Autor Thema: NCIS - Dunkle Wasser  (Gelesen 4136 mal)

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Re: NCIS - Dunkle Wasser
« Antwort #15 am: 20. April 2015, 17:59:07 Uhr »
Dafür schien der falsche Richards jetzt durchaus auskunftsfreudig.
„Was soll das heißen, ich war der Köder in der Falle? Was sollte das alles?“ verlangte er in ziemlich patzigem Ton zu wissen.
„Das heißt, daß Ihre Auftraggeber Sie bedenkenlos opfern wollten, um den Mann zu töten, den Sie imitiert haben.“ entgegnete Gibbs katzenfreundlich.
„Solange diese Personen in Freiheit sind, ist Ihr Leben in Gefahr. Diese Leute lassen keine losen Enden offen, und glauben Sie nur nicht, daß Sie im Polizeigewahrsam sicher sein werden.“ schlug Smith in die gleiche Kerbe. „Mr. Richards ist vermutlich der einzige, der Sie beschützen könnte... aber dafür müßten Sie bereit sein, ihm etwas zu geben. Informationen, alles was Sie über die Hintermänner wissen.“
Der Auftragskiller ließ den Kopf hängen, zu singen ging vermutlich gegen seinen persönlichen Ehrenkodex. Aber er mußte selbst am besten wissen, wie gefährlich die Initiatoren des Angriffs tatsächlich waren.
Gibbs ließ ihm Zeit, im eigenen Saft zu schmoren. „Wie lange, glaubst du, wird Azure brauchen, um seine Magenverstimmung zu überwinden?“ fragte er seinen Mitarbeiter angelegentlich.
„Dauert wohl ein wenig, bis er Nachschub einwerfen kann. Terroristen schätze ich als schwer verdaulich ein.“ antwortete Tony DiNozzo amüsiert. Er wusste genau, was Gibbs vorhatte, und er irrte sich nicht.
Gibbs lächelte beinahe, als er das Gesicht des falschen Richards sah, dem jetzt erst aufging, wie nahe er daran gewesen war, als Drachensnack zu enden. 
„Sie hatten keine Ahnung, mit wem Sie sich da anlegen, oder?” fragte Tony spöttisch. „Der Mann frißt Leute wie Sie zum Frühstück, im Sinne des Wortes. Noch etwas, was Ihnen Ihre Auftraggeber nicht verraten haben, wie?“
Der Mann würde reden, da war sich Gibbs jetzt sicher. Jetzt ging es nur darum, ihn lebendig bis ins nächste Verhörzimmer zu schaffen, bevor -- der Gedankengang des Agenten stockte, als er erkannte, daß sich dezente Paranoia in ihm breitzumachen versuchte. Verdammt, mit Gegnern wie diesen hatte er nie zuvor zu tun gehabt, und inzwischen traute er ihnen alles zu, auch daß sie den Attentäter direkt unter den Händen der Agenten beseitigten.
„Special Agent Gibbs! Sind Sie in Ordnung?” Gibbs erkannte den Mann vom Flughafen-Sicherheitsdienst wieder, sie hatten schon einmal miteinander zu tun gehabt. An seiner etwas derangierten Kleidung hatte der Mann sofort erkannt, daß Gibbs eine nicht ganz freiwillige Bauchlandung hingelegt hatte. Seine Kollegen kümmerten sich unterdessen als erstes um die immer noch geblendeten Zuschauer, die dringend einen Arzt benötigten und danach einen Chauffeur, der sie nach Hause oder an ihren Zielort brachte, denn in ihrem Zustand konnten sie sich nicht selbst ans Steuer eines Fahrzeugs setzen.
„Alles in Ordnung, Mr. Francesco.“ Der Agent zupfte lässig an seiner Kleidung herum. In Gibbs´ Alter steckte man harte Landungen nicht mehr so einfach weg, die Prellungen würde er in den nächsten Tagen spüren, aber ein Indianer kannte keinen Schmerz. Ein altgedienter Marine sowieso nicht. 
„Der Sprengsatz war direkt unter dem Platzbelag versteckt.“ sagte Gibbs das erste halbwegs Plausible, das ihm angesichts des noch rauchenden Kraters in den Sinn kam. „Das hier war ein gezielter Anschlag auf eine Privatperson, es galt nicht dem Flughafen. Dieser Mann hier,“ er machte eine Kopfbewegung zum Attentäter, „sollte das Opfer an die richtige Stelle lotsen, er wusste aber nichts vom Sprengsatz. Wenn das Opfer nicht mißtrauisch geworden wäre, wären sie beide in die Luft geflogen. Der andere da ist einer der Hintermänner, aber genaueres müssen wir erst noch herausfinden.“ Dabei deutete er auf das von Drachenspucke durchfeuchtete Menschenbündel, das Azure abgeladen hatte,  und das sich als ein zu Tode verängstiger Mann vermutlich indischer Herkunft - den Gesichtszügen nach zu urteilen -herausgestellt hatte. Tony hatte ihm ebenfalls Handschellen angelegt und versuchte, ihn auf die Beine zu ziehen, die jedoch weiterhin den Dienst versagten. Was sie mit diesem Mann anstellen sollten, der laut Azures Aussage ja ein ausländischer Staatsbürger war, war Gibbs im Moment noch schleierhaft,  wahrscheinlich würde für den Fremden eine Zelle in Guantanamo vorbereitet werden, wenn er wirklich so gefährlich war, wie Richards angedeutet hatte, aber zuerst würde sich zweifellos die FSA mit ihm befassen.
„Und wo ist das Opfer?“ Francesco drehte sich fragend zu den geblendeten Personen um, die soeben von der medizinischen Crew des Flughafens eine Erstversorgung erhielten.
„Der hat was zu erledigen, er wird gleich wieder hier sein. Übrigens wird die ganze Angelegenheit einschließlich der Verdächtigen von der Federal Security Agency übernommen, dort steht Mr. Smith von diesem Verein. Wir vom NCIS sind diesmal nur in Amtshilfe tätig.“
„Geheimdienst?“ Der Beamte pfiff durch die Zähne. “Dann stellen wir mal lieber nicht zu viele Fragen. Aber, Mr. Gibbs, ich könnte schwören, ich habe hier ein Riesenvieh von Drachen gesehen, der ziemlich lebendig aussah...”
Jethro blickte ihn bedeutsam an und lächelte so süß wie er nur konnte, was Mr. Francesco vor Schreck fast zurückspringen ließ. „Sinnestäuschung, Filmwerbung, ein Werbeballon oder eine Lichtspiegelung, suchen Sie sich was aus.“ Jetzt klang er selber schon wie ein Geheimdienstler, dachte Gibbs dabei, Jethro Leroy Gibbs, du wirst langsam alt... aber was in aller Welt sollte er sonst dazu sagen?
„Verstehe.“ Der Beamte kratzte sich im Nacken. “Und was war es jetzt wirklich?“
„Das Schoßhündchen des Irren, den man hier in die Luft zu sprengen versuchte. Der Typ ist in keiner Hinsicht normal, nicht mal bei der Wahl seiner Haustiere. Aber zumindest hat das Vieh zu apportieren gelernt.“ Und deutete auf den mutmaßlichen Inder. Unter anderen Umständen hätte Gibbs sich lieber die Zunge abgebissen, als etwas derartiges von sich zu geben, aber Richards schien in dieser Hinsicht ansteckend zu sein, und außerdem wusste Gibbs, daß der Sicherheitsbeamte jetzt mit Sicherheit darüber den Mund halten würde, um sich nicht selbst unglaubwürdig zu machen. War wohl doch was dran an den Methoden eines Tom Richards, den Leuten mit reiner Wahrheit und nichts als der Wahrheit die Mäuler zu stopfen, dachte er. Und da kam der Mann schon mit forschen Schritten anmarschiert, nickte Gibbs zu, als er näherkam, steuerte aber zuerst einmal den rauchenden Krater an und blickte neugierig hinein.
„Wir können von Glück reden, daß das nur eine Mikro-Reaktion war.“ sagte Richards dann, als er sich den Männern zuwandte. „Ich habe mal einen aus dem Orbit abgefeuerten psionischen Schock miterlebt, das war ein Tunguska-Ereignis, damals wurden ganze Berge eingeebnet. Aber wie es aussieht, konnten die Verursacher nicht genug Saft für so etwas aufbringen. Ich habe mir ihre Ausrüstung unter den Nagel gerissen, nachdem Azure sie platt gemacht hat.“ Und er zeigte ein Bündel aus bunt bedruckten und reich mit Gold bestickten Stoffen, abermals im exotisch-indischen Stil, das er unter den Arm geklemmt hielt, und Gibbs ahnte, in welchem Teil der Welt ungefähr die besagten Verursacher gesessen hatten. Konnte Azure tatsächlich so weit „springen“, um die halbe Welt hinweg? Dann hatte Richards in Bezug auf die Fähigkeiten seines „Haustiers“ massiv untertrieben. Wieder einmal...
„Werden Sie das an den Geheimdienst übergeben?“ fragte Francesco ganz unschuldig und blickte fragend zu Smith hin, der entspannt dastand und auf die soegen angeforderte Verstärkung wartete. Dafür lachte ihm Tom ins Gesicht. „Haben Sie sonst noch Wünsche, Sir? Im harmlosesten Fall bringen die Geheimdienst-Q´s sich selbst um damit, wenn sie damit herumspielen, und weniger harmlose Fälle will ich mir gar nicht erst vorstellen. Nein, das Zeug bleibt bei mir, wo ich es unter Kontrolle habe. Ich habe die nötige Ausbildung und eine Lizenz für den Umgang damit. Sie würden doch auch nicht dem erstbesten, der daherkommt und mit einer Regierungsmarke winkt, einfach so einen Nuklearsprengsatz in die Hände drücken ohne zu fragen, ob der Betreffende dafür qualifiziert ist, oder?“
„So gefährlich?“ murmelte der Sicherheitsbeamte. Erschrocken und mit aschfahlem Gesicht starrte er auf das Bündel unter Toms Arm.
„Noch gefährlicher in den Händen von Leuten, die damit umzugehen verstehen und die nötige Energie für das Aufladen liefern können. Ich habe mir die Programmierungen und Konfigurationen noch nicht genauer angesehen, aber so wie es jetzt aussieht, ist es Teufelszeug. Wenn ich es aber schaffe, die einzelnen Teile umzuprogrammieren, könnte man damit vielleicht was Konstruktives anstellen. Das ist Beschäftigung für lange Winterabende, allemals besser als Patiencen legen oder vor dem Fernseher versauern.“ Tom grinste jungenhaft, er freute sich schon auf das, was in dem Überraschungspäckchen alles versteckt sein mochte. „A propos, was ist da hinten los, Mr. Gibbs? Gab es Verletzte?“ Er wies mit dem Kopf zu den Sanitätern.
“Ein paar Personen wurden von der Explosion geblendet. Der Blitz war verdammt grell.” antwortete Gibbs.
„Lassen Sie alle, bei denen es nicht von selbst besser wird, ins DeVille Memorial Hospital schicken. Wir kümmern uns dann darum.“ wies Tom ihn an, und der Agent nickte. Erfahren, unbürokratisch, effektiv und mit ausreichend Ressourcen ausgestattet - er verstand, warum die FSA gern mit diesem Mann zusammenarbeitete, trotz seiner großen Klappe, er tat, was immer notwendig war, und ersparte in seiner unkomplizierten Art dem Budget der Agency so manche Ausgabe.
„Und jetzt?“ Die Sache war noch lange nicht ausgestanden, es gab noch zu viele offene Fragen.
„Und jetzt... will ich Informationen.“ Tom drückte Gibbs das Bündel in der Hand, wohl wissend, daß der Agent es mit seinem Leben verteidigen würde, aber nicht dumm genug war, es ohne Erlaubnis zu öffnen, und schritt auf ihre zwei Gefangenen zu. Zuerst widmete er sich dem wertvolleren Kandidaten, dem mußmaßlichen Inder. Doch er hielt sich gar nicht damit auf, Fragen zu stellen. „Halten Sie ihn fest, und achten Sie darauf, daß mich in den nächsten Minuten niemand stört.“ wies er DiNozzo an, und streckte die Hand nach dem Gesicht des dunkelhäutigen Mannes aus. Sobald seine Fingerspitzen Kontakt hatten, schloss er die Augen, und kurz danach schienen auch dem Inder die Augen zuzufallen. Tony guckte zuerst verdutzt, aber dann grinste er über das ganze Gesicht, während er auftragsgemäß den Gefangenen stützte. Sogar er sah hin und wieder fern, und er begriff, was hier gerade stattfand - so etwas wie die vulkanische Gedankenverschmelzung in den Science Fiction-Filmen. Tom Richards holte sich die Informationen direkt und unverfälscht aus dem Gehirn des Mannes, und die Methode war nicht mal strafbar, weil kein Gericht auf der Welt Gedankenlesen als strafbaren Tatbestand wie etwa Nötigung oder Folter anerkennen würde. Unter normalen Umständen hätten sie den Verdächtigen in ihrem Verhörraum bearbeiten müssen, in der wackligen Hoffnung, daß man irgendeinen Anhaltspunkt fand, der den Mann zum Reden brachte, wobei selbstverständlich alle Regeln der Humanität so weit wie möglich eingehalten werden mußten, was ihre Möglichkeiten, Druck auszuüben, schon mal entschieden einschränkte. Aber bei einem Tom Richards war wirklich alles möglich, und DiNozzo freute sich wie ein Schneekönig, daß er solch einem Vorgang mal real und live beiwohnen durfte.
Eine dunkle Limousine hatte den Kordon der Polizei und Sicherheitskräfte, die mittlerweile den Tatort absperrten, überwunden und hielt auf sie zu, und DiNozzo mußte nicht fragen, wer da kam, es waren Mr. Wylie und ein unbekannter älterer Agent.
„Oha.” machte Tom und öffnete die Augen. Sobald seine Fingerspitzen das Gesicht des Inders nicht mehr berührten, schlug auch der die Augen auf und sah mit einem Mix aus Entsetzen und Nachdenklichkeit drein, aber sein Entsetzen galt nicht Richards, sondern etwas, was nur er vor seinem inneren Auge zu sehen schien.
„Haben Sie was herausgefunden?” fragte Gibbs, nachdem es jetzt wieder erlaubt war, den blonden Magier anzusprechen.
„Reichlich. Ach, da sind Wylie, und Agent Fox. Sagen Sie ihnen einfach, was passiert ist, sie sind jeden Unfug von mir gewohnt und kennen meinen Technikjargon. Ich nehme mir lieber gleich noch meinen Doppelgänger zur Brust, bevor er mir irgendwie abhanden kommt.“
Und schon streckte er die Hand nach dem anderen Mann aus, der bis vor kurzem noch sein Gesicht getragen hatte, dessen entsetzte Miene ignorierend. „Halt, das können Sie mit mir nicht machen!“ protestierte der Mann hastig.
„Was, Sie nur ganz keusch und ohne X-Rating berühren?“ spottete Richards, während seine Finger unmittelbar vor dem Gesicht des anderen hingen. „Sie wollten ganz andere Dinge mit mir machen, wenn ich mich recht erinnere! Warum soll ich auf einen Auftragskiller Rücksicht nehmen, verraten Sie es mir?“
Der Mann atmete hastig, sein Mund ging auf und zu, ohne daß etwas herauskommen wollte, er überlegte offensichtlich, wie er aus dieser Lage herauskommen konnte, ohne daß sein Gehirn zerpflückt wurde oder er sich auf andere Weise noch tiefer in den Dreck ritt. Dann - „Ich rede! Ich erzähle Ihnen alles, was Sie wissen wollen!“ versprach er hastig.
“Das ist auch Ihre einzige Überlebenschance.” antwortete Tom ruhig. „Ihre Auftraggeber hinterlassen bestimmt keine losen Enden, wie etwa jemanden der singen könnte. Sie bleiben vielleicht am Leben - vielleicht - wenn Sie auspacken, denn dadurch werden Sie uninteressant. Ich würde Ihnen aber trotzdem empfehlen, ab sofort einen weiten Bogen um jeden Priester zu machen.“ Und er erkannte an einer jähen Augenbewegung des Attentäters, daß er mit seiner Vermutung ins Schwarze getroffen hatte. „Übrigens, hat man Ihnen etwas zu trinken angeboten, als Sie den Auftrag annahmen?“
Abermals eine Reaktion, der Mann wußte, worauf Tom hinauswollte. „Hat man, aber dieser Trick ist uralt, ich bin nicht darauf hereingefallen. Was für ein Gift war da drin?“ 
„Das wollen Sie gar nicht wissen, glauben Sie mir. Aber es enthielt unter anderem einen Marker, der Sie auch auf die Distanz aufspürbar macht. Ein weiterer Marker war in Ihrer Tarnung, aber der wurde bei der Explosion weggebrannt. Über diese Marker hätte man Sie auch auf größere Distanzen umbringen können, wahlweise schnell oder langsam, je nach eingesetztem Werkzeug. Sie haben sich mit sehr gefährlichen Leuten eingelassen, verstehen Sie? Und deshalb reicht mir nicht, was Sie mir erzählen könnten, ich muß es selbst sehen.“ 
 Und damit berührte er Stirn und Schläfen des Mannes mit seinen Fingerspitzen, und beide versanken in einem telepathischen Rapport.
Wylie und der fremde Agent waren inzwischen herangekommen, aber sie wußten offenbar, daß sie den Rapport nicht stören durften. „George Fox, Federal Security Agency,“ stellte der Ältere sich vor und zeigte seine Marke. „Sie sind Special Agent Gibbs, nicht wahr?“
„Bin ich, Sir.“ nickte Gibbs. „Und Sie sind eines von Mr. Richards´ Kindermädchen.“
„Bin ich, Sir.“ gab Fox lächelnd zurück. Der No-Nonsense-Ex-Marine gefiel ihm, Smith hatte ihn telefonisch informiert, was und wen er vorfinden würde. „Was haben wir hier, in Ihren eigenen Worten ausgedrückt?“
Und Gibbs berichtete. Vom Amoklauf und dem Zombie im Leichenkeller, vom toten Pastor, dem Schicksal seines Hauses und einer Katze, die keine gewesen war. Und vom Duell der Zauberer, das in einem mächtigen Knall und mit der Erscheinung eines Drachens geendet hatte. „Das hört sich alles ziemlich verrückt an, wie?“ meinte er anschließend.
„Willkommen in Tom Richards´ Freakshow. Treten Sie ein und lassen Sie alle Hoffnung fahren.“ antwortete Fox amüsiert, ohne damit irgendetwas zu verraten außer daß ihm solche Dinge offensichtlich nicht fremd waren. Nicht so fremd jedenfalls, daß er seine Zeit an Ungläubigkeit verschwendet hätte. 

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Re: NCIS - Dunkle Wasser
« Antwort #16 am: 8. Mai 2015, 12:40:25 Uhr »
In diesem Moment erwachte Richards zum Leben, genauso wie sein Opfer, das zuerst verwirrt und dann niedergeschlagen dreinschaute, der Mann wusste, daß er jetzt endgültig ausgespielt hatte. „Er hat sich gewehrt, und gar nicht mal schlecht.“ erklärte Tom mit schiefem Grinsen, warum es so lange gedauert hatte, viel länger als bei dem Inder, obwohl es nur um den Bruchteil an Informationen gegangen war. „Er ist ein Auftragskiller, George, also ermitteln Sie gegen ihn, so gut Sie können. Er war es, der die Gewehrschüsse auf Gomez und die Frau abgegeben hat, allerdings nicht von sich aus, er wurde extra dafür beauftragt, Gomez umzulegen und dazu jedes von den drei Opfern, das der Marine selbst vielleicht verschont hätte. Da wollte wohl jemand auf Nummer Sicher gehen, daß tatsächlich Tabula Rasa gemacht wird. Ich möchte aber die Empfehlung aussprechen, ihn erst mal besonders sicher unterzubringen, vielleicht irgendwo im Ausland oder in einer militärischen Einrichtung, wo nur wenige Auserwählte Zutritt bekommen, sonst sind Gerichtsverfahren und Henker überflüssig. Insbesondere keine Priesterbesuche irgendwelcher Art. Auch dann nicht, wenn irgendwelche Todesfälle in seiner nichtvorhandenen Familie vorliegen oder er Gewissensbisse vorschützt, verstehen Sie? Und ich möchte ihn mir unbedingt nochmals vornehmen, wenn das hier erledigt ist, ich glaube da ist noch mehr zu holen.“
„Verstanden.” nickte Fox, der inzwischen wußte, welche besonderen Sicherungsmaßnahmen Richards meinte, darunter einige, die in keinem Polizei- oder Agentenhandbuch zu finden waren.  Und das mit dem Verbot geistlichen Beistandes war auch verständlich, wenn ein Pastor in die Sache verwickelt war. Tom Richards hegte ohnehin einen Generalverdacht gegen alle Mitglieder des geistlichen Standes, bewußt oder ahnungslos zur Fünften Kolonne des „Unsichtbaren Gegners“ zu gehören, so oft wie Glaubensrichtungen aller Art schon versucht hatten, den Fortschritt der Menschheit zu unterminieren. „Wie wollen Sie jetzt weiter vorgehen?”
„Ich weiß jetzt, wer diesen Mann beauftragt hat, und es scheint eine Indien-Connection zu geben. Eine Gruppe von selbsternannten Geisterjägern, von denen vermutlich einige nicht einmal wissen, daß sie für die falsche Seite arbeiten oder welche Methoden da tatsächlich angewandt werden. Es ist Zeit, den Leuten die Augen zu öffnen. Vielleicht wenden sie sich dann gegen diejenigen, die sie im Dunkeln gelassen haben. Und anschließend komme ich und bereinige den Rest, so oder so.“
Abermals nickte Fox. Die Konsequenz, mit der Richards gegen einen erkannten Feind vorging, erfreute ihn immer wieder. Da gab es kein endloses Hin und Her mit Besprechungen, Risikoeinschätzungen, Selbstabsicherungen von Vorgesetzten und Einsatzerwägungen, die zuweilen so lange dauerten, daß der ganze Einsatz aufgrund zwischenzeitlich veränderter Bedingungen aufgegeben werden mußte, wie der Senior Agent es mehrmals hatte miterleben müssen. Richards dagegen ging einfach hinein, allein oder mit einer schnell zusammengestellten kleinen Crew, die Tod und Teufel nicht scheute, schlug drauf, wo draufgeschlagen werden mußte, und nahm alle Folgen auf die eigene teflonbeschichtete Kappe. Die echten Agenten brauchten sich nur zurückzulehnen und zuzusehen und hinterher gegebenenfalls ein wenig aufzuräumen, und konnten im Übrigen zu jeder Zeit ihre Hände in Unschuld waschen, wenn es nötig wurde. Der Wirklichkeit gewordene feuchte Traum jedes Geheimdienstmitarbeiters.
„Übrigens, Mr. DiNozzo, wo wollen „wir“ eigentlich hinfliegen?“
Mit dem betonten „wir“ meinte er natürlich seinen Doppelgänger und die Agenten. Nicht, daß er allzuviel aus dem Ziel herauszulesen können meinte, wahrscheinlich war es nur darum gegangen, ihre Einsatztruppen räumlich auseinanderzubringen, damit der Gegner sich einfacher um jede einzelne Gruppe kümmern konnte. Nein, diese Sache war nach seiner Meinung noch lange nicht beendet, und zumindest Gibbs sah es ganz genauso. Tom Richards hatte ein auffälliges Funkeln in seinen ungewöhnlichen Augen, die ständig die Farbe zu wechseln schienen. Gibbs kannte dieses Funkeln, das Raubtier in Richards hatte Blut geleckt, im wahrsten Sinne des Wortes, es war aber noch lange nicht befriedigt. 
„Nach Boston. Sie haben - Verzeihung, der andere, hat was von Krötenwesen erzählt.”
„Sehr schlau.” grinste Tom. “Der Gegner wußte genau, worauf ich normalerweise anspringe, und hat meinen Doppelgänger entsprechend vorbereitet. Ist das Flugzeug noch da?“
„Es hätte ungefähr jetzt starten sollen, aber wegen der Explosion hat man die ausgehenden Flüge erst mal verschoben und jeden ankommenden Flug, bei dem es möglich war, auf einen Flughafen in der Nähe umgelenkt, bis genau bekannt ist, was eigentlich passiert ist. Bis jetzt sind es nur geringfügige Verzögerungen, aber die Flugleitzentrale rotiert bestimmt schon, die wollen so schnell wie möglich wieder einen normalen Flugbetrieb herstellen.“
Angesichts des grellen Blitzes, der an eine Nuklearexplosion im Miniformat erinnert hatte, war es wohl kein Wunder, daß man im Flughafen erst einmal alles stillgelegt hatte, bis man genau wusste, was da passiert war.
„Ich gebe für alle Flugbewegungen grünes Licht, aber das Flugzeug nach Boston will ich mir erst ansehen, bevor es abhebt. Sicher ist sicher.“ sagte Tom zu Fox, der dazu nickte, im Augenblick hatte immer noch Tom die Befehlsgewalt. „Hat die Explosion irgendwelche Störungen bei Funk oder Radar verursacht?“
„Ich habe nichts davon gehört, bin aber auch gerade erst angekommen. Mr. DiNozzo, richtig? - Übernehmen Sie das?“ Der jüngere Agent nickte und trabte los, um sich zu erkundigen und Toms Anweisung weiterzugeben.
“Und wir gehen gleich zum Flugzeug, damit der Betrieb hier wieder ungestört laufen kann.”
Die Ausweise von Fox und Gibbs öffneten ihnen alle Türen zum Flugfeld, wo die Maschine, bereits mit Passagieren besetzt, auf eine Startfreigabe wartete. Aber Richards schüttelte nur den Kopf, als Fox auf die fahrbare Gangway wies. Er hob seinen Stock, dessen Knauf wieder blau aufleuchtete, und ein blaues Licht erschien auf der Nase des Flugzeugs, ein Streifen aus Licht über die ganze Höhe der Maschine, vergleichbar dem Laserlicht in einem Scanner, und ungefähr so funktionierte dieses Licht auch, denn es war darauf programmiert, nach Sprengstoffen und anderen Dingen, die einem Flugzeug unbekömmlich waren, zu suchen. Auf beiden Seiten des Flugzeuges wanderte der Lichtstreifen von vorne nach hinten. Doch während das Licht auf der anderen Seite unbekümmert bis nach hinten zum Schwanz wanderte und dort verlosch, blieb der Lichtbalken auf der Seite der Agenten plötzlich „hängen“ und zog verborgene Strukturen nach, die dadurch auf einmal sichtbar wurden als Linien aus gleißendem blauweißem Licht - etwas viereckiges in der Mitte, knapp unterhalb der Fensterreihe, und von dort nach allen Seiten ausgehende gerade Linien, die Ecken beschrieben und sich dabei verzweigten wie Wurzelwerk - oder wie das Schema eines Computernetzwerkes.
„Was ist das?“ fragte Gibbs, weil Richards angesichts der Lightshow wieder einmal übers ganze Gesicht grinste.
„Da wollte jemand auf Nummer Sicher gehen, daß es uns auch ganz bestimmt erwischt. Wenn wir unbedarft das Flugzeug bestiegen hätten, wäre es eine direkte Himmelfahrt geworden.“ freute sich Tom, weil er wieder einmal den richtigen Riecher gehabt hatte. „Das da ist ein sogenannter Schlüssel. Die gibt es in vielen Versionen, aber In diesem Fall handelt es sich um einen Bomben-Schlüssel, die M-Tec-Version einer materiellen Bombe und ein kleiner Verwandter des psionischen Schocks, der mein Schutzfeld gesprengt hat. Sehr hübsch gemacht! Wenn Sie mich jetzt bitte für ein paar Minuten entschuldigen, ich muß das Ding entschärfen.“  Er machte noch ein paar Schritte in Richtung Flugzeug, hob seinen Stock ein wenig an und erhob die andere Hand in Richtung des Lichtspektakels, die Handfläche wie beschwörend dem viereckigen Zentrum zugewandt.
Von den Gebäuden her kam eine ganze Gruppe von Leuten, die wichtigsten gerade anwesenden Mitglieder von Flughafenleitung und Sicherheitsdiensten, die persönlich erfahren wollten, was hier eigentlich lief. Die Agenten hatten sich schon gewundert, wo sie blieben. Jetzt gingen sie ihnen ein Stück weit entgegen, um zu verhindern, daß Richards während der Arbeit von einem der Ankömmlinge gestört wurde, und zückten gemeinsam ihre Ausweise, die die fremde Truppe so zuverlässig zum Stillstand brachten wie eine Mauer.
„Was geht hier vor?“ fragte der vorderste Mann im Anzug, vermutlich der zuständige Betriebsleiter.
„Charles Ferguson mein Name, ich bin hier für den ungestörten Betrieb des Flughafens zuständig, und den blockieren Sie im Augenblick, Gentlemen!“
„Eine Bombe auf dem Parkplatz, eine weitere auf der Außenhaut des Flugzeugs. Irgendjemand hat es sehr dringend auf Mr. Richards abgesehen.“ Und dabei deutete Fox mit dem Daumen auf den Schuldigen. Er hatte von Tom gelernt, daß es zuweilen am effektivsten war, jemandem die nackte Wahrheit in Kurzfassung um die Ohren zu hauen, sehr viel wirksamer als die übliche Geheimdienst-Geheimniskrämerei, die Fox sonst zu betreiben pflegte.
„Was macht er da?”
“Er entschärft die Bombe. Das kann niemand außer ihm, denn wie Sie sehen, handelt es sich nicht um einen normalen Sprengsatz.“
„Ohne die Passagiere vorher zu evakuieren?”
„Wir wissen nicht, ob sie vielleicht darauf programmiert ist hochzugehen, wenn jemand das Flugzeug wieder verläßt. Das kann nur Mr. Richards herausfinden. Bitte geben Sie ihm etwas Zeit.”
Die Lichtlinien auf dem Flugzeug begannen sich zu bewegen. Sie lösten sich ab, eine nach der anderen, mit wehenden Regungen, als handle es sich um Bänder oder dünne Zweige, die im Wind wogten - oder leuchtende Tentakel eines fremdartigen Unterwasserwesens, das hier ganz unpassend am Flugzeug klebte. Und dann löste sich auch der Zentralkörper, das Viereck aus Licht, von der Metallhaut und schwebte in der Luft, umgeben von den sich träge bewegenden Auslegern, und das ganze Ding schwebte langsam auf Richards zu, der ihm immer noch wie beschwörend die Handfläche entgegen hielt. Erstaunlicherweise wurde es immer kleiner, je näher es ihm kam, und als es dann direkt über seiner Handfläche hing, war es nur noch so klein wie ein Rasierspiegel, umgeben von spagettiartigen, sich träge wellenden Lichtauswüchsen. Es berührte seine Hand - und war dann von einer Sekunde auf die andere spurlos verschwunden. Tom ließ Hand und Stock sinken und dehte sich zu den anderen um. „Erledigt.“ sagte er mit entspannter Miene, als würde er so etwas jeden Tag tun.
„Was haben Sie damit gemacht, es gelöscht, oder so?”  fragte Gibbs neugierig, aber Tom schüttelte den Kopf.
„Ich habe es nur gesichert und eingesteckt,“ meinte er und klopfte diffus auf seine Brustseite, als habe er etwas in einer Brusttasche stecken. „Ich will mir die genaue Konfiguration anschauen, wenn ich etwas Muße habe. Aber eines kann ich jetzt schon sagen, daß es keine neue Konstruktion ist, das Energieniveau war schon ziemlich niedrig, und bis so etwas passiert, dauert es tausende von Jahren. Das paßt mit dem anderen Zeug zusammen, das ich erbeutet habe,“ er deutete auf das Bündel, das Gibbs immer noch hütete, „und ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet nämlich, daß unsere Gegner vermutlich eines von den Arsenalen aus uralten Zeiten gefunden haben und damit herumspielen, sie sind aber nicht in der Lage, selber neue Bomben und andere Gadgets zu bauen. Hätte mich auch gewundert, für die Erschaffung von Bomben- und anderen Schlüsseln braucht man nämlich mindestens eine Meisterausbildung der Stufe Drei, für höherwertige Schlüssel sogar ein Vierer- oder Fünferlevel, und wenn irgendwo auf diesem Planeten ein ausgebildeter Dreier oder höher herumliefe, wüßte ich garantiert davon.“ 
„Übersetzt heißt das also, jemand hat alte Bomben gefunden und herausbekommen, wie man sie benutzt, ohne sich selbst dabei in die Luft zu jagen, aber dem Hersteller der Bomben nachzuspüren ist keine Option mehr, weil er längst das Zeitliche gesegnet hat.“
„Anzunehmen. Obwohl man bei dieser Technologie niemals nie sagen darf, da erlebt man die unmöglichsten Sachen. Sagen Sie, sind unsere Plätze im Flugzeug noch frei?“
„Sie wollen mitfliegen?“ staunte Gibbs. Obwohl, die Bombe hatte er ja entfernt... rechnete er vielleicht mit weiteren Katastrophen?
Richards bejahte. „Boston ist nicht so weit weg, und in Notfällen kann Azure blitzschnell hierher zurückkehren.“
„Rechnen Sie mit weiteren Anschlägen?“ fragte Fox rundheraus.
Richards nickte. „Wenn es welche geben sollte, sollten sie lieber mich treffen als jemand anderen. Ich bin ziemlich gut als Prellbock, wie Sie wissen. Und aus jedem gescheiterten Anschlag lerne ich mehr über unseren Gegner. Lieber das, als daß ein paar ungeöffnete Weihnachtspäckchen übrig bleiben, über die irgendwann jemand anders stolpern könnte.“
Fox verstand und konnte nur zustimmen, die Lage erforderte ein Großreinemachen.
„Sie wollen mitfliegen, obwohl Sie eine Bombe bei sich tragen?“ empörte sich Ferguson.
Richards grinste ihn heiter an. “Mit dem, was Agent Gibbs und ich bei uns tragen, könnten wir das halbe Land in Trümmer legen. Aber wir haben nicht vor, es im Flugzeug einzusetzen, keine Sorge. Mitzufliegen ist für mich der beste Weg herauszufinden, ob ich vielleicht etwas übersehen habe, und es sofort zu bereinigen, verstehen Sie?“
„Sollen wir die Maschine räumen lassen?“
„Wird nicht nötig sein. Es ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, und im Notfall kann ich Passagiere und Crew beschützen, selbst wenn die Maschine draufgehen sollte.“
Ferguson schüttelte über solche Behauptungen nur den Kopf, er glaubte Tom kein Wort. „Was haben Sie da drin?“ fragte er und deutete auf das Bündel, das Gibbs wie seinen Augapfel hütete. „Sie werden wohl nicht glauben, daß Sie mit gefährlichen Objekten an Bord gehen dürfen.“
 „Mr. Ferguson...“ begann Fox in dienstlichem Ton, zweifellos um dem Mann klarzumachen, daß er sich in Fragen von nationalem Interesse  einmischte. Aber Tom grinste nur breiter, trat auf Gibbs zu und begann in dem Bündel zu kramen, das der Agent für ihn hielt. Dann zog er etwas hervor. Es bestand aus dunklem Metall mit hellen Einlagen, eine Art breiter Handgriff, aus dem an beiden Enden jeweils drei aufgewölbte Spitzen herausragten, deren Enden aufeinander zeigten. Zwischen den Spitzen schienen feine Einlagen aus Glas, Kunststoff oder Edelsteinen zu stecken.
„Jetzt passen Sie mal auf.“ Tom zog sich ein paar Schritte zurück, als wolle er sicherstellen, daß er niemanden verletzen konnte, hob das Objekt, fast so wie vorher seinen Stock, aber so, daß beide Enden an ihm vorbei zeigten, und auf einmal -
schoss aus jedem der dreizackigen Wülste an jedem Ende ein heller, gleißender Lichtstrahl heraus, eine Art Laserstrahl, der etwa zwei Meter lang war und dann einfach endete, jedoch nicht verlosch, das Licht blieb einfach stehen, als sei es ein materielles Objekt. Das ganze Ding sah aus wie -
„Da hol mich doch... ein doppeltes Laserschwert, wie bei den Jedi!” staunte Gibbs. Und nicht nur er staunte, denn „festes“ Licht galt bisher technisch und wissenschaftlich als ein Ding der Unmöglichkeit.
„Die korrekte Bezeichnung ist Vajra, oder Dorje.“ lachte Tom. „Nachbildungen finden Sie in jedem Laden mit Souvenirs aus Indien oder Tibet, aber das hier ist ein echtes, altes Original, und es funktioniert sogar, wie Sie sehen. Ich habe Augen gemacht, als ich ihn sah, das können Sie mir glauben. Den gebe ich nicht aus der Hand, bevor ich ihn nicht gründlich erforscht habe. Und deshalb kommt er jetzt mit ins Flugzeug.“
„Und was haben Sie sonst noch?“ bohrte der Betriebsleiter nach, gerade daß er die Finger von dem Bündel ließ, nachdem Gibbs ihn drohend angestarrt hatte.
Tom schüttelte den Kopf. „Der Rest ist viel gefährlicher als dieses Spielzeug, und deshalb lasse ich es erst recht nicht aus meinen Augen.“ Er ließ die Lichtklingen wieder einfahren und steckte den Vajra zurück zu den anderen Dingen in den Bündel.
„Werden Sie mitfliegen, Mr. Gibbs?“ Und blickte fragend auch „seine“ Agenten von der FSA an.

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Re: NCIS - Dunkle Wasser
« Antwort #17 am: 15. Mai 2015, 09:30:56 Uhr »
„Tony, fahr zurück zu Ducky und paß auf ihn auf, während er seine Arbeit macht. Wir halten Kontakt“ sagte Gibbs zu seinem Mitarbeiter. Fox wandte sich unterdessen an seine eigenen Kollegen. „Mr. Smith, Mr. Wylie, Sie bringen unseren Gefangenen ins Hauptquartier. Maximale Sicherheit, keine Besuche, nicht einmal ein Anwalt. Wir haben es hier mit einem Fall von Bedrohung der ganzen Menschheit zu tun, das geht weit über jede Frage simpler nationaler Sicherheit hinaus. - Einen Mann mit so gefährlichem Handgepäck kann man nicht unbeaufsichtigt in ein Flugzeug lassen, da haben Sie vollkommen recht. Und deshalb fliege ich ebenfalls mit.“ wandte er sich dann ironisch an den Chef des Flughafens.
Das war nicht ganz das, was Mr Ferguson zu hören wünschte, aber er mußte sich fügen, zumal Fox ihm dabei seinen Dienstausweis unter die Nase hielt. Er seufzte, nickte, wies auf das Flugzeug als Zeichen, daß sie einsteigen sollten - die Gangway stand noch angelehnt, da im Moment noch niemand von der Luftüberwachung wusste, wann und ob überhaupt die Maschine Startfreigabe erhalten würde - und wüschte sie vermutlich in Gedanken alle zum Teufel. Sollten sie doch nach Boston fliegen und der dortigen Belegschaft Ungemach bescheren, Boston verkraftete solch ein Affentheater leichter als der chronisch überlastete Washington National.
Tom mit seinen zwei Agenten enterten das Flugzeug und bekamen ihre Plätze in der nicht ganz gefüllten Maschine zugewiesen.
„George, sprechen Sie mit den Piloten.“ wies Tom seinen einen Helfer an. „Sie sollen sich auf dem Flug allein um die Belange der Maschine kümmern, aber alles, was irgendwie ungewöhnlich erscheint, sofort an mich melden und mir überlassen.“
„Irgendetwas spezielles?“ fragte Fox.
„Sie sollen zum Beispiel nicht unbesehen ihren Instrumenten vertrauen, sondern regelmäßig überprüfen, ob die Anzeigen auch den Tatsachen entsprechen. Wenn sie die Route schon ein paarmal geflogen sind, dürften sie den Weg kennen, schließlich ist heller Tag mit gutem Wetter. Bei Abweichungen der Instrumente sollen sie mich sofort rufen. Kompasse und andere Technik lassen sich bekanntlich ziemlich leicht in die Irre führen. Und sie sollen gleich durchgeben, daß die Passagiere lieber den ganzen Flug hindurch angeschnallt bleiben sollen. Gefahr von Turbulenzen, oder so.“
Fox verstand, Richards ging davon aus, daß die Anschlagsserie noch nicht vorbei war. Er zeigte der Stewardess seinen Ausweis, wechselte ein paar Worte mit ihr und ließ sich in Richtung Cockpit führen, um die Anweisungen weiterzugeben.
„Sie rechnen mit weiteren Zwischenfällen.” stellte Gibbs fest.
„Das muß ich, solange ich nicht sicher sein kann, daß alle unsere Gegner erledigt sind. Es wird wohl einen Grund haben, warum mein Doppelgänger einen Flug ausgerechnet nach Boston gebucht hat. Was verbinden Sie mit Boston?“
„Hafenstadt, Red Sox, Celtics, Tea Party, Freedom Trail.... aber das ist es vermutlich nicht, auf das Sie hinauswollen, oder?“
Es entging Gibbs keineswegs, daß Toms Matrix wieder aktiv war, der Mann also gerade an etwas arbeitete.
„Nun, für mich ist Boston auch immer mit Howard Philipps Lovecraft verbunden. Schaurige neuenglische Romantik, in der Nähe von Boston hat Lovecraft seinen imaginären Fluß, den Miscatonic River, angesiedelt, zusammen mit der genauso imaginären Universitätsstadt Arkham und einigen kleineren Ortschaften wie Innsmouth und Dunwich. Es wäre geradezu ein Klischee, wenn reale Personen, die mit dem sehr realen außerdimensionalen Unsichtbaren Feind gemeinsame Sache machen, sich ausgerechnet in dieser Gegend einnisten. Außer, und auch diese Möglichkeit besteht, Lovecraft hat sich diese Gegend aus guten Gründen ausgesucht, weil er bewußt oder unbewußt über Aktivitäten des Unbekannten Feindes in dieser Region gestolpert war und einen Hinweis darauf geben wollte.“
„Verstehe. A propos, was machen Sie da eigentlich?“
Weil dem blauen Leuchten der Matrix immer wieder seltsame, spagettiähnliche, jedoch weißlich oder bläulich glühende “Fäden” entschlüpften, nicht unähnlich den Tentakeln der Bombe, die Tom eingesteckt hatte, die sich hier jedoch ohne einen Zentralkörper entwickelten und dann nach allen Seiten entwichen, als wollten sie sich wie lichtscheue Würmer irgendwo im Flugzeug verstecken.
„Ich verpasse unserem Flugzeug gerade einen Schutz, so wie ich ihn trage, nur entsprechend größer. Das ist nicht so einfach, weil der Schutz auch die am meisten gefährdeten Teile, wie die Triebwerke und Leitwerke, umfassen muß, aber auf der anderen Seite die Funktionen dieser Teile nicht beeinträchtigen darf. Wenn ich einfach nur gedankenlos ein normales kugelförmiges Schutzfeld um uns herum erschaffe, ersticken die Triebwerke entweder durch Luftmangel, oder sie explodieren infolge der eigenen Schubkraft, die nicht mehr entweichen könnte.“
„Klingt ziemlich kompliziert.“
„Ist es auch. Zum Glück habe ich gleich nachdem ich meine Matrix bekam damit begonnen, Programmvorlagen für alle möglichen und unmöglichen Situationen zu erstellen, darunter auch Schutzfelder für motorenbetriebene Transportmittel. Ich brauche jetzt nur diese Vorlage an die Spezifikationen dieser Maschine anzupassen. Dazu brauche ich Daten, die mir diese Sensoren liefern.“ Er machte eine Kopfbewegung in Richtung der glühenden „Würmchen“, die sich soeben wieder nach allen Seiten verdrückten, kaum daß das Licht der Matrix sie geboren hatte. 
Längst waren sie Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aller Passagiere in der nicht ganz voll besetzten Kabine, denen die Lightshow keineswegs entgangen war. Zündeln mit Feuerzeugen oder anderem Werkzeug in einem Flugzeug war definitv verboten, also was zum Henker --
Gibbs lächelte Fox zu, der soeben aus dem Cockpit zurück kam, der lächelte zurück, zuckte mit den Schultern -- und zog seinen Ausweis hervor, den er dann ringsum vorzeigte.
„Agent George Fox, Federal Security Agency,“ stellte er sich der Allgemeinheit vor. „Bitte ignorieren Sie alles, was dieser Irre dort anstellt, er ist keine Gefahr für Sie. Geraten Sie nicht in Panik, ganz egal was passieren sollte, er sorgt schon dafür, daß wir sicher dort ankommen, wo wir hinwollen. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, Ladies und Gentlemen.“ Damit verneigte er sich knapp vor seinem Publikum und kam endgültig zu Gibbs und Richards herüber, wo er sich einen Platz suchte.
„Was bedeutet das, Sir?“ fragte einer der Nächstsitzenden.
„Es bedeutet, daß sich auf diesem Flug vielleicht ungewöhnliche oder sogar erschreckende Dinge ereignen könnten. Aber ganz egal was passiert, überlassen Sie es mir und bewahren Sie Ruhe.“ antwortete Richards freundlich, ohne von seiner Matrix aufzusehen.
„Jethro Leroy Gibbs, Naval Criminal Investigative Service,“ hielt Gibbs dem neugierigen Mann seinen eigenen Ausweis unter die Nase. „Sie sehen, der Irre wird gleich von zwei staatlichen Stellen beaufsichtigt. Also kann gar nichts passieren, soweit es ihn betrifft.“
„Ist er so -- problematisch?“ Denn daß der Mann nicht gefährlich sei, hatte der eine Agent doch gerade behauptet. Oder?
„Sie haben kei--ne Ahnung.“ dehnte Fox heiter und zeigte sein katzenfreundlichstes Lächeln, das den Neugierigen in seinem Sitz zusammenschrumpfen ließ.
 Die Maschine erhielt ihre Starterlaubnis, und die Passagiere wurden aufgefordert, sich anzuschnallen.
„So, fertig.“ machte Tom zufrieden und lehnte sich entspannt zurück. Das Licht seiner Matrix schwächte sich etwas ab, erlosch jedoch nicht.
„Was haben Sie da eben alles gemacht?“ fragte Gibbs interessiert, während das Flugzeug abhob und langsam an Höhe gewann. „War das nur ein Schutzfeld, oder noch mehr?“
Tom lächelte, weil Gibbs wieder einmal den richtigen Einfall hatte.
„Damit das Schutzfeld perfekt mit der Maschine interagiert, habe ich es mit einer Menge Sensoren bestückt, die mir Informationen über die Lebensfunktionen von Maschine und Besatzung zutragen. Die Sensoren funktionieren in beide Richtungen, über sie könnte ich sogar die Kontrolle über das Flugzeug übernehmen, wenn es nötig wäre. Aber solange sich nichts ereignet, was eine solche Maßnahme erfordern würde, müssen sich die Piloten ihren Lohn selbst verdienen, die können das normalerweise besser als ich.“
„Verstehe.“ Da Gibbs annahm, daß Richards nach dieser komplizierten Arbeit erst einmal entspannen wollte, belästigte er ihn nicht mit weiteren Fragen, und auch Agent Fox, der direkt hinter ihnen saß, blieb still.
Richards hatte seine Aufmerksamkeit draußen, wo jenseits des Fensters die Sonne von einem blauen Himmel strahlte. Es war die ganze Woche schon schön gewesen und sollte laut Wetterbericht die folgenden Tage weiter so bleiben. Aber vielleicht hatten sich die Wetterfrösche auch geirrt wie so oft, weil der Himmel schon nach kurzer Zeit sich zuzuziehen begann, der Sonnenschein hinter aufkommenden Wolken verschwand. Immer grauer wurden die Wolkenfelder, durch die die Maschine brummte, ein Unwetter schien aufzuziehen, und schon fühlten sie ein erstes Zittern und Schütteln, als die Luft um sie herum unruhig wurde.
„Schätze, der Tanz geht gleich los.“ machte Tom die Agenten auf die Situation draußen aufmerksam. Und da kam auch schon der Durchruf: „Mr. Richards, bitte kommen Sie ins Cockpit.“
Tom stand sofort auf und nickte der Stewardess zu, die ihn dorthin begleiten würde. Die Agenten stimmten sich mit einem Blick ab, dann schloß Gibbs sich den beiden ins Cockpit an, während Fox in der Passagierkabine blieb. Er mußte nicht unbedingt wissen, was sich dort vorne abspielte, denn darum kümmerte sich Richards, möglicherweise war es bald wichtiger, mit seiner höheren Autorität unter den Passagieren für Ruhe zu sorgen.
Im Cockpit wurde es mit vier Personen statt der üblichen Zweierbesatzung eng. Tom und Gibbs sahen sofort, was die Piloten beunruhigte, als sie aus den Fenstern sahen. Was von den Seitenfenstern aus noch wie harmlose normale Unwetterwolken ausgesehen hatte, bot direkt voraus einen gräßlichen Anblick, ein Mahlstrom aus wirbelnden grauschwarzen Wolken, der sich viel schneller bewegte, als es selbst in einem Sturm möglich gewesen wäre. Mehr als einmal formten die aufgewirbelten regengesättigten Luftmassen deutlich erkennbare Gestalten, die wirkten wie aus einem Horrorfilm - Rauchdämonen, Gesichter mit weit aufgerissenen Mäulern, Kreaturen mit zu vielen Armen - und soeben bildete sich wieder etwas heraus, was auf Anhieb einem vielarmigen, vielklauigen graublauen Gott oder Dämon aus indischen Legenden ähnelte, der sich direkt vor ihnen über den ganzen Himmel auszudehnen schien, nur darauf wartend, daß das ankommende Flugzeug ihm direkt ins weit aufgerissene Maul flog.
„Sollen wir ausweichen, Mr. Richards?“ fragte der Captain.
„Nein, halten Sie den Kurs. Da spielt wohl jemand Wettergott. Aber wo einer spielen kann, da kann auch ein zweiter mitspielen.“ Und damit hob Tom seinen Stock, den glühenden Knauf nach vorne gerichtet, auf die brodelnden Wolkenmassen direkt vor ihnen.
„Machen Sie sich auf plötzliche Aufwinde gefaßt.“ wies Tom die Piloten an. „Und warnen Sie die Passagiere, es könnte etwas holprig werden. Mr. Gibbs, halten Sie sich lieber irgendwo fest.“
Er selbst brauchte das nicht, mit seiner Matrix konnte er sich so stabil verankern, wenn er wollte, daß selbst maximale Beschleunigungskräfte ihn nicht von den Beinen holen konnten.
Plötzlich riß irgendwo die Wolkendecke auf und ließ einen Strahl Sonnenlicht direkt in ihre Flugrichtung fallen, und überall wo das Licht auf die Wolken fiel, begann es seltsam intensiv weiß und in Regenbogentönen zu gleißen und zu funkeln. Auf den ersten Blick wäre es ein wunderbarer, ätherischer Anblick gewesen, doch da es sich bei den Begebenheiten da draußen am Himmel um einen weiteren Angriff handelte, konnte es sich um nichts Gutes handeln.
„Was ist das da vorne?“ fragte der Copilot, sein Gesicht mit der Hand gegen das Gleißen von vorne beschattend, um mehr erkennen zu können.
„Eine fliegende Wand aus Eis. Jede Menge lose Eiskristalle, die sich soeben gebildet haben, jeder für sich leicht genug, um einige Zeit vom Wind getragen zu werden, aber in ihrer Menge und Zusammenballung so hart wie eine Betonwand, wenn wir mit unserer Geschwindigkeit dagegenknallen. Freuen Sie sich an dem Schauspiel, meine Herren, es wird nicht lange anhalten.“
Nach wie vor hielt Tom seinen aktiven Stock der Wolken- und Eiswand entgegengerichtet, und das Gleißen von vorne erlosch langsam, weil sich wieder Wolken vor die Sonne schoben - oder das Eis dort vorne sich wieder in das Wasser zurückverwandelte, aus dem es bestand.
„Was tun Sie, Mr. Richards?“ fragte Gibbs gelassen. Und in demselben gelassenen Tonfall antwortete Tom: „Ich verpasse den Wolken einen Hitzeschock. Bei Backofentemperaturen von hundert Grad plus hat selbst ein Wettergott Schwierigkeiten, Wasser zur Bildung von Eis zu überreden. Und wegen des Schutzschildes, den ich vorhin gebastelt habe, kann auch das Flugzeug nicht vereisen. Das Arsenal des Gegners scheint mit dem, was er gerade gezeigt hat - Wolken, Wind und Eis - auch schon erschöpft zu sein, ich kann keine Anpassung der gegnerischen Aktivitäten auf meine Maßnahmen feststellen. Ein ziemlich unintelligentes, nichtresponsives System, sein Schöpfer ging offenbar davon aus, daß die Illusionen und die Eiswand völlig ausreichen würden, den Gegner abzuschrecken oder zu vernichten. Ich kann keine Strahlung einer aktiven Matrix anmessen, also ist das hier auch wieder nur ein alter Schlüssel, der sich jetzt langsam verbraucht. Sehen sie, da ist nichts mehr los mit den Wolken, und die Sonne und meine Matrix lassen die ganze Pracht schon verdampfen.“
Tatsächlich hatte sich die so jäh aufgezogene Sturmfront genauso schnell wieder beruhigt, und die Wolken dünnten bereits aus, waren nur noch verbliebene Reste von Wasserdampfansammlungen, die sich in der relativ trockenen Luft der Umgebung ziemlich schnell auflösten. Auch das Schütteln der Maschine ließ nach, und der Pilot mußte nicht mehr ständig die Aufwinde der matrix-erhitzen Luft vor ihnen kompensieren. Bald lag vor ihnen wieder Sonnenschein und freier blauer Himmel, und geschäftig brummte die Maschine weiter, Boston entgegen.
Der Kurzflug zwischen Washington und Boston dauerte nicht lange. Die Maschine setzte gerade zur Landung an, Tom stand immer noch abwartend und wachsam hinter den Piloten, während Gibbs sich zurück in die Passagierkabine begeben hatte, um dort an seinen Platz angeschnallt die Landung abzuwarten. Als...
die Maschine plötzlich leicht ruckelte und von draußen ein Geräusch hereindrang, als wäre ein Feuerwerkskörper in nächster Nähe hochgegangen.
„Verdammt, war das gerade...?“ fragte der Copilot verdutzt, während der Captain ganz auf den Landeanflug konzentiert vor sich hin schwieg.
„Eine Flugabwehrrakete ist soeben an unserer Flanke krepiert. Keine Sorge, sie konnte meinen Schutz nicht durchschlagen, die Maschine ist unversehrt.“ erklärte Tom völlig ungerührt. „Setzen Sie die Landung fort, Captain, auch wenn noch mehr von dieser Sorte kommen sollten, uns kann nichts passieren. Außerdem gibt mir das Gelegenheit, den oder die Schützen zu markieren, das Schutzfeld ist darauf kalibriert, den Ausgangsort eines Geschosses zurückzuberechnen und dort eine aufspürbare Markierung zu setzen, auf alles und jeden, der sich dort gerade befindet. Wenn mein Gegner muß jetzt schon auf konventionelle Waffen ausweichen muß, heißt das, daß ihm langsam die faulen Tricks ausgehen.“
„Verdammt, Sie kleckern nicht, sondern klotzen, wie?“ motzte der erschreckte Copilot - und pfiff per Funk die Mannschaft im Tower an, daß sie sich gefälligst darum kümmern sollte, daß hier jemand mit Raketen auf Flugzeuge feuerte. 
Vielleicht erwischte die Polizei einen Täter, vielleicht auch nicht. Tom verließ sich ganz auf seinen matrixgenerierten unsichtbaren „Skunk-Geruch“, den sein Matrix-Schutz programmgemäß zurückgefeuert hatte und der ihn nach der Landung unfehlbar zum Urheber dieses Angriffs führen würde.
Die Maschine senkte sich der Rollbahn entgegen --
„Verdammt, was ist das jetzt wieder?“ fluchte der Captain.

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Re: NCIS - Dunkle Wasser
« Antwort #18 am: 19. Januar 2016, 18:40:58 Uhr »
„Ignorieren Sie es, das ist eine Täuschung. Eine kleine Fata Morgana, wie sie oft über sonnenbeschienenen Straßen flimmert, darunter ist der Asphalt genau so wie er sein soll. Aber wenn ich Sie damit beruhigen kann, schicke ich einen kleinen Straßenfeger voraus, der putzt die Täuschung weg.“
Weil sich der Runway vor ihnen ganz plötzlich in eine einzige Katastrophe aus Schlaglöchern und tiefen Kratern verwandelt hatte, ein Anblick wie von einem Schlachtfeld des ersten Weltkrieges, der jeden Piloten davon überzeugt hatte, sofort wieder hochzuziehen. Etwas blaues wischte aus Toms Matrix, durch die Frontscheibe hindurch und flog ihnen mit steigender Geschwindigkeit voraus, um am Anfang des Rollfeldes aufzuschlagen wie eine Bombe und sein bläuliches Licht wie eine dünne Flüssigkeit über die ganze Länge des Runway zu verteilen. Und wie versprochen löste sich die Illusion des Kratergeländes auf, als würde die blaue „Flüssigkeit“ jede Unebenheit wegätzen, und der glatte, unveränderte Asphalt kam wieder zum Vorschein.
„Langweilig wird es mit Ihnen nie, oder?“ brummte der Pilot, voll auf die Landung konzentriert.
„Ich darf doch mein Publikum nicht enttäuschen!“ grinste Tom breit zurück. „Was verrückte Sachen angeht, da habe ich einen Ruf zu verlieren.“
Er verriet dem Piloten nicht, daß dieser letzte Schlüssel ein ganz besonders hinterhältiger gewesen war - einer von der Sorte, die Halluzinationen erzeugten, die jedoch real wurden, wenn diejenigen, die die Täuschung wahrnahmen, so dumm waren zu glauben, was ihre Augen ihnen zeigten. Deshalb hatte er es entfernt, bevor die Piloten auf den Gedanken kommen konnten, das Kraterfeld sei real, und es dadurch erst zur gefährlichen Realität werden ließen.
Sicher setzte die Maschine auf. Richards beobachtete aufmerksam jeden Vorgang innerhalb und außerhalb der Maschine, lauschte auf mögliche Warnungen seiner Matrix und entspannte sich auch nicht, als die Passagiere ausstiegen, ahnungslos, daß sie heute mehrfach dem sicheren Tod entronnen waren. Seine Agenten warteten natürlich auf ihn, und so verließen sie zusammen mit der Besatzung als letzte die Maschine. Dabei leuchtete seine Matrix abermals kurz auf, und aus allen Teilen des Flugzeugs schossen kleine leuchtende Fäden herbei wie fliegende lange Glühwürmchen und hinein in die Matrix -- Tom hatte alle seine Schutzmaßnahmen gelöscht.
„Ab sofort ist diese Maschine wieder genauso verwundbar wie jedes andere Flugzeug.“ erklärte er den Piloten, bevor er und seine Agenten sich von ihnen trennten. „Meine Schutzmaßnahmen auf ihr draufzulassen wäre langfristig ein Risiko, weil sie nicht mehr mit mir interagieren können und sich deshalb in einer zukünftigen Notsituation auch negativ auswirken könnten. Aber wenn ich nie mehr mit Ihnen fliege, hat niemand mehr Gründe, Ihnen böse Zauber anzuhexen. Außer Sie spannen im Urlaub einem Voodopriester die Freundin aus, daran bin dann aber wirklich nicht ich schuld.“
„Darauf mache ich drei Kreuze.“ seufzte der Pilot zurück und verabschiedete sich gern und hoffentlich auf Nimmerwiedersehen von seinen ungewöhnlichen Gästen.
Im Terminal wartete geduldig ein Mann in Jeans und kariertem Hemd mit einem riesigen handgeschriebenen Plakat auf die letzten Passagiere des Fluges aus Washington. Auf dem Plakat stand groß der Name „Tom Richards“ geschrieben. Der Mann war mittleren Alters, sah auf den ersten Blick aus wie ein ewiger Student, nicht eben durchtrainiert, rundgesichtig und mit etwas zu langen Haaren. Er hatte weder eine Tasche noch etwas anderes bei sich, was verdächtig wirkte, und ein neuer Gegner mit Plakat? Nun ja, ein origineller Trick wäre das sicher gewesen, dachten sich die Agenten, die den Mann gleichzeitig mit Richards erspähten, als sie sich umsahen.
„Unser Empfangskomittee.“ machte Tom und zeigte unbekümmert mit dem Finger. „Oder das von unserem Meuchelmörder? Der ja gar nicht hier hätte ankommen dürfen, wegen der Bombe?“
In diesem Moment hatte auch der Mann die kleine Gruppe erspäht, denn Tom mit seiner langen Blondmähne war ja wirklich unverkennbar, senkte das Plakat und kam auf sie zu. Er hielt nichts in der Hand und bewegte sich auch nicht so, als habe er etwas anderes vor als sie zu begrüßen. Unter dem Hemd war vermutlich kein Platz für einen Sprenggürtel oder andere konventionelle „Gastgeschenke“ der bösartigen Sorte. Aber andererseits, schon mit einer sehr kleinen Menge an Semtex konnte man aus geringer Distanz jemanden umbringen. Fox und Gibbs besaßen zwar ihre Schutzfelder, letzterer ein neues, nachdem Tom beim Aussteigen noch daran gedacht hatte, ihn neu zu „taufen“, aber kein Agent wollte verantworten, daß Unbeteiligte durch ihre Anwesenheit in Gefahr gerieten. Allerdings wußte zumindest Fox, daß Tom eine Vorrichtung programmiert hatte, die Sprengstoffe und andere unangenehme Dinge in seiner Umgebung aufspürte und ihm sofort davon Meldung machte. Weshalb er darauf vertraute, daß Tom insofern alles im Griff hatte. 
„Mr. Richards! Sie sind es wirklich! Ich hätte nie zu hoffen gewagt, daß ich Sie jemals treffen würde. - Entschuldigung, mein Name ist Tobias Meyer, und ich hatte absolut gehofft, daß Sie sicher hier ankommen würden, auch wenn ich es nicht glauben konnte. Die sind verrückt, total verrückt, und gemeingefährlich obendrein!“
„Wer ist verrückt und gemeingefährlich?“ fragte Fox prompt. Diese Definitionen waren normalerweise für einen gewissen Mr. Richards reserviert - außer wenn es gegen eine Macht ging, die noch eine Spur gefährlicher und obendrein feindselig war. Er bemerkte, daß schon wieder ein leicht bläuliches Glühen vom Knauf eines gewissen Stockes ausging und ahnte, was Tom diesmal machte - als chronisch mißtrauischer Mensch sicherte er sich die erste auskunftsfreudige Quelle in Form von Herrn Meyer, indem er dem Ahnungslosen ein eigenes Schutzfeld „spendierte“. Der allerdings gar nicht so ahnungslos schien, denn auch er bemerkte das Glühen und reagierte prompt.
„Das ist Ihr berühmter Stock, Mr. Richards?“ fragte er, mit halb bewunderndem, halb erschrecktem Gesichtsausdruck. „Was machen Sie da? Ich stehe auf Ihrer Seite!“
„Sie vielleicht schon. Aber ich bin ein wenig paranoid, was das Abhandenkommen aussagewilliger Leute, so wie Sie, durch mögliche Schüsse aus dem Hinterhalt angeht, deshalb sichere ich mich und Sie lieber durch ein kleines Schutzfeld ab, verstehen Sie?“ erklärte Tom geduldig.
„Oh!“ machte der junge Mann, der sofort begriff. „Vielen Dank, ich glaube, sowas können wir brauchen.“
„Im Gegenzug dafür will ich Informationen, und zwar gleich, bevor wieder etwas passiert.” forderte Richards. „Also, was geht hier ab?“ Er deutete auf eine Sitzgruppe, die gerade frei war, und sie setzten sich. Es waren nur drei Plätze, und die Agenten einigten sich, daß Fox als der ältere sich setzen durfte, während Gibbs stehenblieb, um wachsam die Umgebung im Auge zu behalten. 
„Fassen wir mal zusammen, was ich weiß.“ begann Richards, bevor Meyer zu Wort kommen konnte. „Wir haben es hier offenbar mit einer Gruppe zu tun, die sich für die Ghostbusters hält, aber in Wahrheit mehr Ähnlichkeit mit einer Sekte hat, mit einem selbsternannt unfehlbaren inneren Zirkel, der über alles Bescheid weiß, und zahlreichen Mitläufern, die nur teilweise eingeweiht sind. Sie haben Zugang zu mächtigen antiken Artefakten, von denen sie einige sogar aktivieren und benutzen können, jedoch sind sie unfähig, selbst derartige Objekte zu erschaffen oder die vorhandenen auf neue Zwecke umzuprogrammieren. Sie haben zumindest in Grundzügen eine Ahnung, wofür diese Artefakte dienten - nämlich als Waffen in einem lange zurückliegenden Krieg -  und daß die äußerst feindliche Gegenseite immer noch über Schläferagenten aktiv ist, die den nächsten Schlagabtausch vorbereiten sollen. Einen Schlagabtausch, der in ein paar Jahrhunderten stattfinden wird, wenn die Dimensionstore sich wieder öffnen. Allerdings scheint der innere Kreis der Gruppe vom Feind unterwandert zu sein, weil sie sich auf mich eingeschossen haben, der ich dafür bekannt bin, schon einige Scharmützel mit dem Feind gehabt zu haben - und sie gewonnen habe. Und der innere Kreis nimmt anders als ich keine Rücksicht auf Unbeteiligte. Bis jetzt hatten wir mindestens vier Morde und mehrere Anschläge auf mich mit Sachbeschädigungen, bei denen eine ganze Reihe von Unbeteiligten nur dank meiner Umsicht nicht zu Schaden kam, wie die Anschläge auf dem Flug hierher. Habe ich soweit irgendwas vergessen?“ Sein Tonfall war bei den letzten Sätzen zunehmend schärfer geworden.
„Anschläge aufs Flugzeug?” vergewisserte sich Meyer mit großen Augen, das war ihm offenbar neu.
„Ein Bombenartefakt am Flugzeug vor dem Start, ein weiteres Wind-Wasser-Artefakt während des Fluges, und während der Landung eine konventionelle Rakete mit einem kleinen Sinnestäuschungs-Artefakt. Entweder gehen ihnen langsam die verwendbaren Artefakte aus, oder sie wollen sie aufsparen für den Showdown mit mir.“ erklärte Tom eiskalt. „Was ich als absolute und vermeidbare Verschwendung betrachte, weil ich nicht der Feind bin. Außer natürlich für jene, die selbst für den Feind arbeiten.“
„Aber Sie arbeiten selbst mit einem Artefakt.” sagte Meyer, und deutete auf Toms Stock.
Der sofort den Kopf schüttelte.
„Das ist kein Artefakt aus alten Zeiten. Diese Matrix wurde mir vor ein paar Jahren von ihren Erschaffern selbst übergeben, und nein, das waren nicht die von vor dreizehntausend Jahren, sondern das ist eine andere, übergeordnete Rasse. Die inzwischen auch in diesen Krieg verwickelt ist und dabei auf unserer Seite, der Menschen und unserer Alien-Verbündeten steht. Vermutlich aus reiner Lust am Spiel, aber wir können uns unsere Verbündeten nicht aussuchen, so schwach wie wir im Moment sind. Begreifen Sie das?“
„Kein Artefakt... eine neue Rasse...“ murmelte Meyer, er mußte die ganzen neuen Informationen wohl erst einmal verdauen.
„Ist das dann, wenn es kein Artefakt ist --“ man merkte ihm an, daß er sich kaum zu fragen traute, während er noch mal auf den Stock deutete, „-- ein Master-Tool?“ 
« Letzte Änderung: 20. Januar 2016, 13:34:30 Uhr von DAOGA »

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Re: NCIS - Dunkle Wasser
« Antwort #19 am: 20. Januar 2016, 13:42:59 Uhr »
Tom brauchte nicht lange überlegen.
“Sie meinen ein Werkzeug, das Artefakte, die übrigens als “Schlüssel” bezeichnet werden, wenn sie neu sind, herstellen kann? Ja, das ist es. Schlüssel können keine weiteren Schlüssel herstellen, das kann nur eine Matrix, und auch die nur wenn sie von der hochwertigen Sorte ist. Mit einer Dreier-Matrix kann man einfache Schlüssel herstellen, für kompliziertere braucht man eine Fünfer wie meine hier. Allerdings kann ein Mensch keine stärkeren Matrizen als Level Fünf beherrschen. Die Wesen, von denen diese Fünfer stammt, arbeiten mit stärkeren Matrizen, die auch fähig sind, Matrizen von niedrigerem Level herzustellen, als wären es einfache Schlüssel. Ich selbst lernte die Kunst der Schlüsselherstellung, aber leider nur in Grundzügen, bevor ich meinen Lehrer verlor, alles andere danach mußte ich mir selbst beibringen. Der Schlüssel für Wind, Wasser und Eis, der uns auf dem Weg hierher umzubringen versuchte, war übrigens sehr hübsch und von einem Meister der Kunst gemacht, aber ich konnte gleich feststellen, daß er kein aktives Backup zu einer Kontrollstelle besaß, die ihn interaktiv und damit effektiver gemacht hätte, deshalb war es eine Kleinigkeit, seine Wirkung zu unterlaufen.“ 
Beide Agenten gönnten sich jetzt auf ihren Wachtposten je einen kurzen Seitenblick auf Herrn Meyer und verkniffen sich unisono das Grinsen. Der Mann war nämlich jetzt drauf und dran, vor lauter Ehrfurcht vor Richards auf die Knie zu fallen und den Boden zu küssen, auf dem er wandelte. Ihr verrückter Schützling hatte es also wieder mal geschafft!
„Sie - Sie - Sie sind also ein -- Schlüsselmeister?“ brachte Meyer hervor, woraufhin Tom im trockensten Ton erwiderte: „Erzählen Sie mir nur nicht, daß Sie der Torwächter sind. Sonst fange ich an zu reihern.“
Gibbs beherrschte sich eisern, während Fox nur die Augen verdrehte. Seit die FSA mit Richards zu tun hatte, hatte Fox ganz und gar dienstlich jene Bestandteile der Trivialkultur verinnerlicht, auf die sich Richards des öfteren berief, von den Schriften von Verne und Lovecraft bis zu Filmen - wie „Ghostbusters“ zum Beispiel. Sein Ex-Assistent Wylie, der in diesen Dingen zuhause war, hatte ihm eine ganze Liste an Pflichtlektüre und Filmempfehlungen übergeben, die Fox gehorsam abgearbeitet hatte, um zukünftig zu verstehen, wovon die Rede war.
Aber auch Meyer erkannte das Zitat, abermals verblüfft starrte er Richards an. Er ahnte jetzt wohl, daß sich unter der momentan ernsten Miene von Richards ein gewaltiger Spaßvogel verbarg.
„Ääääh... nein Sir, ich bin kein Torwächter.“ brachte er schließlich hervor.
„Na, Gott sei Dank.” erwiderte Tom prompt. “Ich bin hetero, wissen Sie.”
Gibbs´ Schultern zuckten für ein paar Sekunden, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. Fox konnte die Augen nicht mehr weiter verdrehen, ohne sich selbst Schaden zuzufügen, also ließ er es und zog stattdessen seine übliche Zahnweh-Miene.
Meyer guckte noch eine Sekunde perplex - und plötzlich veränderte sich sein Gesicht, und er begann leise zu lachen, und sobald dieser Damm gebrochen war, konnte er eine Weile nicht wieder aufhören, er schüttete sich geradezu aus.
„Sie sind ganz anders, als ich Sie mir vorgestellt habe.” sagte er dann, als er sich von dem Anfall erholt hatte und sich die Lachtränen vom Gesicht wischte. 
„Sie meinen, sowas wie Darth Vader? - Das war einer der Spitznamen meines Lehrers.“ antwortete Tom gutgelaunt. “Bei mir müssen Sie mit Spitznamen wie “der Verrückte” auskommen. Und das hier sind meine Irrenhauswärter, Mr. Gibbs vom NCIS, und Mr. Fox von der FSA.“ Wobei er frei auf die beiden deutete. 
„Geheimdienst?“ Sofort wurde der Mann wieder vorsichtig.
“Ach, keine Panik. Fox ist inzwischen stubenrein, und Gibbs hat Grips. Die fallen beide nicht auf den Rücken, wenn sie mit etwas Ungewöhnlichem konfrontiert werden.“
Fox signalisierte jetzt dezent ein Kehledurchschneiden, nachdem sein Grimassenschneiden nicht fruchtete, während Gibbs über das ganze Gesicht feixte. 
Meyer seufzte nur, statt zu grinsen. „Schön zu wissen. Eine Prise Humor und gesunder Menschenverstand ist für mich eine erfreuliche Abwechslung, verstehen Sie? Ich hatte in letzter Zeit nicht viel zu lachen. Mit Ihrer Geisterjägertruppe-Slash-Sekte haben Sie recht. Ich geriet da hinein, weil ich über altindische Mythen promoviert habe und einige recht obskure und alte Sanskrit-Dialekte lesen kann. Als ich auf Studienreise monatelang durch Indien zog, stieß ich in einem Tempel in der Nähe von Mamallapuram auf einige recht seltsame Texte und übersetzte sie. Das kam einer ansässigen Brahmanen-Familie zu Ohren, die ein Auge auf diese Texte hatte und über eine Sammlung von Artefakten verfügte, wie ich später erfuhr. Da auch die Inder mit der Zeit gehen, hatten sie Kontakte in die Staaten, und sie wußten von dem Kampf gegen den uralten Feind. Sie hielten sich sogar eine eigene Truppe ergebener Kämpfer aus der Kaste der Khshatriya, der Kriegerkaste, wie Sie vielleicht wissen, loyal bis zum Tod und exzellent ausgebildet, so gefährlich wie die Thugs früher, oder den japanischen Ninjas vergleichbar. Und auch die arbeiten heute nicht mehr nur mit Krummdolch und Seidenschnur, sondern genauso mit Maschinenpistole und Computer.
Sobald ich erfuhr, um was es ging, und ein paar der Artefakte vorgeführt bekam, war ich natürlich Feuer und Flamme. Ich meine, wer in meiner Profession wäre nicht gern dabei, wenn es gegen einen uralten und mächtigen Feind aus unbekannten Dimensionen geht, der es auf die Auslöschung der Menschheit abgesehen hat und schon den alten Indern wohlbekannt war?
Als ich dann in die Staaten zurückkehrte, hatte ich ein paar Adressen im Gepäck, die mich zu den hiesigen Filialen der Feindbekämpfer führten. Da hier etliche Amerikaner, Briten und andere Weiße mit dabei sind, ist es hier lockerer als drüben im indischen Heimatland, und ich fühlte mich ganz wohl... bis vor einigen Monaten.
Da wurde es plötzlich immer komischer. Ein paar Leute verschwanden, und tauchten auch in der Zentrale in Indien oder den anderen Filialen nie mehr auf. Andere benahmen sich seltsam, geheimniskrämerisch, sonderten sich ab, als wollten sie ihre eigenen kleinen Zirkel aufmachen. Ich konnte den Finger nicht drauflegen, ich spürte es nur, daß da was vorging, verstehen Sie? Als Schriftgelehrter und Eingeweihter gehörte ich eigentlich zum inneren Zirkel, der bis dahin gar nicht so etepetete war, wir Eingeweihten grenzten uns eigentlich nur gegen die Neulinge ab, solange noch nicht klar war, inwieweit die tatsächlich für die Ziele unserer Vereinigung zu kämpfen bereit waren, und ob sie vertrauenswürdig waren, denn ob sie für unsere Gruppe überhaupt geeignet waren, das wurde schon vorher getestet.
Aber mit einem Mal ging mir jeder aus dem Weg, als hätte ich was angestellt. Und dann erfuhr ich, daß ein paar krumme Sachen geschehen waren. Zuerst Einzelfälle - externe Verbündete verschwanden oder fielen mysteriösen Unfällen zum Opfer, Bibliotheken und Labors gingen in Flammen auf, Leute benahmen sich seltsam... genau die Phänomene, die in den alten Schriften als Hinweise auf den Feind aufgelistet sind. Als ich darauf hinwies, wurde ich einfach für verrückt erklärt und von weiteren Aktivitäten des inneren Kreises ausgeschlossen.
Also tat ich mich mit den anderen zusammen und vergatterte sie, auf alles ein wachsames Auge zu haben und mir zu melden. Ich zog einen eigenen kleinen Kreis um mich zusammen, Leute, denen ich so weit vertrauen kann und die bereit sind, gegen die Eingeweihten vorzugehen, wenn sie sich etwas leisten, was sich nicht mehr mit den originalen Zielen unserer Vereinigung in Einklang bringen läßt. Und ich würde sagen, derartige Dinge sind inzwischen passiert, wir erfuhren es aber leider immer zu spät, um noch etwas verhindern zu können. Deshalb kam ich heute hierher in der Hoffnung, Sie würden hier ankommen - und vor allem, sicher ankommen. Ihr Name ist bei uns wohlbekannt, Mr. Richards.
Als Sammler von Artefakten, der ebenfalls etliche Male in Indien war - aber früher unter anderen Namen, nicht wahr? Da gibt es Geschichten aus dem Mittelalter, von angeblich unsterblichen Weißen, die in einer verborgenen Welt in Tibet hausen, Geschichten, die aber in Wahrheit auf einen einzigen Reisenden aus dem Westen zurückgehen, der im Lauf der Jahrhunderte diese Weltgegend immer wieder aufsuchte, auf der Suche nach Artefakten, und dabei den Einheimischen auffiel, weil er schon mit ihren Urahnen gereist war, ohne nennenswert zu altern... ? Wie alt sind Sie wirklich, Mr. Richards, wenn ich fragen darf?”