Autor Thema: Heimliche Beobachter  (Gelesen 1104 mal)

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Offline DAOGA

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Heimliche Beobachter
« am: 28. August 2014, 16:33:43 Uhr »
Hier mal eine ungewöhnliche Geschichte, die völlig ohne meine üblichen Dauerhelden auskommt. Welche zwei Serien ich hier verbraten habe, muß ich hoffentlich nicht erklären. Es war eine von diesen Schnapsideen, bei denen man sich zuerst denkt "Das klappt doch nie" - aber es ging doch, und wenn die Idee erst mal da ist, wird man sie nur noch durch Niederschreiben los. Und hier der übliche rechtliche Sums: es handelt es sich um eine zu rein nichtkommerziellen Zwecken geschriebene Fanfiction, deren handelnde Personen (bis auf eine) mir lizenzrechtlich nicht gehören.
Enjoy!



Der Interkom gab seinen unverkennbaren Pfeifton von sich, und dann verkündete eine wohltönende weibliche Stimme: „Captain, wir nähern uns dem Planeten Tsumita.“
Kirk seufzte und schlug die Augen auf. „Verstanden. Ich komme.“ sagte er dann gerade laut genug, daß der Interkom die Antwort weitergeben konnte.
Na endlich. Vielleicht gibt es jetzt endlich mal etwas Abwechslung, dachte er, während er sich langsam vom Bett erhob. Uhuras gelassener Tonfall hatte ihm bereits verraten, daß in den vergangenen Stunden nichts nennenswertes vorgefallen war und er sich Zeit lassen konnte bei der Morgentoilette, die nur dem Bordchronometer nach eine morgendliche Vorrichtung war. Im Weltall gab es bekanntlich keine Tageszeiten, nach denen man sich richten mußte. Verdammt, eine solch langweilige Reise hatte er selten erlebt. Keine angriffslustigen Klingonen, Begegnungen mit seltsamen Außerirdischen oder Bedrohungen durch kosmische Phänomene, Schiff und Mannschaft waren in bestem Zustand... das war doch keine Herausforderung für einen Captain der Sternenflotte! Er fühlte sich schon ganz schlaff, fand er, während er sich in der Ultraschall-Dusche grundreinigen ließ und prüfend seine Muskeln befühlte, körperlich wie mental. Wenn das so weiterging, würde er Biß und Spannkraft noch ganz verlieren. Von geruhsamen Rentnerfahrten auf zahmen Vergnügungsdampfern hatte er nicht gerade geträumt, als er Kadett der Sternenflotte geworden war!
Als er die Brücke betrat, fand er dort bereits Dr. Sigurd Oelsgren vor, den Leiter der anthropologischen Expedition, die die Enterprise auftragsgemäß zum Planeten Tsumita chauffierte. Abgesehen von der obligatorischen Begrüßung der Expeditionsteilnehmer kurz vor dem Start hatten sie sich kaum gesehen. Wie Kirk erfahren hatte, war die Expedition etwas überhastet zusammengestellt worden, nachdem ziemlich unerwartet weitere Forschungsmittel bewilligt worden waren und ein Transportmittel in Form der Enterprise zur Verfügung stand, aus diesem Grund hatten sich die Mitglieder des Forschungstrupps weitgehend in ihren Quartieren aufgehalten, um noch Listen zu klärender Fragen und sonstiger wichtiger Parameter für die Dauer der Expedition auszuarbeiten. Die einzig beanspruchte Abteilung des Schiffes war die Kommunikationsabteilung gewesen, solange man der Erde noch nahe genug war, weil die Forscher sich wirklich bis zur letzten Minute mit ihren Instituten abstimmten und Daten austauschten. Wie üblich in Fällen anthropologischer Expeditionen, sollte die Enterprise die Leute an einer bestimmten auserwählten Stelle der Planetenoberfläche, wo sich ein gut getarntes Camp befand, absetzen und dann ihre eigene Forschungsexpedition entlang eines vorher bestimmten Kurses fortsetzen, um sie nach Ablauf der vorgesehenen Zeitspanne, die ein halbes Jahr betrug, auf dem Rückflug wieder einzusammeln. Über den Planeten Tsumita wusste Kirk nur die wichtigsten Einzelheiten - stark erdähnlich, mit einer gelben Sonne vom G-Typ, bewohnt von humanoiden Ureinwohnern, die rein äußerlich Erdenmenschen verblüffend glichen, deren Kultur sich jedoch etwa auf dem Stand Europas und des Mittelmeerraumes um das Jahr 1000 alter Zeitrechnung herum befand. Weshalb sich unter Dr. Oelsgrens Führung insbesondere Historiker, Philologen und Archäologen fanden, die hofften, am Beispiel der lebendigen Eingeborenen von Tsumita Erkenntnisse zu den Geheimnissen vergleichbarer irdischer Kulturen zu gewinnen.
Der Historiker hatte es sich nicht nehmen lassen, den ersten Blick auf den Planeten, den er schon einmal vor Jahren mit seinem damaligen Team besucht hatte, von der Brücke aus zu tun. „Guten Morgen, Captain.“ begrüßte er Kirk höflich, als Jim endlich auftauchte.
„Guten Morgen, Dr. Oelsgren. Also das ist Tsumita. Hübscher Planet, nicht?“ machte Kirk, während er in seinem Sessel Platz nahm.
Genauso hübsch wie die Erde, eine leuchtend hellblaue, mit weißen Wolkenbändern marmorierte Kugel, die erst bei genauerem Hinsehen die grünbraunen Sprenkel zahlloser Inseln und Inselchen und einiger größerer Kontinente in ihren riesigen Meeresgebieten verriet.
„Sie werden Ihr altes Camp wieder aufsuchen?“ fragte Kirk. Eine wichtige Frage, schließlich mußte Montgomery Scott, der Bordingenieur, wissen, an welche Stelle er Menschen und Ausrüstung hinunterbeamen mußte.
„Ja, Captain.“ antwortete Dr. Oelsgren. „Wie Sie vielleicht wissen, mußten wir das Camp etwas überstürzt verlassen, weil die U.S.S. Crescent sich aufgrund einiger schwerer Krankheitsfälle an Bord nicht lange im Tsu-System aufhalten konnte. Wenn es um Tsumita geht, scheinen wir irgendwie nie genug Zeit zu haben... jedenfalls mußten wir mitten in einer sehr aufregenden Phase die Beobachtung beenden. Sind Sie mit der irdischen Kultur der Wikinger vertraut, Captain?“
„Metsaufende, in Fellmäntel gehüllte grobe Kerle mit Hörnern an den Helmen und einem Hang zur Seefahrt, die sich vermutlich phantastisch mit unseren Klingonen verstanden hätten?“ gab Kirk prompt das alte Klischee zum besten.   
„Beinahe korrekt, Captain.“ lächtelte der Historiker zurück. „Helme mit Hörnern oder anderen auffälligen Verzierungen wurden ein paarmal bei Ausgrabungen gefunden, wodurch diese Vorstellung entstanden ist, allerdings handelte es sich dabei um Prunkanfertigungen für besondere Gelegenheiten, die bei Feiern und Zeremonien getragen wurden oder wichtigen Toten mit ins Grab gegeben wurden. Im Alltag trug der typische Nordmann der damaligen Zeit wohl eher eine bequeme Fell- oder Strickmütze, sofern er sein langes Haar, auf das die freien Krieger stolz waren und das in mannigfacher Weise geflochten und verziert wurde, nicht unbedeckt zur Schau trug. Während eines Kriegszuges trug man glatte, aus Eisen gefertigte Helme, deren Schmuck allenfalls aus Gravierungen, Nieten, Vergoldungen oder Lederapplikationen bestanden. Bei ausladendem Zierrat wie Hörnern, Flügeln oder ähnlichem besteht nämlich die Gefahr, daß der Krieger im Gefecht damit irgendwo hängenbleibt oder sich die Waffe eines Gegners daran verfängt, was unter Umständen in einem tödlichen Treffer oder einem Genickbruch resultieren könnte. - Nun, eine der Kulturen Tsumitas, auf die wir uns besonders konzentrierten, entsprach weitgehend dem klassischen Bild unserer Wikinger, und diese Wikinger hier tragen tatsächlich Hörnerhelme, vermutlich versuchten sie damit ihre größten Gegner zu imitieren, zu denen ich später noch kommen werde. Unter der perfekt menschenähnlichen Form verbergen sich ein paar kleinere Unterschiede, wie etwa eine deutlich höhere körperliche Widerstandskraft, stärkerer Knochenbau, kräftigere Muskeln, Unempfindlichkeit gegen ungünstige Witterung... aber das brauchen sie wohl auch, wenn sie auf ihrer Welt überleben wollen. - Wenn Sie erlauben, Captain Kirk, mein Team und ich haben eine kleine Präsentation zusammengestellt, die diese hochinteressante Kultur in Kurzfassung vorstellt, die wollte ich Ihnen zeigen, bevor wir den Planeten erreichen, damit Sie verstehen, warum uns dieser Auftrag so wichtig ist. Sie enthält wenig wissenschaftliche Fachbegriffe, versprochen.“ Letzteres lockte ein Lächeln auf Jims Gesicht. Der Historiker bewies damit nämlich, daß er wusste, wie Sternenflottenkapitäne es gerne hatten, nämlich knapp und präzise. Für ausführliche wissenschaftliche Erläuterungen gab es schließlich einen Wissenschaftsoffizier an Bord. Kirk nickte einladend.
„Miss Uhura, bitte?“ Sie hielt bereits den Datenwürfel in der Hand und gab ihn jetzt ein. Auf dem Hauptbildschirm verschwand das Bild des näherkommenden Planeten und wurde ersetzt durch eine Luftaufnahme, die aus dem Orbit gemacht worden war, eine alte Aufnahme von der letzten Expedition.
„Die verblüffenden Ähnlichkeiten dieser Kultur auf Tsumita mit jener auf der Erde ist ein klassisches Beispiel für die Konvergenztheorie, eine parallele Entwicklung aufgrund vergleichbarer Lebensumstände. Das hier ist der Lebensraum, ein großes, überwiegend seichtes Meeresgebiet in der gemäßigten Zone der nördlichen Halbkugel des Planeten. Wie Sie sehen, gibt es eine Unzahl von kleinen und großen Inseln. Strömungen tragen Nährstoffe aus dem Süden ein, wodurch das Meer sehr fruchtbar ist, es gibt Fische und andere Meereslebewesen in unglaublichen Mengen. Die Inseln sind meist mit hohen Bäumen bestanden, selbst die sehr kleinen, die oft aus nicht mehr als einem hoch aus dem Wasser ragenden Felsturm bestehen. Die Verfügbarkeit von Fisch und Holz und ein paar Metallvorkommen auf einigen der Inseln, hauptsächlich Eisen, Kupfer und Zinn, und die Notwendigkeit, in oft trügerischen Strömungen zwischen den Inseln navigieren zu müssen, ließen eine Fischerkultur mit erstklassigen Kenntnissen in Schiffsbau und Navigation entstehen. Die Kinder dieses Volkes können gewissermaßen schon segeln, bevor sie richtig laufen können.“ Das Bild hatte gewechselt, es zeigte zuerst ein typisches Schiff von Tsumita, dann den Original-Nachbau eines „Drakkar“, des klassischen Wikinger-Langschiffs von der Erde, dann beide abwechselnd, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszustellen. „Woran es allerdings mangelt ist fruchtbarer Ackerboden, mehr als kleine Gärten haben wir bei keiner der Siedlungen vorgefunden. Auf dem weniger fruchtbaren Boden wächst Gras, das von einer Rasse schafähnlicher Geschöpfe abgeweidet wird, die im wesentlichen wegen ihrer Wolle gehalten werden. Geschlachtet werden sie so gut wie nie, vielleicht sind sie als Wollproduzenten zu kostbar, aber wir spekulieren, daß sie ab einem gewissen Alter schlicht ungenießbar sind, zumindest für Menschen, deren Mägen an leichtverdaulichen Fisch angepaßt sind.“ Die rundliche, wollige Kreatur mit dünnen, verkrüppelt wirkenden Hörnchen auf dem Kopf, die dazu auf dem Bildschirm zu sehen war, sah sogar für Kirks in landwirtschaftlichen Fragen ungeschulte Augen ausgesprochen dämlich aus.
„Kommen wir jetzt zum großen Unterschied zwischen den nördlichen Tsumitanern und unseren Wikingern. Unserer Bezeichnung Wikinger wird abgeleitet vom Begriff „viking“, mit dem eine lange Schiffsreise bezeichnet wurde. Die Männer, die auf „viking“ gingen, wurden so zu Wikingern.“ Er betonte es in seiner Heimatsprache, auf die nordische Art, es klang wie „Vikingr“, mit deutlichem rollendem R am Ende. „Die weiten Fahrten unserer Wikinger, nach Grönland und bis an die amerikanische Küste, dem sogenannten Vinland dürften bekannt sein, auch ihre Fahrten um Spanien herum bis ins Mittelmeer und ihre Kontakte nach Rußland. Ob man auf diesen Fahrten friedlich Handel trieb oder sich als Plünderer betätigte, hing schon damals hauptsächlich von der Politik ab, inwieweit man mit den Landesfürsten der aufgesuchten Küsten und Häfen befreundet oder über Tributzahlungen verbunden war oder nicht. Und natürlich davon, wie gut bewaffnet und wehrfähig die potentiellen Opfer waren. Die Wikinger bevorzugten bei ihren Überfällen schnelle hit-and-run-Operationen, im Morgengrauen ahnungslose Siedlungen überfallen, plündern und wieder verschwinden, noch bevor der jeweilige Landesherr eine Kriegertruppe zusammenstellen konnte. Für die abgelegenen und an Ackerland und Rohstoffen ziemlich armen Heimatgebiete der Wikinger waren die Güter aus fremden Ländern überlebensnotwendig, genauso wie die Möglichkeit, die männlichen Bevölkerungsüberschüsse auf sozial verträgliche Art loszuwerden, indem man sie einfach auf viking schickte und sie ihr Glück in der Ferne suchen ließ. -- Und das ist jetzt der große Unterschied. Denn die sogenannten Wikinger von Tsumita müssen keine weiten Reisen unternehmen, um gefährliche Abenteuer und Kämpfe zu bestehen, sie haben sie vor ihrer eigenen Haustür. Ich sprach vorhin vom Fischreichtum der Region, und solche guten Nahrungsquellen locken automatisch Predatoren an. Als die Wikinger der alten Erde ihren Drachenschiffen die geschnitzten Köpfe verpaßten, hatten sie mit ziemlicher Sicherheit kein lebendes Vorbild dafür im Sinn. Bei den Tsumitanern allerdings ist das was anderes.“
Und damit ließ er das Bild eines Tsumita-Hauses mit geschnitzten Drachenmotiven am First verblassen und zeigte das nächste Bild - auf dem es von sehr lebendigen Reptilien in allen Größen, Farben und Formen nur so wimmelte. Geschuppt, gefügelt, mit Flossen oder ohne, mit zwei, vier oder mehr Beinen, zwei oder mehr Flügeln und in jeder nur erdenklichen Farbkombination, manche hatten sogar zwei Köpfe...
...Wesen, die man einfach nur mit dem Wort „Drachen“ bezeichnen konnte.

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Re: Heimliche Beobachter
« Antwort #1 am: 3. September 2014, 15:27:31 Uhr »
Die nächsten drei Dutzend Bilder zeigten nichts anderes als einzelne Exemplare dieser Wesen, die es in einer verblüffenden Vielfalt zu geben schien. „Das ist der Grund, warum wir gleich zwei Xenobiologen in unserem Team haben, und warum wir die Waffen im Gepäck haben, die Ihr Sicherheitsoffizier bereits beanstandet hat. An den Zähnen der Reptilien ist zu erkennen, daß es sich hauptsächlich um Fischfresser handelt. Und das bringt diese Tiere automatisch auf Kollisionskurs mit unseren Tsumitanern, weil deren Siedlungen ebenfalls hauptsächlich von Fisch leben, der dort in großen Mengen zubereitet und getrocknet wird, weshalb ständig eine Geruchswolke nach Fisch und Schaf über den menschlichen Ansiedlungen hängt. Das Ergebnis sieht logischerweise so aus.“
Drachenüberfälle.
Drachen, die einzelne Fische oder gar komplette gefüllte Fischnetze abschleppten, daneben einer, der ein lebendiges Schaf in den Klauen hielt - und die menschlichen Verteidiger, die sich mit einer Vielzahl von schweren, primitiven und trotzdem sehr gefährlichen Waffen gegen den Überfall zur Wehr setzten, während ihr Dorf an vielen Stellen brannte.
„Die Drachen von Tsumita verdienen diese Bezeichnung absolut, denn unter ihnen gibt es einige Arten, die Feuer spucken können, andere sondern leicht entflammbare Gase ab, spucken Säure oder sogar kochendes Wasser. Auch wir wurden in unserem Camp ein paarmal von Drachen heimgesucht, aber erstaunlicherweise drehten die Tiere immer im letzten Moment ab, bevor jemand von uns zu Schaden kommen konnte, ganz so als hätten sie erkannt, daß wir keine Tsumitaner sind. Ich nehme stark an, daß es unser fremder Geruch war, der sie abschreckte. Die Eingeborenen benutzen nämlich auch Fischöl zum Einreiben für medizinische und kosmetische Zwecke, weshalb sie für die Drachen vermutlich wie ein ganzer Festschmaus duften. Dr. Mellpallel, der leider diesmal nicht mehr dabei ist, kam dann auf die gute Idee, simple Ultraschallgeräte zu installieren, wie sie auf vielen Welten zur Abwehr von Stechinsekten verwendet werden. Die hohen Töne scheinen den meisten Drachenarten, nicht allen, aber zumindest den meisten, so lästig zu sein, daß sie dem Camp freiwillig fernbleiben. Danach hatten wir keine Probleme mehr damit, anders als die Einheimischen. Allerdings wollen wir uns diesmal nicht allein auf die Ultraschallgeräte verlassen, und deshalb haben wir auch die Waffen im Gepäck, Captain. - Ausgerechnet am letzten Tag unserer Anwesenheit, als wir unsere Ausrüstung gerade zur Crescent hochbeamen ließen, kam es in dem Dorf, das wir damals beobachteten, zur Katastrophe, ein ungewöhnlich heftiger Drachenangriff. An normale Angriffe samt Brände sind die Leute gewöhnt, was sich beispielsweise in der Architektur widerspiegelt, die Tragbalken in den Hütten beispielsweise sind aus sogenanntem Eisenholz, das extrem hart und nur schwer brennbar ist, in ausreichender Dicke widersteht es selbst Drachenfeuer. Selbst wenn die ganze Inneneinrichtung abfackelt, bleibt das Balkengerüst meist stehen, was einen Wiederaufbau sehr erleichtert. Nach einem Brand reicht es meistens, die verkohlte Schicht abzukratzen, sofern die Balken von Anfang an dick genug waren.“ Die Bilder, die dazu gezeigt wurden, bewiesen, wie massiv und urig die Tsumitaner zu bauen verstanden, und unter geschicktem Einbezug der reichlich vorhandenen Felsen, die überall durch die dünne Erdkrume hervorlugten. Es waren nur wenige Schnappschüsse von außen, meistens bei Dunkelheit gemacht, weil die Anthropologen ihre zwar gut getarnten Miniaturspione nicht an einen besonders aufmerksamen Eingeborenen verlieren und damit Aufmerksamkeit erregen wollten. „Und das waren die letzten Bilder, die uns die Sonden übermittelten, bevor die Crescent auf Warpgeschwindigkeit ging.“
Ein Dorf in der Nacht, das an allen Ecken und Enden brannte, während die menschlichen Verteidiger zu retten versuchten, was noch zu retten war, und über ihnen eine ungenannte Zahl von Drachen immer wieder neues Feuer, Säure, explosive Dämpfe, kochendes Wasser und sogar einzelne Plasmablitze herabregnen ließen.
Dr. Oelsgren deutete auf einen hünenhaften Wikinger mit Fellmantel, der im Spiel von Feuer und Schatten eine riesige Streitaxt gegen einen angreifenden Drachen schwang. „Das war der Stammesführer, er trug den schönen "sprechenden" Namen Haudrauf. Normalerweise haben die Einheimischen die Überfälle ziemlich locker weggesteckt, das war halt etwas, womit man leben mußte, man wehrte sich und zog hinterher dem einen oder anderen erlegten Drachen die Haut ab als Entschädigung, aber wie es nach diesem besonders extremen Überfall weiterging... wir wissen leider nicht, wie es ausging, ob es Überlebende gegeben hat, ob sie das Dorf hinterher wieder aufgebaut haben, oder ob sie die Nase voll hatten und woanders hingezogen sind, irgendwohin, wo es weniger geflügeltes Ungeziefer gibt... dann müssen wir nämlich auch unser Camp verlegen, es ist ziemlich umständlich, ein Dorf von einer ganz anderen Insel aus im Auge zu behalten. Aber darüber entscheiden wir erst nachdem wir uns dort umgesehen haben, die Koordinaten dieses Dorfes sind unser erstes Ziel auf dem Planeten.“ Er blickte den Captain an. „Des einen Leid ist des anderen Freud, wie man sagt. Sollte das Dorf tatsächlich damals verlassen worden sein, haben wir die Chance, dort ungestört nach Artefakten zu suchen.“
„Und Sie haben nicht versucht, irgendwie einzugreifen?“ fragte Kirk neugierig. Er wusste, er hätte solch einem Monsterangriff auf wehrlose Menschen nicht tatenlos zugesehen, er hätte eingegriffen, irgendwie, und egal welche Folgen danach auf ihn warteten --
„Wo denken Sie hin!“ entgegnete der Doktor beinahe empört. „Sie wissen genau, wie streng Verstöße gegen die Erste Direktive geahndet werden, ich hätte nie wieder einen Fuß an Bord eines Föderationsschiffes setzen dürfen, außer zum Zweck des sofortigen Heimtransports! Aber, ich gebe es zu, gewünscht habe ich es mir. Irgendwie hätten wir es vielleicht schaffen können, den Leuten einen Ultraschallgenerator unterzujubeln, ohne daß sie es merken... wunschträumen darf man wohl, Mr. Spock, nicht wahr?“ Und lächelte, weil der vulkanische Wissenschaftsoffizier bei dem Gedankenspiel, das ein Aushebeln der Ersten Direktive zum Ziel hatte, bedeutsam eine Augenbraue gehoben hatte, was beinahe schon einer offiziellen verbalen Verwarnung von Seiten eines Sternenflotten-Offiziers entspach.
„Keptin, wir sind gleich auf Scanner-Reichweite.“ meldete sich Chekov mit seinem unnachahmlichen russischen Akzent. „Koordinaten für den ersten Scan sind bereits angelegt, das Eingeborenendorf samt Umgebung.“
Wie auf Kommando erschien Montgomery Scott, kurz Scotty genannt, der leitende Chefingenieur der Enterprise, auf der Brücke. „Alles zum Herunterbeamen vorbereitet, meine Leute sind jederzeit bereit, Captain.“ meldete er als erstes. Er trug ein kleines Hand-Steuergerät bei sich, das ihn unmittelbar mit dem Bordcomputer verband. Jetzt nickte er dem Historiker zu, als er sagte: „Dr. Oelsgren hat mich gebeten, für den ersten Scandurchlauf hier zu sein, für den Fall, daß etwas auftaucht, was meine Expertise verlangt. Außerdem soll ich die bislang stillgelegten kameratragenden Sonden des Camps reaktivieren, damit wir schon erste Bilder von vor Ort bekommen, noch bevor wir mit dem Herunterbeamen beginnen. Die anderen Mitglieder des Landungsteams beobachten von ihren Quartieren aus, sie können jederzeit in den Transporterraum gerufen werden. Captain?“
Kirk nickte nur als Einverständnis, er mochte es, wenn seine Crew mitdachte. „Mr. Chekov, fertig wenn Sie es sind.“
Bei dem augenblicklichen Abstand der Enterprise vom Planeten war ein Komplettscan noch nicht möglich, das erste, was die Sensoren auffingen, waren besonders hervorstechende Signale wie etwa Hitzesignaturen im Infrarot-Bereich.
„Lebensformen im Zielbereich. Viele, das Dorf da unten ist eindeutig nicht ausgestorben.“ stellten Chekov und Spock gemeinsam fest, jeder in seinem eigenen Scanner-Bereich.
„Der Größe einiger dieser Lebensformen nach zu urteilen, tummeln sich offenbar Drachen dort, aber für genauere Aussagen sind wir noch zu weit weg. Im Moment reicht es nur für einen groben Empfang stärkerer Hitzequellen.“
„Und da sind Feuer zu sehen.“ Eine mit winzigen weißen Flecken übersäte erste Karte des ausgesuchten Teils der Planetenoberfläche, der Standort des Dorfes, erschien auf dem Hauptschirm. Die weißen Flecken waren Hitzeemissionen, genauer ausgedrückt Infrarotstrahlung.

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Re: Heimliche Beobachter
« Antwort #2 am: 17. September 2014, 14:50:28 Uhr »
„Kämpfen die etwa immer noch? Oder schon wieder?“ wunderte sich Dr. Oelsgren prompt. „Nun, auf jeden Fall wird es dann nichts mit unserer Eskursion zu Ruinen. Und vermutlich auch nichts mit einem Umzug.“
„Ich muß Sie berichtigen, Doktor.“ antwortete Spock. „Größe, Intensität und Verteilung der Feuer im Originalplan des Dorfes in Verbindung mit der aktuellen Tageszeit an diesem Standort deutet darauf hin, daß es sich um Kochfeuer und vereinzelte Beleuchtungen in den Gebäuden handelt, nicht um brennende Häuser.“
„Dann könnte der eine größere Fleck da die Dorfschmiede sein, in primitiven Zeiten hatte jedes Dorf seine eigene Schmiede.“ deutete Scotty, der sich mit solchen Dingen auskannte und aus der Stärke der abgebildeten Lichter sogar die Durchschnittstemperaturen der Feuer zu deuten wußte. „Der Schmied sehnt sich wohl schon nach dem Mittagessen, mit dem Feuerchen wird das nämlich nichts mehr mit dem Schmieden. Selbst mit einfacher Holzkohle sollte man ein besseres Schmiedefeuer hinbekomm--“ Er stockte mitten im Wort, das er nicht beenden konnte, denn noch während er gesprochen hatte, war direkt neben der mutmaßlichen Esse ein weiteres Licht aufgeflammt, in Sekundenschnelle, heißer als die Esse und mindestens genauso groß, und mit einem jähen Impuls jagte die gesamte Hitzeenergie des einen Lichtflecks in den anderen, der dadurch zu intensivweißer Glut aufflammte, während der andere Lichtfleck binnen Sekunden verglomm.
„Verdammt, da leck mich doch... Jim, haben Sie das gesehen?“ staunte Scotty dann lautstark. „Was war das, Doktor? Ich kenne keine mittelalterliche Vorrichtung, die zur Erzeugung eines derartigen Energieschubs in der Lage wäre. Sowas sehen Sie nur bei Verwendung von Plasma- oder Nukleartechnologie. Und sehen Sie, wie schnell der Energieerzeuger wieder abgekühlt ist, gerade so, als wäre da etwas, was die Überschüsse sofort wieder absorbiert -- Mr. Spock?“
„Ich kann keinerlei Strahlungsemissionen feststellen außer reiner Infrarotstrahlung.“ antwortete der Halbvulkanier. „Auch Schwingungen im fünfdimensionalen Bereich sind nicht feststellbar. Was immer es war, es war weder nuklearer Art noch dilithium-gestützt.“
„Forschungswürdig, Mr. Scott?“ fragte Kirk ein wenig spöttisch, weil er die Antwort schon kannte.
„Absolut, Captain! Sind Sie sicher, daß Sie in den nächsten Monaten meiner Anwesenheit bedürfen?“
Das brachte reihum alle zum Grinsen, bis auf Spock natürlich, der nur andeutungsweise eine Augenbraue hochzog. Die Frage war selbstverständlich rhetorisch gemeint, was wäre die Enterprise ohne ihren Chefingenieur.
„Leider ja, Mr. Scott. Was machen die Sonden?“ Kirk wusste genau, warum Scotty das Handsteuergerät mit sich herumschleppte.
„Von den Kameradrohnen melden zwei volle Bereitschaft, bei drei anderen läßt die Energieladung zu wünschen übrig, der Rest meldet sich gar nicht. Von den großen Überwachungssonden wäre eine bereit, die anderen melden diverse Fehlfunktionen. Das ist gar kein so schlechter Schnitt nach sechs Jahren in deaktiviertem Zustand. Ich würde aber empfehlen, erst mal nur die zwei Kameradrohnen loszuschicken, weil die gut als einheimische Insekten getarnt sind, bei denen fällt es nicht so auf, wenn sie im Flug plötzlich doch den Saft verlieren sollten und auf einem Dach oder im Gebüsch notlanden. Die Overhead-Sonde möchte ich lieber erst mal selber auf Herz und Nieren prüfen, bevor ich sie losschicke, denn wenn die einem ahnungslosen Eingeborenen auf den Kopf fällt, erregt das auf jeden Fall Aufsehen.“
„Machen Sie das, Mr. Scott. Wie lange bis zum Dorf?“
„Wenn ich sie auf Schleichwegen und nicht mit Maximalgeschwindigkeit fliegen lasse, vielleicht eine Viertelstunde. Mr. Hammond sitzt übrigens an den Backup-Kontrollen, falls die Sonden auf irgendein Hindernis stoßen, mit dem die Automatsteuerung des Computers nicht fertig wird.“
Kirk nickte zufrieden. Auf zwei kleinen Nebenbildschirmen tauchten Bilder der Landschaft auf, durch die die zwei soeben gestarteten Insektenkameras flogen, eine naturbelassene, sonnenbestrahlte Landschaft mit viel Grün, hochaufragenden mächtigen Bäumen und teilweise noch höher aufragenden Felstürmen. Irgendwo am anderen Ende der Insel, genau entgegengesetzt vom gut getarnten Camp der Forscher, lag das Ziel der Drohnen, das Dorf der Eingeborenen. 
„Zweiter Scan komplett, Daten auf den Hauptbildschirm.“ meldete Chekov.
Eine neue Schicht von Infrarotbildern legte sich auf das erste Bild. Diesmal waren die schwächeren Flecken, die die Wärmeemissionen von menschlichen Körpern darstellten, deutlich zu sehen, und dazwischen viel größere und zugleich viel schwächere Schemen, die Drachen sein mußten, die einzig deutlich sichtbaren Teile daran waren winzige Punkte - Körperöffnungen wie Nüstern, Mäuler und Augen, da der Rest der Drachenkörper offenbar gut wärmeisoliert war.
„Die Bewegungsmuster der Eingeborenen deuten nicht auf Aufregung hin. Da unten scheint man den normalen  Alltagstätigkeiten nachzugehen, obwohl eine größere Anzahl von Drachen im Dorf zu sein scheint.“ 
„Das Dorf scheint auch viel größer zu sein als vor sechs Jahren. Ich sehe da eine Menge neuer Gebäude und Vorrichtungen, die offenbar auch benutzt werden. Ohne visuelle Aufklärung läßt sich aber noch nicht sagen, wozu sie dienen und was da unten vorgeht. Ich frage mich, sind das noch die alten Einwohner von damals?“
„Was ist das da für ein kreisrundes Objekt? Sieht fast aus wie eine antike Arena.“ wollte Kirk wissen.
„Ist es auch so ungefähr. In großen Käfigen unter den Zuschauerrängen wurden Drachen für Übungszwecke gehalten, die angehenden Krieger konnten dort unter kontrollierten Bedingungen und unter Anleitung von erfahrenen Kämpfern die Drachenbekämpfung erlernen. Im Augenblick scheint es aber so ziemlich der einzige Ort zu sein, wo keine Drachen sind. Seltsam.“ antwortete Dr. Oelsgren.
„Bremsmanöver abgeschlossen, Captain.“ meldete sich Sulu. „Wir haben geostationäre Umlaufbahn erreicht und befinden uns direkt über dem Zielgebiet. Tarnschilde sind aktiv, von da unten zumindest kann uns niemand sehen.“
„Und keinerlei Hinweise auf andere Raumschiffe in der weiteren Umgebung. Wir haben den Planeten ganz für uns allein. Wie weit sind die Kameras, Mr. Scott?“
Scotty schaltete den Input der Kameradrohnen auf den Hauptbildschirm. „Nähern sich dem Dorf. Da, sehen Sie, da fliegt ein Drache! - Ich lasse die Kameras in einer Zangenbewegung von beiden Seiten auf das Dorf zufliegen,  dann haben wir den besten Überblick. Das Dorf ist an einen Steilhang direkt am Ufer gebaut, ist ja ein Fischerdorf. Mann, da wimmelt es tatsächlich von Drachen - da müssen wir aufpassen, die Kameras sind zwar als stachelbewehrte Giftinsekten getarnt, aber die Aussicht auf eine Ladung Wespengift wird vielleicht nicht jedes Reptil davon abschrecken, sich einen kleinen Happen zu schnappen.“
„Da, was ist das?“ deutete Scotty. Denn das Bild, das eine der Drohnen lieferte, zeigte so etwas wie eine Statue, die in die Felsen, die das Dorf überragten, eingemeißelt war. Der hellen Farbe des Steins nach war die Statue neu, und sie zeigte unzweifelhaft die Büste eines hünenhaften, in einen Fellmantel gehüllten und mit einem Hörnerhelm gekrönten vollbärtigen Wikingers. Einen Wikinger, den sie kurz vorher noch lebendig auf den alten Filmaufnahmen gesehen hatten...
„Das ist Haudrauf, der hiesige Häuptling! Wenn man ihn hier verewigt hat, dann weilt er wohl inzwischen in Walhall.“ So wie Dr. Oelsgren das sagte, in seinem heimatlichen Akzent, klang es wie ein Stabreimvers aus einer altnordischen Saga.
„Dann bin ich aber gespannt, wer jetzt der Anführer des Dorfes ist. Der alte Haudrauf hatte zwar einen Sohn, aber der war zu früh auf die Welt gekommen und ein ziemlicher Hänfling. Er hat zwar fleißig versucht, ein so tapferer Drachenbekämpfer zu werden wie die anderen, hat dabei aber meist mehr Schaden angerichtet als die Drachen selber. Ich bezweifle, daß der sich gegen die Schwergewichte im Dorf durchsetzen konnte.“
Während diese Drohne nach einer Ehrenrunde um die Statue abdrehte, um auf das Dorf zuzufliegen, erreichte die andere den kleinen Hafen, in dem einige der Fischerboote lagen. Über einem davon schwebten zwei Drachen, die soeben ein mit Fischen gefülltes Netz vom Deck in die Höhe hievten. Allerdings handelte es sich diesmal nicht um einen Fall von Mundraub. Denn im Nacken jedes Drachen saß, mühelos erkennbar, ein menschlicher Reiter.

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Re: Heimliche Beobachter
« Antwort #3 am: 29. September 2014, 17:07:13 Uhr »
„Der rote Drache wird Riesenhafter Alptraum genannt, der andere, der kleine dicke, ist ein Gronckel. Zumindest der erste ist brandgefährlich, im Sinne des Wortes, diese Art kann sich nämlich selbst für kurze Zeit in Brand setzen, fragen Sie mich aber nicht wie. Dem Reiter wird wohl des öfteren mal der Hosenboden angesengt werden. Bei dem anderen Drachen frage ich mich, wie der überhaupt in der Luft bleiben kann, bei der Masse und den winzigen Flügelchen. Das sind ein paar weitere Fragen, auf die unsere Xenobiologen die Antworten suchen werden.“ Gespannt beobachteten sie, wie die Drachen das Netz in die Mitte des Dorfes schleppten, wo auf einem freien Platz eine seltsame hölzerne Vorrichtung stand, mit einer Art aus Holz konstruiertem Trichter obenauf. Als das Netz direkt über dem Trichter schwebte, wurde es geöffnet, und eine Flut frisch gefangener Fische ergoß sich in den Trichter und verschwand in dem zylindrischen Holzobjekt darunter. Und dann... während der dicke Drache das leere Netz zurück in Richtung des Bootes trug, veranlaßte der andere Reiter sein Tier, einen Hebel am Trichter zu bewegen, und über eine schlau ausgetüftelte Konstruktion aus Zahnrädern, die teils aus Holz und teils aus Eisen gefertigt waren, stülpte sich der Trichter plötzlich um und verschloß als Deckel den Behälter darunter. Welchen Sinn die ganze Konstruktion hatte zeigte sich gleich, weil sich mit einem Mal von allen Seiten Drachen in allen Größen, jedoch ohne Reiter, darauf stürzten und kleine Hebel an der Unterseite betätigten, und die gerade eingefüllten Fische schön einzeln Stück für Stück aus kleinen Öffnungen am Boden des Zylinders purzelten und in gierigen Drachenrachen verschwanden.
„Das ist ein Futterautomat!“ staunte die ganze Enterprise-Brücke.
„Selbstbedienung für Drachen, wie clever!“ Kirk strahlte wieder über das ganze Gesicht.
Oelsgren staunte bloß mit weit aufgesperrtem Mund, bei so einer Entdeckung blieb ihm die Spucke weg.
„Hätten Sie mit so etwas gerechnet, als Sie vor sechs Jahren von hier abflogen?“ fragte ihn Kirk, um den guten Doktor zu triezen.
„Nein, auf keinen Fall... hier hat sich wirklich sehr viel getan! Eine Schande, daß wir nicht hier waren. Wie konnte es dazu kommen, das ist ja ein echter Kultursprung...“ Am liebsten wäre der Doktor in den Bildschirm hineingekrochen, um gleich selbst vor Ort zu sein.
„Und ein guter Beweis, daß die Erste Direktive ihren Sinn hat. Glauben Sie, daß es dazu gekommen wäre, wenn Sie damals den Drachenangriff verhindert hätten?“ zwiebelte Scotty, wobei er Kirk zuzwinkerte. Der verstand, sein Chefingenieur ersparte ihm damit einen etwas schärferen Kommentar von Spock mit zweifellos demselben Inhalt, weil Kirk es bekanntlich mit der Ersten Direktive auch nicht immer so genau nahm, wie es wünschenswert gewesen wäre.
„Nun, wir kennen noch keine Einzelheiten, aber es ist denkbar. Können Sie die Sonde zum Haus des Anführers schicken? Es ist das große Gebäude vor der Felswand, die Koordinaten sind auf dem Plan verzeichnet. - Jetzt bin ich wirklich gespannt, wer da am Ruder ist, es muß jemand sein, der neuen Entwicklungen gegenüber sehr aufgeschlossen ist.“ Gehorsam folgte die Kameradrohne den Befehlen, die ihr Mr. Hammond im Auftrag von Scotty gab. Inzwischen wurde die Sonde rein manuell gesteuert, immer dicht an Hauswänden und Dächern entlang, weil bei solch einer Vielzahl von Haustieren im Dorf jederzeit die Gefahr bestand, daß eines nach dem lästigen Brummer schnappte, wenn er in seine Nähe geriet. Sobald das repräsentative Haus des Häuptlings im Blickfeld der Drohne war, suchte Hammond nach einer kleinen Ritze, in der er die Mikromaschine landen und verstecken konnte, so daß sie nicht irgendwann einem Drachen mit hungrigem Magen auffiel, von der aus man jedoch einen guten Ausblick auf das Haus hatte. Die andere Drohne kurvte unterdessen weiterhin um die Häuser herum und lieferte immer wieder neue Anblicke der neuen Bauten und Einrichtungen, die alle von einer völligen Umstellung auf Drachen als Arbeitstiere und Dorfgenossen sprachen. Manches davon war noch im Bau oder wurde gerade umgestaltet, was bewies, daß die Verhältnisse noch nicht allzulange so waren.
„So, jetzt müssen wir wohl warten, daß sich in dem Haus was tut. Ich möchte nicht, daß die Drohnen den Eingeborenen und ihren Haustieren zu dicht auf den Pelz rücken. Seefahrende Völker sind von Natur aus weitsichtig und kennen sich gut in der Natur aus, denen könnte auffallen, daß mit diesen Wespen was nicht stimmt. Wir schicken die Drohnen nur in ein Haus, wenn wir genau wissen, daß gerade niemand anwesend ist. - He, sehen Sie! Da ist die Dorfälteste. Die gibt es also immer noch.“ staunte der Doktor, als ein verhutzeltes, untersetztes Etwas ins Bild kam, das der Vorstellung einer bösen Hexe aus dem Märchen ziemlich nahekam. „Sie muß so alt sein wie ein Stein, bei der allerersten Erkundung von Berk vor zwanzig Jahren sah sie schon genauso aus. Wir wissen noch nicht genau, wie alt Tsumitaner werden können, die sterben selten an Altersschwäche, verstehen Sie, aber ihre Lebenserwartung ist vermutlich eher an der der Vulkanier dran als an der doch eher kurzen von Erdenmenschen - Hoppla!“ Weil direkt vor der Kamera plötzlich die Schnauze eines der grünen Zwergdrachen hing, mit denen sich die Alte umgab wie eine alte Dame von der Erde mit ihren Schoßhündchen. Die Drohnen trugen die üblichen Fischaugen-Linsen, um einen möglichst weiten Überblick zu haben, und es war die Aufgabe des Bordcomputers auf der Enterprise, die dadurch entstehenden Verzerrungen wieder so auszugleichen, daß einigermaßen normale Bilder auf dem Bildschirm zu sehen waren. Doch so schnell wie dieser Drache aufgetaucht war und auf so kurze Entfernung, konnte der Computer gar nicht anpassen, so daß für einen Sekundenbruchteil eine bizarr verzerrte Monstervisage genau in die Brücke der Enterprise zu starren schien. Mit einem verzweifelten Notmanöver brachte Scotty per Fernbedienung seine Drohne aus der Nähe des neugierigen Mini-Ungeheuers, ein Flugmanöver, das in dieser Form selbst eine echte Wespe, von einem Beutegreifer bedroht, kaum fertiggebracht hätte. Erst als die Drohne ein paar Häuser weiter in einer verschnörkelten Dachverzierung ein Versteck gefunden hatte und kein insektenhungriger grüner Drache auftauchte, um nach ihr zu fahnden, ließ Scotty die angehaltene Luft heraus. „Das war knapp!“ brummte er dann. „Wenn der Drachen sich an der Maschine den Magen verdorben hätte, wäre das nicht so schlimm gewesen. Aber ich befürchte, die Viecher sind zum Apportieren dressiert. In den Händen der alten Hexe möchte ich meine Drohne nämlich nicht wissen. Wer weiß, was die damit anstellen würde, sie vielleicht zum Brauen von Zaubertränken mißbrauchen.“ Er ließ die Drohne wieder starten, und in dem scheinbar unsicher torkelnden Flug eines normalen Insekts, der in Wahrheit der Absicherung gegen plötzlich auftauchende Feinde diente - wie hier der gegen grüne Zwergdrachen - steuerte er sie von einer Versteckmöglichkeit zur nächsten, bis er die Alte wieder im Blick hatte. Die stand da und studierte aufmerksam den Himmel und die ganze Umgebung, insbesondere was über ihr lag, und das war bei ihrer geringen Größe so ziemlich alles, während ihre Haustierchen um sie herumwuselten.
„Die Alte hat was gemerkt. Aber die war schon früher ein schlauer Knochen, sie hat einen Instinkt wie ein klingonischer Bluthund, und jetzt hat sie auch noch diese Tiere als zusätzliche Sinnesorgane. Bei der müssen wir die Drohnen und Sonden auf Abstand halten, sonst fliegen wir irgendwann auf.“ kommentierte Dr. Oelsgren.
Scotty ließ diese Drohne erst einmal wo sie war, einigermaßen gut versteckt auf einem Dach, von wo aus zumindest ein paar Häuser überschaubar waren, und schaltete auf die andere, die das große Haus im Blickfeld hatte. Denn dort wurde es gerade interessant. Jemand kam zur Tür heraus, gefolgt von einem Drachen. Der Mensch war für Tsumita-Verhältnisse geradezu schmächtig, also nach Maßstäben der Erdenmenschen von durchschnittlicher Größe und normal schlank, kein hünenhaftes Muskelpaket wie so viele der Eingeborenen. Der Drache war rabenschwarz, mit großen Katzenaugen im flachen Schädel und relativ klein und niedrig gebaut, kein Vergleich etwa mit dem Riesenhaften Alptraum von vorhin, weshalb er vermutlich auch mit ins Haus durfte. Das Tier trug einen Sattel und zusätzlich eine Art Geschirr, das bis zum Schwanz reichte und dort auf einer Seite in einer Art Piratenflagge endete, die eine offenbar verlorengegangene Schwanzflosse des Tiers ersetzte. Scotty bediente den Zoom der Kamera, und die beiden waren sofort in Nahaufnahme zu sehen. „Noble Klamotten, das sieht nach einem sehr praktikablem Allzweck-Einsatzanzug vom Privatschneider aus.“ konnte sich Kirk nicht verkneifen anzumerken. „Der hat wohl einen Ausflug vor.“ Der junge Mann trug nämlich eine aus vielen Lederteilen angefertigte, eng anliegende und mit vielen nützlichen Details versehene Kluft, die ihm verdammt gut stand. Gerade tätschelte er sein Tier, das daraufhin wie ein aufgeregter Hund um ihn herumtanzte, spielerisch mit zahnlosen Kiefern nach ihm schnappte und keine Sekunde die Augen von seinem Herrn ließ, offenbar begierig darauf, endlich aufzubrechen.
„Diese Drachensorte kenne ich nicht, Captain. Schwarz, klein und zahnlos - sieht ziemlich unscheinbar aus. Aber ich möchte schwören, daß der junge Mann der Hänfling vom letztenmal ist, der Sohn des alten Anführers. Viel Muskeln hat er immer noch nicht, aber wahrscheinlich mächtig was in der Birne, wenn er den Job tatsächlich übernommen hat.“
„Sind Sie sicher, daß er der Anführer ist? Und nicht ein anderer, der mit dem riesigen roten Drachen zum Beispiel?“ fragte Chekov neugierig.
„Ich würde spekulieren, ja. Die Häuptlingswürde bei diesen Leuten wird meistens in Familienlinie weitergegeben, außer der Kandidat erweist sich als hoffnungslos unfähig. Und ein Mangel an Kraft ist nicht unbedingt ein Manko, wenn es keine Drachen mehr zu erschlagen gibt. Sie dürfen nicht vergessen, daß das da unten keine Klingonen sind, wo der Anführer pausenlos Stärke beweisen muß, das sind einigermaßen friedliche Fischer und Seefahrer.“
„Der Winzlings-Drachen da gibt aber einen Punkt Abzug bei der Häuptlings-Theorie.“ kommentierte Scotty spöttisch.

Offline DAOGA

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Re: Heimliche Beobachter
« Antwort #4 am: 10. Oktober 2014, 09:09:45 Uhr »
In diesem Moment wurde aber klar, warum der potentielle Dorfchef und sein Tier gewartet hatten, aus dem Haus kam ihnen nämlich eine junge Frau nach, die ihre lange blonden Haare zu einem Zopf geflochten trug, hübsch und im übrigen etwas sehr schwanger war, was auch nicht durch ihre funktionelle Reitkleidung kaschiert wurde. Da der Zoom immer noch auf die Personen gerichtet war, war der Gesichtsausdruck des jungen Burschen bei ihrem Anblick gut zu erkennen, und er ließ nur einen Schluß zu.
„Das gibt zwei Punkte Zuschlag, die beiden sind ganz offensichtlich miteinander verbandelt, und der erste Nachwuchs ist auch schon im Ofen.“ schlug Dr. Oelsgren Scotty seine eigene Bemerkung um die Ohren. „Ein Anführer ohne Ehefrau geht da unten nämlich gar nicht. Der alte Haudrauf war Witwer und sehr gut im Problemlösen, deshalb wurde das so toleriert, andernfalls hätte man ihm nach Ablauf der Trauerzeit dringend nahegelegt, sich eine neue Gattin zu suchen. Bei den Tsumitanern haben nämlich die Frauen das Sagen in allem, was nicht die Schiffe oder den Kampf betrifft, und die Frau des Chefs hat ein Vetorecht oder das ausschlaggebende letzte Wort, wenn es in einer Frage unentschieden steht. Sie ist außerdem die Vorsitzende im Rat der Frauen, sie ist unverzichtbar im Dorf. Und was den Drachen betrifft - offenbar gibt es da etwas, was der Besitzer weiß und wir nicht, ich kann mir nämlich auch nicht vorstellen, daß der Häuptling von Berk sich mit einem minderwertigen Transportmittel zufriedengibt. Aber ob der so ungefähr zweieinhalb Leute tragen kann...?“
Die junge Frau wandte ihr Gesicht dem Himmel zu und öffnete den Mund zu einem Schrei, einem Jubilieren...? Jedenfalls war der seltsame Ruf selbst auf die Distanz über die Mikrophone der Drohne zu vernehmen.
Und keine halbe Minute später landete ein Drache vor den Personen, ein hochgewachsenes, in hellen, fröhlich bunten Farben gemustertes Tier mit zwei stämmigen langen Beinen, zwei Flügeln, einem Nasenhorn und einem ganzen Nackenkragen von gefährlich langen Stacheln. Der rundliche Kiefer war dicht mit langen, nadelspitzen Fischfresser-Zähnen besetzt. Aber auch dieses Tier dachte gar nicht daran, nach den Menschen zu schnappen, stattdessen neigte es den Kopf herab und ließ sich behaglich von seiner Herrin die Schnauze kraulen.
„Das ist ein Nadder, Captain. Die wahre Gefahr bei dieser Sorte liegt nicht in diesen Zähnen oder den Hörnern, sondern im Schwanz. Diese federartigen bunten Schuppen sitzen ziemlich locker, bei Gefahr kann das Tier ein ganzes Bündel davon mit einem Schwanzschlag abfeuern wie eine ganze Pfeilsalve. Pocahontas hat sich da ein durchaus potentes Reittier ausgesucht.“ Amüsiert beobachtete die Brückencrew, wie der junge Häuptling seiner hochschwangeren Maid auf den Drachen zu helfen versuchte, was in einem spielerischen verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden resultierte, „Pocahontas“ schien nämlich trotz ihres fülligen Zustandes etwas dagegen zu haben, daß sie wie ein Anfänger auf ihren Drachen gehievt wurde. Leider war die Kamera etwas zu weit weg, um den Austausch der beiden aufzufangen, so daß man an Bord der Enterprise nur raten konnte, was genau da gesagt wurde. Aber es blieb im freundlichen Ton, weil die beiden lachten. Der Nadder, offensichtlich gut dressiert, kam seiner Herrin etwas entgegen und ging in die Knie, bis sie endlich im Sattel saß. Sobald er sicher war, daß seine Frau sich ausreichend im Sattel gesichert hatte und startbereit war, machte der junge Häuptling kehrt und schwang sich auf sein eigenes Tier, das erheblich niedriger gebaut und somit für eine schwangere Reiterin eigentlich besser geeignet wäre. Da war wohl ganz massiv weibliche Eitelkeit und Sturheit im Spiel, dachten sich die Zuschauer, Eigenschaften, die sich im ganzen Universum zu wiederholen schienen.
Der Nadder und der Schwarze starteten geschickt und unmittelbar hintereinander und flogen davon.
„Wir folgen ihnen ein andernmal. Für heute möchte ich die Leistungsgrenzen der Drohnen bei Dauerbetrieb noch nicht ausreizen, dafür haben wir das nächste halbe Jahr noch Zeit.“ sagte. Oelsgren. „Aber gegen einen kleinen Blick in die Häuptlingsbude hätte ich nichts einzuwenden, wenn es möglich ist, schließlich ist das Haus gerade mal wieder abgebrannt, als wir unseren letzten Besuch hier abbrechen mußten.“
Scotty nickte eifrig und gab die entsprechenden Befehle weiter. Unscheinbar und hoffentlich unbemerkt wie ein gewöhnliches Insekt surrte die Drohne auf eines der Fenster zu und landete daneben auf der Fassade, um den Rest des Wegs auf ihren mechanischen Beinchen zurückzulegen, damit das leise Surren der Kohlefaser-Flügel niemanden aufmerksam machte, der vielleicht noch im Haus weilte. Die Fensterläden der Häuser standen wegen der milden Witterung weit offen, um Licht und Luft hereinzulassen, da war Platz genug für die Drohne, unbemerkt einzudringen und aus einem sicheren Versteck im Dach das Innere des Hauses auf Film zu bannen.
„Die Gesichtserkennung ist abgeschlossen, wir haben positive Identifizierung. Das ist der Sohn von Haudrauf, sein Name ist Hicks, und das Mädchen war auch in der Kartei, es heißt Astrid, die beiden haben bereits während der letzten Überwachungsperiode hier gelebt.“ meldete sich Uhura.
„Die kleine Astrid!“ staunte Oelsgren. „Die damals schon Äxte schwang, die größer waren als sie selbst... natürlich, die habe ich völlig vergessen! Die gibt in der Tat eine ideale Ehefrau für den Erben des alten Recken ab. Und hat wahrscheinlich in mehr als einer Hinsicht die Hosen an.“ Er lachte leise. „Mit diesem Gespann in der Führung des Dorfes ist mir um die Zukunft von Berk nicht bange.“
Die Drohne lieferte erste Bilder aus dem Haus. Die Einrichtung war rustikal und funktionell und sah erstaulicherweise gar nicht so neu aus. Vermutlich hatte man doch einiges retten können, und der Rest zeigte schon wieder die Spuren regelmäßiger Benutzung. Aber das Haus war nicht menschenleer. Als sich die Drohne auf ihren Maschinenbeinchen vorsichtig weiter auf dem Deckenbalken vorwagte, kam darunter eine Stelle ins Blickfeld, wo die Mittagssonne hell durch ein offenes Fenster hereinschien. Dort saß an einem Tisch eine ältere Frau. Woran sie mit großer Sorgfalt arbeitete, war leicht zu erkennen, als sie es prüfend gegen das Licht hob, ob sie auch keine Masche verloren hatte. Sie bereitete sich auf ihre Rolle als baldige Großmutter vor, indem sie mit flinken Nadeln an einem kleinen Strampelhöschen strickte. Halb um ihren Stuhl herum lag ein Drachen gewickelt, dessen rundlicher Kopf und noch wenig ausgeprägte Hörner verrieten, daß es sich um ein Jungtier handelte. Doch im Hintergrund lag ein Drachengeschirr deponiert, das nur einem großen Tier paßte, offenbar hatte auch diese Eingeborenenlady irgendwo auf der Weide ihren ganz persönlichen Mustang stehen. 
„Ist Ihnen das nicht irgendwie peinlich, Doktor, auf diese Weise den Spanner zu spielen?“ fragte Kirk, respektlos wie immer.
„Sie haben vollkommen recht, Captain, moralisch astrein ist das nicht. Aber wie sonst sollen wir an unsere Daten kommen? So weit, daß wir die wichtigsten Informationen aus Nachrichtenübertragungen filtern könnten, sind die Tsumitaner technisch noch nicht, und in den kleinen Dörfern fällt jeder Fremde auf wie ein bunter Hund, da können wir uns nicht einfach in Verkleidung unter die Menge mischen und behaupten, wir stammten von einer anderen Insel. Jede direkte Interaktion liefe hier auf eine eindeutige Verletzung der Ersten Direktive hinaus, also mußten wir diese hinterhältige Methode wählen.“
Kirk nickte langsam, mehr zu sich selber als in Richtung des Expeditionsleiters.
„Tun Sie mir einen Gefallen, Doktor?“ fragte er dann.
„Ja, gern, Captain, wenn ich kann. Welchen denn?“ Neugierig blickte er zu Kirk hinüber. 
„Finden Sie heraus, wie diese Leute die Drachen zähmen. Ich möchte das wissen, in allen Einzelheiten. Ich kann Ihnen jetzt schon versprechen, daß ich Ihren Bericht sehr aufmerksam lesen werde.“
Und dann guckte der gute Doktor etwas verdutzt, weil auf einmal die ganze Brückencrew ganz dringend irgendwo anders hin blickte, nur nicht auf den Captain, und sich dabei mit mehr oder weniger viel Erfolg das Lachen verbiß, während Kirk selber ganz unschuldig vor sich hin lächelte. Alle bis auf Spock natürlich, bei dem dafür schon wieder eine Augenbraue in verdächtiger Höhe hing. Sie kannten ihren Captain schließlich!
Und auch der Historiker begriff endlich und lächelte zurück.
„Wollen Sie sich etwa ein Haustier zulegen, Captain?“ fragte er.
„Nun ja, irgendwann kommt der Ruhestand, und Taubenzüchten oder Schachspielen liegt mir nicht so. Ich will mir meine Optionen offenhalten, wissen Sie.“ grinste Jim. „Und wenn die da unten sich mit ihrer kulturellen Entwicklung ranhalten, sind sie bis dahin vielleicht schon Föderationsmitglied.“
Er blickte zu Chekov. „Sie sagten, es ist alles bereit? Nun, dann wollen wir unsere Forschungsreisenden nicht länger aufhalten, sie haben hier wichtige Arbeit zu leisten.“
Dr. Oelsgren verstand den Wink mit dem Zaunpfahl. „Okay, Captain. Wir sehen uns dann in ungefähr einem halben Jahr wieder, wenn alles gut geht. Mr. Scott?“
Abgang der beiden.
 
Letzte Klappe und...
- Ende dieser Episode  ;) -