Autor Thema: Begegnung auf einer fremden Welt  (Gelesen 1123 mal)

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Begegnung auf einer fremden Welt
« am: 7. September 2015, 14:40:00 Uhr »
Hinweis: Dieses CF/2772-Crossover ist hier im Forum schon mal als Einschiebsel in der Geschichte eines anderen Autors veröffentlicht worden. Da die andere Geschichte aber (leider) aus dem Forum gelöscht wurde und mein Schnipsel keine fremden Charaktere außer der CF-Crew enthält, sei es hier noch mal festgehalten. 



Haze war der erste, der es bemerkte.
Der große Nebelweiße lag bequem hingestreckt auf seinem bevorzugten Felsvorsprung und genoß die ersten wärmenden Strahlen von Orange auf seinen Schuppen, der gerade als flammende Riesenscheibe zwischen den Fernen Bergen über den Horizont kletterte. Green stand schon längere Zeit am Himmel, sein schwacher grünlicher Schein warf sonderbare Lichteffekte über die Landschaft.
Im ersten Moment dachte Haze, daß sich da in der Ferne ein Schwarm Banshees geräuschvoll über irgendetwas stritt. Aber das Geräusch, ein näselndes, sägendes Wimmern, klang so gar nicht nach Banshees, es war viel zu gleichmäßig, und obendrein wurde es rasend schnell lauter, als ob es mit großer Geschwindigkeit näher kam.
Er betrachtete den unirdischen Himmel, der in unirdischer Farbenpracht erstrahlte - aber nein, die Atmosphäre war so klar und rein wie selten, da näherte sich keine der gefährlichen, immens schnell dahineilenden Sturmfronten, die zuweilen sonderbare Geräusche erzeugten, wenn sie über die Felsmassen der Fernen Berge hereinbrachen und sich in tausend Hindernissen verfingen. In seiner Gleichmäßigkeit wirkte das Geräusch vielmehr sehr künstlich - das reichte, um Haze auf die Beine zu bringen. Er schnellte hoch, „blinkte“, und schwebte sofort etwa drei Kilometer weiter oben über der Landschaft. Von hier aus konnte er deutlicher erkennen, was da schräg von oben kam, und es war eindeutig künstlichen Ursprungs.
„Leute, wir bekommen Besuch! Ein Raumschiff!“ sendete er sofort. Das machte die anderen schlagartig aufmerksam, wo und bei welcher Tätigkeit sie auch immer gerade waren. Fünf Minuten später waren sie alle um ihn herum versammelt, alle außer Goldie, die gerade bei der Station Wache schob und ihren Posten nicht verließ. Jetzt war schon erkennbar, in welche Richtung das fremde Objekt strebte, und es war genau die Richtung...
„Goldie, Augen auf! Es kommt genau auf dich zu!“
Längst war das Objekt an ihnen vorbeigezogen mit seiner immer noch hohen Geschwindigkeit, auch wenn inzwischen deutlich erkennbar war, daß es abbremste. Aber das war kein Problem für Lebewesen, die teleportieren konnten. Die ganze Gruppe „blinkte“, und sofort waren sie wieder ein Stück vor dem fremden Raumschiff, natürlich nicht gerade in seiner exakten Flugrichtung, sondern seitlich mit einem gehörigen Sicherheitsabstand. Alle schnatterten aufgeregt durcheinander. Ein solches Schiff hatten sie noch nie gesehen. Es war relativ klein und kompakt gebaut, langgestreckt tropfenförmig mit vier abstehenden Raketenantrieben. Ein fragiles, empfindliches Gebilde aus der Sicht die Zuschauer, die selbst inzwischen schon mehr oder weniger viele Reisen mit den riesigen, massiven, wie bizarre exotische Riesenfische aussehenden Hammer-SyMOrs ihrer Auftraggeber absolviert hatten.
„In so einer Konservendose würde ich mich nicht mal in die Luft trauen, geschweige denn in den Weltraum. Respekt!“ kommentierte Harry. „Das sowas überhaupt fliegen kann...“
„Alles fliegt, wenn du´s nur hoch genug wirfst.“ spottete Brad. „Fragt sich nur, wie weit. Ob die am Ende gar von hier sind, von einem anderen Kontinent vielleicht?“ Denn die hatten sie bis jetzt noch nicht weiter erforscht. Anne wies auf die Auswüchse auf den Antrieben hin, die sehr nach den Läufen irgendwelcher Waffensysteme aussahen... das Ding war definitiv bewaffnet. Würden die Fremden auf sie zu schießen versuchen? Denn inzwischen durfte wer auch immer da drin saß gemerkt haben, daß ihm eine Gruppe großer Flugwesen hartnäckig folgte.
„Hoffentlich sitzt da kein Möchtegern-Großwildjäger drin. Sonst haben wir bald ein Problem.“ machte Hubert schwarzhumorig. Das war ihnen nämlich auf der Erde schon einmal passiert.
„Ich glaube nicht, daß die aus unserem eigenen Universum stammen.“ bemerkte „Sir“ Jeremy, logisch wie immer. „Wäre zu umständlich. Nein, sie müssen von hier sein.“
Das dachten sie alle. Wesen dieser Paralleldimension ihres eigenen Kosmos? Oder Nachkommen jener, die einst durch die Station nach hier gekommen waren, um sich neuen, sicheren Ufern zuzuwenden? Gab es in der Station vielleicht eine Vorrichtung, die von den Forscher nicht bemerkt worden war, und die die erneute Benutzung der Station weitergemeldet hatte? Waren die Fremden vielleicht nur hier, um weitere Durchgänge zu verhindern, indem sie die Station zerstörten, weil sie befürchteten, befürchten mußten, daß der Unbekannte Feind noch immer am anderen Ende lauerte?... Das durfte nicht passieren, denn dann waren sie aufgeschmissen, dazu verdammt, sich für den Rest ihrer ziemlich langen Leben von süßem Erdbeerschleim zu ernähren, eine Aussicht, bei der mittlerweile sogar Harry erschauderte. Was konnten sie in diesem Fall unternehmen? Das fremde Fahrzeug mit ihrem Feuer zu belegen, in bester ID-4-Manier in seine empfindlichsten Teile hinein, die vermutlich die Raketentriebwerke waren? Und wenn das nicht reichte? Bisher hatten sie sich davor gescheut, ausgiebige Experimente mit dem „Blinken“ zu veranstalten, etwa verbundene Massensprünge, mit denen sie gemeinsam -- vielleicht -- imstande gewesen wären, sogar so große Massen wie beispielsweise ein Raumschiff fortzubewegen. Das Risiko war es ihnen bislang nicht wert gewesen.
Das fremde Schiff bremste weiter, war nur noch so schnell, daß sie bequem auf ihren eigenen Flügeln mithalten konnten. Denn das Ziel war bereits in Sichtweite, und das war tatsächlich die Station. Zusammengefügt aus riesigen, bearbeiteten Felsen, die die Alten mit Hilfe von Matrixenergie so mühelos zu bewegen wußten wie ein Kind seine Spielklötzchen, ragte sie vor ihnen als künstlicher Tafelberg aus der Ebene auf. Direkt über dem Eingang, oben auf der Plattform, von der vermutlich schon die Erbauer ins Land hinausgeschaut hatten, lag Goldie und blinzelte in die zweite Morgensonne, deren intensiv orangegelbes Leuchten die Drachendame in eine lebendige Statue aus purem, glitzerndem Edelmetall verwandelte. Jetzt, jetzt mußte die Entscheidung fallen...
Das Raumschiff landete. Auf der freien Ebene vor der Station, nur ein paar Gehminuten entfernt. Und auch der Schwarm ließ sich nieder, mit einigem Sicherheitsabstand umgaben sie jetzt kreisförmig das Objekt.
„Martin, du stehst genau in deren Schußlinie.“ warnte Carlotta. „Wenn die plötzlich loslegen, siehst du aus wie ein Schweizer Käse.“
Indigo grinste nur zahnig zur Antwort. Wie die anderen, die sich auch nicht gern sinnlos die Beine in den Bauch standen, hatte er sich erst mal niedergelegt, nur seine munter wedelnde Schwanzspitze verriet, daß er jederzeit bereit war, in einem Affenzahn zu verschwinden.
Sie warteten. Die im Raumschiff warteten auch.
„Mal sehen, wer schneller die Lust verliert.“ kommentierte „Lord“ Jeremy erheitert. Und rührte sich keinen Millimeter. Warum auch, die Sonne schien hier genauso schön warm wie anderswo, er hätte es hier den ganzen Tag ausgehalten.
Irgendwann öffnete sich am Schiff eine Luke. Automatisch fuhr eine Rampe aus, berührte den Boden. Eine erste Gestalt erschien, eine zweite... Humanoide, in Raumanzügen. Die Gesichter, die schemenhaft unter den verspiegelten Helmen zu erkennen waren, wirkten durchaus menschlich. Dann kam Gestalt Nummer Drei, und die erregte einige Heiterkeit im Publikum. Das war nämlich definitiv ein Roboter. Ziemlich groß geraten und ziemlich menschenähnlich, aber doch ein Roboter, mit einer Hülle aus poliertem Edelstahl und glühenden photoelektrischen Augen. „Ach wie süß!“ kommentierte Joe, der als Halbjapaner selbstverständlich ein Herz für ulkige Konstruktionen besaß. „So einer fehlt mir noch in meiner Sammlung! Krieg´ ich den zum Geburtstag?“ Telepathisches Gegiggel im Schwarm. Die Luke blieb offen, für den Fall, daß die Besucher einen schnellen Rückzug hinzulegen hatten, und die Zuschauer konnten darauf wetten, daß da wahrscheinlich noch mehr Leute im Schiff waren, die Hände auf den Kontrollen der Bordwaffen, und darauf lauerten, daß einer von ihnen eine falsche Bewegung machte.
„Siwa. Du bist dran!“ forderte Haze ihn auf.
„Immer auf die Kleinen.“ maulte Big G sofort. Womit er nicht ganz unrecht hatte, denn obwohl er als Erster Träger der Anführer und Berater in allen Lebenslagen und nebenbei der größte unter den Drachen war, gehörte er doch in Menschenform altersmäßig zu den Jüngeren der Gruppe.
„Keine Aufregung.“ kam es von Goldie, bevor er sich in Bewegung setzen konnte. „Ich übernehme das.“
« Letzte Änderung: 7. September 2015, 14:41:56 Uhr von DAOGA »

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Re: Begegnung auf einer fremden Welt
« Antwort #1 am: 14. September 2015, 17:24:41 Uhr »
Die Fremden waren unterdessen auf das Tor vorgerückt, langsam, wachsam, ständig auf eine Reaktion der sie umgebenden schuppigen Riesen gefaßt, die Faustfeuerwaffen schußbereit in den Händen, obwohl die winzigen Dinger lächerlich wirkten gegen die Übermacht von zehn stattlich gewachsenen Drachen. Woraus zu schließen war, daß die Waffen wohl über mehr Feuerkraft verfügten als man ihnen anzusehen vermochte. Besonders wachsam sicherten sie nach vorne, wo Goldie über dem Tor thronte und ihnen interessiert entgegenblickte.
„Halt, Fremde!“ forderte sie, ihre telepathische Sendung diesmal auch auf die Gruppe der Fremden ausdehnend. Jetzt erst wagten es die anderen, vorsichtig ihre telepathischen Fühler auszustrecken. Bei Fremden, insbesondere wenn man damit rechnen mußte, es mit Agenten des Unbekannten Feindes zu tun zu haben, konnte man in dieser Hinsicht nie vorsichtig genug sein. Denn wie sie aus Siwas Erfahrungen wußten, besaß auch der Gegner mächtige Matrixtechniker, starke Telepathen, die mit ihrem Verstand Achterbahn fahren und schlimmeres anstellen konnten.
„Ich gewähre Einlaß, wenn ihr zuerst ein Rätsel löst!“ übermittelte sie an die Besucher. „So sagt mir dies: Welch Tier ist das, das am Morgen auf allen Vieren geht, zu Mittag auf zwei und zum Abend auf drei Beinen?“
Big G gab ein deutlich hörbares Stöhnen von sich und tat so, als würde er lang hinschlagen. Die anderen stutzten kurz, und dann konnten sie sich kaum noch beherrschen. Acht scharfzahnige Raubtier-Gebisse erstrahlten grinsend in der Morgensonne. Selbstverständlich waren sie alle mehr oder weniger klassisch gebildet und kannten daher das alte Rätsel der Sphinx.
Die drei waren stehengeblieben, als sie Goldies Botschaft empfangen hatten, der Roboter mit keinem einzigen Sekundenbruchteil Verzögerung, wie die scharfen Drachenaugen durchaus bemerkt hatten. Also war auch die Maschine, irgendwie, telepathiebegabt... beim Anführer der drei war die Begabung jedoch am stärksten ausgeprägt, wie sie jetzt spürten, da sie vorsichtig sondierten. Begabung, keine ausgeprägte Befähigung zu aktiver Telepathie so wie bei Carolus oder den Drachen selbst, aber sicher noch ausbaufähig. Carolus hätte diesen Fremden vermutlich mit dem größten Vergnügen als Lehrling angenommen und zurechtgeschliffen.
Die drei konferierten kurz, und dann antwortete der Vordere: „Nun, wenn es nicht gerade eine bizarre Lebensform dieses Planeten ist... dann ist das wohl der Mensch. Als Kleinkind krabbelt er auf allen Vieren, in der Blüte seines Lebens geht er aufrecht, und wenn er alt wird, benutzt er einen Stock.“
„Perfekt. Er weiß es!“ teilte Goldie ihren Kameraden mit. Die machten sich bereits ihre eigenen Gedanken. Wenn die Station seit mehr als zwölftausend Jahren nicht mehr benutzt worden war, woher kannte der Fremde dann die Lösung des Rätsels? Entweder ging die Geschichte von der Sphinx viel weiter zurück als nur bis ins alte Griechenland, oder...
An die Fremden telepathierte Goldie: „Tritt ein, mein Lord. Aber sei gewarnt: Die Sauerstoffversorgung ist defekt!“
„Ach ja? Woher weißt du das?“ fragte der fremde Anführer, erstaunt und immer noch mißtrauisch. 
„Das wird dir drinnen einer der Unsrigen zeigen.“ Und, an Big G: „Siwa, los!“
Der Graugrüne seufzte, aber er wußte, wann sogar er bei Goldie zu parieren hatte. Er war nun mal der Anführer, und, verdammt, er gab es zu, er war neugierig. So schob er sich vorsichtig, um die drei nicht zum Schießen zu verleiten, hinter ihnen durch das aufgleitende Tor. Gleich danach blieb er stehen, seinen mächtigen Leib beinahe an das sich wieder schließende Schott gedrückt, und lauschte, bis das verröchelnde Geräusch der Klimaanlage bewies, daß sie vermutlich gerade die letzten existierenden Sauerstoffpartikel der ganzen Station in den ehemaligen Hangarraum gedrückt hatte. Die drei Besucher standen schon am nächsten Schott und starrten interessiert und besorgt zu ihm zurück. Durch diese nächste, viel kleinere Tür würde er nicht passen, da hätte sich nicht einmal Precious durchzwängen können, die sich gerade, immer noch seit Monaten hiesiger Zeitrechnung, völlig ahnungslos mit Fabio am kalifornischen Strand aalte...

... und die Gesichtsausdrücke der beiden fremden Männer, jetzt durch die Helmscheiben gut erkennbar, nachdem sich die Helmverspiegelung im Innern des Gebäudes deaktiviert hatte, waren endgültig totaler Fassungslosigkeit gewichen. Stellte er fest, als er die Augen wieder öffnete. Menschliche Augen in einem menschlichen Gesicht, und beides gehörte zu einem durchaus menschlichen Körper...
und dann krümmte er sich, hustend und röchelnd, als die abgestandene, vergiftete Stationsluft mit voller Wucht seine leider allzu menschlichen Lungen traf. Verdammt, da mußten neue Lecks aufgetreten sein, seit sie die Station verlassen hatten, die Luft reichte nicht mal mehr für eine Stunde Aufenthalt, bevor es ihn umbrachte...
„Das Ersatz-Pack, Otho!“ hörte er den fremden Anführer befehlen. Die drei standen jetzt um ihn herum, und der zweite der drei preßte ihm eine schmale, aber durchaus funktionierende Atemmaske auf den Mund. Siwa schmeckte kostbare, reine, sauerstoffhaltige Luft und tat erleichtert ein paar tiefe Atemzüge, bis er sich erneut krümmte und die bereits erwischte falsche Atmosphäre aushustete.
„Wir sollten weitergehen, Chef, vielleicht ist die Luft weiter drinnen besser!“ schlug der Roboter vor und lud sich den fremden blonden Jüngling, der da materialisiert war, wo sich einen Augenblick vorher die graugrüne schuppige Riesenbestie in Luft aufgelöst hatte, kurzerhand auf die Metallarme, bis er wieder zu Atem kam.
Verdammt, dachte Siwa, und diese Qual würde er später wahrscheinlich erneut durchzustehen haben, wenn er zu den anderen zurückkehrte. Außer er schaffte es, lange genug den Atem anzuhalten, bis der Übergang stattgefunden hatte. Lungenmodifikation, ich komme, dachte er diffus, denn Matrixtechniker wie er besaßen sowohl die ausdrückliche Erlaubnis als auch die finanziellen Mittel, derartige körperliche Verbesserungen an sich selbst durchführen zu lassen.
„Die Luft hier ist besser, aber nur geringfügig.“ sagte der Roboter, als sie den Torraum erreichten. Offenbar besaß die Konstruktion eingebaute Meßinstrumente, die ihr ständig die wichtigsten Daten der Umgebung übermittelten. „Ich rate von einem Absetzen der Helme ab.“
„Trotzdem.“ Der Anführer, ein noch junger, gut aussehender Mann mit flammendrotem Haarschopf, besaß Mut. Er öffnete den Helm, ließ aber die Sauerstoffzufuhr laufen, um sich nicht zu sehr zu vergiften. Siwa konnte das stetige leise Zischen hören. Der zweite Mann folgte dem Beispiel. „Mann, die Luft ist wirklich schlecht!“ kommentierte er dann. Er war ungewöhnlich bleichhäutig, wie künstlich gebleicht, und ohne ein einziges Haar am Kopf, weder Haupthaar noch Wimpern noch Augenbrauen, nicht einmal eine Spur von Bartwuchs. Vielleicht war er eine Art Mutant, dachte Siwa, oder als Kind in einen Kessel voller Bleichmittel geplumpst.
„Werden Sie uns ein paar Fragen beantworten?“ fragte der Rothaarige dann, als sie sich auf den Stühlen im Torraum niedergelassen hatten. Der Roboter blieb stehen, stumm und wachsam, wie ein überdimensionaler Zinnsoldat. Die Waffen hatten sie inzwischen weggesteckt, nachdem hier nichts war, was eine Bedrohung darzustellen schien. „Wenn es auf Gegenseitigkeit beruht.“ lächelte Siwa zurück, hin und wieder aus dem Atemgerät Luft holend. „Sie stammen aus diesem Universum?“
„Nun - nicht ganz. Aber das ist eine längere Geschichte. Sie aber auch nicht, oder?“
„Gleichfalls eine längere Geschichte. Kurzfassung, wir sind durch das Gegenstück dieser Station hierher gebracht worden. Leider läßt sich das Tor in die andere Richtung erst in einiger Zeit wieder öffnen, und wie Sie schon gemerkt haben, die Sauerstoffversorgung ist defekt. Ohne unsere Fähigkeit, in unsere andere Form zu wechseln, wären wir schon längst tot.“
Siwa hätte auch ohne seine minderen telepathischen Fähigkeiten gemerkt, daß seine Gegenüber jetzt vor Fragen geradezu brannten. „Ich bin wieder dran. Was suchen Sie hier? Wurden Sie hierhergerufen, oder hat es einen anderen Grund?“
Er sah, daß das Gesicht des Rothaarigen sich verhärtete. „Wir suchen jemand. Ein Besatzungsmitglied, das entführt wurde, und seinen Entführer. Wir empfingen von dieser Station Signale, die von den Gesuchten hätten stammen können. Aber wenn ich mir das hier so anschaue, dann war das wohl ein Irrtum.“ Er ließ seinen Blick über die Einrichtung der Torstation schweifen. „Ich nehme an, daß Sie nicht ganz freiwillig in diese Situation gerieten, die Sie gerade schilderten?“
Ping-Pong-Spiel, es ging hin und her. „Da können Sie drauf wetten. Es war eine hinterhältige Falle. Zwischen diesem und unserem Heimatuniversum besteht ein massives Zeitgefälle, was hier einige Monate ausmachen, sind dort lediglich ein paar Stunden. Wenn Sie hier jemanden umbringen, ist der Betreffende längst verwest und zerfallen, bevor man ihn auf der anderen Seite überhaupt vermissen würde. Eine ideale Methode, jemanden elegant aus dem Weg zu schaffen. Der Agent des Feindes, der uns hierher gelockt und dann die Verbindung unterbrochen hat, hat das gewußt, und auch davon, daß die Luftversorgung hier defekt ist. Wahrscheinlich hat er das Tor auf der anderen Seite gar nicht zerstört, es reichte völlig, es nur kurzfristig zu blockieren. Bis man Hilfe hätte schicken können, wären wir hier alle längst erstickt - wenn, ja, wenn unsere besseren Ichs nicht rein zufällig imstande gewesen wären, die fremde Luft hier zu atmen. Damit hat der Agent wohl nicht gerechnet.“ Siwa starrte auf seine Hände, die sich wie von selbst zu Fäusten geballt hatten in der Erwartung, sich um die Kehle des besagten Agenten zu legen. Denn das würden sie, früher oder später oder sehr bald, denn auf der anderen Seite durften bisher kaum ein paar Stunden verstrichen sein. Anders als hier, und das wirkte sich schon aus. Siwa hatte es gleich gemerkt, wie fremd sich sein menschlicher Körper anfühlte nach der langen Zeit als Drache, so klein und schwerfällig und empfindlich, ohne die Hilfe des Roboters wäre er wahrscheinlich ganz würdelos über seine eigenen Beine gefallen, und seine Zunge wollte kaum seinen Befehlen folgen, nachdem er sich so lange nur telepathisch mit seinen Kameraden verständigt hatte.
„Sollen wir Sie vielleicht woanders hinbringen, einstweilen? Oder Ihnen sonstwie helfen?“
Siwa überlegte kurz, und entschied sich dagegen. „Wir haben bis jetzt ganz gut überlebt, nur das Essen läßt sehr zu wünschen übrig. Das einzige, was wir als genießbar entdecken konnten, ist dieser Verwesungsschleim von den Küsten des Meeres, der giftig ist für die hiesigen Lebewesen, und der für uns wie Erdbeerpudding schmeckt.“ Was natürlich von Spot entdeckt worden war, der alles in den Mund nahm, was die anderen Drachen nicht mal mit spitzen Klauen anzufassen wagten. Er schnitt eine Grimasse und schauderte. Nie wieder Erdbeerpudding für ihn, egal wie lange er lebte, obwohl er doch sonst so eine Naschkatze war... „Da ich nicht glaube, daß Sie zufällig eine Ladung halbe Ochsen oder so in Ihrem Raumschiff haben... ich glaube nein. Das Tor kann sich jeden Tag wieder öffnen, deshalb schiebt immer einer von uns hier Wache. Höchstens wenn Sie ein Wunder geschehen lassen und die Sauerstoffversorgung reparieren könnten, das wäre nützlich.“
„Grag sieht sich die Sache mal an.“ Der Mann nickte zu dem Roboter hin, der gleichmütig zurücknickte. „Übrigens, wir haben uns noch gar nicht vorgestellt. Ich bin als Captain Future bekannt, und das hier sind zwei meiner Crewmitglieder, Otho und Grag. Otho ist übrigens ein Android.“
Aha, deshalb das komische Aussehen. Eine künstliche Lebensform, interessant. Siwa hatte ihn schon fast für einen viel zu spät gekommenen Fan des legendären Michael Jackson gehalten.

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Re: Begegnung auf einer fremden Welt
« Antwort #2 am: 25. September 2015, 09:49:51 Uhr »
„Siwa Hendricks von Lyon´s Home auf der Erde. Die anderen werden Sie auch kennenlernen, später, draußen.“ antwortete er. Eine Reparatur des Lebenserhaltungssystems, das wäre was gewesen. Dann hätten sie wenigstens zeitweise hierher zurückkehren können, vielleicht ein paar weitere Arbeiten erledigen, für die man Menschenfinger brauchte statt grober Drachenklauen.
„Dieser „unbekannte Feind“, von dem Sie sprachen. Könnte das derselbe sein, mit dem wir hier schon ein paarmal zu tun haben?“
Die Revanche für das Versprechen, sich um die Sauerstoffversorgung zu kümmern. Siwa war es egal.
„Da ich über Ihren Feind nichts weiß... ich glaube nein. Die Leute, die diese Station vor fast dreizehntausend Jahren unserer Zeit errichtet haben, waren auf der Flucht vor dem Feind, der in unserem Universum Krieg gegen sie führte, und suchten verzweifelt nach einem Ausweg. Wir wissen nicht, wieviele von ihnen diese Station als Durchgang in dieses Universum benutzt haben, und wohin sie dann weitergezogen sind, nachdem sie auf dieser Welt wohl nicht längere Zeit leben konnten. Die Agenten, mit denen wir zu tun haben, sind so etwas wie Überbleibsel aus dieser lange zurückliegenden Zeit, die den Krieg, der damals gnadenlos tobte, neu entfachen wollen. Wir wissen so gut wie nichts über sie, deshalb nennen wir diese Macht den „unbekannten“ oder den „unsichtbaren“ Feind. Wir wissen nur, daß sie vermutlich auch aus einer anderen Dimension stammt... aber wohl nicht aus dieser hier, sonst hätten sich die Leute damals nicht gerade hierher geflüchtet. Die Dimension des Feindes muß ziemlich fremdartig sein, und feindlich für jede Art von menschlichem Leben. Viel feindlicher als dieser Planet hier, der ist im Vergleich mit dieser anderen Dimension das reine Ferienparadies.“ Das glaubte Siwa aus seinen gemachten Erfahrungen sagen zu können. Er berichtete noch kurz, mit welchem faulen Trick es dem Agenten gelungen war, seine Gruppe, die für den Schutz seiner Heimatdimension vor eben jenem „unbekannten Feind“ zuständig war, hierherzulocken. Abzüglich zweier Mitglieder, die gerade wohlverdienten Urlaub machten und von dieser Sache hier noch gar nichts ahnen konnten.
„Haben Sie in letzter Zeit, so in den letzten paar Tagen, ungewöhnliche Beobachtungen gemacht? Insbesondere vielleicht ein Raumschiff, das dann wieder gestartet ist?“
„Sie meinen, wegen der Leute, die Sie suchen. Nein, so etwas hätten mir die anderen nicht vorenthalten. Aber Sie sagten, Sie wären von Signalen hierhergelockt worden. Von Signalen, die von dieser Station ausgehen. Vermutlich schon, seit unsere Forscher sie zum ersten Mal betreten haben. Das heißt, daß hier irgendwo dieser Signalgeber versteckt sein muß, und wer weiß, wen die Signale noch anlocken werden?“
„Grag kann auch danach suchen. Dann ist es Ihre Entscheidung, ob Sie Ihn weiter laufen lassen und auf andere Besucher warten, oder ihn abschalten. Wir können uns leider nicht länger hier aufhalten, unser Crewmitglied braucht uns, er ist schon viel zu lange in den Händen des Übeltäters.“
Siwa nickte und stand auf, mit seinen menschlichen Beinen, die sich immer noch etwas ungeschickt und unsicher anfühlten. Er zeigte den anderen, wo die Energie- und anderen Versorgungseinrichtungen der Station lagen und welche ersten Reparaturen bereits durchgeführt worden waren, bevor das Tor sich geschlossen hatte. Grag nickte verstehend und machte sich an die Arbeit. Mit Anlagen, die nach dem Prinzip der Freien Energie arbeiteten, war er nicht so vertraut, er stammte aus einer Welt, in der sich die Nutzung des Atoms zu schnell entwickelt hatte, um der anderen Methode mehr als eine Fußnote in der Technikgeschichte zu gönnen, aber die Bauweise war simpel genug, die Dinger liefen fast wie ein Perpetuum Mobile ewig weiter, wenn man sie erst einmal erfolgreich zum Laufen gebracht hatte. Die Lufterneuerungsanlage bedurfte schon etwas größerer Arbeiten, da war ziemlich viel kaputt gegangen. Kein Wunder, wenn diese Station wirklich fast dreizehntausend Jahre auf dem Buckel hatte. Und er durfte das Zeitgefälle nicht vergessen. Dreizehntausend Jahre für die Erbauer von der anderen Seite, das mußte sich hier inzwischen auf Millionen von Jahren summieren, selbst wenn Siwa mutmaßte, daß die Zeitdifferenzen nicht immer gleich waren, sondern zyklisch verliefen, mal schneller, mal langsamer... der einzige Grund, warum die Station auf dieser Seite der Zeiten nicht längst zu mürbem Kiesgeröll zerfallen war, verfärbt von Rostspuren, die als letzte Erinnerung von den technischen Einrichtungen zeugten, bestand darin, daß die Erbauer, die selbstverständlich auch von dem Zeitgefälle gewußt hatten, die gesamte Anlage mit Matrixenergie „getauft“ hatten. Eine solche Behandlung, die das behandelte Objekt leicht zwischen den Dimensionen verschob und auf diese Weise einen gewissen Schutz gegen Abnutzung und Alterung bot, konnte die Lebensdauer leicht auf ein paar Millionen Jahre verlängern. Aber leider währt nichts im Universum wirklich ewig, und die Energiereserven der „Taufe“ waren im Lauf der Zeit versiegt. Dagegen konnte Siwa etwas tun mit seiner Matrix der Stufe Drei, einem glänzenden blauen Juwel, das er in einem Goldring an der rechten Hand trug und auf das er sichtlich sehr stolz war, er konnte die Reserven wieder auffüllen. Eingeschränkt zumindest, solange bis ein wirklicher Meister seiner Zunft, wie sein Lehrer Carolus mit seiner übermächtigen Fünfer-Matrix, hier auftauchte und die Sache in die Hand nahm... das half aber alles nicht viel, wenn zwischenzeitlich auch die ganz normalen elektrischen und mechanischen Einrichtungen der Station so weit abgenutzt und korrodiert waren, daß sie ihren Geist aufgaben. Dann brauchte man keinen vergeistigten Matrixtechniker, sondern ganz ordinär einen erfahrenen Handwerker mit Ersatzteilen, Lötkolben und Schraubenschlüsseln.   
Da der Captain und Otho verständig zupackten und die Drachen, die draußen geduldig warteten, als zuverlässige Gabelstapler ein paar Ersatzteile von der Comet heranhievten, ließ sich diese Aufgabe binnen einiger Stunden erledigen. Siwas Crew lernte jetzt auch das letzte Besatzungsmitglied kennen, einen älteren Herrn namens Ezella Gurney, der bis jetzt das Schiff samt Bordkanonen gehütet hatte, und stellte sich telepathisch selbst vor, mit menschlichem Namen und Drachen-Alias. Als schließlich nur noch Grag als letzter geduldig an den uralten Geräten der Station herumbastelte und dabei keine weitere Hilfe mehr brauchte, gönnten sich der Captain, Ezella und Otho einen kurzen Ausflug auf Drachenrücken zu den größten Sehenswürdigkeiten des Planeten, die die unfreiwilligen Erforscher bislang hatten entdecken können. Die Drachen konnten teleportieren, deshalb ging damit nicht zu viel Zeit verloren.
„Nützliches Teil, so eine Rieseneidechse!“ bemerkte Otho neidisch, als sie wieder einmal eine Strecke von hunderten von Kilometern in einer Sekunde zurückgelegt hatten. „Sag, Chef, haben wir in der Comet vielleicht noch Platz für ein kleines Souvenir?“
Das fröhliche telepathische Gelächter von Ruby/Carlotta, auf deren Rücken er saß, antwortete ihm. Die Bilder von den menschlichen Erscheinungsformen der Riesenreptilien, die Otho telepathisch erhalten hatte, ließen ihn bedauern, daß der Rest von Siwas Crew darauf verzichtet hatte, sich zurückzuverwandeln. Denn selbst wenn das Luftversorgungssystem repariert war, würde es noch Stunden dauern, bis alle Teile der Station einschließlich des Hangars wieder über eine verträgliche Atmosphäre verfügten, und bis dahin wollten sie schon wieder unterwegs sein, Ul Quorn hinterher. Schade, mit diesen netten Damen hätte Otho zu gerne ein wenig geflirtet. In ihren menschlichen Gestalten selbstverständlich. So konnte er sich nur auf dem schlau konstruierten und sehr bequemen Sattel breitmachen und telepathisch mit ihnen Süßholz raspeln. Hm, dachte er amüsiert, ob das wohl auch so gut bei anderen Frauen ankam, ihnen gleich beim ersten Date ins Genick zu steigen? Denn diese hier, Ruby und Goldie und Autumn Leaf, alias Carlotta und Betty und Anne, lachten herzlich über die Scherze, die er machte. Ezella ritt auf Haze alias „Sir“ Jeremy, mit dem er sich auf Anhieb gut verstanden hatte, schließlich waren sie beide ältere Semester und „gesetzte“ Herren, und Curtis saß auf dem blau-weißen Indigo, der in Martins typischer Jungenhaftigkeit tausend Fragen auf einmal zu stellen versuchte, zum Raumschiff, zu den Dingen, die es alles konnte, von Null auf Warp Neun in soundsoviel Sekunden... Der stachlige Spike saß ihnen fast im Nacken, auch Brad der Punker war hochinteressiert an dem, was der Captain an technischen Details herausrückte. Der Rest des Schwarms, Goldie und Leaf und dazu noch Spot, Nightwing und Robin alias Harry und Joe und Hubert flogen ledig hinterher und lauschten den Gesprächen, aber ihre Sättel hatten sie alle angelegt, beim nächsten Zwischenstop wollten sie die Reiter tauschen, um auch mal in den Genuß eines intimeren Gesprächs zu kommen.
Nur Siwa war bei Grag in der Station zurückgeblieben, um mit seiner Energiematrix, die er leider nur in seiner menschlichen Gestalt benutzen konnte, und seinem Wissen über Dhoanor-Technologie bei den Reparaturen zu helfen. Da er eh schon verwandelt war und das kleine Ersatz-Atemgerät trug, war das keine Mühe für ihn. Er gedachte von dem Kunstmenschen noch was zu lernen und erfuhr von ihm die Geschichte, warum sie hinter Ul Quorn her waren und wer, oder vielleicht besser was das entführte Crewmitglied war. Ein lebendes Gehirn in einem Glassitkasten - na, das konnte Siwa auch nicht mehr erschüttern. Er hatte schon bizarrere Dinge gesehen.
„Warum habt ihr ihm nicht einen neuen Körper besorgt?“ fragte er gerade.

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Re: Begegnung auf einer fremden Welt
« Antwort #3 am: 12. Oktober 2015, 16:52:45 Uhr »
„Oh, das war geplant. Roger Newton, das war Curts Vater, wollte ihm den besten synthetischen Körper bauen, den die Welt je gesehen hat. So einen wie Otho ihn hat, die Gummipuppe, aber noch viel besser. Aber als es so weit war, hat Simon einfach „Nein!“ gesagt. Hat sich schlicht geweigert. Durch den Verlust seines Körpers hatte er eine Menge Denkkapazität hinzugewonnen, die ganzen Teile, die er nicht mehr für so ordinäres Zeug wie Darmkontrolle oder Herzschlag brauchte, und das wollte er nicht wieder verlieren. Er ist sehr stolz auf sein analytisches Denken, am liebsten wäre er wohl ganz eine Rechenmaschine, die den ganzen Tag nur Daten frißt und wieder ausspuckt. Und wenn Simon nicht will, dann geht gar nichts, er kann sturer sein als ein venusischer Meerbock. Deshalb ist er so geblieben. Später bekam er kleine Generatoren für Transportstrahlen eingebaut, damit er sich selbst fortbewegen oder Dinge greifen kann, aber auch darüber gab es erst eine heiße Debatte.“ Grag starrte auf seine Metallpranken, die so ungeheuer stark waren und dennoch mit unglaublichem Feingefühl in den empfindlichen Eingeweiden der uralten Dhoanor-Apparate zu arbeiten vermochten, flexte sie zu furchterregenden Pranken, entspannte sie wieder und langte nach dem nächsten Werkzeug. „Ich möchte niemals auf meine Hände verzichten, sie sind so nützlich. Oder auf irgend etwas anderes. Ich wurde voll funktionstüchtig erschaffen, und so möchte ich bleiben. In der letzten Zeit war es mehrfach nahe daran, daß ich zerstört wurde. Jedesmal ist es anderen gelungen, mich wieder zusammenzusetzen, und dafür bin ich ihnen dankbar.“
Siwa nickte nur. Er hatte schon viel mit unterschiedlichen Lebensformen zu tun gehabt, deshalb hatte er kein Problem damit, eine intelligente Maschine zu akzeptieren. Grag schien ihm ein hochgradig gelungenes Exemplar zu sein, auch wenn sein Kumpan Otho offenbar selten ein gutes Haar an ihm ließ. Die beiden waren wohl wie Haze und Robin, vom Schicksal zusammengeschweißt und einander in ewiger Haßliebe verbunden.
„Schade, daß er euch nicht sehen kann.“ machte Grag dann, und Siwa hätte schwören können, daß dieses intelligente Wesen in seiner Metallhülle in sich hinein kicherte, „vielleicht hätte er seine Einstellung zu einem Ersatzkörper dann geändert.“ Denn Siwa hatte ihm vorher kurz erklärt, was es mit den Drachen auf sich hatte.         
„Na, ich denke, er würde sich keinen Drachen aussuchen, sondern eher einen Irii. Eine Alienform mit unzähligen Tentakeln am ganzen Körper, der  tausend Dinge gleichzeitig tun kann. Ideal passend zur hohen Denkkapazität.“
Sie lachten beide. Sie verstanden sich recht gut, die beiden so unterschiedlichen Wesen aus verschiedenen Dimensionen. Dann erinnerte Siwa an den Sender, der immer noch seine Botschaft an unbekannte Empfänger in dieser Dimension richtete. An Empfänger, die vermutlich längst nicht mehr existierten, nach hunderttausenden, vielleicht Millionen Jahren, die in der Zwischenzeit in dieser Dimension verstrichen waren... aber so wie die Signale die Comet hergebracht hatten, konnten sie noch andere, weniger erfreuliche Besucher anlocken. Grag kalkulierte, wo er selbst unter logischen Gesichtspunkten so einen Sender montieren würde, suchte danach und hatte ihn bald gefunden. Siwa überlegte nochmals ein paar Minuten, und entschied sich dann, ihn abzustellen. Das Risiko war es vermutlich nicht wert, und er mußte auch an die Leute denken, Wissenschaftler und Techniker, die nach ihnen die Station übernehmen würden, sobald das Tor wieder offen war, Leute, die bei einem eventuellen Angriff nicht in der Lage waren, auf sich allein gestellt auf dieser Welt zu überleben...
Viel zu bald mußten sie Lebewohl sagen. Die Lufterneuerungsanlage lief wieder, so gut wie man dieses uralte Teil noch hatte zusammenflicken können, ohne es gleich ganz zu ersetzen, und die Future-Crew hatte ihren Spaß gehabt beim Drachenritt, so konnte jede Partei von einem Gewinn sprechen. Was Siwas Truppe besonders freute, Ezella hatte die Pantry der Comet geplündert und ihnen eine Ladung Lebensmittel dagelassen, genug, daß sie sich ein- bis zweimal in ihrer menschlichen Form in der Station zusammensetzen und ein Festmahl genießen konnten, sobald alles wieder hinreichend mit einer atembaren Atmosphäre geflutet war. Das „Festmahl“ bestand im wesentlichen aus Konserven und Raumfahrer-Konzentraten, Frischnahrung war, Ezellas Schilderung zufolge, schon vorher bei ihnen selbst knapp gewesen, in der Rebellen-Flotte war Schmalhans Küchenmeister - aber in ihrer Lage würden sie das alles als kulinarische Entdeckung feiern, was nicht nach Erdbeerpudding schmeckte.
„Ich hoffe, Sie finden Ihr Crewmitglied.“ wünschte Siwa zum Abschied. „Und was den Entführer angeht, nun, nach allem, was Grag mir erzählt hat - machen Sie das Schwein platt! Wir Matrixtechniker haben eine Lizenz zum Töten, womit wir normalerweise nicht hausieren gehen, und die auch nicht häufig beansprucht wird... aber ein Unverbesserlicher wie dieser Ul Quorn wäre bei uns Freiwild, und es würden sich eine ganze Menge williger Jäger finden. Erledigen Sie ihn endlich, bevor er noch mehr anstellt.“
Der Captain nickte, das war etwas, was er sich selbst schon viel zu oft gesagt hatte in den letzten Jahren. Manche Leute verdienten einfach keine zweite, dritte, vierte... Chance, von denen sich hinterher jede als genau eine zuviel herausstellte...
„Vielleicht sehen wir nochmal vorbei, sobald wir Simon gefunden haben.“ sagte er, aber versprechen konnte er es nicht. Er wußte nicht, was die Zukunft bringen würde, vielleicht würden sie auch sofort nach Hause fliegen, sobald sie den Professor eingesammelt, Quorn erledigt und die Flotte wiedergefunden hatten.
„Wer weiß, vielleicht sind wir dann schon fort. Und Sie finden dafür andere Leute hier, Techniker und Wissenschaftler, die diese Welt erforschen werden.“ 
Zehn Drachen, denn die Rückverwandlung Siwas in seine andere Form war das letzte, was die Futurecrew noch auf den Bildschirmen beobachten konnte, bevor die Comet abhob, sahen dem Raumschiff hinterher.
„Schade!“ seufzte irgendwer telepathisch, und es waren wahrscheinlich alle gleichzeitig gewesen, weil sie sich anschließend ganz verdutzt anstarrten.
„Willkommen zurück!“ röhrte Spot dann los und drosch Big G die Pranke auf die Schulter, daß der fast in die Knie ging. „Eine Ladung Erdbeerpudding gefällig?“


- Ende dieser Episode -