzen, denn zugleich mit dem Premierminister begann auch er zu schweben. Ganz relaxt stieß er sich mit einem Finger an der Stuhllehne ab und bewegte sich prompt schneller in die Höhe, er schwebte wie ein Raumfahrer in der Raumstation, völlig schwerelos wie ein großgeratener glücklicher Luftballon. Dann, schon drei Meter über Bodenniveau hängend, streckte er sich in eine ganz bestimmte Pose und verkündete lautstark und strahlend: „Superman!“
Diesmal lachte keiner, die Leute waren einfach zu verblüfft. Nur der General seufzte hörbar, schüttelte resigniert den Kopf und tat so, als wolle er gar nicht hinsehen. 
Tom hing jetzt kopfüber in der Luft, das Gesicht dem Publikum zugewandt, hielt die Arme vor der Brust gefaltet und wackelte locker mit einem Fuß. Er schien sich absolut wohlzufühlen in seiner Lage, während Griffith jetzt knapp unter der Saaldecke hing und unglücklich herumzappelte wie ein flügellahmer Geier im schicken Anzug.
„Wenn Sie wohin wollen, strecken Sie den Arm dahin aus und tun Sie so, als wollten Sie Ihr Gewicht in diese Richtung verlagern, Herr Premierminister.“ riet Tom. „Wenn Sie sich zu heftig irgendwo abstoßen, fliegen Sie unkontrolliert durch die Gegend, das könnte mit blauen Flecken enden.“ Er machte es auch gleich vor, wieder die Superman-Pose, und schon glitt er in die gewählte Richtung. 
„Noch jemand, der gerne mitfliegen will? Es ist völlig harmlos, das garantiere ich! Bei mir zuhause mache ich das manchmal als Partygag. Die Putzfrauen freuen sich auch jedesmal, wenn sie sich nicht mit Leitern abschleppen müssen, um die hohen Schränke abzuwischen.“
Hände gingen hoch, und Tom willfuhr mit seinem kleinen Zaubertrick, und bald schwebte nicht mehr allein der Brite im Zuschauerraum. Ängstlichere Naturen hielten sich zu mehreren gefaßt, während die Mutigen eifrig testeten, wie sich wohl ein echter Superman beim Fliegen fühlen mußte. Und die ganze Zeit über fühlten die, die nicht mitfliegen wollten, sich normal an die Erde gebunden und kein bißchen leichter, nicht mal wenn sie einen der Schweber festhielten, die Kräfte der Levitation wirkten selektiv nach Toms Befehl ... die natürlich von seiner versteckten Energiematrix ausgingen, deren Energien in kleine immaterielle „Schlüssel“ gingen, von denen jeder Fluginteressierte einen unbemerkt angehängt bekam und der wie ein persönlicher Antischwerkraft-Generator funktionierte. Ein netter kleiner Partytrick, wie Tom gesagt hatte, und völlig harmlos.
Er ließ die Leute etwa zehn Minuten lang in den Genuß des schwerelosen Fluges kommen und lenkte sie dann vorsichtig zurück auf den Boden der Tatsachen. Der Geräuschpegel im Saal war hoch, weil jeder, ob Sitzengebliebener oder Flieger, seine persönliche Meinung zu diesem Geschehen kundtun mußte.   
Es wurde stiller, als sich der General von seinem Stuhl erhob und ein paar Schritte zur Seite tat, damit er unverstellt vom Mikrophonständer sichtbar war. So steif, wie es nur einem Vollblut-Militär - oder einem geborenen Asiaten - möglich war, verneigte er sich tief vor den Anwesenden.
„Herr Premierminister, Ladies and Gentlemen, ich muß mich bei Ihnen allen zutiefst entschuldigen für dieses ... würdelose Schauspiel. Ich hätte es besser wissen und Sie vorwarnen müssen. Ein Tom Richards verspricht nichts, was er nicht einhalten kann.“ Sprach er und verbeugte sich wieder.

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #17 am: 21. März 2018, 17:54:22 Uhr »
„Wir vergeben Ihnen, General Wade.“ entgegnete ein schmunzelnder Griffith. Sobald er nicht mehr der einzige war, der in der Luft hing, schien ihm die Sache sogar Spaß gemacht zu haben.
„Mr. Richards, wie haben Sie das gemacht?“
Tom war gerade dabei, als letzter sanft und völlig unbewegt in seinem Sitz zu landen.
„Das war ein einfacher Trick zur Neutralisierung der Schwerkraft. Aber wie das genau funktioniert, da muß ich Sie bitten, mir meine kleinen Geheimnisse zu lassen. Es ist keineswegs so einfach, wie es für Sie gewirkt haben mag, es erfordert viele Jahre des Lernens und Übens, um es so perfekt hinzubekommen. Nicht ganz ohne Grund bin ich ein Ehrenmitglied der angesehenen Society of American Magicians, der ältesten existierenden Vereinigung von Zauberkünstlern in den Staaten. Einige der Dinge, die ich durch meine Alienkontakte und anderen Erfahrungen erlernte, sind einfach zu gut, um sie der Allgemeinheit vorzuenthalten, und da sie überwiegend wie Magie erscheinen, oder wie sehr gut gemachte Zauberkunststücke, war für mich der Weg in diese Richtung praktisch vorgegeben. Bis jetzt wußten aber nur wenige Personen, daß in meinem Fall mehr als Rauch und Spiegel * dahinterstecken.“
„Wie viele Ihrer Geheimnisse haben Sie mit dem Rest der Menschheit geteilt?“
Tom lächelte nachsichtig. „Nur die, die mir ausreichend harmlos erschienen - oder die, die von normalen Menschen nicht nachzumachen sind. Sie wissen doch selbst, daß die Menschheit ein unwahrscheinliches Talent dafür besitzt, selbst die harmlosesten Dinge für böse Zwecke zu mißbrauchen. Und einige der Dinge, über die ich im Lauf der Zeit stolperte, sind so gefährlich, daß nicht einmal ich leichtsinnig daran herumdrehe. Aber bevor Sie fragen: ich habe mich und meine Geheimnisse gut abgesichert. Niemand bekommt sie mit Gewalt aus mir heraus, nicht die Federal Security Agency, keine andere Regierungseinrichtung und auch kein fremder Geheimdienst oder Verbrecher.
Deshalb kann ich Ihnen gleich sagen, daß es keinen Sinn hat, wenn einige von Ihnen mir jetzt ihre Bluthunde an den Hals hetzen wollen. Ich denke, daß mein Name in diversen Organisationen bekannt ist, und genauso bekannt dürfte sein, daß ich einen Heidenspaß dabei habe, Leute, die mir und den meinen übel wollen, abzupflücken. Und wenn ich erst die Handlanger habe, widme ich mich ihren Auftraggebern, egal in welch hoher Position sie sitzen, und verpasse ihnen den Denkzettel den sie verdienen. - Vergessen Sie nie, daß ich als verrückt gelte, und mich bestimmt nicht immer an die geltenden Gesetze halte. Und vor meiner Rache ist niemand sicher, auf der ganzen Welt nicht, egal wo der Bösewicht sich versteckt oder wer ihn schützt.
- Ich bin ganz sicher kein Messias, der die Welt von was auch immer erlöst. Ich bin mehr wie eine Atombombe mit scharfem Wackelzünder, wer mich zu stark erschüttert, dem explodiere ich ins Gesicht. Bitte merken Sie sich das, Ladies and Gentlemen, und handeln Sie entsprechend, indem Sie es lieber sein lassen.“
„Bitte hören Sie auf seine Worte.“ fügte General Wade nach einem Moment der Kontemplation an.
„Unserem Präsidenten hat er gezeigt, was er ist, und wie gefährlich er sein könnte, wenn er es darauf anlegen würde. Glauben Sie bitte nicht, daß meine Männer oder ich ihn aufhalten könnten, wenn er auf die Jagd geht. Oder in einen Krieg zieht. Denn wenn er erst mal in Bewegung ist, verlangt er sein Pfund Fleisch. Deshalb ist es besser, ihm erst gar keinen Anlaß dafür zu geben. Packen Sie ihn in Watte, falls Sie mit ihm zu tun bekommen sollten, nicken Sie seinen Irrsinn ab, umgeben Sie ihn mit ein paar Wachhunden, die jeden Unfug mitzumachen bereit sind - und drücken Sie alle Augen zu, egal was er tut. Das ist die einzig geeignete Methode, mit ihm umzugehen. Sonst landen Sie entweder irgendwann auf seiner Beuteliste - oder verlieren ebenso den Verstand. Und wir haben noch Glück, daß er keinerlei politischen Ambitionen hat, weil er alle Mittel dazu hätte, ins höchste Amt aufzusteigen. Er als Präsident, und ich gebe mir sofort die Kugel, denn das was dann passierte, möchte ich nicht miterleben.“
„Zum Glück ist unser Land in dieser Hinsicht vor mir sicher.“ lächelte Tom. „Selbst ich habe einige Regeln, an die ich mich halten muß, und dazu gehört, kein offizielles Amt anzunehmen. Inoffiziell darf ich machen was ich will, solange ich nicht übermäßig Gefahr laufe, in den Geschichtsbüchern aufzutauchen. Kulminationspunkte wie ich rufen schon ohne Publicity genug Ärger herbei, man muß das nicht auch noch historisch festschreiben.“
„Und auch das ist ein Grund, warum ich darauf hoffe, daß Sie alles was Sie hier und heute erfahren haben, auch in diesem Raum lassen.“ fügte Wade an. „Diese Veranstaltung dient der inoffiziellen Befriedigung Ihrer Neugier, indem wir Ihnen als Repräsentanten Ihrer Nationen die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit präsentieren. Ihre Erklärung nach außen hin sollte einem Konsens unterliegen, und den Standpunkt unserer Nation haben wir Ihnen bereits dargelegt. Die Weltrettung ist einem Computercode zu verdanken, und Punkt. Keine Aliens, keine Verrückten, und garantiert kein auferstandener Messias.“
„Angenommen, irgendwer von uns versucht jetzt, diese mächtigen Aliens direkt zu kontaktieren. Was dann?“


* "smoke and mirrors" = Lug und Trug, fauler Zauber, Bühnentricks

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #18 am: 14. Mai 2018, 16:04:02 Uhr »
Expressives Kopfschütteln und Gesichtsverziehen von Tom Richards.
„Würden Sie wirklich das Risiko auf sich nehmen, Aliens aufzuscheuchen, die die Erde mal ganz nebenbei aus einer Laune heraus mit einem einzigen Schlag vernichten können, wenn irgendetwas sie vergrätzt? Jeder Benu besitzt die Macht und Energiefülle einer lebendigen Sonne, keine Armee und keine Waffe dieser Welt könnte etwas gegen nur ein einziges Wesen dieser Art ausrichten. Und manchmal kommen sie sogar zu mehreren, das habe ich schon mal miterlebt.
- Würden Sie dieses Risiko eingehen, um irgendwelcher nichtiger politischen Ziele willen oder einfach nur aus Mutwillen, Herr Premierminister? Denn ich würde das niemals tun, und ich bin schließlich verrückt und habe vor ziemlich wenig Angst. Vor den Benu aber habe ich Angst, und zwar sehr berechtigte. Ich mache mir jedesmal vor Angst fast in die Hose, und riskiere eine Kontaktaufnahme auch nur dann wenn es absolut nicht anders geht. Aber schiere Notwendigkeit macht nun mal seltsame Bettgenossen, das Universum ist kein Ponyhof, und meine persönlichen Vorlieben sind außen vor, wenn es um den Fortbestand der Menschheit geht.“
„Was, außer einem Weltuntergang, könnte Sie dazu veranlassen, mit diesen Wesen Kontakt aufzunehmen?“ fragte Griffith neugierig zurück. Denn Tom sprach ganz offen von multiplen Kontakten...
„Nichts außer einem Weltuntergang.“ antwortete Tom seelenruhig. „Und ich nenne jeden verrückt, der es anders hielte. Verrückt, selbstmörderisch und potentiell genozidal, denn Sie alle könnten den Benu nichts bieten, was sie nicht schon von mir bekommen.“
„Und das ist?“
Da grinste Tom wieder. „Sie werden es nicht glauben: Unterhaltung. Großes Kino, auf einer Bühne, die viel größer ist als Sie sich vorstellen können. Technologisch können wir gegen viele Alienrassen, die da draußen sind,“ sein Daumen zeigte aufwärts, Richtung Weltraum, „nicht anspucken, und die Benu sind nur eine Rasse unter vielen. Die vermutlich mächtigste, aber keineswegs die einzige. Aber was Einfallsreichtum, Kreativität, kulturelle Vielfalt und schieren Unterhaltungswert angeht, da gehören wir zu den Großen. Wir hören keinen Piepser von draußen, von außerhalb unseres Sonnensystems, weil wir dazu noch zu unterentwickelt sind, aber Sie können sicher sein, daß einige Spezies ihre Lauscher ganz nah an uns dran haben, die holen sich schon jetzt auf gesunde Distanz, was sie von uns kriegen können.
Wenn es mal zu einem offiziellen Erstkontakt kommt, sollte niemand überrascht sein, vom fremden Raumschiff mit einem Konzert von Mozart, oder einem Song von Michael Jackson begrüßt zu werden. Musik hat nämlich bei vielen Spezies einen besonderen Stellenwert, für jede aus ihren eigenen Gründen. Und die meisten dieser Gründe beinhalten zum Glück keine Todesstrahlen aus dem All. Ein gutes Unterhaltungsprogramm macht sich schließlich niemand leichtsinnig kaputt. Und wer es doch versuchen möchte, kriegt von den anderen Mithörern eine auf die Finger.“ Er grinste weiter.
„Wir sind nicht das einzige intelligente Leben im All, aber als Spezies so einzigartig wie als Individuen und in unserer Vielfalt von Kulturen. Das sollten Sie nie vergessen, und Sie dürfen gerne Selbstbewußtsein daraus schöpfen. Erhalten Sie mit Sorgfalt, was Sie an Kultur und Vielfalt haben, zerstören Sie nichts davon leichtsinnig, unsere Zukunft im All wird es Ihnen danken. - Vielen Dank, Ladies and Gentlemen.“
Zufrieden mit seiner Ansprache lehnte er sich zurück.
„Dem ist nichts hinzuzufügen.“ bestätigte General Wade.
Griffith war trotzdem nicht zufrieden. „Ist das nicht etwas herablassend, uns als die - Hofnarren des Universums darzustellen?“
„Hofnarren gab es im Mittelalter. Heute nennt sich das Entertainer. Wenn Sie wissen, wie viel ein prominenter Entertainer im Jahr machen kann, dann müssen Sie zugeben, daß das nicht der schlechteste Job ist. Wir könnten schlechter dastehen, zum Beispiel als Kloputzer für intelligente Schleimpilze. Wäre das mehr nach Ihrem Geschmack?“ lachte Tom den Mann an. „Und irgendwann, wenn wir uns politisch und gesellschaftlich einen offiziellen Erstkontakt leisten können, wird es auch Tantiemen geben. Jetzt schon mal einen guten Ruf zu erarbeiten als fleißige Erfinder von Entertainment aller Art, halte ich nicht für die schlechteste Vorgehensweise. Auf den Pianisten wird selbst in der übelsten Star-Wars-Spelunke nur selten geschossen.“
Der Premierminister konnte Toms breitem Lachen nicht widerstehen.
„Schon gut, ich glaube Ihnen.“ Ob er das ernst meinte, oder ob er einfach nur die Verrücktheiten abkürzen wollte, ließ Tom dahingestellt.
„Seit wann sind Sie übrigens ein Kulminationspunkt? Wann begann es, wie erwarben Sie es?“

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #19 am: 24. Juli 2018, 13:35:33 Uhr »
„Schon immer, bereits seit meiner Geburt, bei mir ist es erblich. Schon der Mann, den ich als meinen Vater bezeichnen könnte, war für alle Arten von Unfug gut. Aber er war auch nicht der erste, unsere ganze Familie war nie normal. Aber da hat es nie die Falschen getroffen, wir waren immer recht gut in der Lage, mit übernatürlichen Ereignissen fertigzuwerden. Und wie der gute General schon sagte, alles was sich an uns die Nase blutig schlug, wenn es in Unfrieden kam, hatte hinterher nicht mehr die Kraft, sich noch an Unschuldigen auszutoben. Machen Sie das Schicksal dafür verantwortlich, Gott, die Natur oder sonstwen, wenn Sie wollen, aber vielleicht ist die Existenz von Wesen wie mir einfach eine Notwendigkeit im Gewebe der Realität. Ein lebendiger Ausgleich zu dem Zweck, daß die anderen Mächte nie das Übergewicht erlangen können. Menschliche Antikörper gewissermaßen gegen eindringende Fremdmächte. Und wer weiß, vielleicht haben Sie in Ihren eigenen Ländern ebenfalls solche menschlichen Antikörper, ohne es zu wissen. Sicher nicht ganz so stark und auffällig wirksam wie ich,“ er deutete jetzt mit beiden Daumen expressiv auf sich selbst und kommentierte dabei betont: „Dummer amerikanischer Angeber!“, womit er die Leute wieder einmal erheiterte - und fuhr dann fort: „aber trotzdem da, und sie werden sich dann aktivieren, wenn es nötig werden sollte. Einfach weil es ihre Natur ist, sie können gar nicht anders.“
„Ich danke Ihnen, Mr. Richards, für Ihre offenen Antworten. Ich verstehe jetzt, daß General Wade einiges von Ihnen gelernt hat. Sie gehen nicht nur mit unnatürlichen Phänomenen um, sondern wissen sie auch allgemeinverständlich zu erklären.“
Vorausgesetzt daß Richards die Wahrheit gesagt hatte, mußte er nicht anfügen, ein Politiker wie er war es einfach gewöhnt, ständig angelogen zu werden, und reagierte daher erst einmal mit einem gewissen Vorschuß an Mißtrauen, bis er sich aus anderen, zuverlässigen Quellen eine Bestätigung geholt hatte.
„Mir fallen im Moment keine Fragen mehr ein - wer übernimmt?“ Er blickte fragend in die Runde der Zuhörer, wo sofort die Hände hochschossen.
„Mr. Dharti, ja bitte, übernehmen Sie.“ gab er die Stafette offiziell weiter an den Vertreter Indiens, als ehemalige britische Kolonie. Der dunkelhäutige und schwarzhaarige Mann mit den europäisch wirkenden Gesichtszügen erhob sich, während Griffith sich setzte.
„Mr. Richards.“ begann er und verneigte sich elegant, denn in seiner Kultur, die ganz selbstverständlich mit Phänomenen wie Göttern unterschiedlichsten Ranges, Geistern und übernatürlich inspirierten Kriegern zurechtkam, wußte man die vom Absoluten berührten Personen zu ehren.
Tom nickte hoheitsvoll zurück.
„Darf ich fragen, Sir, wie Ihre Auferstehung genau ablief?“
„Dürfen Sie, aber ich werde nicht in Einzelheiten gehen. Weil das zu lange dauern würde und auch ziemlich persönlich ist. Die Kurzfassung geht so, daß ich wegen meiner Position als Kulminationspunkt und Antikörper gegen feindliche Mächte, die ich Ihnen erklärt habe, hohe Verantwortung trage, und die Wesenheiten, die das ausnutzen, lassen Nebensächlichkeiten wie Verletzung oder Tod nicht als faule Ausreden durchgehen, daß ich mich vor meinen Aufgaben drücke. Wenn man mit ihnen einen Pakt geschlossen hat, dann gehört man ihnen mit Haut und Haaren, und wenn man in Erfüllung seiner Aufgabe Federn lassen muß, dann werden einem einfach neue angeklebt. Gutes Personal ist überall schwer zu finden, wissen Sie, also sorgt man dafür, daß es nicht zu schnell über den Jordan geht, was in diesem Job jederzeit passieren kann.“ 
Seine bewußt saloppe Wortwahl sorgte für eine weitere Runde Gefeixe.
„Ihre Auferstehung ging also nicht von Ihnen selbst aus.“
„Ha, nein. So gut bin ich nicht.“ lachte Tom. „Ich bin nur ein Verrückter, der für ein paar faule Tricks gut ist. Eine Marionette, mit der andere Mächte spielen, ein Affe an der Kette, der für Kurzweil sorgt. Aber fragen Sie mich nicht, wie man diese Mächte kontaktiert, denn wenn ich das wüßte, stünde ich noch heute bei denen vor der Tür und würde ein paar Antworten verlangen. Ich kann nur mitspielen, wenn an der Kette gezogen wird, und aus dem was ich dabei erfahre, meine Schlüsse über die großen Hintergründe ziehen. Ob diese Schlüsse dann auch richtig sind, das wissen nur die Existierenden Götter, und die melden sich leider nicht bei mir.“
„Sie haben einen Pakt geschlossen?“
„Zweimal sogar, zuerst unbeabsichtigt, und als dieser Vertrag auslief, später nochmals und diesmal sehr beabsichtigt. Es springen dabei auch Vorteile für mich heraus, wissen Sie, die eine oder andere Wiederauferstehung inbegriffen. Aber ich kann diese Mächte von mir aus nicht kontaktieren, ich muß mich darauf verlassen, daß sie ihre Augen auf mir haben und reagieren, wenn ich um etwas bitte oder wenn Ereignisse stattfinden, mit denen ich allein nicht fertig werde und die ein übernatürliches Eingreifen erfordern. Deswegen belästige ich sie auch nicht, wenn es nicht absolut sein muß, einmal weil ich negative Folgen fürchte, und zweiten wegen eines potentiellen Abnutzungseffekts. Ich will nicht erleben, ein zweites Mal in größter Not um Hilfe rufen zu müssen und dann vergeblich darauf zu warten, verstehen Sie? Das Überleben der ganzen Menschheit könnte schließlich davon abhängen. Alle geringeren Probleme als einen Weltuntergang sollen und müssen wir selbst lösen.“
Der Vertreter Indiens nickte. Es war das Vorrecht von Göttern, wankelmütig zu sein und ihre Gunst nach Belieben zu gewähren oder zu verweigern.
„Wieviel bezahlt die amerikanische Regierung für Ihre Dienste?“ wollte er dann wissen. Wahrscheinlich um mehr bieten zu können, wenn er ihn bald anzuwerben versuchte, dachte sich nicht nur Tom amüsiert.
„Überhaupt nichts, weil ich mich um diese Dinge mit oder ohne Einverständnis meiner Regierung kümmern würde.“ antwortete er. „Ich bin reich genug, mir das leisten zu können. Allerdings habe ich mit der Federal Security Agency eine kleine Vereinbarung, nach der Unbeteiligte, die im Rahmen meiner Einsätze oder schon vorher durch das Einwirken übernatürlicher Mächte zu Schaden kommen, schnell und unbürokratisch eine finanzielle Kompensation erhalten. Das macht sich gut in der Öffentlichkeit und läßt sich ganz nebenbei meistens aus der Portokasse finanzieren. Da die Leistungsbilanz der Agency steil nach oben gegangen ist, seit sie mit mir zusammenarbeitet, läßt sich das auch rechtfertigen. Ich bin nämlich auch für das Bekämpfen herkömmlicher Verbrecher und Terroristen gut, wenn sich gerade nichts Übernatürliches blicken läßt.“
„General Wade?“
Der Mann nickte. „Ist alles so wie er sagt. Er ist unser bestes Pferd im Stall, obwohl er eine Riesenklappe hat und in Einsätzen mehr Flurschäden hinterläßt als ein Shermanpanzer. Und das weiß er leider auch und nützt es fleißig aus.“ Er zog eine herablassende Grimasse in Richtung Tom, der wieder froh grinste.

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Re: Apocalypse: No(w)!
« Antwort #20 am: 6. September 2018, 13:44:37 Uhr »
Der Ehepaar-Vergleich von vorhin war gar nicht so falsch, wußte das Publikum inzwischen, zwischen diesen beiden schien es gewaltig zu funken, so wie sie einander kindergartenmäßig durch den Kakao zogen. So viel Spaß hatte man in Sitzungen wie dieser ziemlich selten, und ganz besonders angesichts des aktuellen Anlasses.
General Wade thematisierte das auch prompt.
„Lassen Sie sich bitte nicht von unserem lockeren Umgang miteinander täuschen, denn das ist einfach eine Notwendigkeit. Paragraphenreiter mit starrem Weltbild kommen mit jemandem wie ihm nicht klar, die treibt er in kürzester Zeit in den Wahnsinn. Wenn Sie mit ihm umgehen wollen, brauchen Sie Flexibilität und einen gesunden Sinn für Humor und Absurdes. Wie Sie inzwischen selbst gemerkt haben dürften.“
„Ich verstehe,“ lächelte Dharti. „Wie sah die Kompensation Ihrer Regierung für diese Weltrettung aus, wenn ich das fragen darf, Mr. Richards?“
„Das dürfen Sie fragen. Ich bekam den üblichen feuchten Händedruck des Präsidenten plus einer winzigen rechtlichen Kleinigkeit, die mir in einem zukünftigen Einsatz von Nutzen sein könnte, und das war es. Die Reflexhandlung von Regierungen besteht ja immer darin, Orden zu verteilen, aber einen solchen, der angemessen wäre, dürfte ich wegen der Geheimhaltung nie tragen. Und ich mache diesen Job ja nicht gerade, um eine eigene Parade auf dem Times Square zu erhalten. Obwohl mir die zweifellos zustehen würde.“ Frohes Grinsen.
Wade war erwachsen genug, sich einen ebenso passenden wie kindischen Kommentar dazu zu verkneifen, er verdrehte nur andeutungsweise die Augen, was dem im Lesen von Körpersprache erfahrenen Publikum völlig ausreichte. Angeber, brauchte er gar nicht laut zu sagen.
„Wie kamen Sie zur Federal Security Agency?“
„Auch das ist kein Geheimnis. Ein paar von den Männern des Generals bekamen es mit einem übersinnlichen Phänomen zu tun und erwiesen sich als hoffnungslos überfordert. Ich hatte aus einer eigenen Quelle von dem Phänomen erfahren, kam dazu und holte ihre Hintern aus dem Feuer. Als der gute General von meinen Fähigkeiten erfuhr, entschied er, daß jemand wie ich nicht ohne Aufsicht frei herumlaufen darf. Und ich entschied, daß es manchmal ganz nützlich sein kann, in einem Einsatz jemanden dabeizuhaben, der mit einer offiziellen Hundemarke herumwinken kann. Seitdem arbeiten wir zusammen, auf gegenseitiges Gedeih und Verderb, und nicht immer zu seiner reinen Freude.“ Er zwinkerte vielsagend.
„Andere Stellen wie die CIA möchten mich sehr gerne, bekommen mich aber nicht. Und da Sie sicher alle wissen, wie viel Unheil die CIA regelmäßig in anderen Ländern stiftet, dürfen Sie dafür allen Ihren Göttern dankbar sein, denn ich in den Fängen der CIA, das gäbe eine hochgradig giftige Mixtur. Sie dürfen mich nur von der FSA ausleihen, in wohlbegründeten Notfällen und jederzeit mit dem Risiko behaftet, daß das Ergebnis ganz anders aussehen könnte als gedacht, weil ich mit der hirnrissigen Auslandspolitik unseres Landes äußerst selten übereinstimme. Ich habe geschäftliche Kontakte in zu viele Länder, um diesen kontraproduktiven Machenschaften zustimmen zu können. Und das ist auch einer der Gründe, warum ich für die FSA und andere Stellen nur als Berater gelte und nicht als unmittelbar Bevollmächtiger, außer es tritt ein absoluter Notfall ein, so daß meine Befugnisse erweitert werden. Solche Notfälle hatten wir schon und wir werden zweifellos auch in Zukunft wieder welche bekommen. Der Planet Erde ist nun mal ein recht unruhiger Ort, und die Menschheit wird leider nicht friedlicher.“
„Wie wird Ihr Verhältnis zu Ihrer eigenen Regierung in Zukunft aussehen, und umgekehrt?“ fragte Dharti. „Gibt es Veränderungen?“
„Da jede Veränderung, die uns eingefallen wäre, entweder mir nicht gefallen hätte, oder unserer Regierung nicht, oder uns beiden nicht ... bleibt alles so, wie es bisher war. Wir tun beide stillschweigend so, als wäre diese ganze peinliche Angelegenheit nie passiert. Wer Bescheid weiß, der plaudert nicht, und jeden anderen geht es nichts an. Außer Sie alle als Vertreter Ihrer Nationen natürlich, die ein Recht auf die Wahrheit haben. Die volle Wahrheit muß man der Allgemeinheit ja nicht auf die Nase binden, oder? Ich meine, Aliens, um Himmelswillen!“ Er warf dramatisch wie ein Schmierenkomödiant die Arme in die Luft.
„Nein, belassen wir es einfach beim Omega-Code. Verteilen Sie selber ein paar Orden und andere Auszeichnungen an die, die sich im Moment der Krise bewährt haben, die vielleicht ein paar Raketenstarts aus Gründen der Menschlichkeit verhindert haben, statt sie wegen Befehlsverweigerung zu bestrafen, sowas kommt immer gut in der Bevölkerung, und Sie kostet es nicht viel. Aber bitte, sorgen Sie dafür, daß ein echter Omega-Code für zukünftige Zwischenfälle Realität wird. Denn wie ich Ihnen bereits sagte, ich kann nicht dafür garantieren, daß eine Wiederholung des Vorfalls ähnlich glimpflich ablaufen würde. Lassen Sie dem Zufall und den militärischen Automatismen keine Chance mehr.“
Indien und Pakistan hatten beide den größten Teil ihrer Arsenale eingebüßt, da längst schon auf einen kurzfristigen Schlagabtausch gegeneinander vorbereitet, anders als China, das überraschenderweise nicht die Chance genutzt hatte, Russland von hinten, über Sibirien, anzugreifen, es war nach einem ersten überhasteten Fehlstart, der nur den Silo zerstört hatte, tatenlos geblieben - abwartend, wer oder was nach dem ersten Duell noch übrigbleiben würde, wahrscheinlich ganz simpel um das karge chinesische Arsenal nicht an bereits zerstörte Ziele zu verschwenden. Die Hauptfluglinie der Atomgeschosse wäre wie in Zeiten des Kalten Krieges die Route zwischen USA und Russland gewesen, mit Europa als Mit-Leidtragendem, wenn sich anschließend der Fallout von beiden Seiten rings um die nördliche Halbkugel der Erde verbreitete.
„Wie ist Ihr Familienstand, wenn ich das fragen darf, Mr. Richards?“ fragte der Inder tapfer weiter, um das Recht der Rede nicht abgeben zu müssen.
„Ich war schon mal verheiratet, aber im Moment bin ich Single. Was allerdings nicht heißt, daß Sie jetzt versuchen sollen, mir jemand aus Ihrer Verwandtschaft anzudrehen.“ (Grinsen.) „Eine Ehefrau von mir muß viel durchstehen und sollte deshalb sehr robust an Leib und Seele gebaut sein. Ich überlasse es dem Schicksal, ob es mir irgendwann wieder etwas passendes entgegenweht, ich suche im Moment nicht aktiv nach einer zukünftigen First Lady meines bescheidenen Heimes.“
„Wohnen Sie allein?“
Jetzt hätte selbst Tom am liebsten die Augen verdreht. Er wußte längst, daß die ausländischen Agenten, die wahlweise mit ihm ein Wörtchen reden oder ihn umbringen wollten, bald vor seiner Haustür Schlange stehen - und der Hausbelegschaft viel Vergnügen bereiten würden beim Abfangen. Aber, wenn er das nicht gewollt hätte, wäre er gar nicht erst hergekommen, denn etwas Spaß mußte selbstverständlich sein.
Die Antwort delegierte er großzügig an Wade weiter.
„Keineswegs. Er hält Hof wie ein Großfürst.“ antwortete der General amüsiert.
„Er ist reich genug dafür. Aber er braucht Leute um sich herum, um, Zitat von einem meiner Männer, seinen Gottkomplex unter Kontrolle zu halten. Die Leute müssen ihn immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen, wenn sein Kopf mal wieder über den Wolken schwebt. Wenn er allein oder nur mit einem alten Butler Alfred oder einem Igor als Gesellschaft in einer Festung der Einsamkeit zusammenleben müßte, würde er ungenießbar, und das ist bei einem Mann mit seinen Fähigkeiten gleichbedeutend mit gemeingefährlich. Zitat Ende.“
Da er wußte, daß diese Worte die reine Wahrheit waren und nichts anderes, hatte er keine Mühe damit, sich hier ein Schmunzeln zu verkneifen.
„In klaren Worten ausgedrückt, er braucht einen Trupp erfahrene Irrenhauswärter, die mit seinem Wahn klarkommen, und die hatte er sich schon angeschafft, bevor ich von ihm erfuhr. Meine Leute sind nur eine neu hinzugekommene Ergänzung. Wenn er will oder es für nötig hält, könnte er mühelos eine ganze Armee auf die Beine stellen. Ob es uns allen schmeckt oder nicht, er ist ein Machtfaktor. Allerdings einer, der bis jetzt erfolgreich unter dem Teppich blieb, und auch in Zukunft dort bleiben sollte, wo er hingehört. An uns, an meiner Regierung wird es nicht liegen. Jetzt liegt es an Ihnen, meine Damen und Herren, was Sie mit Ihrem neu gewonnenen Wissen anfangen. Wenn ich jetzt Gegenfragen stellen darf, Ladies und Gentlemen: wie werden Sie handeln? Was kann ich meinem Präsidenten von hier mitnehmen. Mr. Dharti?“