Autor Thema: Finished Shortstory: Once upon a time...  (Gelesen 15104 mal)

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Offline Johanna

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Finished Shortstory: Once upon a time...
« am: 20. Dezember 2012, 12:05:50 Uhr »
Hallo zusammen!

Heute an meinem ersten Urlaubstag über Weihnachten überkam mich ein Gedanke:

Wie wäre es, wenn eine lange Zeit vergangen wäre und niemand mehr weiß, ob es Captain Future wirklich gegeben hat, oder ob er nur eine Legende war.
Also in einer Zeit, in der Geschichten und Märchen davon berichten, was vielleicht einmal Wirklichkeit war...

Wie immer: Die Figuren gehören dem ehrenwerten Edmond Hamilton, die Story gehört mir.
Enjoy!

Once upon a time...

Eine warme, klare Frauenstimme wehte über die Terrasse der Farm und berichtete fünf atemlos lauschenden Kindern von Abenteuern aus fernen Galaxien. Märchen, die sich um die Sagengestalt des Sonnensystems drehten. Legenden die bereits 30 Jahre zurück lagen.
"So war das, in den Anfängen der interplanetaren Regierung, als im Sonnensystem noch Zustände herrschten wie im Wilden Westen. Ohne die Planetenpatrouille und vor allen ohne Captain Future hätte das Sonnensystem keine friedliche Zukunft gehabt."
Gerade hatte sie geendet, da plapperten die drei Jungen und zwei Mädchen wild drauflos:
"Granny, was wäre, wenn Captain Future noch lebte?"
"Würde er die Erde besuchen?"
"Gibt es sein Zuhause auf dem Mond noch?"
"Kanntest du ihn persönlich?"
"Hör mal, Granny, landet hier nicht irgendwo ein Raumschiff? Vielleicht die Comet?"
Die Phantasie der Kinder war überschäumend und weit in der Ferne konnte man sich tatsächlich einbilden, das näselnde Geräusch landender Zyklotronentriebwerke zu hören. Aber das war nicht Ungewöhnliches am Rande des Adirondak Gebirges, denn der nächste Raumflughafen war nicht weit entfernt.
Die Frau hob den Kopf, um zu lauschen, ein Lächeln glitt über ihr Gesicht und die Falten darin waren Zeichen des Alters und der Lebensfreude. Sie strich ihr immer noch dunkles Haar, das mit einiges grauen Strähnen durchsetzt war mit einer geübten Bewegung zurück und es schimmerte golden im Licht der untergehenden Sonne. In ihren braunen Augen lag ein eigentümlicher Glanz.
Das Zirpen der Sommergrillen war jedoch alles, was die Ruhe der Farm störte und so fuhr sie fort:
"Ja, ich kannte ihn. Und es waren aufregende Zeiten."
"Boah, ehrlich? Hat er Dir das Leben gerettet?"
"Mir und Onkel Ken."
"Onkel Ken kannte ihn auch? Mör-der-spannend!"
"Joany, erzähl noch mehr von Captain Future", bettelten die drei jüngsten, doch die Älteste, ein 12 jähriges Mädchen mit rotbraunem Haar fragte gerade:
"Granny, warum hat Captain Future das Sonnensystem verlassen? Er hatte hier doch alles."
Die schlanke, ältere Frau seufzte und stand auf. Eine dunkelblaue Jeans schmiegte sich wie eine zweite Haut um ihre schlanken Beine und die weiße Bluse betonte den gebräunten Teint einer Frau, die sich viel im Freien aufhielt.
Sie lehnte sich auf das Geländer der überdachten Terrasse, ließ den Blick in Richtung des aufgehenden Mondes schweifen und sagte:
"Weißt du, mein Schatz, die ewige Suche nach Erkenntnis kann zum Fluch werden, zu einem Selbstzweck. Es war für ihn eine ständige Verlockung, die Suche nach dem Ursprung der Menschheit... Er ist irgendwann dieser Versuchung erlegen..."
"Das ist doof", entschied das Mädchen und blickte seine Großmutter fragend an. "Was nützt mir denn Wissen, wenn ich es nicht teilen kann? Wenn ich es nicht teilen kann macht mich das einsam - und einsam sein ist doof! Da streite ich mich doch lieber mit Curtis."
Ihr kleinerer Bruder mit den schwarzen Haaren und grauen Augen blickt sie trotzig an.
"Du kannst ja auch nix anderes, Elena. Du bist halt nur ein Mädchen."
Der 11 jährige hatte noch nicht ausgesprochen, da preschte seine Schwester vor und es war klar, dass sie ihren Standpunkt nicht mit Worten verteidigen würde. Ihr Bruder hatte bereits seine Verteidigungsposition bezogen und regte angriffslustig sein Kinn vor.
Mit einer blitzschnellen Bewegung ging Joan dazwischen, etwas was die Kinder absolut überraschte. Wie konnte eine Frau von 55 derartig gute Reflexe haben?
"So, nun ist es aber genug für heute. Seinen Standpunkt hat auch Captain Future stets mit Worten zu verteidigen gewusst," sagte sie streng. "Gewalt ist keine Lösung. Ab ins Haus mit euch, macht euch bettfertig. Ich sage euch dann gute Nacht."
"Granny, bitte, nur noch ein bisschen..." quengelte die Kleinste.
"Es ist schon spät", meinte Joan streng, doch ihre Augen leuchteten liebevoll. "Morgen erzähle ich euch mehr."
Damit trollten sich die Kinder ins Haus, und der Disput zwischen Elena und Curtis ging flüsternd weiter, während sie die Treppen hinauf zu den Schlafräumen gingen.


Na - hat jemand eine Idee?
Comments welcome!
 ;)
Viele Grüße
Johanna
« Letzte Änderung: 2. Dezember 2014, 22:56:03 Uhr von Johanna »
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #1 am: 20. Dezember 2012, 13:41:48 Uhr »
"Du musst sehr stolz sein."
Diese Stimme ging ihr durch Mark und Bein! Ihr Knie zitterten, als sie sich langsam umdrehte und es verschlug ihr den Atem.
Da stand er im blutroten Licht der verlöschenden Sonne: Flammend rotes Haar, eine aufrechte Gestalt, bereit zum Kampf für die Gerechtigkeit.
"Curtis!"
Dann war die Sonne hinter dem Horizont versunken, und sie erkannte, dass sein Haar silberweiß war wie der leuchtenden Vollmond.
"Joan!"
Er trat auf sie zu und sie umklammerte krampfhaft das Geländer, während sie die Treppe hinab eilte. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. So viel stürmte auf sie ein: Wut, Enttäuschung, Angst, Verständnis, Liebe...
Er nahm vorsichtig ihr Hand, hielt sie, als könne er nicht glauben, dass sie tatsächlich da war. Der Blick seiner immer noch klaren, grauen Augen war fragend, forschend - und warm!
"Verzeih mir, ich komme zu spät!"
Seine Worte erschütterten sie und sie berührte zaghaft sein Gesicht.
"Ich bin so froh, dass du lebst!"
Das war es, was für sie zählte, alles andere war egal. Sein Blick glitt zum Haus und dann fragend zu ihr. Er betrachtete ihre Hände, schien etwas zu suchen. Sie lächelte, als sie seine Gedanken erriet.
"Ich bin nicht verheiratet..."
Die Erleichterung, die sie in seinem Blick las wärmte ihr Herz. Aber sie sah auch die Zweifel in seinen Augen, die Zweifel, ob er überhaupt ein Recht hatte hier zu sein, bei ihr...
Ihr sanfter Kuss löschte seine Zweifel aus und er zog sie in seine Umarmung.
"Ich hatte Angst, ich würde dich nie wieder sehen", flüsterte er. "Ich habe so viele Fehler gemacht..."
Sie lachte an seinen Lippen: "Einige!" bestätigte sie und staunte über die Zärtlichkeit seiner Küsse. Ihre Hände fuhren liebkosend durch sein volles Haar und sie genoss seine Nähe, atmete seinen Duft ein und fühlte sich plötzlich über 30 Jahre zurück versetzt zu jener einen Nacht, in der sie alle Vorsicht hatten fahren lassen, als alle Zurückhaltung eingebrochen war, wie ein morscher, alter  Damm... Das Leben war über sie hereingebrochen, wie das Wasser eines wilden Flusses und sie hatten sich treiben lassen, ohne zu wissen wohin es sie beiden führen würde...
Es war das Beste gewesen, was ihr je passiert war, in mehr als einer Hinsicht!
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #2 am: 20. Dezember 2012, 15:19:27 Uhr »
Zitat

Es war das Beste gewesen, was ihr je passiert war, in mehr als einer Hinsicht!
 


 [naughty] [naughty]


felixx
Accept that some days you`re the pigeon-and some days you´re the statue.   
(roger c.anderson)
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #3 am: 20. Dezember 2012, 15:30:20 Uhr »
Ja - es ist kurz vor Weihnachten!
 [angel]
Meine Beta hat sich ein Happy End gewünscht...

Mal sehen, denn ich hatte eigentlich einen langsamen qualvollen Tod im Hinterkopf...
 [devil] [devil]

Noch bin ich ja nicht am Ende.
Freche Grüße

Johanna
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #4 am: 20. Dezember 2012, 15:50:31 Uhr »
"Ich liebe dich, Joan."
"Seid wann, Curtis?" Ihr Blick suchte seine ruhigen, grauen Augen, die seine Gefühle nicht länger verstecken konnten.
"Seid damals, seit jener Nacht..."
"Und trotzdem bist du ohne mich nur wenige Wochen später mit den Jungs aufgebrochen, um den Ursprung der Menschheit jenseits der großen Leere der Galaxie zu erforschen. Warum?"
Er zögerte nicht.
"Egoismus. Ich wollte das Rätsel unbedingt lösen, diesen letzten Versuch wollte ich noch unternehmen ohne dich in Gefahr zu bringen. Und ich hatte mir eine Frist gesetzt: Wenn wir es nach 3 Jahren nicht geschafft hätten, wollte ich nach Hause zurück kehren. Doch es kam anders..."
Plötzliche Angst beschlich Joan bei seinen Worten.
"Wo sind sie?" fragte sie und er wusste genau wen sie meinte. Er löste die Umarmung, ergriff ihre Hand und hauchte einen Kuss darauf.
"Lass uns rein gehen. Sieh nach den Kindern und bring sie zu Bett. Dann erzähle ich dir alles. Und du erzählst mir alles..." Sein Lächeln war wehmütig.
 :-[
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #5 am: 20. Dezember 2012, 16:18:38 Uhr »
"Habt ihr etwa geknuuutscht? Bäh!" Theatralisch wischte sich der Junge mit dem ganzen Arm angewidert über den Mund und stand dann grinsend im Flur. Seine grauen Augen strahlten die beiden Erwachsenen triumphierend an.
"Curtis, du Lausebengel! Ab ins Bett!" schalt Joan und machte einen demonstrativen Schritt auf ihn zu. Quietschend vor Vergnügen rannte dieser die Treppen hoch und unter Glucksen und Lachen rief er immer wieder:
"Granny hat geknu-utscht, Granny hat geknutscht..."
Als Resultat erschienen prompt 4 weitere Köpfe am oberen Rand der Treppen, die neugierig nach unten guckten. Schon wollte Joan nach oben eilen, als sich ihr eine Hand auf den Arm legte und sie zurück hielt. Sie drehte sich um und blickte in Curts aschfahles, schockiertes Gesicht.
"Joan", wisperte er, als habe er einen Geist gesehen. "Seine Augen..."
Sie seufzte. Sie hatte es ihm schonend beibringen wollen. Nun denn. Sie nahm seine Hand und hielt sie ganz fest. Dann rief sie nach oben:
"Kinder, wir haben Besuch. Kommt runter, ihr könnt euch ja eh nicht mehr zurück halten."
Sekunden später waren die beiden umringt von Schlafanzügen und Nachthemden und Elena fragte vorwitzig:
"Wow, sind Sie groß. Waren Sie früher zusammen mit Granny bei der Patrouille? Sie sehen gut aus für ihr Alter!"
Joan prustete los und lachte, gelöst und ungehemmt und die Kinder stimmten fröhlich mit ein. Als sie sich wieder beruhigt hatte und sich die Lachtränen aus den Augen gewischt hatte, machte sie die Vorstellungsrunde.
"Ja, Curt, du magst es glauben, oder nicht, ich habe 5 Enkel. Wahnsinn oder? Das hier ist Elena, dann kommt Curtis, John und Jaret, zweieiige Zwillinge übrigens, und Jane das Nesthäkchen. Und das, Kinder, ist ein Freund von mir: Curt Newton. Wir haben früher zusammen gearbeitet."
 ;D
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #6 am: 20. Dezember 2012, 16:21:53 Uhr »
"Hast du Granny lieb?" fragte die kleine Jane, die Joan so ähnlich sah und Curtis nun mit ihren treuherzigen, dunklen Augen anblickte. Augen, so dunkel, wie die Weite zwischen den Galaxien und mit einem Leuchten darin, aufregender als die wunderbarsten Sterne. Eine seltsame Erkenntnis streifte Curt, als er die Kleine vorsichtig auf den Arm nahm. Sie war wie ein unentdecktes Universum, das es zu erforschen galt. Sie war eine Herausforderung.
"Ja, Jane", sagte er leise. "Ich habe Joan sehr lieb!"
"Onkel, Curt, Onkel, Curt", krähten nun John und Jaret, um seine Aufmerksamkeit zu erhalten. "Hast du auch wie Granny Captain Future kennen gelernt?"
Er warf Joan einen vorsichtigen Blick zu und wusste sofort, die Kinder kannten nicht die ganze Wahrheit. Heute noch nicht. Deshalb antwortete er:
"Ich kannte ihn - damals. Aber das ist lange her. Inzwischen lebt Captain Future nicht mehr."
Bei diesen Worten wurde Joans Gesicht ganz weich und er glaubte Tränen in ihren Augen glitzern zu sehen.
"Dann ist Captain Future jetzt bestimmt im Himmel, bei Mom und Dad", sagte der kleine Curtis bestimmt und seinen schlauen grauen Augen war an zu sehen, dass ihn das Schicksal bereits viel Kraft gekostet hatte. "Dann wird er unser Schutzengel und wacht über die Erde."
Curt Newton schluckte hart und trocken. Er merkte wie ihm die Knie zitterten und er setzte Jane wieder vorsichtig ab. Joan beobachtete ihn sorgenvoll, denn sie wusste, er hatte sich das Meiste bereits zusammengereimt und er stand nun unter einem Schock. Sie musste sich um ihn kümmern.
 [unconscious]
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #7 am: 20. Dezember 2012, 17:34:05 Uhr »
"Geht jetzt bitte zu Bett, Kinder", sagte sie deshalb weich. "Ihr könnt Curt morgen weiter mit Fragen löchern."
"Bist du morgen denn noch da, Onkel Curt?" fragten die Zwillingen und die hoffnungsvollen 5 Augenpaare, die sich jetzt an ihn hefteten, brachten sein Herz zum Schmelzen.
"Natürlich" sagte er warm. "Ich bin da, wenn ihr wieder aufwacht."
Joan küsste und herzte die Kinder, die dann leise tuschelnd den Weg in ihre Betten antraten.

Curt war nach draußen getreten. Er brauchte frische Luft. Er fuhr sich durch die Haare und Joan konnte sehen, wie er mit sich rang.
Immer eins nach dem anderen, ermahnte sie sich.
Er hatte ihr den Rücken zugedreht und die Arme unter geschlagen.
"Ich habe dich im Stich gelassen!"
Joan hörte bittere Selbstvorwürfe aus seine Stimme. Wie gut sie das noch kannte. Er fühlte sich immer verantwortlich.
Sturkopf, dachte sie zärtlich, und sie wusste, dass er ihr jetzt nicht in die Augen blicken konnte. Deshalb schlang sie von hinten die Arme um seine Taille und murmelte an ihn gelehnt:
"Curtis, wir müssen reden. 30 Jahre verarbeitet man nicht in einer Nacht."
Sie spürte wie er zitterte und statt einer Antwort nickte er. Sein Gesicht blieb im Schatten und sie ahnte, dass er sich kaum beherrschen konnte. Also begann sie einfach zu erzählen, das Wichtigste zuerst.
"Mein Sohn Jason - unser Sohn", betonte sie, "war ein toller Junge. Er hatte deine Augen, deine Figur und deinen Starrsinn. Aber die dunklen Haare hatte er von mir." Ihre Stimme wurde wärmer, als sie von Jason berichtete und es schwang Freude darin mit.
"Du wärst stolz auf ihn gewesen, denn er ging in die Forschung. Er hat früh geheiratet, Sabrina, die er auf einer Studienreise kennen gelernt hat. Ein tolles Mädchen. Und sie haben mich - uns - frühzeitig zu Großeltern gemacht. Er hat sich immer eine große Familie gewünscht, weil die unsere so klein war. Und dann flogen er und Sabrina vor 5 Jahren zu einem Vortrag auf den Mars. Das Shuttle hatte einen Defekt und es stürzte bei der Landung ab. Niemand der an Bord gewesen war konnte gerettet werden... Jason wurde nur 26 Jahre alt. Damals nahm ich die Kinder zu mir und gab den Job komplett auf. Und bei allen Rückschlägen, die das Schicksal in den letzten 30 Jahren für mich bereit gehalten hat, war ich dennoch niemals glücklicher als heute."
Ihre Lippen hauchten einen Kuss auf seine Wange und erschrocken spürte sie, dass sie nass war.
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #8 am: 20. Dezember 2012, 17:59:27 Uhr »
Ich weiß, ich bin gemein.
Aber das letzte Kapitel kommt mit verstecktem Text daher.
 [angel] [angel] [angel]

 

[Versteckter Text]
« Letzte Änderung: 20. Dezember 2012, 22:37:49 Uhr von Johanna »
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #9 am: 20. Dezember 2012, 20:45:45 Uhr »
Hi,

nee, nee ich halte mich da mehr an die Romanvorlage von E. Hamilton, weniger an die Filme.
In den Romanen wird Joan beschrieben mit dunklen Haaren (oder auch fast schwarz) und braunen Augen.

 ;)

Johanna
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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #10 am: 20. Dezember 2012, 21:55:08 Uhr »
Ich frage mich gerade,
ob eine kleine Fortsetzung in der AREA wohl angebracht wäre...
 [angel] [angel] [angel]
Liebe Grüße
(den Schalk im Nacken sitzend habend und pfeifend von dannen ziehend)
Johanna
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Offline Tachioniumfinder

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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #11 am: 20. Dezember 2012, 22:00:01 Uhr »
Wow, was für eine wunderschöne Geschichte...... [goodjob]
Und ja, sie schreit gerade nach einer Fortsetzung in der Area..... [devil]
LG
Tachi
« Letzte Änderung: 20. Dezember 2012, 22:01:33 Uhr von Tachioniumfinder »

Offline Johanna

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Re: Shortstory: Once upon an time...
« Antwort #12 am: 20. Dezember 2012, 22:02:03 Uhr »
Oh - danke sehr, Tachi!
 [blush]
 [smug]

(War ja irgendwie klar, oder...) [devil] [devil] [devil]
Liebe Grüße

Johanna
« Letzte Änderung: 20. Dezember 2012, 22:09:06 Uhr von Johanna »
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Offline Johanna

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Re: Shortstory: Once upon a time...
« Antwort #13 am: 21. Dezember 2012, 07:11:28 Uhr »
Hi,
hm ja, irgendwie kam mir der Gedanke, dass Curt nur den "Absprung" aus seinem Leben als Captain Future schaffen kann, wenn diese eindeutigen ich nenne es mal "Identifikationsmerkmale" verschwunden sind.
Gut ich geb´s zu - mal wieder etwas DRAMA.
Aber diesmal lebt der Captain!
 [proud]
Liebe Grüße
Johanna
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Offline claudrick

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Re: Shortstory: Once upon a time...
« Antwort #14 am: 21. Dezember 2012, 10:20:54 Uhr »
Seufz...  :)

Wenn das kein Herzwärmer ist! Und was für ein schöner Gedanke, dass die beiden, nachdem sie ihre Lebensmitte überschritten haben, ein pralles Leben voller Abenteuer und unglaublicher Erlebnisse gelebt haben, offensichtlich alles etwas langsamer angehen und mit einer gewissen Abgeklärtheit betrachten können. Zumindest auf den ersten Blick.

Auf den zweiten Blick wird einem jedoch das ganze Ausmaß dieser sehr persönlichen Tragödie bewusst: Er erfährt, dass er ein Kind hatte, im nächsten Satz, dass es bereits tot ist. Was er alles versäumt hat, wird ihm wohl erst so nach und nach bewusst werden. Und je mehr er über "seine" Familie erfährt, desto bitterer wird es für ihn werden. Ehrlich, ich möchte nicht in seiner Haut stecken... Aber er hat es ja so gewollt!

Übrigens denke ich nicht, dass ihn seine Mannschaft davon abgehalten hätte, ein anderes Leben zu führen. Wenn er als Captain gesagt hätte, das Rätsel der Menschheit sei zwar ungemein fesselnd aber er habe sich entschieden, nicht mehr Captain Future zu sein, hätten sie das zwar mit Sicherheit zutiefst bedauert, aber wohl kaum verhindert. Den entscheidenenden Schritt kann nur er selbst tun...

Wunderbare Geschichte, Johanna. Und ich bin gespannt, wie das so weitergeht, mit Opa Curtis und seiner Enkel-Schar.  ;)

Liebe Grüße

claudrick
« Letzte Änderung: 21. Dezember 2012, 10:36:51 Uhr von claudrick »
Wenn sich das Universum ausdehnt, warum finde ich dann nie einen Parkplatz? (Woody Allen)