Autor Thema: CF der Film - Version 2772  (Gelesen 9537 mal)

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #45 am: 2. Januar 2017, 18:02:47 Uhr »
Tom trat ganz nach vorne bis an den Bühnenrand trat und stellte dort seinen „Zauberstab“ auf, wo der Stock ganz von selber senkrecht stehen blieb.
„Die Elemente, Ladies and Gentlemen,“ begann er eine kurze Ansprache. „Wasser und Feuer, Luft und Erde. Zwei davon, Luft und Wasser, haben Sie soeben in Aktion erlebt. Das dritte ist immer bei uns, wohin wir auch gehen, denn es ist die Erde, die uns durch ihre Schwerkraft an sich gedrückt hält wie eine liebeswütige Matrone, weshalb ich sie hier aus Taktgründen auch nicht weiter erwähnen möchte.“
Abermals Gekicher im Publikum, Toms altmodische Art kam bei den Leuten vom Fach gut an.
„Doch nun erleben Sie auch das vierte Element, das Feuer, und meine Herrschaft über dasselbe. Sehr geehrtes Publikum und insbesondere, liebe Kinder, macht das bloß nicht zuhause nach, Feuer ist gefährlich und Brandwunden sind extrem schmerzhaft.“
So sprach er, in Tonlage und Gestik geschickt die Stimmung anheizend. Währenddessen wurde hinter ihm das metallene Unterteil hereingefahren, ein Bühnenkran lieferte die Röhre, beides wurde auf der Bühne vor den Augen der Zuschauer von geschickten Helferhänden zusammengefügt und eine gewisse Menge an schnell brennbarer Flüssigkeit - Spiritus, den Gestank von Benzin wollte Tom weder sich selbst noch den Zuschauern zumuten - durch ein kleines Einlaßventil in das Unterteil eingefüllt. Dann legte Tom auch sein Mikrophon ab und ergriff ein Seil, das von dem Kran herabhing, und ließ sich hochziehen. Sein durchtrainierter Körper hing mühelos an einer Hand, während der Kranfahrer hinter der Bühne ihn über die Röhre manövrierte und ihn dort hinein hinabließ. Unbekümmert stieg er mit nackten Füßen in die Flüssigkeit, mit angehaltenem Atem, um die benebelnden Alkoholdämpfe nicht einzuatmen, die aber nicht mehr lange vorhanden sein würden... Dann, noch ehe das Licht im Saal ganz abgedimmt war, flog von oben ein brennender Fidibus in die Röhre, den ein Helfer mit Hilfe eines langen Greifarms nach oben praktiziert hatte, und der Spiritus entflammte im Nu. Zusammen mit dem Papiergewand, das Tom trug.
Eine gleißende Flammensäule stand in der Röhre, die mitten auf der Bühne stand. Nicht für lange, nur lange genug, bis sowohl der Spiritus als auch der Sauerstoff in der Röhre verbraucht waren, was insgesamt keine drei Minuten dauerte, dann fiel die Flamme zusammen, und Tom wurde wieder sichtbar.
Er hatte die Hände vor das Gesicht gehalten, um seine Augen vor der Glut zu schützen, und sein Papiergewand war ihm komplett vom Leib gebrannt worden, abgesehen von einer hauteng anliegenden, hautfarbenen Schamkapsel, die seine edelsten Teile verbarg, trug er nichts mehr. Seine langen Haare hatte er vorher zusammengesteckt, um sie vor dem Feuer zu schützen, jedoch hätte selbst das nicht zuverlässig geholfen, wenn sie zu weit aus seiner Aura herausgeragt hätten, deshalb hatte er sich für alle Fälle eine unsichtbare „Badekappe“ aus Matrixenergie angelegt, um seine geliebte lange Haarpracht nicht versehentlich einzubüßen.
Die letzten Flammenreste erstickten schnell an Nahrungs- und Sauerstoffmangel, und es hätte eigentlich finster werden müssen in dem völlig abgedunkelten Vorführsaal - doch eine Lichtquelle blieb.
Es war Tom Richards selbst, dessen beinahe nackter und absolut wohlproportionierter Körper auf einmal aus sich selbst heraus leuchtete, als sei etwas von dem Gleißen des Feuers in ihm zurückgeblieben, nicht etwa in dem kränklich-gelblichen Ton von simpler Leuchtfarbe, sondern in einem angenehmen,  ätherischen, fast überirdisch zu nennenden Weiß.
Zwei Helfer, kaum sichtbar in der Finsternis, öffneten die Klammern, die Röhre und Metallunterteil zusammenhielten, und die Röhre wurde hochgezogen. Nur die Helfer konnten Toms tiefe, hastige Atemzüge hören, als er nach mehreren Minuten des Luftanhaltens endlich wieder Atem schöpfen durfte. Aber der Akt war noch nicht vorbei.
Denn, kaum von der Röhre befreit, veränderte sich das weiße Leuchten um Tom herum. Es wuchs nach beiden Seiten, nahm die unverkennbare Form zweier riesiger, leuchtender Flügel an, die Schwingen eines Engels... oder von einem Phönix, der aus der Asche emporstieg...
und Tom wusste diese Flügel zu nutzen, er tat einen schnellen Schritt nach vorne und stieß sich mit dem nächsten ab,
und so leicht wie eine Feder aber zielgenau wie ein fliegender Vogel stieg er empor, schwebte hinein in den Zuschauerraum, getragen von Schwingen aus purem Licht, wo das Publikum großäugig und mit offenstehenden Mündern staunte und fast schon überzeugt davon war, gerade einem Wunder beizuwohnen, denn es war eindeutig erkennbar, daß Tom an seinem beinahe unziemlich nackten und leuchtenden Körper keinerlei Vorrichtung trug, die das Fliegen hätte erklären können.
Tom hatte Scott und Frans, seine zwei Helfer, mit voller Absicht unter den Zuschauern plaziert. Jeder von ihnen hatte einen bunten Leuchtstab als „Landemarkierung“ und ein simples Holzbrett dabei, einen Meter in der Länge und etwa zwanzig Zentimeter breit, die sollten sie gerade und eben in die Höhe halten wie eine Landebahn, und soeben setzten seine Füße perfekt auf dem ersten Brett auf, das Scott unter ihm in die Höhe hielt.
Scott mußte sich dabei keineswegs anstrengen, ihn zu halten, denn der Levitationseffekt, der das Fliegen ermöglichte, wirkte noch, wodurch Toms Körpergewicht im Augenblick dem eines großen Luftballons entsprach. Selbst den Abstoß der Füße, als Tom wieder abhob, um das Brett von Frans auf der anderen Seite des Zuschauerraums anzusteuern, fühlte Scott kaum.
Und abermals konnte das Publikum den Flug des „Phönix“ quer durch den ganzen Zuschauerraum beobachten, und wie er auf der zweiten hingehaltenen Sitzstange landete und dort zur allgemeinen Ergötzung seinen eigenen Trick parodierte, indem er eine kurze aber gelungene Imitation des Tweety aus den Zeichentrickfilmen produzierte.
Danach flog er zurück auf die Bühne und nahm dort den Applaus der begeisterten Menge entgegen, sich formvollendet tief verneigend, während seine Lichtschwingen unter dem aufgleißenden Licht der Spots dahinschwanden und sich auflösten. Ein Helfer reichte ihm einen Bademantel, und er bedeckte sich, begleitet von ein paar sehr bedauernden und gut vernehmlichen Seufzern aus der Zuschauermenge, die aber nicht alle danach klangen, als kämen sie nur von der anwesenden Weiblichkeit.
Danach ergriff er seinen Stock, verbeugte sich noch einmal und ging ab.
Auch Frans applaudierte begeistert. Verdammt, so etwas hätte sich gut mit seiner geplanten Rolle verstanden, in der Episode mit einem Weltraumzirkus, der Auftritt des Zauberkünstlers... aber Tom als fieser Ul Quorn, das ging ja wohl nicht, oder? Trotzdem beschloß er die Idee im Hinterkopf zu behalten und sie mit Siwa zu diskutieren, falls er ihn wiedertraf.
„Und was werden Sie nächstes Jahr vorführen?“ fragte er neugierig, als er Tom danach hinter der Bühne traf.
„Ich plane etwas neues, was mit Schlüsseln zu tun hat. Die Leute werden Stielaugen machen, wenn ich aus dem Nichts die unmöglichsten Dinge hervorzaubere.“
Frans wusste inzwischen, was er mit Schlüsseln meinte, nämlich nicht die herkömmlichen, die für Schlösser aller Art geeignet waren, sondern jene kleinen, in inaktivem Zustand meist sogar immateriellen Matrixprogramme, die von Matrixtechnikern wie Tom oder Siwa als „Schlüssel“ bezeichnet wurden. Geübte Matrixtechniker konnten solche immateriellen Schlüssel in ihrer ausgeprägten Körperaura unterbringen und jederzeit bei Bedarf hervorziehen, und niemand, der nicht erstklassig aurasichtig war, würde jemals herausfinden, woher all die Dinge materialisierten, die Tom vorher in Form solcher Schlüssel an seinem Körper verstaut hatte. Da man allerdings eine hochrangige Matrix benötigte, um solche Schlüssel zu produzieren, hatte Tom diesen Trick bisher noch nie vorführen können, weil er seine Fünfermatrix erst vor einigen Jahren erhalten hatte.

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #46 am: 11. Januar 2017, 09:28:33 Uhr »
Nach ihrer Rückkehr nach Washington erhielt Frans einen Anruf, der ihn bewog, das American Geosciences Institute in Alexandria aufzusuchen. Kurz nach seinem Umzug nach Lyonshome Manor hatte er nämlich als Gasthörer einem Vortrag in Geologie beigewohnt, um sich anschließend mit der Vorträgerin, einer Geologin namens Dr. Marija Stern, kurz unterhalten zu können.
„Studieren Sie Geologie oder nur allgemein interessiert, Mr. ...“ hatte sie ihn gefragt, als er nach dem Vortrag nach vorne kam und sie darum bat, ihr ein paar Fragen stellen zu dürfen.
„Hauser. Frans Hauser.“ lächelte er freundlich. „Nein, ich bin kein Student, ich bin nur hier, weil ich einige Fragen zu Gesteinsproben hätte, die ich hier mitgebracht habe.“ Dabei hielt er einen bunten Kunststoffbeutel hoch, der zwar nicht allzu groß, aber dafür sichtlich schwer war.
„Ja bitte, fragen Sie.“ Es kam häufiger vor, daß Leute sie wegen Gesteinsproben um Auskunft baten - häufig weil man auf Erdöl, Gold oder andere wertvolle Funde auf dem eigenen Grundstück hoffte, was sie jedoch immer abschlagen mußte, weil es dafür eigene spezialisierte Labors gab, die natürlich gegen Gebühr ausgiebige Analysen anstellten.
„Sagen Sie, machen Sie auch eigene Untersuchungen? Chemische Analysen, Strahlungswerte und all das.“
„Ja, selbstverständlich. Wenn Sie jetzt allerdings von mir wissen wollen, ob Sie auf Ihrem eigenen Grundstück...“
„Nein, nicht das.“ unterbrach er sofort. „Können Sie bei so einer Analyse feststellen, ob Gestein von diesem Planeten oder einem anderen, genau gesagt einer merkurähnlichen Welt außerhalb unseres Sonnensystems stammt?“
Jetzt wurde sie aufmerksam. Der junge Mann sah nicht so aus, als wollte er sie auf den Arm nehmen, er blickte sie durchaus ernst an.
„Selbstverständlich. Gestein von anderen Welten unterscheidet sich signifikant von irdischen Gesteinen, sei es durch die reine Zusammensetzung der Elemente, durch bestimmte Isotope, die im Weltall häufig, auf der Erde jedoch in diesen Mengen und im Verhältnis zu anderen Isotopen gesehen äußerst selten vorkommen, durch die Veränderungen, denen Gestein durch die ungefilterte Einwirkung von kosmischer Strahlung unterliegt, und natürlich durch das Fehlen von Veränderungen, die durch irdischen Sauerstoff oder organische Einwirkung, also durch Lebensformen entstehen. Vorausgesetzt natürlich, das Gestein stammt nicht von dem Planeten, von dem die kleinen grünen Männchen kommen, denn die sind vermutlich auch Sauerstoffatmer und organischer Natur.“ Sie lächelte amüsiert.
„Grau, Ma´am. Sie sind grau, nicht grün, deshalb heißen sie Grays. Sagt jedenfalls mein Arbeitgeber, der laut eigenen Worten diese Biester haßt und ihnen die kleinen grauen Ärsche versohlt, wenn sie sich jemals bei ihm blicken lassen sollten.“ lächelte Frans zurück. „Aber deswegen bin ich nicht hier. Ich lernte ihn erst kennen, nachdem ich diese Proben erhielt. Darf ich sie Ihnen zeigen?“
Sie nickte. Sie hatte noch etwas Zeit, und ein freundlicher UFO-Gläubiger, der sie nicht gleich zu missionieren versuchte, sondern nur ein paar Steine dabei hatte, die vielleicht sogar interessant waren, obwohl die Wahrscheinlichkeit sehr gering war, war nicht der schlechteste Zeitvertreib. Wer wußte, vielleicht hatte der junge Mann ja tatsächlich einen interessanten Meteoriten aufgetrieben...
Frans holte ein Bündel braunes Packpapier nach dem anderen aus dem Beutel und öffnete sie nacheinander.
Die ersten Teile sahen fast aus wie zusammengeschmolzenes milchig-grünliches und bräunliches Plastik, teils blasengefüllte, teils glasig-splittrige, scharfkantig gebrochene Klumpen mit eingebetteten dunklen Verunreinigungen aus Sand und kleinen Steinen, dazu ein sauber ausgeführter Dünnschliff des gleichen Materials und eine Art Götzenfigur, so lang wie zwei Handspannen und dem steinzeitlichen „Löwenmenschen“ aus Europa nicht unähnlich, nur vollständiger als dieser.
„Man sagte mir, das sei sogenanntes „Wüstenglas“, das entstand, als bei einem Impakt ganz normaler Wüstensand zu Glas zerschmolz. Die Figur ist übrigens kein antikes Artefakt, sie wurde vor meinen Augen aus dem Wüstenglas hergestellt.“ Er packte weiter aus, Steine verschiedener Färbung und Konsistenz, die aber kein Wüstenglas waren, meistens rostig-bräunlich, gelblich oder grau, einer war schwarz mit Sprenkeln und erinnerte an dunklen Granit. „Die stammen auch alle aus dem Krater, wo das Wüstenglas herkam.“ sagte er dazu. Zum Schluß packte er etwas aus, was zur besseren Unterscheidung in weißes Papier eingeschlagen war. „Das hier möchte ich nach der Untersuchung gerne wiederbekommen, wenn es möglich ist. Man hat mir gesagt, es handle sich um einen Rohdiamanten. Der Impaktkrater mit dem Wüstenglas befand sich nämlich in einem viel größeren, fast völlig verwitterten Vulkankrater, der Diamanten ausgespuckt hat.“ Der unscheinbare gelbliche Kristall, der noch in einem Rest Muttergestein steckte, konnte auf den ersten Blick genauso ordinärer Quarz sein, aber Marija wollte den jungen Mann nicht sofort enttäuschen.
Sie nickte. „Ich nehme die Proben mit und lasse sie untersuchen. Es könnte aber einige Zeit dauern, da Institutssprojekte immer vorrangig sind. Sind Sie damit einverstanden?“
„Ja, selbstverständlich. Danke, Ma´am.“ Er zückte eine Visitenkarte, die er ihr reichte, eine weitere legte er in den Beutel zu den wieder eingewickelten Proben, damit die Eigentümerschaft feststand.
„Übrigens können Sie auch den Stoff des Beutels untersuchen lassen, falls die Untersuchung der Steine positiv ausfällt. Der stammt nämlich auch nicht von hier, wenn Sie verstehen, was ich meine.“ 
Auch das versprach sie ihm, und behielt nach der Verabschiedung noch eine Weile seinen hoffnungsvollen Blick in Erinnerung, neben dem auffällig roten Haarschopf. Später übergab sie den Beutel samt Inhalt ihrem Laborassistenten, der sich darum kümmern würde, sobald er etwas Luft hatte. „Von einem UFO-Gläubigen. Soll angeblich von einem anderen Planeten stammen.“ erklärte sie amüsiert, was Dan mit einem Lachen quittierte.
Doch als sie eine Woche später nach einem erholsamen Wochenende am frühen Montag im Labor vorbeisah, um die jüngsten Daten aus Parkfield zu überreißen, lachte Dan Mendoza nicht mehr, er sah ihr blaß und mit großen fiebrigen Augen entgegen und hielt ihr einen Packen Ausdrucke entgegen.
„Das UFO-Zeugs, Marija. Bevor Sie fragen, ich habe alles dreifach überprüft, ich sitze seit Samstag daran. Scheint so, als habe der Typ nicht gelogen mit seinem Außerirdisch.“
Sie nahm die Ausdrucke entgegen und überflog die Zahlen. Einmal sah sie kurz hoch - aber sie wußte, daß Dan zuverlässig und erfahren war, wenn er es alles dreifach geprüft hatte, wollte sie an den Daten nicht zweifeln.
Die Daten warfen keine organischen Stoffe oder Verunreinigungen aus, die sich nicht durch Kontakt mit der Erdatmosphäre und menschliche Berührungen erklären ließen - aber eindeutige Mißverhältnisse in den anorganischen Grundzusammensetzungen und Isotopenverhältnissen der untersuchten Proben. Sie wußte sofort, Steine dieser Zusammensetzung fand man nirgendwo auf dem Planeten Erde, selbst Meteoriten oder andere Boten aus der Frühzeit dieses Sonnensystems, die man vor allem in der Antarktis in ziemlich unverfälschter Form fand, besaßen nicht diesen unverkennbaren chemischen „Fingerabdruck“. Nein, dieses Material mußte in der Tat aus Zonen jenseits des irdischen Sonnensystems stammen.
„Ich habe es in der Datenbank verglichen - keine Übereinstimmung mit Gesteinen vom Mars oder Mond, geschweige denn mit irdischen Gesteinen. Das Zeug stammt definitiv aus einem fremden Sonnensystem, dessen Geburtsnebel eine völlig andersartige Zusammensetzung an schwereren Elementen besaß. Wo sagten Sie, hat der UFO-Fritze das Zeug her?“ 
„Er sagte etwas von einem merkurähnlichen Planeten außerhalb unseres Systems.“ erinnerte sie sich. „Und daß der Beutel, in dem die Proben waren, ebenfalls nicht von hier sei.“ Das hatte sie Dan nicht gesagt, weil sie nicht damit gerechnet hatte, daß die Analyse der Gesteine etwas ungewöhnliches erbrachte.
„Der Beutel?“ Dan suchte danach und fand ihn. Neugierig betrachtete er ihn, ein ganz normales, modernes, buntes Kunststoffgewebe von dichter, fester Konsistenz, vermutlich sogar wasserdicht und gut geeignet für das Sammeln schwerer Steinproben. Er konnte nichts ungewöhnliches daran feststellen, abgesehen von dem fehlenden Markenlabel, ähnliche Beutel konnte man vermutlich in jedem Laden erstehen, der Outdoorausrüstung und Taschen aller Art führte. Aber er war Laborassistent für Geologie und kannte sich mit Gesteinen und Erdkunde aus, Textilkunde war nicht sein Metier.
„Die Jungs vom Department schulden uns noch einen Gefallen für diese Erdproben,“ sagte er zu Marija, „die wissen, wo man den Stoff analysieren lassen kann. Ich schlage vor, wir warten erst diese Untersuchung noch ab, bevor Sie den UFO-Fritzen anrufen.“
Sie nickte, und Dan tätigte ein paar Anrufe. „Ich bringe den Beutel in meiner Mittagspause selbst vorbei.“ sagte er dann, und sie nickte abermals, weil sie sicher sein konnte, daß dieses Beweisstück dann gleich in der richtigen Stelle landete. Das Metropolitan Police Department benötigte öfter Analysen von Textilien bei der Bearbeitung von Kriminalfällen, da fiel eine kleine Gegengefälligkeit für die Geologen nicht ins Gewicht.

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #47 am: 13. Januar 2017, 09:09:35 Uhr »
Da Dan ein paar Stunden später bei seinem Besuch im Polizeilabor einige Andeutungen fallen ließ, der Stoff könne vielleicht ein paar Überraschungen bergen, arbeiteten die Laborratten dort recht fix. Schon am folgenden Tag erhielt Marija einen Anruf, der ähnlich überrascht klang wie Dan am Montag.
„Wo haben Sie diesen Beutel her?“ fragte niemand anderer als der Laborleiter Dr. Tenaki selbst.
„Wären Sie überrascht, wenn ich behaupte, er stamme aus einer fliegenden Untertasse?“ fragte Marija ruhig.
„Ehrlich gesagt, nein.“ kam die Antwort. „Solch ein Material haben wir noch nie gesehen, und wir haben mittlerweile Textilien aus der ganzen Welt in unserer Datenbank. Wußten Sie, daß es nicht nur luftdicht ist, sondern auch bis zu einem gewissen Maß selbstreparierende Eigenschaften besitzt? Es ist eine Art Nanotech-Gewebe, das absolut weltraumtauglich wäre, es wäre auch für Raumanzüge zu gebrauchen. Und unserer Untersuchung zufolge war es mindestens schon einmal im All, weil es bestimmte Eigenarten aufweist, die auf Abnutzung durch kosmische Strahlung zurückzuführen sind. So etwas würde ich allenfalls unserem Militär zutrauen, oder der NASA, im Laden bekommen Sie so etwas nirgendwo. Wo haben Sie es her?“
„Es kam als Verpackung einer Ladung Gesteinsproben, deren Spuren Sie sicher zwischen den Textilfasern entdeckt haben.“ erklärte Marija wahrheitsgemäß. „Außerirdische Gesteinsproben, die nicht aus unserem Sonnensystem stammen.“
„Der Lieferant war nicht zufällig klein und grün und hatte spitze Ohren?“
Sie lächelte. „Klein und grau, meinen Sie. Deshalb nennt man sie Grays.“ zitierte sie fröhlich. „Aber nein. Der junge Mann, der mir die Proben brachte, sah vollkommen menschlich aus. Er wartet übrigens auf die Ergebnisse unserer Untersuchungen. Wollen Sie dabei sein, wenn ich mit ihm spreche?“
„Auf alle Fälle! Die Untersuchungsergebnisse haben meine Leute ziemlich in Rotation versetzt, so ungewöhnlich ist das Material. Wenn irgendwelche Firmen oder ein Geheimdienst davon erfährt, und das ist immer irgendwann der Fall, wie Sie sich denken können, dann ist hier der Teufel los. Dieses Material wäre verdammt viel wert, wenn man es reproduzieren könnte. Also möchte ich mir die Quelle lieber selbst ansehen, bevor hier das Männleinlaufen beginnt.“
Marija versprach ihm, ihn über den Termin mit Frans Hauser zu informieren, und tätigte dann den Anruf.
Eine Stunde später begrüßten sie, Dan und Dr. Tenaki den jungen Mann mit dem auffälligen brandroten Haarschopf. Die gegenseitige Neugier war fast mit bloßen Händen zu greifen.
„Also, wo haben Sie die Steine her?“ platzte Dan heraus, kaum daß sie saßen.
„Und den Beutel.“ fügte Marija hinzu.
„Würden Sie mir glauben, wenn ich sage, daß ich von Außerirdischen entführt wurde?“ fragte Frans lächelnd zurück.
„Angesichts der Untersuchungsergebnisse müssen wir das wohl.“ antwortete Marija. „Waren sie klein und grau?“
Frans schüttelte den Kopf. „Meine Entführer werden in menschlicher Sprache als Benu bezeichnet, nach dem ägyptischen Wort für den Vogel Phönix, weil sie Energiewesen sind, die in ihrer natürlichen Form aussehen wie riesige feurige Vögel. Vor ihnen hat sogar mein Chef mächtig Respekt, anders als vor den Grauen, von denen er spricht wie von Ungeziefer. Persönlich gesehen habe ich meine Entführer nicht, was wahrscheinlich mein Glück war. Man sagte mir nämlich, daß das ein wahrhaft erschreckendes Erlebnis wäre, selbst wenn man daran gewöhnt ist, weil sie eine absolut übermächtige Ausstrahlung besitzen, so daß man hinterher jedesmal einen Satz frischer Unterwäsche benötigt.“ Er grinste jungenhaft.
 „Ich habe allerdings eine Filmaufnahme von einem Benu gesehen, der die Ausstrahlung zum Glück fehlte. So seltsam es klingen mag, um einen Film ging es bei der Entführung auch, ich bin nämlich Schauspieler von Beruf, und die Benu scheinen sehr spielfreudige Wesen zu sein.
Mein Empfangskomitee  auf der anderen Seite war gar nicht überrascht, als er von seinen eigenen Bossen erfuhr, daß es offenbar um ein Filmprojekt geht, an dem die Benu aus irgendeinem Grund sehr viel Interesse zeigen. Er war übrigens ein Mensch, es gibt dort, wo ich war, auch ein paar Menschen unter jeder Menge Aliens.
Meine Entführer haben mich auf einer außerirdischen Raumstation abgesetzt, in einem fremden Sonnensystem, etwa fünfunddreißigtausend Lichtjahre von hier. Die Proben habe ich später bei einem Ausflug zum nächstgelegenen Planeten eingesammelt, eine tote, merkurähnliche Welt, die ziemlich dicht an ihrer Sonne dran liegt. Zu den besiedelten Welten dieses Systems kam ich nicht, weil ich bald wieder auf die Erde zurückgebracht wurde, wie weiß ich nicht, aber wahrscheinlich genau so, wie ich entführt wurde, vermutlich per Teleportation oder sowas ähnlichem, weil ich mich nicht an irgendein Raumschiff erinnern kann. Und das ist im wesentlichen die ganze Geschichte, ob Sie mir das alles glauben wollen oder nicht.“
Seine Zuhörer verkniffen sich das ungläubige Kopfschütteln gerade so, Frans konnte es ihnen ansehen.
„Und was sollte das ganze? Ein Filmprojekt - gibt es dort tatsächlich sowas wie unsere Kinofilme?“ fragte der Laborassistent.
„O ja, aber natürlich besser, dreidimensionale Filme und immaterielle holographische Simulationen sind dort ganz normaler Stand der Technik. Dieser geplante Film soll allerdings noch mal eine Stufe besser werden, ich bekam erste Testaufnahmen zu sehen, noch ohne Schauspieler, nur ein paar Landschaftsaufnahmen, um ein bißchen die Wirkung zu testen. Eine totale Rundum-Illusion, man glaubt wirklich real im Film drin zu sein, wenn man sich auf die Täuschung einläßt, sogar mit sensorischen Effekten hier und da, wo man das Gefühl hat, Dinge berühren oder riechen zu können.
Warum allerdings dazu ein drittklassiger Schauspieler wie ich dazugeholt wird, wenn sich Wesen wie die Benu doch jederzeit die besten und berühmtesten Schauspieler der Erde holen könnten, da dürfen Sie mich nicht fragen. Man hat mir gesagt, daß die Benu nicht nach menschlichen Maßstäben zu messen sind, und ich scheine, wenigstens nach ihrem Verständnis, der Rolle des Helden im Film genau zu entsprechen. - Der ist nämlich auffällig rothaarig, so wie ich.“
Er fuhr sich durch die Mähne, die in letzter Zeit gewachsen war. Frans gab es nicht zu, aber die lange Haarpracht von Richards, die manchmal nach Art einer Medusa ein Eigenleben zu entwickeln schien und von diesem per sogenanntem Haar-Kung-Fu („extrem schwer zu lernen, unmöglich auszuführen“) sogar in Kampfübungen eingesetzt wurde, imponierte ihm, weshalb der Friseur Frans in den letzten Monaten nur noch selten zu Gesicht bekommen hatte. Für den geplanten Film mußte der Überschuß vermutlich wieder weichen, aber das sollten die Maskenbildner entscheiden, die wußten sowieso immer am besten, wie sie es haben wollten. 

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #48 am: 23. Januar 2017, 10:41:54 Uhr »
„Was ist das für eine Rolle?“ fragte Dan interessiert.
„Sie werden es nicht glauben: Retro-Science Fiction. Eine alte Pulpserie aus den vierziger Jahren namens Captain Future, der Held des Universums, Hexenmeister der Wissenschaft und so weiter. Keine Ahnung, wie Außerirdische gerade auf sowas kommen... aber mein Kontakt dort war total begeistert, sobald er sich informiert hat. Der zumindest fährt auf Retro voll ab. Auf Science Fiction übrigens auch, obwohl er doch zeitweise auf einer echten Raumstation lebt und mit echten außerirdischen Raumschiffen fliegen kann. Ist aber irgendwie schön zu wissen, daß unser Hollywood sogar in einem anderen Teil der Milchstraße ein Begriff ist, nicht?“
„Und gab es dort auch... sexuelle Kontakte? Sie wissen schon?“
Das trieb dem Assistenten etwas die Röte ins Gesicht, aber Frans lächelte weiter.
„Nicht daß ich wüßte, ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, daß eine außerirdische Dame etwas von mir wollte. Meine Kontaktperson hat mir auch keine Avancen gemacht, also gehe ich davon aus, daß er hetero ist.“
„Hatten Sie Angst?“
„Eigentlich nicht. Nach meiner Ankunft dort dachte ich zuerst, man hätte mich in ein aufwendig gemachtes Filmset verschleppt. Bis ich meinem ersten Alien über den Weg lief und erkannte, daß kein Maskenbildner auf der Welt so etwas fertigbringen kann. Danach habe ich erst einmal versucht herauszufinden, wo ich eigentlich bin und warum ich dort gelandet bin. Anscheinend hat man mir erst einmal Freiraum gegeben, um herauszufinden, ob ich für genügend Eigeninitiative und Anpassung geeignet bin.
Mit etwas Herumfragen und Kombinieren ist es mir dann tatsächlich gelungen, meine Kontaktperson aufzuspüren, bevor der losziehen mußte, um mich zu suchen. Ich war also eigentlich die ganze Zeit zu beschäftigt, um Angst zu spüren. Und danach wurde mir alles erklärt, was ich wissen wollte. Siwa wußte auch nicht alles, aber er konnte sich einiges zusammenreimen. Er war dann der Meinung - genauso wie mein jetziger Chef danach - daß da sehr viel mehr dahintersteckt als nur ein weiterer Film, wenn diese Außerirdischen ihre Klauen im Spiel haben. Sie vermuten, daß der Film als eine Art Köder benutzt werden soll, um Gegner der Benu aus der Deckung zu locken. Aber wie genau das aussehen wird, da waren auch sie überfragt. Einfach mitmachen und abwarten, ist ihre Devise, und mir wird da auch nichts anderes übrigbleiben. Denn mitmachen werde ich auf jeden Fall, dafür ist die ganze Sache einfach zu interessant.“
„Und was machen Sie, wenn die „Men in Black“ davon erfahren?“ bohrte Dan fröhlich weiter.
Da lachte Frans. „Die wissen längst Bescheid.“ erklärte er vergnügt und zur großen Verblüffung nicht nur des Assistenten. „Mein Chef ist gut Freund mit dem Leiter der Federal Security Agency, die ihren Sitz in Washington hat, und ein paar von seinen Agenten. Man schlägt sich und verträgt sich, aber am Ende zieht man immer am selben Strang. Ich glaube, da läuft es wirklich ab wie in dem Film, gegen friedliche Aliens hat niemand was einzuwenden, die werden beaufsichtigt und beschützt, falls sich welche hier ansiedeln wollen, und wenn sich mal Bösewichte blicken lassen sollten, dann zeigt man ihnen gleich, wo der Hammer hängt. Die Herrschaften werden selbstverständlich alles abstreiten, wenn Sie sie fragen sollten, aber ich glaube, das ganze Thema liegt bei ihnen in guten und professionellen Händen. Vor allem wenn mein Chef involviert ist, denn der läßt sich nicht mal von der Regierung etwas vormachen, wenn er es besser weiß.“ 
„Wie heißt Ihr Chef denn?“
„Sein Name ist Thomas Richards der Dritte. Alteingesessener Washingtoner Quasi-Adel seit Gründung der Stadt. Seine organisch gewachsene Privatvilla wird von Leuten, die mal drin waren, wegen ihrer Größe und Unübersichtlichkeit mit dem Labyrinth des Minotaurus verglichen, seine Dienstmädchen finden angeblich hin und wieder die Skelette verlorengegangener Besucher in abgelegenen Winkeln des Hauses, oder zumindest behauptet er das. Er ist Arzt, Geschäftsmann und ein Hansdampf in vielen anderen Gassen und vermutlich reicher als Scrooge McDuck. Allerdings neigt er nicht zum Protz, wenn er es vermeiden kann, und wenn man ihn danach fragen würde, würde man wahrscheinlich zur Antwort bekommen, daß auch er nur einen Mund zum Essen, einen Rücken zum Draufliegen und einen Hintern zum Siewissenschonwas hat. Humor besitzt er nämlich auch, und er ist nicht der Typ, der einen einsamen Witz am Wegesrand stehen läßt.“
Fransens Publikum grinste bereits reihum, und er setzte fröhlich noch einen drauf:
„Und dann reitet er das arme Ding, bis es tot umfällt, um einen seiner Agenten zu zitieren. Die Beschäftigung mit Aliens, Monstern, fremden Dimensionen und so und den Schutz der Menschheit vor feindlichen Aliens samt Schutz der freundlichen Aliens vor uns betrachtet er als seine Lebensaufgabe, und deswegen arbeitet er auch mit der Agency zusammen, weil es in Einsätzen einfach praktisch ist, einen Typen dabei zu haben, der mit seiner Hundemarke herumwedeln kann. Originalzitat Mr. Richards.“ (Noch mehr Gegrinse.)
 „Und er hat mindestens einen Verwandten, der in einem ganz anderen Teil der Milchstraße herumgurkt, deswegen weiß er was Sache ist. Siwa hat mir seinen Namen mitgeteilt, samt Angabe, wo er aufzutreiben ist, und als ich Mr. Richards von der Entführung erzählte, hat er kein Wort davon angezweifelt, weil er selbst schon mal dort war, auf dieser Raumstation. Und dann hat er mich vom Fleck weg engagiert, um mir all das beizubringen, was ich seiner Einschätzung nach für diese ganz besonderen Dreharbeiten brauchen werde. Nicht das Schauspielern, obwohl er als Schauspieler auch Talent hätte, sondern alles, was mir im Umgang mit Aliens nützlich sein könnte. Die Dreharbeiten sollen nämlich auf einem anderen Planeten stattfinden, eine marsähnliche Welt mit vielen Kuppelstädten, in denen man so ziemlich jede Umgebung simulieren kann, und wo auch Aliens leben.
Auf diese Welt bin ich echt schon gespannt, weil mir beide, Siwa und Mr. Richards, viel davon vorgeschwärmt haben. Sie waren mal dort für Ausbildungszwecke, und da soll es heiß hergegangen sein, weil sie es mit einer echten außerirdischen Invasion zu tun bekamen. Die taucht möglicherweise als Motiv im Film auf, aber beim letzten Stand der Dinge stand das genaue Drehbuch noch nicht fest.“
„Jetzt gestatten Sie mir eine Frage, Mr. Hauser.“ sagte Ms. Stern. „Warum haben Sie sich an mich und mein Institut gewandt, wenn Sie doch direkte Kontakte zu einem Experten und einem Geheimdienst haben? Diese Leute haben doch sicher eigene Labors und Fachleute für Analysen?“
Frans lächelte sie etwas verschmitzt an. „Weil ich dringend ein paar Worte der Vernunft brauchte. Wenn ich Mr. Richards oder seinen Agenten etwas erzähle, dann glauben die das unbesehen, egal wie unglaubwürdig es klingt, nicken zu allem und lassen meine Proben auf Nimmerwiedersehen in irgendeiner streng geheimen Geheimdienst-Katakombe verschwinden.
Ich wollte einfach mal eine unabhängige Meinung hören, die noch nicht vom Alltags-Irrsinn eines Mr. Richards infiziert ist, verstehen Sie?
Und wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, halten Sie sich von ihm fern. Er hat so eine Art, einem von einem Moment auf den anderen das ganze Weltbild auf den Kopf zu stellen. Was um so gefährlicher ist, weil er nie lügt, und weil man bei ihm sicher sein kann, daß alles, was er erzählt, die Wahrheit und nichts als die reine Wahrheit ist. Manchmal macht er zwar Scherze, aber die sind immer leicht zu durchschauen, er ist nicht der Typ, der andere nur um des Lügens willen auf den Holzweg schickt. Bei ihm hat alles Hand und Fuß, und das macht es zuweilen um so schwerer zu verdauen.“
« Letzte Änderung: 23. Januar 2017, 11:00:07 Uhr von DAOGA »

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #49 am: 17. Februar 2017, 09:59:18 Uhr »
„Hat nicht ein Präsident vor einigen Jahren öffentlich behauptet, er wüßte nichts von der Existenz von Außerirdischen? Hat der Typ dann gelogen?“ stichelte Dan vergnügt. Anscheinend hatte er bei dieser Wahl für einen anderen Kandidaten gestimmt.
Aber Frans lächelte weiter. „Wer sagt denn, daß der alles erfährt, was irgendwo in seinen Geheimdiensten vorgeht? Viele Leute denken, da der Präsident beinahe allmächtig ist, müßte er auch allwissend sein. Aber er ist in Wahrheit auch nur ein bezahlter Staatsdiener, der nach vier oder spätestens acht Jahren wieder weg vom Fenster ist, und auch bei ihm gilt das Prinzip, er bekommt nur Auskunft, wenn er in Ausübung seines Amtes fragt. Also entweder hat er nicht gefragt, oder vielleicht gar nicht fragen wollen, weil er die Antwort nicht wissen wollte, um glaubwürdig alles abstreiten zu können, oder er hat zwar davon erfahren, aber er bekam keine glaubwürdigen Beweise dazu geliefert.
Was glauben Sie, würde die amerikanische Bevölkerung als Beweis akzeptieren - die Aussagen eines Mannes, dessen geistige Gesundheit zumindest zu bezweifeln ist - und damit meine ich jetzt nicht den Präsidenten - oder Proben wie die, die Sie von mir bekommen haben, die aber nur für Experten wie Sie aussagekräftig sind, die aber für einen normalen Bürger auch nicht anders aussehen wie ganz normale Steine vom nächsten Acker? Oder wäre der perfekte Beweis eine fliegende Untertasse, die vor dem Weißen Haus landet?
Selbst da würden viele Leute einfach sagen, das ist ein Trick aus Hollywood und die grauen Männchen, die da aussteigen, sind Filmtricks oder verkleidete Liliputaner. Die Menschen glauben das, was sie glauben wollen, und da ist es schwer, etwas zu ändern. Wer an Aliens glauben will, tut das jetzt schon, ohne Beweise. Und wer nicht an sie glauben will, würde sich vermutlich erst umorientieren, wenn so ein Alien direkt vor ihm in Reichweite steht. Was wir aber im Moment nicht liefern können, was für ein Pech. -
Sie dagegen sind Wissenschaftler.“ erinnerte Frans dann.
„Sie glauben an das, was Ihre Meßgeräte Ihnen bestätigen können. Alles was ich Ihnen sonst dazu erzählen könnte oder erzählt habe, nehmen Sie zwar zur Kenntnis, aber Sie verbuchen es unter Hörensagen, so ohne weitere Beweise. Vielleicht glauben Sie mir ja, weil ich so ein hübsches Gesicht habe“, er strich sich expressiv über dasselbe, was die Zuhörer wieder zum Grinsen brachte, „oder vielleicht stufen Sie mich jetzt als einen der vielen überspannten Charaktere ein, die in der Filmindustrie herumlaufen. In dieser Hinsicht halte ich es mit Mr. Richards, der ständig vor genau der gleichen Frage steht, und der sagt dazu einfach: ist mir ...egal.“ (Die vielsagenden Punkte malte er mit den Händen in die Luft.)
 „Ich müßte gar nicht hier sein, wenn ich nicht hier sein wollte. Verstehen Sie das?“       
Sie nickten. Denn sie alle hatten die Beweise in Form ihrer eigenen Untersuchungsergebnisse gesehen, und die ließen sich nicht wegleugnen.
„Also müssen wir ständig mit einem Todesstrahler rechnen, der genau auf die Erde zielt?“ fragte Dan, nur halb im Scherz.
„Ich schätze, da hätten Mr. Richards und seine außerirdischen Freunde, die Benu, ein Wörtchen mitzureden. Er vergleicht das Verhältnis der Benu zur Menschheit gerne mit einem Kind, das mit einem Ameisenhaufen spielt. Wir sind das Spielzeug, und laut Mr. Richards lassen sich die Benu nicht gerne ein interessantes Spielzeug wegnehmen. Falls da draußen jemand einen Todesstrahler baut, muß er damit rechnen, daß die Benu ihm auf die Füße treten. Dieses Verhältnis mag also für uns nicht besonders schmeichelhaft sein, aber es dient letztendlich unserem Schutz. Er erwähnte mal einen solchen Vorfall auf einem anderen Planeten, der für die andere Seite gar nicht gut ausging, weil die Benu sehr mächtig sind, und wenig Nachsicht mit Gegenspielern haben.“
„Ich weiß nicht... Kind... Ameisenhaufen... gibt es dann auch eine Lupe, die einzelne Ameisen zu Tode grillt?“
„Nur Ameisen, die es echt verdient haben. Laut unserem Experten besitzen die Benu einen ziemlich abartigen Humor, aber zugleich einen sehr hohen moralischen Standard. Wegen denen macht er sich erheblich weniger Sorgen als wegen ihrer Gegenspieler, eine Macht, die als der unbekannte oder unsichtbare Gegner bezeichnet wird, weil man über ihre Motive bis heute nichts weiß und manche ihrer Agenten die Fähigkeit besitzen, sich unsichtbar machen zu können. Sogar für die Augen meines Chefs, und das ist alles andere als einfach, weil er die Schliche dieser Wesen kennt. Ein paar dieser Agenten treiben sich auch auf der Erde herum, mit bösen Absichten gegenüber der Menschheit, und das nimmt Mr. Richards nicht auf die leichte Schulter.“
„Wie findet man diese Agenten dann, wenn man sie nicht sehen kann?“ fragte Dan voller Interesse.
„Sie machen sich selber unsichtbar, hinterlassen aber in der Regel eine Fährte seltsamer Vorfälle. Tiermutationen, Licht- oder Spukerscheinungen, verschwundene Personen oder Leute, die plötzlich geistige Ausfälle erleiden, mit fehlenden Erinnerungen oder stereotypen Handlungen, die typischen UFO-Phänomene eben. Immer wenn sowas auftritt, möchte mein Chef sofort darüber Bescheid wissen, damit er sich die Sache genauer ansehen kann. Er stuft diese Agenten als verdammt gefährlich ein. Und das ist auch der Grund, warum er mit der FSA zusammenarbeitet, weil die ein gutes Informantennetz haben und ihn in einem Einsatz unterstützen können. Zumindest hier im Land, aber die feindlichen Agenten können überall auf der Welt tätig werden. Zu unser aller Glück passiert das aber nicht oft.“
„Und was machen Sie dabei?“
Darauf grinste Frans abermals. „Meinen Job, hoffe ich. Ich bin Schauspieler, ich tu nur so als ob. Das echte Weltenretten überlasse ich lieber denen, die das besser können als ich.“

... Fromme Worte in Gottes Ohr. Ein Tom Richards hätte bei dieser Aussage prompt ungute Ahnungen bekommen, aber Frans Hauser besaß noch nicht genügend Erfahrung im Umgang mit übernatürlichen Mächten, um zu ahnen, was ein leichtfertig dahergesagter Satz alles anrichten konnte. --

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #50 am: 20. Februar 2017, 16:03:58 Uhr »
Ms. Stein fragte ihn nach den Daten des Sonnensystems, aus dem die Proben stammten, und Frans teilte sie mit, weil er sich selbstverständlich nach seinem Weltraumausflug erkundigt hatte, wo genau er da gewesen war. Die unscheinbare Durchschnittssonne vom G-Typ, die wegen der Distanz von 35.000 Lichtjahren von der Erde aus nur per gutem Teleskop zu sehen war, besaß nicht mal einen Namen, sondern nur eine Referenznummer in den Sternenkatalogen. Aber für die Geologin und die Astrophysiker, mit denen sie sich zweifellos bald danach kurzschließen würde, waren diese Angaben äußerst wertvoll, gaben sie doch interessante Hinweise auf die kosmologischen Entwicklungen in der Gegend dieses fremden Sonnensystems.
Anschließend erklärte Frans sich bereit, seine Proben, mit Ausnahme des Diamanten, der zu seinen privaten Erinnerungen ins Schließfach wandern sollte und sich übrigens tatsächlich als echter Diamant erwiesen hatte, dem Institut als Dauerleihgabe zu überlassen, zusammen mit dem Beutel, so daß die Sorge um das vorhergesagte „Männleinlaufen“ daran interessierter Stellen ebenfalls der Universität und damit Dr. Marija Stern, Dr. Tenaki und ihren Mitarbeitern oblag. Frans glaubte damit auch im Interesse von Tom Richards zu handeln, der ebenso gerne mal großzügige „Geschenke“ aus der Zukunft verteilte, wenn er damit der Wissenschaft und Forschung dieses Jahrhunderts etwas auf die Sprünge zu helfen können glaubte.
Falls die Wissenschaftler irgendwann Ärger mit Regierungsstellen bekommen sollten wegen ihrem original außerirdischen Material... auch dann sollten sie sich getrost an Richards wenden, weil der keine Hemmungen besaß, sich insbesondere mit der wissenschaftlichen Abteilung des CIA anzulegen, die des öfteren Ansprüche auf ihn anzumelden versuchte. Die FSA hatte er eh in der Tasche, und falls die Daten an unbefugte Dritte gelangten, hatte Richards auf jeden Fall seinen Spaß damit, fröhlich auf die Jagd zu ziehen.
So endete das Treffen in gegenseitigem Wohlwollen, und Frans konnte zufrieden seine gute Tat für heute im Kalender abstreichen. Was sich daraus entwickeln wollte... würde man sehen.

                                                                                    x

... Und dann, einige Wochen nach der Show, war Frans Hauser plötzlich nicht mehr auffindbar, obwohl alle seine Sachen noch in seinem Zimmer waren, und selbst Tom, der ihm und seinem Laptop je einen Marker angehängt hatte, konnte beide mit Hilfe seiner Matrix nicht mehr auf diesem Planeten ausmachen.
Da war ihm klar, daß Frans abgeholt worden war, um endlich seine Rolle zu spielen. Und er fragte sich, ob er seinen ersten „echten“ Lehrling so bald oder überhaupt jemals wieder zu Gesicht bekommen würde... 

Und ein weiteres Mal stand Frans Hauser plötzlich an einem fremden Ort, ohne eine Ahnung zu haben, wie er dorthingekommen war. Im einen Moment war er noch in Lyonshome Manor gewesen - und auf einmal stand er im Grünen, den blauen Himmel über sich.
Er blinzelte verdutzt und sah sich um, und merkte sofort, daß viele der Bäume und Sträucher um ihn herum seltsam aussahen, irgendwie...  Wie exotische Gewächse aus fremden, unbekannten Ländern ... oder von einem anderen Stern.
Da ahnte er schon, was passiert war. Er sah an sich herab, und entdeckte, daß er wieder fremde Kleidung trug, ein Shirt mit dem Aufdruck des Benuna-Emblems, eine leichte Jacke und Jeans, nur seine bequemen Schuhe hatte man ihm gelassen. Und diesmal war er gleich auf den Füßen stehend „gelandet“, man war wohl davon ausgegangen, daß er beim zweiten Mal nicht mehr so desorientiert reagieren würde. Abermals sah er auf, zum blauen Himmel, weil er ahnte, wohin es ihn verschlagen hatte. Und er täuschte sich nicht, denn wenn er genau hinsah, vor allem in eine Richtung, wo zwischen den Bäumen ein erkennbarer Streifen Himmel sich dem verborgenen Horizont zuneigte, erkannte er eine Art feines Raster- oder Gittermuster im leuchtenden Blau. Dieser Himmel war kein gewöhnlicher, sondern die Innenseite einer riesigen Schutzkuppel, wie er sie auf den Filmaufnahmen vom Planeten Nh´Nafress gesehen hatte. Er befand sich also entweder auf Nh´Nafress oder auf einer anderen Welt, auf der gleichfalls solche Kuppelbauten existierten.
Das war schon mal beruhigend. Denn so riesig diese Kuppelbauten auch waren, unendlich waren sie nicht, und deshalb konnte man sich hier auch kaum verlaufen, wenn man nicht gerade hartnäckig im Kreis lief. Bei geradem Kurs mußte er irgendwann die Kuppelmauer erreichen oder unterwegs auf Gebäude oder irgendwelche andere Anlagen stoßen. Also schritt er munter fürbaß durch die außerirdische Parkanlage, und es dauerte tatsächlich nicht lange, bis hinter dem Grün und Gelb und Blau und Violett der Pflanzen das Weiß eines hochaufragenden, klotzartigen Gebäudes sichtbar wurde. Als er durch das Unterholz näher herankam, sah er auch die teils gepflasterte, teils rasenbedeckte Zone rings um das Haus, das deutlich größer war, als er zuerst angenommen hatte, wo Menschen und Aliens sich ergingen, Fahrzeuge parkten, Kinder auf einem Spielplatz im Freien tobten und ein Gärtner in müßigem Tempo seiner Tätigkeit nachging. Frans musterte die Kleidung der Personen, die ein bunter Mix aus allen möglichen Stilen war. Hier schien sich jeder nach Lust und Laune anzuziehen, also nahm er an, daß er in seinem Aufzug vermutlich auch nicht auffiel.
Handwerker wußten immer am besten, wo wer oder was zu finden war, deshalb wandte er sich an den Gärtner, der sich gerade um ein paar junge Bäumchen kümmerte.
„Entschuldigen Sie, mein Herr,“ begann er höflich in der Dhoanor-Sprache, die er in den letzten Monaten mit Richards geübt hatte, um nichts zu vergessen,  „ich bin neu hier und soll mich bei den Matrixtechnikern melden. Können Sie mir da bitte weiterhelfen?“
Der Mann musterte ihn neugierig, das Emblem auf Fransens T-Shirt und seinen linken Arm, an dem er nicht das hier allgemein übliche Multifunktionsgerät trug. Dann deutete er auf den nächsten Eingang des Gebäudes.
„Im Eingang befindet sich eine Rufzelle. Lassen Sie sich einfach von der Echse an die M-Tecs durchstellen, die sind meistens in der Werft oder im Medical Center zu finden. Warum hat man Ihnen nicht am Hafen einen Com gegeben?“
„Ich kam nicht über den Hafen. Die Benu beliebten mich im Park da hinten abzusetzen.“ erwiderte Frans wahrheitsgemäß, mit dem Daumen nach hinten deutend.
„Benu-Wurfpost.“ kommentierte der Mann mit Spott in der Stimme, aber Hochachtung im Blick. „Dann müssen Sie verdammt wichtig sein, das kommt nicht oft vor.“ Er blickte auf die Hände von Frans, aber Frans trug keinen Matrixring am Finger. Was nichts heißen wollte, weil hochrangige M-Tecs ihre Sternensteine oft woanders versteckten.
Frans dankte dem Mann und verfügte sich zu der hiesigen Version einer öffentlichen Telefonzelle, die erstens deutlich sauberer war als die Telefonzellen, die Frans kannte, zweitens kostenlos zu benutzen und um einige moderne Funktionen erweitert war, unter anderem konnte man darin auch Holo-Sims vom Gesprächspartner oder aus anderen Quellen abrufen, stellte er bei Durchsicht des fremdartigen Benutzermenüs fest. Aber Frans wollte nur sowas wie eine Vermittlung, die er auch schnell bekam, und die Vermittlung war tatsächlich eine Echse, also eine Sfarrk, und nicht die automatische Auskunft, die er an einem hochtechnologischen Ort wie Nh´Nafress eigentlich erwartet hatte.
„Ist vielleicht ein Matrixtechniker namens Siwa Hendricks zu erreichen, oder dessen Lehrer Carolus Rye?“ fragte er die freundliche Echse.
“Bitte warten Sie einen Moment, ich überprüfe.“ bekam er Antwort. Und gleich darauf - „Ich stelle Sie durch. Vielen Dank für Ihren Anruf.“
Und dann hatte Frans schon Siwa in der Leitung und sah ihn über den Holoschirm.
„Frans, sind Sie das?“ Siwa sah verstrubbelt aus, vielleicht kam er gerade aus dem Bett. Hinter ihm war jedenfalls Einrichtung wie in einem Wohnappartment zu erkennen. „Mann, wo stecken Sie?“
„Keine Ahnung, in irgendeiner Kuppel, ich wurde von den Benu per Luftpost hier abgesetzt, so wie beim ersten Mal.“ Frans freute sich auch, den Jungen wiederzusehen.
„Macht nichts, ich kann Ihren Standort feststellen lassen. Bleiben Sie einfach, wo Sie sind, ich komme Sie abholen. Das könnte aber so eine Stunde dauern, je nachdem wo Sie stecken.“
„Sie brauchen sich nicht beeilen, hier ist es ganz lauschig. Ich setze mich einfach draußen vor den Eingang und schlage bis zu Ihrer Ankunft die Zeit tot.“
„K. Bis dann.“ Und der Bildschirm erlosch.

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #51 am: 1. März 2017, 15:13:30 Uhr »
Frans seufzte erleichtert und freute sich. An diesem Ende der Zeit schien man insgesamt recht unkompliziert zu sein, fand er. Keine Frage nach Einwanderungspapieren oder Ausweisen, keine Angst vor hiesigen Behörden, das Shirt mit dem Benu-Emblem hatte dem Gärtner völlig als Legitimierung ausgereicht. Sobald man auf dem Boden von Nh´Nafress stand, war man anscheinend sorgenfrei.
Er verfügte sich wieder nach draußen, wo er beim Spielplatz einen Sitzplatz fand, von wo aus er den Eingang des Gebäudes mit der Telefonzelle im Auge behalten konnte, denn dort würde Siwa ihn zuerst suchen. Müßig beobachtete er den Nachwuchs von Nh´Nafress, Menschen und Dhoanor und Sfarrk in bunter Mixtur, die sich mit verschiedenem Spielzeug amüsierten und anscheinend prächtig miteinander klarkamen, auch wenn die menschlichen Kinder mit ihrer dünneren Haut den einen oder anderen Kratzer von ihren scharfkralligen Kumpanen abbekamen.
Als er Appetit verspürte, weil er ein paar Kinder bei einer Brotzeit beobachtete, fragte er den Erstbesten, wo man eine Mahlzeit schnorren konnte, da er ja nicht über Geld verfügte, und wurde an eine Ausgabe für Essen nicht weit entfernt verwiesen, wo sein Benu-Emblem völlig reichte, um umsonst eine Art Hotdog zu erhalten. Anscheinend war die Grundversorgung auf Nh´Nafress generell umsonst, so wie er es in viel kleinerem Maßstab in Lyonshome Manor kennengelernt hatte, nur für Extrawünsche mußte in der einheimischen Währung namens C, kurz für Credit, gelöhnt werden. Er parkte sich wieder am Spielplatz, seinen Hotdog verspeisend, und war gar nicht überrascht, daß irgendwann danach sich die Blicke der anwesenden Personen nach oben richteten und gleich danach ein aus dieser Richtung kommender Siwa leichtfüßig neben ihm landete.
Die flammende Matrix in dem goldenen Ring an seiner Hand zeigte an, woher die Energie für seinen Superman-Flug gekommen war.
„Hi, Frans!“ begrüßte der Junge ihn freudig. „Hat ja nicht lange gedauert, bis man Sie wieder geschickt hat. Haben Sie den Brand verhindert?“
„Habe ich. Allerdings dürften wir jetzt von dem Brand gar nichts mehr wissen, da er doch nie stattgefunden hat, oder?“ Das war eine Frage, die Frans schon seit geraumer Zeit beschäftigt hatte.
Siwa lächelte nur. „Das gehört zu den Geheimnissen des Zeitreisens. Ich schätze, wenn wir die Benu fragen würden, würden sie sagen, daß der Brand in irgendeiner der unendlich vielen möglichen Parallelwelten trotzdem stattgefunden hat und wir durch die Verhinderung eine neue Zeitlinie aufgemacht haben, eine Parallel-Zeit gewissermaßen, und die Mitteilung stammt aus der anderen, alten Zeitlinie, die nebenbei immer noch irgendwo existiert, nur eben bei uns nicht mehr.“
Frans nickte, wieder einmal ergab Siwas Auskunft Sinn. Trotzdem gruselig, die Vorstellung, daß in einer von vielen möglichen Welten mindestens ein Frans Hauser, also er selbst, bei diesem Brand umgekommen war, umkommen mußte, damit mindestens eine seiner vielen anderen Versionen den Brand verhindern und selbst überleben konnte.
„Sie sagen, es hat nicht lange gedauert? Wieviel Zeit ist hier vergangen, seit wir auf Otrona waren?“
„Ein paar Tage. Wieviel bei Ihnen?“
„Ein halbes Jahr. Tom Richards hat mich bei sich aufgenommen und mich als Lehrling eingewiesen, so gut er konnte.“
„Fein, dann brauche ich Ihnenn nicht allzuviel erzählen. Wollen Sie zuerst Ihre Unterkunft beziehen, oder schauen wir gleich mal in der Werft vorbei, was die Leute dort alles für den Dreh vorbereitet haben?“
„Wenn das keine Umstände macht.“ antwortete Frans, dem es bisher auf Nh´Nafress recht gut gefiel und der gerne mehr davon sehen wollte, dem aber allmählich die Dreharbeiten abgingen. Er war nun mal Schauspieler und für die Kamera geboren.   
Siwa nickte und ging voran, hinein in das riesige Gebäude, das hinter den offenstehenden mächtigen Schottentüren des Eingangs wie ein Mix aus Einkaufszentrum und großem Bürozentrum auf der Erde wirkte, wenn man die luftdichten Panzerglasscheiben und Drucktüren überall abzog. Über ein Laufband ging es in die Tiefe, ziemlich weit hinunter an zahlreichen unterirdischen Stockwerken vorbei, bis sie einen Untergrund-Bahnhof erreichten.
„Bis hierher bin ich mit meiner Matrix geflogen, aber für zwei für den Rückweg würde das vielleicht zu anstrengend, also fahren wir mit der Tube. Die Kuppelstädte sind alle per Untergrundbahn miteinander verbunden, was möglich ist, weil Nh´Nafress über keine Plattentektonik und kaum noch Vulkanismus verfügt. Und es dient auch der Sicherheit, falls die oberirdischen Anlagen durch irgendetwas bedroht oder beschädigt werden sollten, dann können sich die Menschen hier herunterflüchten. Normalerweise sind das Vakuumröhren, weil dadurch die Transporte schneller gehen, aber man kann sie auch unter Druck setzen und mit Luft befüllen.“
Es dauerte nicht lange, bis der nächste Zug kam, dessen einzelne Abteile - jedes mit eigener Schleuse gegen das Vakuum in den Röhren und ohne Fenster, da man unterwegs eh nichts zu sehen bekam - jeweils ihre Bestimmung seitlich in Leuchtschrift anzeigten. Ein Zug, verschiedene Ziele, also wurden diese Abteile an jedem Bahnhof je nach Bestimmung neu zusammengestellt und durcheinandergewürfelt. Sie stiegen in ein passendes Abteil ein, in dem schon würdig ein älterer Dhoanor mit dichter Löwenmähne saß. Siwa machte eine knappe Verbeugung prompt gefolgt von Frans, und der Katzenmensch nickte zurück. Höflich war man in dieser Zukunft jedenfalls, und Frans wurde wieder einmal an Japan mit seinen Umgangsformen erinnert.
„Fahrtzeit eine Stunde. Unterhalten wir uns, oder gucken wir ein Sim?“ fragte Siwa.
„Lieber Unterhaltung.“ meinte Frans, der sich freute, wieder in der Zukunft zu sein, und sich gerade sehr lernfreudig fühlte. „Das hier ist also Nh´Nafress, von dem Sie und Tom mir so viel erzählt haben. Sieht fast wie ein Utopia aus, was ich bisher zu sehen bekommen habe.“
„Kein Wunder bei einer Privatgründung, an der weder ein Staat noch irgendwelche Politiker Anteil hatten, schon gar nicht solche wie zu Ihrer Zeit.“ grinste Siwa sofort zurück. „Jetzt rufe ich doch ein Sim auf, das Ihnen die Grundlagen von Nh´Nafress erklären wird.“
Und damit verbrachten sie die nächste Zeit, bis Frans alles wußte, was er jemals über diese Welt und ihre Bewohner wissen wollte. Von der ersten Besiedlung durch die Dhoanor in deren zweiter Expansionswelle vor knapp dreizehntausend Jahren, die diese unscheinbare marsähnliche Welt als Relaisstation von ihrer weitere zwanzigtausend Lichtjahre entfernten Heimatwelt sowohl zur Erde als auch in Sonnensysteme, die heute wie Nh´Nafress selber dem wachsenden Sfarrk-Territorium zuzurechnen waren als auch in weitere, noch nicht wiederentdeckte Systeme benutzten, bis zur heutigen Besiedlung, die vor ein paar Jahrhunderten im Auftrag der Benu Incorporated stattgefunden hatte.
Da die Firma mit den Sfarrk als Hausherrn den Pachtvertrag abgeschlossen hatte, gehörte der Planet quasi den Benu beziehungsweise ihren Bediensteten, und diese ganze Welt konnte als Firmengelände definiert werden, auf dem sich unter anderem die berühmte Hammer-Werft befand, die als ihr gen- und matrixtechnologisches Spitzenprodukt die Hammer-SyMOrs herstellte. Damit waren auch alle Menschen und Aliens, die auf Nh´Nafress lebten und arbeiteten, automatisch Angestellte der Firma, und wie sich Frans schon überzeugen konnte und Siwa nochmals bestätigte, war der Firma für das Wohl ihrer Angestellten nichts zu teuer, die Lebensbedingungen hier galten als exzellent, außerdem gab es regelmäßige Weltraumflüge zu anderen Welten, die von dort die neusten Produkte und Informationen mitbrachten, so daß es den Bewohnern dieser Welt an nichts mangelte. Ein Paradies unter den schützenden Schwingen der Benu, auf einer öden, toten Welt unter einer sterbenden roten Sonne. Ein Paradies allerdings, das von fremden Mächten, dem Unsichtbaren Feind, schon einmal bedroht worden war. Siwa erzählte Frans die ganze Geschichte, und damit brachten sie den Rest der ereignislosen Fahrt hinter sich.
„Zielstation Hammer-Werft. Wir sind bald da.“
Die Schleusentüren glitten auf, und sie traten auf den hellerleuchteten Bahnsteig hinaus. Das Dekor erinnerte ein wenig an das Innere einer Hammer-SyMOr, weil Wände und Decken in Reliefs einen sonnendurchströmten Wald unter blaustrahlendem  Tageshimmel imitierten, man glaubte fast das Rauschen des Windes in den Wipfeln und die Stimmen unzähliger Waldtiere zu hören.
Der Bahnsteig war mäßig besucht, die Leute, wieder Menschen und Aliens bunt gemixt, trugen überwiegend was sich als Arbeitskleidung definieren ließ, von Laborkitteln bis zu klassischen Blaumännern, nicht selten aufgemotzt um alle möglichen Arten von technischen Gimmicks an Gürteln und Schultern und einmal sogar um eine Frau herumschwebend wie bizarre Hornissen.
Die Bahnstation befand sich noch ein Stück außerhalb der Kuppel, aus Sicherheitsgründen, wie Siwa erklärte, weil es auf diese Weise schwieriger war für einen potentiellen Feind, etwa eine Bombe per Bahn direkt ins wichtige Herz dieser Welt, die Werft, zu schicken. Man mußte erst umsteigen in einen kleineren Zubringer, der die Kuppelwand unterquerte. Diese Station war in klinischem Weiß mit klassischen Jugendstil-Formen gehalten, darin das Emblem der Hammerwerft und anderer Zierrat eingelassen in Form von bunten Mosaiken.
Über eine weitere Rolltreppe erreichten sie den Ausgang.
„Fliegen wir ein Stück?“ fragte Siwa, auf den Matrixring an seinem Finger deutend.
Auf Nh´Nafress konnte er es sich ohne Hemmungen leisten, anders als Tom Richards auf der alten Erde, der zwar auch sehr gern flog, aber sich immer zuerst gegen ungebetene Zuschauer absichern mußte, weil es sonst einfach zu viel Aufmerksamkeit erregte, wenn Menschen einfach so durch die Luft flogen wie irgendwelche Comichelden.
„Gerne.“ Ein erhöhter Standort würde einen besseren Überblick über die Inhalte dieser Kuppel bieten, dachte sich Frans, und er wußte, daß Siwa sie nicht fallen lassen würde. 

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #52 am: 3. März 2017, 10:09:32 Uhr »
Sofort fühlte er diese Andeutung von Schwerelosigkeit, die immer bei Beginn eines Fluges mit Matrixkraft eintrat, und sah wie sie beide gleichzeitig vom Boden abhoben. Neugierig sah er sich um und betrachtete die riesigen, langgestreckten und oft sehr hohen Gebäude, Hallen, Fabrikanlagen, die diese Kuppel ausfüllten und in denen die Wunderwerke der Hammer-Werft entstanden.
„Da ist die SyMOr-Werft.“ erklärte Siwa und deutete voraus. „Halle sieben, ein Raumschiff namens Comet. Sie ist gerade fertig geworden, hat aber mehr als dreißig Jahre im Vorlauf gebraucht. Das heißt, daß dieses Filmprojekt mindestens schon so lange geplant war. Aber auf unserer Seite der Zeit hat man Zeit genug, Dinge nach Plan und geordnet umzusetzen.“
„Komisch, das sagt Tom auch immer, daß er auf seiner Seite der Zeit Zeit genug hat. Wann ist denn mal nicht genug Zeit?“ überlegte Frans.
„Wenn wir in Einsätze gehen, denn dann überschlägt sich oft alles.“ Sie landeten soeben auf dem Platz vor dem riesigen Eingang, in dem eine eingelassene kleinere Tür, die immer noch groß genug für Lieferwagen war, einladend offenstand. Arbeiter beobachteten sie bei ihrer Landung, neugierig, jedoch keineswegs überrascht, vermutlich weil hier ziemlich oft Matrixtechniker einfach so vom Himmel herabkamen wie anderswo Engel oder Marsmenschen.
Sie betraten die riesige Halle, deren Seitenwände zugeparkt waren mit allen Arten von technischem Equipment, doch anstelle von verschiedenen aufgebauten Props für den Film, die Frans erwartet hatte und wie er sie von Filmsets kannte, stand nur ein einziges riesiges Objekt in der Mitte der Halle, und das war eine Hammer-SyMOr, vergleichbar dem Feuerzahn ... und doch wieder nicht.
„Moment mal. Das ist ein echtes Raumschiff?“ fragte Frans verdutzt.
„Selbstverständlich! Das hier ist schließlich eine echte Raumschiffswerft. Wenn zu Ihrer Zeit ein Filmemacher für viel Geld große Teile der Titanic in Originalgröße nachbauen ließ, um den Film so echt wie möglich zu gestalten, warum soll man dann in einer echten Werft nicht gleich ein echtes Raumschiff bauen lassen, das nach den Dreharbeiten regulär in Dienst gestellt wird? Für die Tüftler und Arbeiter hier war das eine Herausforderung, es der Romanbeschreibung und der Filmvorlage so weit wie möglich anzupassen. Zum Dank dafür hat man ihnen erlaubt, alles in das Projekt hineinzustopfen, was sie vorher niemals gewagt hätten, zusammen in ein einziges Raumschiff hineinzustopfen.
Ganz hat das mit der Vorlage nicht hingehauen, wie Sie sehen, die ursprüngliche Beschreibung war mit  „klein und tropfenförmig mit Raketen“ ja nicht unbedingt detailliert, und die Zeichentrickversion mag zwar auf dem Bildschirm toll aussehen, hätte aber real miserable Flugeigenschaften gehabt und wäre obendrein extrem schadensanfällig gewesen mit diesen abstehenden Raketentriebwerken. Aber zumindest ein paar Einzelheiten hat man in diese echte Version hinübergerettet, wie Sie sehen.“
Frans erinnerte sich, wie das gezeichnete Raumschiff ausgesehen hatte - wie ein sehr lang ausgezogener Tropfen mit einem kleineren Tropfen am Ende und vier abstehenden kombinierten Kanonen/Triebwerkssätzen, deren Streben in der Tat viel zu fragil gewesen wären, um die Bodenberührung einer einfachen Landung heil zu überstehen, ganz zu schweigen von diversen Bruchlandungen in der Serie oder dem ganz normalen Rückstoß eines laufenden Triebwerks oder abgefeuerten Geschützes.
Hier waren diese vier Triebwerkssätze zwar noch vorhanden, aber als kurze, massige, durchaus stabile und seltsam krumm verformte Ausläufer des immer noch grob tropfenförmigen, kompakten Leibes des Schiffes, das nach Art einer Hammer-SyMOr eher wie ein organisch gewachsenes bizarres Lebewesen aus den Ozeanen einer fernen Welt wirkte als wie ein geschniegeltes und hochglanzpoliertes technisches Gefährt a la Enterprise.
Genauso wie die Filmvorlage waren die vorderen Enden der Ausläufer mit glasigem Material überzogen, aber anstelle von jeweils einem einzigen Strahlengeschütz schienen sich unter der Abdeckung wie große Pockennarben die Mündungsrohre von jeweils einer ganzen Batterie von Kanonen verschieden Kalibers zu erstrecken.
„Sagen Sie, sind diese Waffen da auch echt?“ fragte Frans, auf die Stellen deutend, und Siwa nickte sofort.
„Eine Hammer-SyMOr wäre in einer Raumschlacht niemals ein leichter Gegner, aber diesem Baby hat man eine Extraportion `Bums´ verpaßt. Damit könnten Sie einen ganzen Planeten in Schutt und Asche legen, wenn Sie wollten. Sie ist klein und fies, ganz wie bestellt.“
In der Farbgebung hatte man sich an der Vorlage orientiert, das Schiff war unscheinbar metallisch hellgrau gefärbt, mit Abtönungen hier und da in Braun und Blau, was den Eindruck eines fremden Lebewesens aber nur verstärkte. Die ausfahrbare aerodynamische Flosse am Bug der Zeichentrickversion fand sich hier wieder, verkleinert und angepaßt an die stumpfe Schnauze dieses Gefährts, ebenso die ausklappbaren „Antennen“, die hier jedoch unbeweglich zu einem ganzen Array von Bugsensoren gehörten, die eher einem ganzen Feld bizarrer Insektenaugen glichen. Als „klein“ hätte Frans das Schiff nicht unbedingt bezeichnet, es war geschätzte achtzig Meter lang und entsprechend hoch bei kompaktem Baustil, zumal er wusste, daß auch diese SyMOr vermutlich in eine andere Dimension „hineingebaut“ und innen erheblich größer als außen war.
„Kommen Sie, begrüßen Sie die Kay!” forderte Siwa auf, der schon fröhlich auf das Schiff zulatschte.
„Guten Tag, Captain Future!“ hörte Frans unerwartet eine freundliche weibliche und durchaus sexy klingende Stimme aus Richtung des Schiffes.
„Oder soll ich Sie anders nennen?“
Verwirrt blickte Frans zu Siwa, der ihm vielsagend zuzwinkerte und ihn angrinste. 
„Ja, das ist die Kay. Die Stimme läßt sich selbstverständlich nach persönlichem Geschmack anpassen. Wenn Sie mehr auf die Stimme der Kay der „Enterprise“ stehen, oder auf HAL aus „2001“, oder auf die Stimme eines Schauspielers Ihrer Zeit - alles was sich in den Datenbanken finden läßt, läßt sich auch reproduzieren. Auch was die Anrede und die tägliche Kommunikation angeht, können Sie Ihr Wunschprogramm einstellen. Ob sie salopp sein darf oder lieber höflich und distanziert. Manche Leute wollen einfach, daß eine Maschine auch wie eine Maschine klingt, okay?“
„Ooo -- kay,“ dehnte Frans, etwas überwältigt. Und dann sagte er in Richtung des Schiffes: „Mein Name ist Frans Hauser, und du kannst mich gerne mit Frans und Du anreden. Captain Future ist nur meine Filmrolle.“
„Verstanden, Frans. Willkommen an Bord.“ antwortete die Stimme. Und die geschlossene Luke des Schiffes öffnete sich, genauso wie Monate/Tage vorher beim „Feuerzahn“ mit einer scheinbar herableckenden Zunge zwischen auseinanderfahrenden zahnstarrenden Gebissen, die sich zu einer bequem zu erklimmenden Gangway versteifte, sobald die Spitze den Boden berührte.
Und wie beim „Feuerzahn“ krabbelten zwei gigantische schwarze Spinnen - nein, Cyders!  - heraus, kaum daß die Luke offenstand, um sich als furchterregende Türsteher beiderseits der offenen Luke zu postieren.
„Sagen Sie, kann man das mit den Cyders auch abstellen?“ fragte Frans, mit dem Finger deutend.
„Selbstverständlich. Hier und heute ist das nur zum Eindruckschinden,“ erklärte Siwa verschmitzt, „aber grundsätzlich läßt man die Wächter immer heraus, wenn man die Türe eine Weile offen lassen muß und sicher sein will, daß sich nichts ungebetenes hineinverirrt. Was für menschliche Anhalter oder Einbrecher genauso gilt wie für Ungeziefer aller Art, von Ratten bis zu krankheitsübertragenden Insekten, die werden von den beiden nämlich ebenfalls draußengehalten. Man sieht das zwar nicht, aber das Viehzeug bekommt die Abwehrfelder zu spüren.“
„Verstehe.“ nickte Frans. Klar, daß das mit den Cyders seinen guten Grund hatte, vor allem wenn das Schiff auf unterschiedlichen Welten mit unterschiedlichen und vermutlich sehr exotischen Krankheitsüberträgern landete. Abermals stellte er fest, daß Matrixtechniker sehr pragmatisch und effektiv zu denken und handeln pflegten, was sich auch in ihren Produkten wiederspiegelte.
„Kommen Sie zu den Quartieren, ich will Sie jemandem vorstellen.“ sagte Siwa, kaum daß sie im Schiff waren. „Den Rest schauen wir uns später an, abgesehen von ein paar Einzelheiten unterscheidet er sich nicht vom „Feuerzahn.“
Er stiefelte voran, und schnell wurde klar, daß dieses Schiff tatsächlich ebenfalls viel größer war, als es von außen den Anschein hatte.
„Verglichen mit dem „Feuerzahn“ ist die „Comet“ noch winzig, sie ist ja gerade erst fertiggestellt worden. Ich habe Ihnen ja schon gesagt, daß Hammer-SyMOrs jedes Jahr um ein paar Räume wachsen, oder?“ bemerkte Siwa dazu. „Und deshalb, da sind wir schon.“

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #53 am: 8. März 2017, 16:06:53 Uhr »
Die Tür vor ihnen glitt auf, und sie betraten einen Wohnraum, in dem jemand auf sie wartete. Ein junger Mann, nicht älter als Siwa und ihm in der schlanken Statur ähnlich, aber mit schwarzen Haaren und Augen und dunklerer Hautfarbe.
„Darf ich vorstellen, Frans Hauser - Signy Karas. Signy wird den Otho spielen. Das Brainstorming unserer Chefs hat ergeben, daß für diese Rolle niemand außer Signy in Frage kommt.“
„Freut mich.“  Frans streckte die Hand aus, die der andere, der bis zu ihrem Eintreten anscheinend ruhelos und sehr nervös im Raum herumgetigert war, überhastet ergriff und schüttelte. Dabei blickte der junge Mann Frans fast verängstigt an, so daß der Schauspieler sich unwillkürlich fragte, was an ihm so furchterregend sein mochte, wenn der andere - als mutmaßlicher Bewohner dieses Planeten an Aliens und Matrixtechniker gewöhnt und obendrein die bereits sichere Besetzung der Rolle - dermaßen auf ihn reagierte.
„Signy hat bis jetzt noch keine Schauspielerfahrung, was wir mit ein paar Lehrprogrammen und Ihrer freundlichen Unterstützung hoffentlich hinbekommen. Dafür hat er aber andere Qualitäten, die ihn zur Idealbesetzung machen. - Zeig es ihm, Schlangenauge.“
Signy nickte eifrig - und veränderte sich.
Schlagartig stand da nicht mehr der junge dunkelhaarige Mann, sondern eine weiße, haarlose und obendrein nackte Gestalt, immer noch menschlich aussehend, jedoch geschlechtslos und mit einem Gesicht, das eher grob geformt wirkte, wie eine nicht allzu lebensecht gestaltete Schaufensterpuppe.
Frans beherrschte sich gerade noch, bei dem erschreckenden Anblick nicht reflexhaft zurückzuzucken - -

„Signy ist ein Golem. Also gar nicht weit weg vom Androiden, den er spielen soll.
Lassen Sie sich von der Bezeichnung Golem nicht täuschen, er besteht aus erheblich mehr als ein wenig feuchte Gartenerde mit  einer Schriftrolle drin. Abgesehen von der Tatsache, daß er eine künstlich erschaffene Lebensform ist, ist er in allen Dingen einem Menschen gleichgestellt, er besitzt Vernunft, Charakter, Individualität  - was man vielleicht so als Seele bezeichnet - und zweifellos auch die eine oder andere unvernünftige Eigenart.
Ein Serienkiller, der nachts zum Monster mutiert und nach Beute sucht, ist er aber nicht, bei den Golems wird darauf geachtet, daß sie hohe ethische Standards verinnerlicht haben. Allerdings ist er auch kein unerschütterlicher Pazifist, das Robotergesetz, daß Menschen unter gar keinen Umständen getötet werden oder zu Schaden kommen dürfen, gilt bei Golems nicht. Seine Verwandlungsfähigkeit entstammt übrigens einer mittelrangigen Matrix, die ihm eingepflanzt ist und die ihm quasi sein Leben verleiht, und noch ein paar anderen Tricks, die sie aber niemandem verraten. Wesen wie ihn bezeichnen wir M-Tecs als „Gestalt“, also Geschöpfe, die aus einem Mix aus Matrixenergie und materiellen Technologien bestehen, genauso wie beispielsweise diese Hammer-SyMOr hier.“
„Oder wie Toms Drachen.“ erinnerte Frans sich.
„Exakt.“ grinste Siwa. „Meinen Sie, Sie kommen mit Signy zurecht?“
Er meinte natürlich, damit, daß Signy kein Mensch war. Aber Frans war bereits mit Aliens, Zeitreisen, Matrixtechnikern, Geheimagenten, intelligenten Raumschiffen und Drachen zurechtgekommen, da machte ein hoffentlich freundlicher und lernwilliger Golem nur mehr einen weiteren Posten auf einer wachsenden Liste. 
Er nickte. “Ich freue mich auf eine hoffentlich gute und lehrreiche Zusammenarbeit.“
Und streckte Signy abermals die Hand entgegen, die dieser nun schon deutlich ruhiger und grobschlächtig lächelnd nahm. Mit einer Hand, die sich warm und weich wie jede normale menschliche Hand anfühlte, Frans paßte diesmal genau auf, da war kein Gefühl von kaltem, hartem Kunststoff oder eklig wachsähnlichem Material, auf das Signys ungetarnte Erscheinung schließen ließ. 
“Darf ich eine Frage stellen?” fragte er dann.
“Natürlich, nur zu.” antwortete Siwa, weil Signy im Moment noch etwas schüchtern wirkte.
“Wie nannten Sie ihn vorhin, Schlangenauge? Wie kommt man an so einen Spitznamen, wenn ich fragen darf?”
Weil Signys Tarnung, die soeben wieder erschien, so gar nichts an sich hatte, was diese Bezeichnung verdient hätte, die - simulierten - schwarzen Augen des Jungen blickten im Gegenteil sehr freundlich drein. Aber auch seine reale Gestalt vorher hatte keinerlei Ähnlichkeit mit einer Schlange besessen, nur mit einer Schaufensterpuppe.
Signy verzog sein simuliertes Gesicht zu einem schiefen Grinsen und erklärte:
“Als ich mit Siwa und den anderen Lehrlingen zum ersten Mal zusammentraf, benahm ich mich leider nicht sehr höflich. Die anderen schätzten mich deshalb als eiskalt, überheblich und hochnäsig ein, aber das war ich nicht. Ich hatte in Wahrheit Angst. Wirklich schreckliche Angst, weil ich bis dahin noch nie längere Zeit mit organischen Menschen zusammengewesen war und mir absolut nicht vorstellen konnte, wie ich das durchstehen sollte.”
“Klar. Weil wir M-Tec-Lehrlinge schließlich jeden Tag arme kleine Golems foltern, vierteilen und am Spieß braten.” ätzte Siwa prompt, aber es kam mit einem freundlichen Lächeln. 
“Wir wußten das damals übrigens nicht, daß er eine Gestalt ist, weil er selbstverständlich getarnt war. Für uns war er nur ein weiterer Einserlehrling, so wie Büro und Bonecat.” erklärte er dann zu Frans gewandt.
“Red und Elfe waren Zweier, und Morningstar, die wir später auf tragische Weise verloren, eine junge Dreier. Mein Spitzname war Web, wegen des Kokons, der an meiner Aura hängt, ich hatte damals gerade meinen Sprung zum Dreier geschafft.
Unsere Lehrer, die auch ihre Spitznamen haben, waren alle Vierertechniker oder Fünfer-Lehrlinge, wie es üblich ist. Alle bis auf Merlin, der ein Sonderfall ist, weil er seinem Spitznamen alle Ehre macht, der gilt als stärker als ein gewöhnlicher Fünfer.”
“Und Büro stellte sich später als ein getarnter Fünfer-Meister heraus, der als Agent der Meister unter uns weilte.” verriet Signy. “Wir nannten ihn “Büro” wegen seiner “aufgeräumten” Aura, aber seine Tarnung als Einserlehrling war einfach Klasse. Selbst ich habe nicht daran gezweifelt, obwohl ich doch unter meinesgleichen jeden Tag Tarnungen sehe.”
Frans konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Diese ganze Szene war einfach zu verrückt. Er war wieder hier, siebenhundert Jahre in der Zukunft, auf einem fremden Planeten, parlierte gerade mit einem künstlichen, intelligenten Wesen in einem Raum, der in ein weiteres künstliches intelligentes Wesen hineingebaut war, und er verstand sogar alles, was hier gesprochen wurde! Unglaublich! --
„Werde ich auch einen Spitznamen bekommen?“ fragte er interessiert. Bei dieser munteren Truppe wollte er gerne mitmachen, wenn sie ihn ließen!

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #54 am: 9. März 2017, 14:57:33 Uhr »
„Was hat Tom ihnen alles beigebracht?“ fragte Siwa.
 „Ich kann Schutzfelder erzeugen, Kerzen entzünden, Spielkarten durch die Gegend schweben lassen und Glas kalt schmelzen. In die Aurasicht hat er mich gerade eingeführt, als ich hierhergeschickt wurde.“
„Also haben Sie die ersten Schritte als Einserlehrling schon getan.“ entgegnete Siwa zufrieden. „Für die weiteren Lektionen werden wir Sie unter die Fittiche nehmen, soweit die Dreharbeiten uns Zeit dafür lassen, bis unsere Bosse über Ihren neuen Lehrer hier entschieden haben. Vielleicht macht es sogar Carolus, mein eigener Lehrer, weil er mit mir nicht allzuviel Arbeit hat und wir wohl ohnehin ständig aufeinanderhocken werden.“
„Carolus Rye, genannt Darth Vader?“
Siwa grinste breit. „Den Spitznamen hat ihm Agent Wylie in Ihrer Zeit verpaßt. Hier in dieser Zeit heißt er der Galgenvogel, wegen seiner düsteren Erscheinung. Aber erkundigen Sie sich bitte immer vorher, welchen unserer Lehrer Sie mit seinem Spitznamen anreden dürfen und wen nicht, bei Signys Lehrer, der Whitey genannt wird, riskieren Sie da nämlich eine Freiflugstunde ganz ohne Flugschein. Merlin dagegen fühlt sich gebauchpinselt, wenn man ihn so nennt. Aber ich glaube, Carolus hat gegen den Darth Vader nichts einzuwenden. Er ist auch ein Fan der alten Serie, wissen Sie.“
„Wonach werden die Spitznamen ausgewählt?“ fragte Frans. Mit Spitznamen hatte er zu Schulzeiten ungute Erfahrungen gemacht, wobei er mit seinen auffälligen Haaren als „Feuermelder“ und ähnliches noch halbwegs gut davongekommen war. Aber einige Spitznamen, die Schulkameraden angehängt worden waren, waren wirklich nicht mehr fein gewesen. Kinder waren oft grausam.
„Unter Telepathen, also M-Tecs wie wir, werden die internen Kennungen meistens beim ersten telepathischen Gruppenkontakt vergeben, weil die Spitznamen sich oft auf Eigenschaften beziehen, die erst beim Aurenkontakt erkennbar werden. Signy beispielsweise hätte sich auch einen Nickname wie „Eiszapfen“ oder „Eiskaktus“ einfangen können, so eiskalt und stachlig war er bei unserem ersten Kontakt. Und Elfe, die Sie sicher auch bald kennenlernen werden, weil sie hier auf Nh´Nafress lebt, sieht erstens tatsächlich aus wie eine nordische Elfe und hat zweitens eine Aura, die nicht nach außen abstrahlt, weshalb sie immer unsichtbar zu werden scheint, wenn man sich nicht bewußt auf sie konzentriert, wie eine Elfe im Märchen. Obwohl sie echt ein Hingucker ist.“ Er lächelte, genauso wie Signy. „Keine Sorge, gegen einen zu üblen Spitznamen können Sie Einspruch einlegen, das verspreche ich. Aber was quatschen wir hier. Wollen Sie sich das Schiff ansehen? Immerhin wird hier drin gefilmt werden.“
Er winkte Frans, ihm zu folgen. Hinaus auf den breiten Gang, der die wichtigsten Teile des Schiffes miteinander verband, und geradewegs zur Steuerzentrale, mit Signy im Schlepptau.
Die Steuerzentrale war für Frans eine Überraschung, weil sie keineswegs so aussah wie die Tropfsteinhöhle im „Feuerzahn“. Was er hier vorfand, war fast eine perfekte Übernahme des Vorbilds aus den Zeichentrickfilmen, mit der riesigen runden Frontscheibe, verteilten Pilotensitzen mit Instrumentenpulten und vielen, vielen Instrumenten.
 „Ich habe doch gesagt, die bekommen das auch ohne die Tentakel hin.“ freute sich Siwa. „Die Grundprinzipien, mit Einklinken ins System und einem Schutzfeld drumherum, wurden aber voll beibehalten. Mit anderen Worten, diese ganzen schönen und verwirrenden Gerätschaften hier sind zwar voll funktionstüchtig, aber im Normalfall nur Dekoration, weil bei weitem nicht so umfassend oder schnell zu bedienen wie in direkter Interaktion mit der Kay. Bei den Dreharbeiten müssen Sie natürlich so tun als ob. Und jetzt - gibt es eine weitere Überraschung. Nämlich ein weiterer Schauspieler nach Signy. Kay, würdest du bitte?“
„Selbstverständlich, Geselle Siwa.“ antwortete die wohlklingende synthetische Frauenstimme. Und Siwa verzog das Gesicht, weil -- „Das ´Geselle´ hat irgendein Spaßvogel in der Werft einprogrammiert. Läßt sich einfach nicht herauslöschen.“ erklärte er Frans. „Stimmt zwar technisch gesehen, gefällt mir aber trotzdem nicht. Klingt irgendwie so hochtrabend. Oder herablassend, je nachdem.“
Ein Stück vor ihnen bewegte sich die Luft, als plötzlich dort etwas wie in einem kleinen Wirbel materialisierte. Grau und metallisch glänzend, bildete sich etwas aus, scheinbar aus der leeren Luft heraus, wuchs Stück um Stück aus dem Mini-Tornado heran, nahm humanoide Form an, größer als Frans und Siwa, die beide die Einsneunzig an Größe erreichten. Am Ende war es etwa zwei Meter dreißig hoch, breit und wuchtig, doch immer noch humanoid in der Form, mit rötlich glühenden Augen, prankenartig breiten Händen und silbrig glänzender Oberfläche.
„Da haben Sie Ihr zweites Besatzungsmitglied nach Otho, Grag den Roboter.“ stellte ein übers ganze Gesicht feixender Siwa vor. „Im Film wird er natürlich der etwas tumbe Roboter aus den Romanen sein, aber in Wahrheit ist er ein kleiner Ableger der Kay, mit direktem Zugriff auf alle Daten, die in den Speichern abgelegt sind, und in ständigem Kontakt zu ihr, das heißt er ist genauso intelligent und lernfähig wie seine Mutter. Und genauso wie die Kay ist er darauf programmiert, Ihren Befehlen zu gehorchen, zumindest für die Dauer der Dreharbeiten. Das Schauspielern allerdings müssen wohl Sie ihm beibringen, dafür hat die Kay nämlich bis jetzt noch keine Datensätze erhalten. Na, was sagen Sie? Treten Sie ruhig näher, er beißt nicht. Außer Sie programmieren ihn darauf.“
- Und wie auf Kommando veränderte der bislang humanoide Roboter seine Form, in einer unglaublich fließenden, geschmeidigen Bewegung entstand aus dem silbernen Giganten blitzartig ein nicht weniger beeindruckender, bedrohlicher, metallener Kampfhund. Der sich im nächsten Moment schon wieder in seine erste Gestalt zurückverwandelte.

Frans brauchte eine Weile, seinen herabhängenden Unterkiefer wieder in die anatomisch richtige Lage zu bringen.
 „Das - das ist - das sieht aus wie --“ brachte er dann als erstes heraus.
„Wie dieser - Flüssigmetallroboter - aus dem zweiten Terminator-Film.“ kam dann endlich ein vollständiger Satz.
„Nicht ganz verkehrt, der Vergleich.“ lächelte Siwa. „Er besteht aus unzähligen winzigen Einheiten aus Nanometall, die sich nach Belieben umarrangieren können wie ein mechanischer Bienenschwarm. Natürlich hat man dabei auch mit Matrixtechnologie ein wenig nachgeholfen, er ist also ebenfalls eine Gestalt. Er kann auch autonom und unabhängig von der Kay agieren, ist dann aber in seinen Möglichkeiten stark eingeschränkt, weshalb die Verbindung immer aufrecht erhalten werden sollte.“
„Moment, Moment mal!“ stotterte Frans verdutzt. „Das soll doch ein Film werden, und in Filmen arbeitet man mit Tricks. Aber das hier ist alles so -- echt?“
Siwa grinste noch breiter. „Das klingt ja fast, als wäre das ein Fehler.“ stellte er vergnügt fest. „Aber dem DCD tut es ganz gut, wenn sie mal gefordert werden und gründlich die Sau durchs Dorf treiben können. Jeden Tag nur Organe für Verpflanzungen oder teilorganische Maschinenteile züchten macht auf die Dauer auch keinen Spaß.“
„Tun die sowas?“ murmelte Frans. Soeben zerlegte sich wieder einmal sein ganzes gewohntes Weltbild, weil er wieder daran erinnert wurde, daß er sich ein paar Jahrhunderte in der Zukunft befand, auf einer Welt, wo ganz selbstverständlich und alltäglich war, wovon in seiner eigenen Zeit nur die Science-Fiction-Autoren träumten.
„Na los, fassen Sie ihn an.“ forderte Siwa ihn auf. „Während des Drehs müssen Sie ganz natürlich mit ihm interagieren, schließlich ist Ihr Charakter mit diesem Roboter als Familienmitglied aufgewachsen. Da dürfen Sie nicht jedesmal zurückzucken oder über Ihre Schulter blicken, sonst massakriert Sie der Regisseur irgendwann.“
„Tut mir leid. Aber er sieht dem T-1000 irgendwie zu ähnlich. Nicht daß ihm plötzlich scharfe Klingen wachsen, oder so.“ entschuldigte sich Frans, der in der Tat gerade an einem Déjà-Vu zum zweiten Terminator-Film litt -- was insbesondere die chronische Mordlust des Antagonisten in dem Film betraf.
„Na schön. Kay, können wir „Grag“ hier ein bißchen mehr retro machen? Nur ein kleines bißchen, damit er nicht mehr ganz so silbern und geschniegelt wirkt?“
„Verstanden, Geselle Siwa.“ antwortete die Frauenstimme prompt. Und „Grag“ veränderte sich - das metallische Silber wurde matter, zu viel mehr Grau und scheinbaren Abnutzungsspuren, dazu bildeten sich Vertiefungen, Rillen, Linien und Kanten, wo bisher stromlinienförmige Glätte gewesen war. Und dann stand da anstelle des eleganten T-1000 ein kantiger, mit wenig Sachverstand zusammengeschweißter Steampunk-Roboter, der schon die eine oder andere Schlacht hinter sich zu haben schien.
„Na wer sagt´s denn.“ machte Siwa zufrieden. „Ist es so genehm?“
„Viel besser!“ nickte Frans. Und jetzt traute er sich, ganz vorsichtig, zuerst einen Finger und dann eine ganze Hand auf das Metall des Roboters zu legen. Er erwartete Bewegungen zu spüren von den unzähligen Mikro-Robotern, aus denen sich „Grag“ zusammensetzte, doch stattdessen spürte er -
„Er ist warm?“ stellte er überrascht fest.
„In dieser Menge zusammengeballt produzieren die Naniten einiges an überschüssiger Hitze. Die läßt sich natürlich auch auf andere Weise ableiten, wenn es nicht gewollt ist, daß er warm ist - etwa in einer Eiswüste, wo er sich selbst in die Tiefe schmelzen würde - aber normalerweise stört es nicht. An kalten Wintertagen könnte so ein wandelnder Handwärmer vielleicht sogar nützlich sein.“ scherzte Siwa.
Lächelnd sah er zu, wie Frans langsam um den Roboter herumkreiste und alle Einzelheiten genau musterte, obwohl er jetzt wußte, daß die Form sich jederzeit ändern konnte.
„Und jetzt, wie wäre es mit einer kleinen Spritztour?“ fragte Siwa dann, als er merkte, daß Fransens Neugier fürs erste gestillt war. „Das Schiff ist so weit fertiggestellt. Fracht oder anderen Ballast haben wir bis jetzt noch nicht, aber das wird sich im Lauf der Zeit von selbst ansammeln. Also?“
Und deutete auf die Pilotensitze.

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #55 am: 30. Mai 2017, 17:45:02 Uhr »
Frans sah ihn an, dann Signy, der ebenfalls auffordernd grinste und nickte, und sich gleich darauf in den Sitz schwang, der in den Zeichentrickfilmen für „Otho“ bestimmt war. Er blickte wieder zurück zu Siwa -
„Okay!“
Denn er wußte ja, daß Siwa ihn wie beim ersten Mal im „Feuerzahn“ anleiten würde, wenn es für ihn etwas zu tun gab. Hammer-SyMOrs waren idiotensicher gebaut, da konnte selbst ein unbedarfter Schauspieler nichts falsch machen.
Siwa deutete ihm, den Sitz zu nehmen, der im Film für den Captain reserviert war. Er selbst nahm den Platz von „Grag“ ein, dem Navigator. Frans schaute fragend nach hinten, zum echten Roboter, der starr und stumm herumstand.
„Den brauchen wir im Moment nicht, wir klinken uns ja direkt ins System ein.“ erklärte Siwa ihm. „Aber es ist besser, wenn er draußen bleibt, damit Sie sich an ihn gewöhnen können.“
„Verstehe.“ Und er ließ sich auf seinen Sitz nieder, gespannt, was gleich passieren würde. Würden hier auch diese grünen Tentakel als totaler Stilbruch auftauchen? Er versuchte, sich geistig zu entspannen, so wie bei ihrem ersten Flug im „Feuerzahn“...
Und schwebte auf einmal unter der Decke, von wo er auf drei stille Gestalten in ihren Sitzen und einen still dastehenden Retro-Roboter herunterblicken konnte. Er sah sich um, und bemerkte auf der einen Seite ein schwebendes, wolkenähnliches, etwas zerrupft aussehendes Gespinst, in das ein riesiger Smaragd eingewoben zu sein schien. Das war „Web“, Siwas Avatargestalt mit dem schlummernden Drachen in seinem Kokon, Tom Richards hatte ihm davon erzählt. Über Signys Sitz hing eine fußballgroße silberne Kugel, in deren makellos polierter Oberfläche sich die ganze Umgebung wiederspiegelte - der Avatar des Golems.
Ein Gedankenbefehl brachte Frans näher an die Kugel heran, so daß er seine eigene Erscheinungsform begutachten konnte, denn in normalen Spiegeln oder Kameras konnte man Geist-Avatare nicht sehen. Was er da sah, brachte ihn zum Grinsen, denn er sah - ein großes dreidimensionales Cartoon-Fragezeichen in relaxtem Blauton.
Aber Tom hatte ihm schon erzählt, daß sich Avatare ganz nach Stimmung ausbildeten und veränderten und sogar mit anderen Avataren verschmelzen konnten, wenn Matrixtechniker in einen Arbeitskreis eingebunden waren.
Und im Moment hatte er in der Tat jede Menge Fragen. 
Und er hörte das geistige Gekicher der zwei anderen, die sich über seinen Avatar amüsierten.
„Keine Sorge, das lernen Sie noch, Ihren Avatar unter Kontrolle zu halten.“ hörte er dann Siwa. „Sie sind nicht dazu gezwungen, Ihre jeweilige Befindlichkeit lautstark hinauszuposaunen.  Wie wäre es, wenn Sie sich jetzt zuerst mal Ihren Grag näher ansehen? Dann lernen Sie ihn nämlich auf ganz andere Art kennen.“
Aha, Vertrauensbildung, dachte Frans. Und näherte sich dem stillen Roboter, dessen ständigen Kommunikationsfluß mit der Kay und dem ganzen Schiff er jetzt sehr deutlich als dünne farbige und pulsierende Fäden aus Licht erkennen konnte, in einer Umgebung, die vollkommen aus derartigen Fäden, Flächen, dicken und dünnen Leitungen aus Licht zu bestehen schien, da alles an diesem ungewöhnlichen Raumschiff in irgendeiner Hinsicht lebendig war und vor latenter oder aktiver Energie leuchtete.
Vorsichtig berührte er den Roboter mit einer geistigen Hand - und war schlagartig eingebunden in die Datenströme, die die Naniten, die den vermeintlichen Metallkörper bildeten, ständig miteinander austauschten. Wie bei seinem letzten Flug mit dem „Feuerzahn“ schwirrte plötzlich eine Vielzahl an holografischen Anzeigen um ihn herum, die ihm das Lesen und Verstehen der Daten erleichtern sollten. Das meiste davon schien Business as usual zu sein, Anzeigen für Standort und momentane Funktion jedes einzelnen Nano-Partikels, die der Kay mitteilten, daß alles nach Plan verlief und keine Änderung oder Nachjustierung benötigt wurde. Aber Frans spürte mehr, nämlich daß die Naniten auf seine Anwesenheit reagierten, sie nahmen ihn sehr wohl wahr, oder besser seine geistige Anwesenheit. Er hatte das Gefühl, plötzlich inmitten eines Bienenschwarms zu stehen, der überall um ihn herum seine Botschaften brummte - freundliche Botschaften, denn er empfand ein Gefühl des Willkommenseins.
Grag/die Kay freuten sich, ihren ersten Herrn begrüßen zu können, von dem ihnen in den langen Monaten in der Werft, während sie konstruiert, wieder und wieder getestet und schließlich fertiggestellt wurden, schon berichtet worden war. Und sie erzählten ihm, was sie von ihm erwarteten, daß er sie hinausbrachte ins All, für das sie bestimmt waren, auf fremde Welten, ihnen Aufregung und Abenteuer bot, viele Abenteuer in vielen Jahren, die da kommen sollten...
„Moment mal. Bin da ich etwa gemeint?“ fragte Frans verdutzt, der an eine Verwechslung glaubte. Denn als Raumschiffskapitän hatte er sich ja nun nicht verdingt, oder?
„Benu. Zeitreise. Sie verstehen?“ hörte er Siwas Seufzen durch das Schwarmgebrumm hindurch. „Selbstverständlich haben die Benu Sie vorher schon auf Herz und Nieren getestet, bevor man Sie überhaupt hergeholt hat.
Die wissen, was in Ihnen alles steckt oder stecken könnte. Wenn man Sie als ZBVler herholt, dann erwartet man einiges von Ihnen, viel mehr als nur eine Rolle in einem Film. Tom hat Sie über diesen Punkt schon aufgeklärt, oder?“
„Ja, hat er. Aber - wäre ich einer solchen Herausforderung überhaupt gewachsen?“ zweifelte Frans laut. Verdammt, er war Schauspieler, kein echter Captain Future!
„Wenn die Benu meinen, daß Sie der Aufgabe gewachsen sind, dann sind Sie es auch. Lassen Sie es einfach auf sich zukommen, und wachsen Sie rein. Wenn es hart auf hart kommt, können Sie immer noch um Hilfe schreien. Sie dürfen nie vergessen, auch ich bin kein heuriger Hase mehr, ich hatte auch schon meine Scharmützel, und auch ich bin kein Held aus längst vergessenen Pulps.“
Tom hatte Frans davon erzählt, was Siwa in seiner Zeit alles erlebt hatte. Ungewollt und ohne eigene Schuld war er immer wieder in irrsinnige Situationen geraten, die sich jedoch im Nachblick als nützlich, da informativ und lehrreich entpuppt hatten. Orchestrierungen einer unbekannten, übergeordneten Macht im Vorblick auf viel größere Ereignisse, die noch kommen sollten? Laut Tom Richards war das keineswegs ausgeschlossen.
„Wie kann ich in sowas hineinwachsen?“ Im Moment schienen sich unendlich hohe Mauern aufzutürmen, in welche Richtung Frans auch blickte. Das konnte unmöglich real sein, unmöglich ernst gemeint sein...
„Indem Sie einfach einen Fuß vor den anderen setzen und alles mitnehmen, was Ihnen des Mitnehmens für wert erscheint. Gehen Sie die Wege, die sich vor Ihnen auftun und tun Sie einfach, was Ihnen als das Richtige erscheint, ignorieren Sie die dräuenden Fata Morganas am fernen Horizont. Wenn Sie irgendwo links gehen, wo jemand anderes meint, Sie müßten rechts gehen, dann soll er Ihnen das gefälligst sagen, oder ihn soll der Teufel holen. Seien Sie pragmatisch, und lassen Sie sich nicht zu schnell einschüchtern.
Dieses Denken verstehen die Benu, und sie reagieren auch darauf. Im Moment haben Sie sowieso Welpenschutz, vorläufig wird man Ihnen noch keine schweren Aufgaben übertragen. Das kommt erst dann, wenn Sie bereit sind. Und dann beginnt die Sache auch Spaß zu machen. Manchmal jedenfalls, manchmal wird es aber auch haarig. Warten Sie es einfach ab, und machen Sie sich jetzt noch keinen Kopf deswegen.“
„Ich fühle mich irgendwie so - hilflos.“ Es schmeckte Frans nicht, nicht zu wissen, woran er war. Er mochte es, wenn einem ein Regisseur klipp und klar sagte, wo er einen haben wollte und welche Gefühlsregungen gezeigt werden sollten. Ins Blaue hinein zu schauspielern lag ihm nicht, und hier ging es nicht einmal um ein so tun als ob, wenn ihm der wirbelnde Nanitenschwarm um ihn herum etwas ganz anderes versprach. 
Daß „Grag“ sich in seine Bestandteile aufgelöst hatte, hatte er zwar registriert, aber seiner Geistform konnte dieser metallische Schwarm ja nichts anhaben, oder?
„Oh, täuschen Sie sich nicht. Diese Naniten und die Kay, die an ihnen dranhängt, könnten auch unseren Avataren ordentlich Dampf machen, wenn sie es als notwendig erachten würden.“ kam prompt von Siwa und bewies, daß sie wieder in einem telepathischen Kollektiv vereint waren.
„Unterschätzen Sie die Kay nicht, sondern lernen Sie, mit ihr zu arbeiten, sie als Ihren vergrößerten Körper zu betrachten. Dieser Körper verfügt über Sinnesorgane und Mittel, von denen Sie im Moment noch nicht mal träumen können, und von denen auch ich noch viel zu wenig weiß. Lassen Sie ruhig Ihre Phantasie mal spielen, und überprüfen Sie dann, ob irgendetwas davon hier bereits verwirklicht ist, da werden Sie zweifellos die eine oder andere Überraschung erleben.“
Frans erinnerte sich an den Gegenstand, der - voll funktionstüchtig, laut Siwa - in der Spinnenhöhle des Schiffsdocs im „Feuerzahn“ stand, und begriff. Ein Raumschiff, mit hochgezüchteter außerirdischer Technologie unter Mitwirkung von zumindest ein paar sehr irdischen Nerds erschaffen...  da gab es vermutlich nichts, was es nicht gab, und selbst davon noch einiges. 

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #56 am: 14. November 2017, 12:18:46 Uhr »
„Hat dieses Schiff auch eine Zeitmaschine?“ fragte er, nur halb im Scherz, weil er sich an die Zeitreisegeschichte der Captain-Future-Serie erinnerte.
„Die offen zugänglichen Bestandsverzeichnisse sagen nichts darüber aus, allerdings ist der größte Teil des wirklich interessanten Zeugs nicht im offenen Verzeichnis vermerkt, die ganzen Ostereier soll man gefälligst selber suchen. Ich würde deshalb kein Geld darauf verwetten, daß keine an Bord ist.“ Siwa hatte also selbstverständlich selber schon nachgesehen, in allen Verzeichnissen, die ihm zugänglich waren. Aber das waren bei weitem nicht alle, die es gab, wie er Frans telepathisch wissen ließ.
Frans stöhnte. „Also gut, ein Fuß vor den anderen. Was machen wir jetzt?“
„Wir starten erst mal, und dann zeige ich Ihnen was neues. Wir erforschen die älteste Siedlung auf dem Planeten, mit Hilfe der Kay und ihrer externen Einheiten. Sind Sie bereit für den Start?“
Frans konzentrierte sich, und dann saß er direkt neben Siwa in seinem Pilotensitz. Oder genauer, sein Avatar saß in einem immateriellen Sitz in einer Simulation des Cockpits, während ihre beiden realen Körper in ihren realen Sitzen im realen Cockpit in ihren Schutzfeldern ruhten. Ein sonderbares Gefühl, so doppelt vorhanden zu sein. Nicht schlecht oder unangenehm, nur sonderbar.
„Sie holen die Energie, ich öffne das Hangardach.“ wies Siwa ihn an. Und während Frans gehorsam ins flammende Herz des Schiffes griff - das hier nicht aus dreizehn Teilen wie beim „Feuerzahn“ bestand, sondern aus zweiundfünfzig! - Eine echte Overkillkapazität! Wofür in aller Welt benötigte ein relativ kleines Raumschiff so viel Energie? Das mußte sich ja anfühlen, wie auf einer scharfen Atombombe, nein, einer Supernova zu reiten! - sandte Siwa das kurze Kommando an den Dachmechanismus des Werftgebäudes. Sofort begannen die Dachsegmente in einer Kaskade wegzuklappen, mit Bewegungen, die denen eines primitiveren Nanitenschwarms nicht unähnlich waren, bis der Weg nach oben frei war.
„Bereit?“
Frans fütterte seine Küken, die alle gehorsam sperrten, das Orchester war bereit für die Ouvertüre. „Bereit.“
„Und ab.“
Und Frans drückte mit der Energie nach unten, überwand die geringere Schwerkraft dieser marsähnlichen Welt. Er ließ das Schiff zuerst schwerelos ein paar Meter ganz sachte in die Höhe gleiten, balancierte es aus - noch keine Fracht oder anderer Ballast, als ob das bei einer SyMOr von Bedeutung gewesen wäre - und ließ es dann immer noch langsam und dezent, aber mit zunehmender Geschwindigkeit nach oben steigen.
Ein kurzer Gedanke, die Kay reagierte sofort - ja, die Türwächter waren selbstverständlich drinnen, alle Luken geschlossen.
"Die Kay denkt selbständig mit. Der Pilot ist für wichtige Entscheidungen da, nicht für Kleinigkeiten wie Licht ausschalten und Wasserhahn zudrehen, oder ob alle Cyders beim Start an Bord sind.“ grinste ihn Siwa an. „Spricht aber für Sie, daß Sie an Kleinigkeiten überhaupt denken. Ein Auge für Details kann in einem Einsatz lebensrettend sein, deshalb lassen Sie diese Fähigkeit bitte niemals unter den Tisch fallen.“
Frans nickte, ganz auf den Start konzentriert. Mit steigender Geschwindigkeit schwebte das Schiff senkrecht nach oben, bis die externen Augen die ganze Umgebung mit ihren Gebäuden und ihrem Pflanzenwuchs zeigten, und noch viel mehr, da Infrarot und andere Sinne auch die verborgenen unterirdischen Bauwerke zeigten, die Untergrundbahn und vieles mehr... aber da war der Schutzschirm als Hindernis nach oben. Wie sollte der überwunden werden, ohne entweder den Schirm zu beschädigen - mit dem Risiko, daß die Luft aus der Kuppel entwich! - oder aber das Schiff selber, dem diese energetisch pulsierenden Strukturen vielleicht gefährlich werden konnten?
„Da ist die Schleuse. Ich übernehme das Steuer.“ sagte Siwa, und tatsächlich, da war ein Stück seitlich von ihnen eine Art gigantische Taschenkonstruktion, anders konnte Frans es nicht definieren, wie der Klappmechanismus einer ordinären Damenhandtasche, man flog auf der einen Seite ein, das Ding schloß sich, und dann wurde man auf der anderen Seite ausgespuckt. Wie Schleusen halt üblicherweise funktionierten. Siwa flog mit angemessen dezenter Geschwindigkeit an, und kurz danach waren sie auch schon draußen, außerhalb der Kuppel, die sich hinter ihnen über dem Planetenboden erstreckte wie ein riesiges, glänzendes, vielfach facettiertes Juwel. Und jenseits davon erstreckte sich die erschreckende Ödnis der rötlichen marsähnlichen Welt, die niemals so etwas wie eine eigene Vegetation hervorgebracht hatte, oder eine Atmosphäre, die dicht genug gewesen wäre, eigenen Lebensformen eine Entwicklung auf der Planetenoberfläche zu ermöglichen.
„Ist nicht weit, wir fliegen nur auf die andere Seite des Planeten. Dort wurde vor etwa dreihundert Jahren die erste Siedlung in moderner Zeit gegründet. Es gab schon mal ältere Stationen, zur Zeit der ersten Expansion der Dhoanor, aber die wurden in dem Krieg gegen den Unsichtbaren Feind vor fast dreizehntausend Jahren zerstört, ein paar Atomkrater aus dieser Zeit sind immer noch sichtbar. Das Sfarrk-Imperium, zu dem dieses System heute gehört, hat es erst ein paar tausend Jahre später übernommen. Heute dient Nh´Nafress als Relais-Station für Hypersprünge sowohl nach Dhoan-Sek als auch ins Sfarrk-Territorium, von der Erde aus gesehen, weil alle Parteien ungefähr gleich weit von hier entfernt sind.“ wiederholte Siwa ein paar Einzelheiten aus dem Sim ihrer Zugfahrt, während eine schwebende dreidimensionale Sternenkarte, auf der die einzelnen Sonnensysteme und Machtbereiche bunt aufleuchteten, seine Worte unterstrichen. 
„In dem ganzen Gebiet eingestreut sind verschiedene Systeme, wo die Draina, eine weitere Alienrasse, gerade Welten terraformieren, so daß sie anschließend für Sauerstoffatmer wie uns nutzbar sind. Die Draina sind Gestaltwandler und haben in dieser Hinsicht phantastische Eigenschaften, weil ihre Genetik extrem wandelbar ist, es heißt, wenn man einen Draina und ein paar Millionen Jahre Zeit hat, entsteht aus einem leblosen Klotz von Erdformat ein blühendes Paradies. Bei mehr von den Draina geht es natürlich schneller, aber ein paar tausend Jahre muß man mindestens investieren. Langzeit-Anlagen im Sinne des Wortes. Die Draina sind so langlebig, weil sie ihre Alterungsprozesse unter Kontrolle haben und außerdem immer ein paar Ersatzkörper in Reserve haben, so wie Tom und ich unsere Drachen. Und sie haben noch ein paar weitere Überlebens-Tricks drauf, die sie niemandem verraten.“
In gemütlicher Fahrt und reichlicher Höhe, obwohl die dünne Atmosphäre keinen nennenswerten Widerstand bot, umkreisten sie den Planeten, so daß Frans in aller Ruhe die verstreuten glitzernden Juwelen der Kuppelstädte auf der toten, staubtrockenen Oberfläche bewundern konnte. Und dann ging Siwa schon wieder tiefer, steuerte aber die nächstliegende Kuppelstadt nicht unmittelbar an.
„Die allererste kleine Siedlung hat man nach Errichtung der ersten Kuppel aufgegeben, ihre Überreste stehen heute außerhalb der Kuppel in der Wüste, quasi als Sehenswürdigkeit für Leute, die mal imaginär Wüstenluft schnuppern wollen.“ sagte Siwa zur Begründung.
„Wir landen gleich daneben, die Landegenehmigung ist schon erteilt. Und dann zeige ich Ihnen, was man mit den Cyders alles anstellen kann. Einige davon sind nämlich für Einsätze in ungenießbaren Atmosphären und im Weltraum geeignet, mit ihrer Hilfe schauen wir uns die alten Häuser an.“
Also kein Aussteigen in diesen schicken Raumanzügen diesmal, dachte Frans und ließ sich abermals gerne überraschen. Federleicht setzte das gewiß tausende von Tonnen wiegende Raumschiff auf einer sandigen, felsübersäten Ebene auf, nicht weit von dem Ort entfernt, an dem die Siedlung, auf einer kleinen eingeblendeten Karte abgebildet, liegen sollte.
„Einklinken in externe Scout-Systeme.“ befahl Siwa der Kay laut, obwohl ein Gedankenbefehl gereicht hätte. Aber Frans sollte ja mitbekommen, was vor sich ging.
Neue holographisch projizierte Fenster mit Daten und Befehlsoptionen taten sich auf.
„Wir haben externe, lenkbare oder programmierbare Systeme für alle nur erdenklichen Zwecke. Ob Sie die moderne Form einer Brieftaube verschicken wollen, wenn die normalen Kommunikationskanäle abgehorcht werden, oder wenn Sie einem Gegner einen Spion und Peilsender anhängen wollen, oder wenn Sie eine fremde und potentiell gefährliche Welt auf sichere Distanz mit beweglichen Sensoreinheiten untersuchen wollen, weil Sie sich dort eine Landung aus Sicherheitsgründen lieber verkneifen, das ist alles kein Problem. Im Zweifel opfert man in einer Notsituation lieber eine Cyder als gleich das ganze Schiff, verstehen Sie? Obwohl es im Normalfall schick ist, wenn Sie nicht mehr Cyders als unbedingt nötig irgendwo verschusseln. Das sind schließlich mehr oder weniger halborganische Lebewesen, die auch froh sind, wenn sie den Feierabend in ihren Nestern verbringen können, Mitbewohner dieser riesigen Wohngemeinschaft, die opfert man nicht ohne Notwendigkeit. Alles verstanden?“
„Ja.“ nickte Frans. Und machte sich ein weiteres Mal klar, daß Siwa recht hatte und dieses ganze phantastische Schiff eine einzige riesige symbiotische Einheit war, eine lebendige pulsierende Großstadt aus Lebewesen mechanisch-organischer Natur, in der alles aufs feinste aufeinander abgestimmt war und sie beide als Menschen keineswegs die wichtigsten Bestandteile darstellten. Sie gaben nur den Kurs vor, dem der ganze Rest folgen sollte, sie waren die Navigatoren und der lenkende, denkende Verstand eines riesigen Lebewesens mit unglaublichen Fähigkeiten, die ihm den Zweck seiner Existenz verliehen.