Autor Thema: und noch ein Fan - stern.de von 2003  (Gelesen 1455 mal)

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Offline Mooncat

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und noch ein Fan - stern.de von 2003
« am: 6. Juli 2014, 21:44:47 Uhr »
Kennt Ihr den schon:

http://www.stern.de/kultur/film/captain-future-mein-liebster-weltenretter-512058.html

Zitat
Das Idol meiner Jugend
trug Strumpfhosen, einen durch nichts zu verwirrenden Scheitel im roten Haar und hatte derbe Koteletten - und war trotzdem verdammt cool. Obwohl... streng genommen war nicht er selbst cool. Aber er hatte ein eigenes Raumschiff, die "Comet". Selbst gebaut - wie cool ist das? Und er wohnte auf dem Mond. Und er hatte coole Freunde: einen Roboter namens Grag, einen Mann - Otto - aus Gummi und Professor Simon Wright, von dem nur noch sein superschlaues Gehirn übrig war, das in einer fliegenden Blechbüchse lebte. Das waren Captain Future und seine Crew. Ach ja, und eine Frau namens Joan rannte da auch noch rum. Dass diese irgendwie wichtig sein könnte, akzeptierte ich nur widerwillig, denn 1980, als des Captains Zeichentrick-Abenteuer erstmals über deutsche Bildschirme flimmerten, war ich neun und gerade mitten in der "Alle Mädchen sind doof"-Phase. Immerhin dämmerte mir, dass der Captain und Joan scharf aufeinander waren, aber irgendwie nicht in die Pötte kamen. Das machte ihn sympathisch, menschlich. Aber nicht cool.


Der Allesbauer

Denn eigentlich war Captain Future ein Muster an Perfektion: Er behandelte jeden, wirklich jeden, mit Anstand und Höflichkeit, ließ sich nie aus der Ruhe bringen, strahlte immer einen fast heiligen Ernst aus. Für den Spaß beim Zuschauen waren denn auch seine Sidekicks Grag und Otto zuständig, die sich ständig stritten und auch mal impulsiv handelten und Fehler machten. Interessant, dass diese zutiefst menschlichen Regungen ausgerechnet künstliche Wesen empfanden. Das Tolle am Captain war aber, dass er trotz der genannten Eigenschaften, die ihn auch trefflich für einen Technokraten-Job in der EU-Verwaltung qualifiziert hätten, der Action nie aus dem Weg ging, sondern im Gegenteil nur für die unmöglichsten Aufträge gerufen wurde, für die es eigentlich einen richtigen Draufgänger gebraucht hätte.

Für weniger als die Rettung von ganzen Planetenbevölkerungen machte die Future-Crew die Tore ihrer Basis auf dem Mond gar nicht auf. Aber wenn die "Comet" mit Besatzung einmal zum Einsatzort unterwegs war, dann drohten gewaltige Gefahren, lockten riesige Abenteuer: Zeitreisen; Männer, die sich Affen zurückverwandeln; ein Volk, das auf dem Halley'schen Kometen lebt; Tiermenschen; Geistestransplantationen zwischen Menschen und Amphibien; Futures Erzfeinde: Vul Kuolun und der Herrscher von Megara. Und meine Lieblingsgeschichte, in der Captain Future, nachdem er mit einem Haufen Strafgefangener auf einem unbewohnten Planeten ausgesetzt worden ist, nur mithilfe der vorhandenen Bodenschätze einfach mal ein komplettes Raumschiff für die Flucht baut. Dass er aus fast nichts alles erschaffen konnte, dafür habe ich ihn besonders geliebt. Sorry, Scotty und MacGyver, aber da konntet sogar ihr nicht mithalten.


Der Ton macht die Faszination

Ich kann mich an keine Fernsehserie erinnern, bei der mich die Töne noch mehr in den Bann gezogen haben als die Bilder. Dieser Effekt setzte sofort ein und hält bis heute an. Höre ich die geniale Musik, die Christian Bruhn für die deutsche Fassung geschrieben hat, setzt in meinem Kopf sofort eine Zeitreise in meine Kindheit ein. Und ich kann mich an bestimmte Geräusche erinnern, zum Beispiel das pulsierende Blubbern, das der Behälter von Professor Wrights Gehirn von sich gab, wenn er durch die Gegend flog. Oder das knurpsende Quietschen, mit dem Ottos Verwandlungen vor sich gingen. Oder den blechernen Klang von Grags Stimme.

Ebenso werde ich die Synchronstimmen nie vergessen. Sie hatten sich sofort in mein kindliches Gehör gebrannt: Wenn ich manchmal spät abends – nach dem Zubettgehen – noch einmal an der Wohnzimmertür vorbeischlich, hörte ich vom elterlichen Fernseher die Stimme Captain Futures herübertönen. Er redete profanes, seiner unwürdiges Zeug. Er redete von Frauen und von Öl. Ich verharrte jedes Mal erschrocken, bevor die Vernunft zurückkehrte und mir ins Gedächtnis rief, was ich natürlich längst wusste: Der Mann (Hans-Jürgen Dittberner), der die Ehre gehabt hatte, Captain Future zu synchronisieren, lieh seine Stimme auch anderen - in meinen Augen natürlich unwürdigen - Fernsehfiguren. Was mich so erschreckt hatte, war Bobby Ewing aus "Dallas".

Ralf Sander



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Offline Number_1_Shippergirl

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Re: und noch ein Fan - stern.de von 2003
« Antwort #1 am: 7. Juli 2014, 09:50:17 Uhr »
*grins* Also, zu einem Teil hätte das von mir sein können, besonders im Bezug auf das Alter. Und den Nagel auf den Kopf getroffen.

Auch das mit den Synchronstimmen, auch wenn das bei mir nicht "Dallas" war.
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Aufgrund meiner Einstellung zum Leben sehe ich keinen zwingenden Anlass, mich meinem Alter entsprechend zu verhalten.

Offline Johanna

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Re: und noch ein Fan - stern.de von 2003
« Antwort #2 am: 7. Juli 2014, 23:36:51 Uhr »
HERRLICH geschrieben!

Ja - genau das isses!

Zu schön!

Gut gemacht/gefunden Moony! :-*

LG
Johanna
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Offline Mooncat

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Re: und noch ein Fan - stern.de von 2003
« Antwort #3 am: 27. Juli 2014, 19:39:15 Uhr »
und noch'n Fan  [ghost]

Das VLOG Monster und sein Blog: VLOG | MEIN HELD CAPTAIN FUTURE | DAS VLOG MONSTER
http://youtu.be/YT_acs-Tm14


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Offline Mooncat

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Re: und noch ein Fan - Spiegel 2014
« Antwort #4 am: 31. Oktober 2015, 13:23:28 Uhr »
Hatten wir das schon irgendwo hier?  ??? Zur Sicherheit anbei:

Zitat

http://www.spiegel.de/einestages/captain-future-kult-science-fiction-zeichentrick-serie-aus-japan-a-996021.html

Weltraumskipper mit Rehaugenbonus

Der Superheld meiner Kindheit trug ein funkelndes "F" an seiner Gürtelschnalle, seine Freunde riefen ihn einfach nur "Future". Ziemlich cool. Er trat im Jahr 1980 in mein Leben, mit Hyperraumantrieb. Ich war fünf und besuchte den Waldorfkindergarten. Doch ich ahnte, dass es da draußen mehr geben musste als Wachsmalstifte, Seidentücher oder das Disney-Zeichentrickdrama "Cap und Capper".

Aus zwei mach eins

Es wuchs zusammen, was zusammen gehört. Am 3. Oktober 1990 feierten die Deutschen die Wiedervereinigung. Mit dem Ruf "Wir sind das Volk!" hatten die Ostdeutschen zuvor das SED-Regime bezwungen. einestages präsentiert Geschichten rund um die deutsche Einheit
Die Bestätigung ereilte mich an einem Nachmittag im September. Ich langweilte mich mal wieder. Ich saß im Fernsehsessel mit dem Kuschelfell, als mich die Melodie zu Captain Future wie ein Erweckungsschlag traf: Unter hohen, sphärischen Frauengesängen, "Huhuhuhu", was ich sofort unfassbar cool fand, glitt ein Raumschiff durch das Universum. Ich traute meinen Augen kaum: Sternennebel funkelten, fremde Galaxien huschten vorbei: Es brauchte nur die Sekunden des Serien-Intros - und ich war bereits Future-Fan.

Noch nie hatte ich so was gesehen und gehört. Eine männliche Stimme rief mit einem gewaltigen Hall "Captain Future", so als wollte sie das gesamte Weltall wecken. Wahnsinn!

"Photonentriebwerk fertig zur Zündung!"

Das Raumschiff setzte an zum Startvorgang. Feuer schoss als weißer Strahl aus seinem Triebwerk. Es war, so erfuhr ich, das beste Raumschiff des Universums, die "Comet". Die Kamera glitt an ihr vorbei, und ich begriff, das war Hightech!

Jeder Start in den Weltraum war ähnlich. "Check Kontrollsystem. Triebwerke 1 bis 4 okay, Haupttriebwerk okay." Einsatz der sagenhaften Musik. "Photonentriebwerk fertig zur Zündung." Eine Hand drückte den Steuerknüppel sanft aber bestimmt hinunter. Future und sein Co-Pilot Greg lehnten dabei lässig ausgestreckt in den futuristischen Boardsesseln. Vor ihnen leuchtete die Boardelektronik bläulich. Und schon glitten wir durchs Weltall, um den Planeten Megara im Sternbild des Schwan von einem Bösewicht zu befreien.

Besonders mochte ich auch solche Ansagen: "Achtung: Ich schalte von Raumgeschwindigkeit 1 auf Raumgeschwindigkeit 2." Auch ich fühlte mich in den Sessel gedrückt. Die Musik machte sowieso euphorisch. Nicht immer waren mir alle technischen Details einleuchtend, aber ich nickte sie bei meiner Lieblingsserie großzügig ab: "Photonentriebwerk y3 auf Raumstrahlung, wir verlassen das Magnetfeld der Erde."

Nur eines fragte ich mich komischerweise nie: Warum wurde das Weltall eigentlich aus New York regiert?

Futures Team - das waren der Androide Otto, eine Art Gummipuppe in einem pinkfarbenen Overall, der Roboter Grag und das fliegende Gehirn namens Professor Simon - hatten eine Mission: die Erde retten. In der Crew siezten sie sich förmlich. Schnell war ich ein bisschen verliebt in Future: Es war genau dieser Charme zwischen heldenhafter Ritterhaftigkeit, Einzelgängertum und einer Jungenhaftigkeit, die angenehm asexuell und verträglich für mich als Waldorfkindergartenkind war. Future wurde meist ein wenig von unten gezeigt. Jeder Depp kapierte, dass er unfassbar smart war. Sein Raumanzug segmentierte seinen Körper vortrefflich, er zeigte einen muskulösen Oberkörper und dünne Beinchen, die beinahe schon spiddelig waren - doch darüber sah ich großzügig hinweg.

Heiß wie eine Aerobic-Trainerin

Dass Future im Prinzip vergeben war, fand ich auch nicht so schlimm. Im Gegenteil, ich genoss die Hinweise auf die Verliebtheit von Future und der Top-Agentin Joan Landor. Ich inhalierte sie förmlich. Joan gehörte der Planetaren Polizei an und war eine Blondine, die in ihrem roten Raumanzug ungefähr so aussah wie eine Aerobic-Trainerin in den Achtzigern. Heiß. Mit Oberweite und Wespentaille. Das gefiel mir Meilen besser, als die sackartigen Norwegerpullis meiner Walddorf-Kindergärtnerinnen, die morgens unseren Märchenkreis moderierten.

Immer, wenn es mit Future etwas romantisch wurde, errötete Joan und wandte ihren Kopf nach unten. Doch sie war nicht einfach nur hilflos, zwar wurde sie öfter entführt, und Future musste sie dann suchen und retten, aber sie war auch eine Frau mit einem eigenen Kopf. Unvergessen, wie sie heimlich mit ihrer Waffe aufbrach, um zu ermitteln, warum sich die Menschen von Megara in gruselige Gorillas verwandelten.

Neben dieser Romanze waren die eigentlichen Highlights aber die Bösen, die auf dem Raumschiff-Televisor, dem Boardbildschirm der "Comet" auftauchten. Allein das fand ich gruselig. Jedes Mal erschauerte ich meinem Fernsehsessel. Die Bösen waren entweder Riesen oder Zwerge oder sprechende Schatten oder durchgeknallte Wissenschaftler. Sie sprachen mit blecherner Stimme und lachten teuflisch. Jedes Mal waren sie unfassbar fies zu Captain Future, denn er war der Einzige, der es mit ihnen aufnehmen konnte. Er war gefährlich für sie.

Auf dem Weg zu den Bösen war ein weiterer Nervenkitzel natürlich das Landen auf dem fremden Planeten. Unvergessen ist mir hier die erste Folge, als Future und das Future-Team auf dem Planeten Megara aufräumen müssen. Dort gibt es Nachtbarcomfort, Salons und herumfliegende Echsen, das war ein Sündenpfuhl! Wie Dandys lehnten die Außerirdischen an der Bar, soffen und zofften sich. Trotzdem, ich war jedes Mal total froh, wenn das Raumschiff wieder abhob. Man wusste ja nie.

Future war genau der richtige Mann, um mit ihm zu neuen Ufern aufzubrechen. Im Kindergarten hatte ich die Hochzeit von Lady Di gesehen, doch Captain Future stellte die Weichen irgendwie neu: Ich hatte die pädagogisch korrekten Wachsmalstifte gegen die Weiten des Weltalls getauscht und das Biomüsli gegen einen intergalaktischen Brennstoffcheck. Als ich endlich eingeschult wurde, konnte ich in der Schule bei den Jungs schnell Eindruck machen, weil ich die Seriendetails kannte: Superelektroskop, Überlichtgeschwindigkeitsantrieb und so. Unter den Mädchen konnte man sich angenehm unterscheiden. Doch Captain Future stand auch für Werte: Er hatte sich der edlen Aufgabe verschrieben, dem Frieden in der Galaxie zu dienen.

Zu Recht, wie ich fand. Die spektakuläre Softporno-Galaxie-Musik klang in jeder Folge so aufmunternd, dass man wusste, es würde auch dieses Mal wieder gutgehen. Future würde radioaktives Metall, Gravium aufspüren oder fünf Milliarden Jahre zurück in die Vergangenheit reisen können.

Weltenretter im Unsichtbar-Modus

Dafür kamen schon mal technische Gimmicks zum Einsatz, wie es sie in keinem der damals kursierenden "Yps-Hefte" gab. Da war zum Beispiel Futures Hypnose-Uhr, mit der er einen Wärter ausschaltete. In besonders brenzligen Situationen konnte er sich für drei Minuten unsichtbar machen und die gefangene Joan losketten.

Aber auch die "Comet" hatte so manche Tricks drauf, wie später die Autos von Top-Agent James Bond. Tarnvorrichtung, Protonenkanone oder das Beiboot "Cosmoliner": Es war immer ein super Gefühl, wenn die Bösen sich über stellare Verwirbelungen wunderten und die "Comet" im Stealth-Modus, also unsichtbar an ihnen vorbeiflog. Ich kicherte bewundernd vor dem Fernseher und stellte mir sofort vor, wie ich in so einem Modus meine Kindergärtnerin im Morgenkreis überfliegen würde.

Ob alles tatsächlich so naturwissenschaftlich fundiert war, sei dahingestellt. Mein Berufswunsch stand zumindest eine Zeitlang fest: als Erstklässlerin wollte ich so werden wie Joan Landor. Später wollte ich dann Top-Gun-Pilotin werden.

Na ja, und heute habe ich Flugangst. Doch mit Future entflog ich dem Dämmerschlaf des Kindergartens.

Alles fließt  - Panta rhei (Heraklit)
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Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. (Chinesisches Sprichwort)