Autor Thema: CF der Film - Version 2772  (Gelesen 9539 mal)

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Offline DAOGA

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CF der Film - Version 2772
« am: 30. August 2012, 21:05:36 Uhr »
So, wie vor langer Zeit mal angedroht, meine Version (Vision) eines CF-Films. Da die Story aber ziemlich schräg ist (und noch lang nicht fertig - aber was will man schon von einer Geschichte erwarten, die damit beginnt, daß der Hauptdarsteller ganz schnöde von Aliens aus der Zukunft entführt wird?  ;D ) stelle ich sie lieber hier ein. Am Anfang ist auch noch nicht viel mit Film los. Denn wie bei jedem Filmprojekt beginnen wir... mit dem Casting.
(Und hier die für meine Geschichten schon übliche Warnung: Wer kein verrücktes Zeug mag, soll diese Geschichte lieber nicht lesen. Nichtbeachtung auf eigenes Risiko!)


Cast I: Hauptdarsteller: Frans Hauser, L.A.

Planet Nh´Nafress.
Dieses Mal hatte Siwa die kleine 80-Meter-SyMOr so sanft, aber nicht unnötig langsam gelandet, daß es seinem Lehrer Carolus Rye ein anerkennendes gedankliches Nicken entlockte. Das er natürlich nicht sehen konnte, denn noch waren sie beide in das schützende Stasisfeld der Pilotensitze eingehüllt, aber er konnte es durch ihre telepathische Verbindung spüren. Ein Nicken von Carolus, das war so gut wie lautstarkes Lob von jedem anderen. Entsprechend stolz war er dann auch, als sie kurz danach auf unsicheren Beinen die Rampe hinunterstaksten auf das von geschäftigem Betrieb erfüllte Landefeld, tief die künstliche, von zahllosen Gerüchen geschwängerte Luft der Riesenkuppel einatmeten und sich wieder einmal an ihre völlig unzulänglichen, schwachen menschlichen Gliedmaßen gewöhnen mußten, während das Schiff bereits von den Technikern von Nh´Nafress übernommen wurde für die üblichen Versorgungs- und Inspektionsmaßnahmen. Sie beide hätten sonstwas darum gegeben, für alle Zeiten und den Rest ihres langen Matrixtechniker-Lebens - und weit darüber hinaus, denn innerhalb von Stasisfeldern verging keine Zeit - eingeklinkt in den mächtigen Körper und die unzähligen übermenschlichen Sinne des teilorganischen Raumschiffes verbleiben zu können. Sie beide, so wie auch jeder andere, der diese Erfahrung jemals hatte machen dürfen. Aber das sollte nicht sein. Ausgeklügelte Sicherungsprogramme verhinderten, daß jemand länger als eine gewisse vorgegebene maximale Zeitspanne im Pilotensitz des Schiffes verblieb, sofern nicht gerade ein absoluter Notfall vorlag, und die Parameter für einen solchen waren schwer zu erreichen und unmöglich zu fälschen, oder mit anderen Worten: ein derartiges Ereignis war bis heute noch nie eingetreten. Wer sich aber unter normalen Verhältnissen sträubte, den Pilotensitz zu verlassen, mußte durchaus damit rechnen, daß die KI des Schiffes eine der größeren autonomen Einheiten, eine der riesigen schwarzen, spinnenförmigen Cyders, losschickte, um ihn mit Gewalt daraus zu entfernen, bis die vorgegebene Ruhezeit eingehalten worden war. Keine Chancen also in einer Hammer-SyMOr für einen Captain Kirk, der im Film praktisch in seinem Pilotensitz zu wohnen schien, wie Carolus einmal spöttisch bemerkt hatte. Es war nicht vorgesehen, und damit basta! Noch kein Pilot hatte es geschafft, diese Programmierung zu löschen oder ein Hintertürchen auszugraben, mit dem man sie übergehen konnte. Geben tat es sicher eines, die Konstrukteure der Hammer-Werft auf Nh´Nafress waren für ihre Hintertürchen, "Ostereier", "Abkürzungen" und anderen fiesen Überraschungen berüchtigt. Aber als Siwa dieses Mal auf dem Landefeld stand und sich umsah, verstand er, daß die Sache ihren Grund und auch das Leben außerhalb einer SyMOr seine Reize hatte. Er wurde nämlich erwartet, von einem dreiköpfigen Begrüßungskommitee.
"Elfe! Bonecat! Nath!" Begeistert begrüßten sie sich, während Carolus angesichts des jugendlichen Überschwangs der vier vor sich hin lächelte, um dann umvermittelt abzuheben und davonzuschwirren wie Superman persönlich, getragen von den Kräften seiner Fünfermatrix, die er hier auf Nh´Nafress ganz unverfroren benutzen konnte.
Siwa war der erste, der wieder ernst wurde. "Ist irgendwas los?"fragte er. Denn beim letzten Mal, als sie sich gesehen hatten, hatte nicht weniger als das Überleben des gesamten Planeten auf dem Spiel gestanden.
Doch Elfe und Bonecat grinsten weiter wie Honigkuchenpferde, also konnte es nichts Schlimmes sein.
"Und wie!" versprach Elfe.
"Sie machen einen Film!" sprudelte Bonecat heraus.
"Film?" So kurz nach der Trennung von Bordgehirn der SyMOr stand Siwa noch voll auf dem Schlauch. Es dauerte eine Weile, sich wieder an den gewöhnlichen beschränkten Input von Sinnen nach Menschenmaß zu gewöhnen.
"Die großen Bosse haben entschieden, sie brauchen mehr Werbung für die Firma. Also drehen sie einen Film. Mit mehr Product Placement als im letzten James Bond/Disney-Streifen." grinste Elfe mit einem diffusen Fingerzeig nach oben, in Richtung der imaginären "Bosse". "Als ob die Bestellisten nicht eh schon endlos wären."
"Ein Western wird es also nicht." mutmaßte Siwa prompt. Außer es stand neuerdings auch Pferdezucht auf dem Programm der Hammer-Werft, die nicht nur Raumschiffe und gewöhnliche Wassergefährte herstellte, sondern auch alles andere, was gut und supermodern und arschteuer war, einschließlich einer ganze Menge gentechnisch produzierter teil- bis vollorganischer Produkte. "Was dann? Herz-Schmerz? Action?"
Elfe verpaßte ihm prompt einen nur halb gespielten Hieb. "Nein, du Banause! Science Fiction natürlich!"
Science Fiction. Darauf wäre Siwa so ziemlich zuletzt gekommen, noch nach Steinzeitkomödien. Dieses Genre war zur Zeit töter als tot. War es jedesmal, wenn die Entwicklungen der Realität, was Kontakte mit Aliens und fernen Welten anging, die schönsten Phantasien von Drehbuchautoren weit in den Schatten stellten.
"Klar. Werbefilm. Hätte ich drauf kommen müssen." redete er sich schwach heraus.
"Mann, die SyMOr hat dir wohl das Gehirn vermatscht!" erregte sich Elfe angesichts seines deutlich gezeigten Mangels an Begeisterung und zeigte überraschenderweise für ein paar Minuten keinerlei Tendenz, nach Elfenart ins Unsichtbare zu verschwinden. Wenn sie sich aufregte, begann die zierliche Frau auf einmal nach außen abzustrahlen und blieb dadurch wahrnehmbar. "Die drehen einen Film, und wir sind dabei!"
Aha, die Sache wurde schon deutlicher. "Was. Wir kriegen die Hauptrollen?"
Sie giggelte. "Nicht ganz. Für die Hauptrollen brauchen sie Schauspieler, die dem vorgegebenen Aussehen der Rollen entsprechen. Da hätten wir nur eine Chance, wenn wir uns Tarnungen umhängen - aber die anderen Rollen werden alle mit Firmenmitarbeitern besetzt! Die Rolle des Oberfieslings ist schon vergeben, die bekommt einer aus der Konstruktionsabteilung --"
Jetzt verstand Siwa, warum die beiden Lehrlingskollegen so lachten.  Er lachte auch. "Das paßt. Die sind allesamt von Natur aus Bastarde, ganz ohne Schauspielausbildung. Da wird der "Held" sich mächtig anstrengen müssen, damit der Bösewicht ihn nicht gnadenlos an die Wand spielt!"
Bonecats Augen spielten auf einmal in einem violetten Farbton, und auch Elfes Gesicht zeigte diesen typischen Ausdruck -- Siwa seufzte. "Was jetzt? Also spuckt es schon aus. Wo ist der Pferdefuß?"
Elfe tauschte Blicke mit Bonecat, und der Dhoanor mit rötlich getüpfeltem Pelz begann zögernd: "Deswegen haben sie uns, und vor allem dich, gerufen. Weißt du, der Hauptdarsteller soll einen  mutigen Weltraumhelden spielen. Und unsere Bosse wollen sicher sein, daß sie sich da keine Fehlbesetzung einhandeln. Deshalb... wollen sie ihn nach Otrona schicken."
Nach Otrona II? Damit er dort lernte, was man bei einem Aufenthalt in einer echten Weltraumstation im echten Weltraum so draufhaben mußte, so daß er es später vor der Kamera glaubhaft mimen konnte? Das war doch kein Problem...
"Nein." zerstörte Elfe gnadenlos seinen Gedankengang. "Nicht nach Otrona II. Nach Otrona I. Auf den "Stern der Verbrecher"."
Siwa verschluckte sich fast, und dann spuckte er los. "Nach Otrona I? Unmöglich, das können die nicht machen, da überlebt ein unbedarfter Schauspieler doch keine zehn Minuten!" Ja, verdammt, er wußte genau, daß sie es machen konnten, das war genau die Tour, die er den berüchtigten "evil Overlords" der Hammer-Werft zutraute.
"Oh, und weil ich mich da so gut auskenne, soll ich dabei den Anstandswauwau spielen, was?" zog er prompt den richtigen Schluß. Elfe und Bonecat nickten unisono, und er zog eine Schnute. "Glauben die, ich bin kugelsicher? Oh, bin ich ja fast. So ungefähr. Oder so." maulte er vor sich hin, während sie alle vier per pedes dem nächsten Zugang zur Untergrundbahn zustrebten, der sich hinter den Abfertigungshallen und unter einem eigenen kleinen Schutzfeld befand. Klar, sie hätten bis zu ihrer Unterkunft auch fliegen können, die Kraft ihrer zwei Dreier und Bonecats mittlerweile gut trainierter Einser hätte locker gereicht, sie alle vier zu tragen und in ein eigenes Schutzfeld zu hüllen, aber auch ein Matrixtechnikerlehrling mußte sich hin und wieder mal die Beine vertreten. Insbesondere nach einem Flug über mehrere tausend Lichtjahre.
"Wieder mal eine der Schnapsideen der Benu, ich hab´s gewußt!" schimpfte Siwa leise vor sich hin. Otrona I, der sogenannte Stern der Verbrecher, trug seinen Namen nicht umsonst. Die uralte Raumstation hatte seit Jahrhunderten alles gesammelt und aufgenommen, was man auf dem Planeten, den sie umkreiste, nicht mehr hatte haben wollen. Zuerst von Dhoan-Sek, in dessen Umlaufbahn sie erbaut worden war, später von Shive, und jetzt kreiste sie seit geraumer Zeit um Sonabir, den zweiten Planeten der Sonne Dhoan. Dort gab es zum Glück keine eigenen Lebensformen, die Verbrecher hätte hervorbringen können, nur einige Bergbauanlagen und Forschungsstationen, deren Besatzungen glücklich waren, nach Ableistung ihrer Kontrakte wieder auf ihre eigenen Welten zurückkehren zu können. Es reichte auch so schon, was sich mittlerweile auf Otrona I so tummelte, mehr schlecht als recht im Zaum gehalten vom sogenannten "Rat" der Raumstation, der sich aus den größten Gangstern des ganzen Dhoan-Systems zusammensetzte, und ihrem halbseidenen "Präsidenten" Andreou, den Siwa persönlich kannte. Andreou war aber erst später Präsident geworden, nach den Ereignissen, denen Siwa seine beinahe intimen Kenntnisse von Otrona I verdankte.
"Und was sagt der Pechvogel dazu? Der Schauspieler, meine ich?"
"Der wird gar nicht gefragt." Auch Elfe zog jetzt eine Schnute. Auch ihr mußte nicht alles gefallen, was man sich in der Chefetage ausdachte. "Man hat ihm einen Portschlüssel untergejubelt."
Siwa stoppte so abrupt, daß Nath, der Diener, der ihm getreu und glücklich sein spärliches Gepäck hinterhertrug, beinahe auf ihn draufprallte. "Hat? Heißt das, er ist schon dort?"
"Ist er. Aber sie haben gesagt, daß du noch rechtzeitig ankommen wirst."
Zeitmanipulation also auch noch. Die Sache mußte irgendwem wirklich wichtig sein, daß man sich auf so etwas einließ. Na, hoffentlich ließen sie ihm wenigstens die Gelegenheit, das Wiedersehen mit seinen Lehrlingskollegen und Nath ordentlich zu feiern, bevor er ohne die eigentlich geplante Landung auf Dhoan-Sek nach Otrona I weiterflog. Die letzten paar Monate hatte er auf der Erde verbracht, zuhause in Lyon´s Home, das trotz Maximilians aufopfernder Vollzeittätigkeit hin und wieder auch die Hand seines wahren Herrn fühlen mußte, und bei verschiedenen Aufträgen, die er als Dreierlehrling für seine Brötchengeber zu erfüllen hatte. Nicht zu vergessen die Sache mit den Drachen - nein, über Langeweile konnte er sich wahrlich nicht beklagen. Und jetzt auch noch Schutzengel spielen für einen unbedarften Schauspieler, was bedeutete, daß sein Besuch bei seinen Freunden auf Dhoan-Sek sich wieder auf unbestimmte Zeit verschieben würde... seine Begeisterung hielt sich wahrlich in Grenzen.
« Letzte Änderung: 30. August 2012, 21:32:51 Uhr von DAOGA »

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #1 am: 5. September 2012, 22:13:07 Uhr »
Das gleiche konnte zu dieser Zeit auch ein gewisser Frans Hauser behaupten. Harmlos ausgedrückt. So genau wußte er immer noch nicht, ob das hier die Realität oder nur ein sehr intensiver Alptraum war. Gezwickt hatte er sich schon, unmittelbar nach seiner Ankunft hier, wo immer "hier" sein mochte, denn solch eine Umgebung hatte er nie zuvor zu Gesicht bekommen. Der Schmerz war heftig gewesen, der Effekt jedoch ausgeblieben, denn er war immer noch "hier". Und es sah und hörte und fühlte sich so echt an wie alles andere, wenn er wach war. Seine Umgebung war... fremdartig. Da war kein Himmel, den er sehen konnte, nur Metallwände, wo er auch hinblickte. Manchmal mit Kunststoffen verkleidet, die wahlweise Naturstein oder, in bunten Farben, eine natürliche Umgebung vortäuschen sollten, viel häufiger jedoch mit Graffiti der unbekannten, aber leicht zu verstehenden Art beschmiert, denn gewisse Dinge schienen universal zu sein. Universal, das war Frans sofort in den Sinn gekommen, als er den ersten Bewohner dieses Ortes zu Gesicht bekommen hatte. Dabei hatte es sich nämlich keineswegs um einen Menschen gehandelt, sondern um ein auf zwei Beinen dahinwandelndes, mit einer kurzen Hose bekleidetes Katzenwesen mit deutlich ausgeprägter Tigervisage. Während Hauser zu Stein erstarrte und sich fast in die eigene Unterbekleidung machte, warf das Wesen ihm nur einen undeutbaren Blick aus sonderbar großen und buntgestreiften Augen, so gar nicht wie die Augen einer irdischen Katze, zu und strebte weiter. Es dauerte eine Weile, bis der junge Schauspieler seinen Atem wieder unter Kontrolle hatte und sein Herz nicht mehr bei jedem Schlag versuchte, ihm aus dem Hals zu springen. Langsam und sehr vorsichtig wagte er sich weiter und begegnete weiteren Bewohnern, Katzenwesen, die den verschiedensten Rassen der Gattung der Feliden entsprungen zu sein schienen, von Tigern und Löwen über gefleckte Kleinkatzen bis hin zu Säbelzahntigern, und Mitgliedern einer ganz anderen Spezies, die aussahen wie schlanke, meist aufrecht gehende, vierarmige Eidechsen mit grünlich-brauner Schuppenhaut. Die meisten dieser Wesen waren größer als Frans Hauser, der mit seinen Einsneunzig schon zu den größeren der Gattung Mensch zählte, und allein dem bloßen Aussehen nach einem Menschen körperlich überlegen mit ihren scharfen Krallen und Fangzähnen, ihren unter Fell und Schuppen sichtbaren Muskeln und ihren blitzschnellen Reaktionen, doch schien es keines davon unmittelbar auf ihn abgesehen zu haben. Sie nahmen ihn durchaus wahr, doch die Reaktionen auf seine Anwesenheit bestanden aus nicht mehr als einem wachsamen Seitenblick und vielleicht einem kurzen Zucken pelziger Katzenohren hier und da, während sie alle ihren Tätigkeiten nachgingen oder einfach müßig abzuhängen schienen. Nachdem die ersten Wesen, denen er begegnet war, nicht daran dachten, über ihn herzufallen, hatte Frans es für die beste Taktik gehalten, einfach so zu tun, als gehöre er dazu. Niemanden belästigen oder aufdringlich anstarren, denn das mochte bei diesen Aliens einen Angriff provozieren, und sich langsam fortbewegen, zu schnell für einen Müßiggänger, aber ohne Eile und die Augen nach vorne gerichtet, als habe er durchaus ein bestimmtes Ziel... eine Taktik, die zu funktionieren schien. Als Durchschnittsmensch und in dem grauen Oberall, den er seit seiner Landung trug, schien er hier nicht weiter aufzufallen...
Da! Fast hätte er es übersehen!
Drei Personen trudelten aus etwas heraus, was durchaus die hiesige Version einer Kneipe sein konnte, und eine der Personen war eindeutig ein Mensch! Eingeklemmt zwischen zwei der Katzenwesen schwankte der Fremde, fröhlich ein obszönes Trinklied gröhlend, davon. Seine haarigen Begleiter schienen genauso angedröselt zu sein wie er, nur mit Mühe hielt die Dreiergruppe sich gegenseitig auf ihren insgesamt sechs Beinen. Nichts ließ darauf schließen, daß der Fremde in Bedrängnis war, wenn man von der einen oder anderen Kratzwunde, die er sich von seinen scharfkralligen, sorglos untergehakten Kumpanen zweifellos einhandelte, absah... Hauser ging weiter. Der Geruch, der aus dem Lokal drang, stieß ihn ab, sonst hätte er jetzt dort vielleicht sein Glück versucht, ob dort noch mehr menschliche Wesen zu finden waren. Aber seiner Nase nach war dort offenbar gerade so etwas wie Reizgas versprüht worden, wahrscheinlich hatten die fröhlichen Zecher deswegen das Weite gesucht. Hauser fühlte sich trotzdem erleichtert. Also gab es hier Menschen, deshalb ignorierten ihn die Aliens, und mit etwas Glück blieb das auch so, bis er endlich erfuhr, was zum Teufel hier los war. Er erinnerte sich...

Statt auf einen Anruf seines Agenten zu warten, war er selbst den ganzen Tag unterwegs gewesen, hatte mehrere Studios darauf abgeklopft, ob dort heute oder vielleicht demnächst eine Rolle, und sei es nur die für einen kurzen Werbespot oder eine Massenszene, zu besetzen wäre. Es kam häufiger vor, daß ein Akteur kurzfristig ausfiel oder absagte, und dann bekam der die Chance, der gerade frei und greifbar war, insbesondere bei schnell abgedrehter, kurzlebiger Ware wie einem Werbe-Jingle. Im Filmbusiness war Zeit gleich Geld, und warten würde ein Regisseur allenfalls auf die hochbezahlten Diven mit den berühmten Namen, und selbst das nur maximal ein- oder zweimal, nicht jedoch auf jederzeit zu ersetzende No-Name-Schauspieler, die sich zu Dutzenden in den Studios herumdrückten. Die Konkurrenz war immens in diesem Geschäft, und Frans Hauser hatte es bisher noch nicht geschafft, von sich reden zu machen, genauso wie so viele andere, die irgendwann ihre Liebe zur Schauspielerei entdeckt hatten und jetzt meinten, die Welt müsse ihnen offenstehen, während sie sich mehr schlecht als recht mit Statistenrollen im Theater oder bei drittklassigen Fernsehproduktionen durchschlugen, die ihnen manchmal nicht einmal das Geld für die monatliche Miete einbrachten. Und was hatte er zu bieten, was die anderen nicht hatten? Frans wußte, daß er gut aussah, mit seinem gut trainierten Körper und einem offenen jungenhaften Gesicht, aber das tat praktisch jeder, der von der großen Karriere vor der Kamera träumte, und der Rest leistete sich einen Schönheitschirurgen. Sein deutscher Name war nicht mehr unbedingt ein Makel, seit den Amerikanern ausländische Zungenbrecher wie beispielsweise Schwarzenegger geläufig waren, und er war immerhin kurz genug, um als Künstlername durchzugehen. Und auch sein flammendrotes Haar, sein größtes Manko, konnte dank rothaariger Größen wie Robert Redford oder Sean Bean heute vor der Kamera bestehen. Seinen niederländisch angehauchten deutschen Akzent hatte er schon als Kind verloren, bald nachdem seine Eltern über den großen Teich gemacht hatten, aber er beherrschte immer noch genug von der Sprache, um beispielsweise eine Nebenrolle als fieser Nazischerge oder verrückter deutscher Wissenschaftler ausfüllen zu können. Es gab Gerüchte, daß Quentin Tarantino einen Actionstreifen mit Nazis plante, und Frans gedachte seinen Agenten darauf anzusetzen. Aber auf Gerüchte konnte niemand seine Zukunft aufbauen, auch Frans Hauser nicht. Das alles war nicht genug. Etwas fehlte. Die große Chance, der unerwartete Sprung nach vorne, der berühmte Zufall, der sein Leben ändern würde...
Gegen Abend kehrte er müde und erfolglos in sein winziges Appartement im fünften Stock eines heruntergekommenen Mietshauses zurück. Aus der Wohnung im ersten Stock erklang empörtes Kindergeschrei. Doch gerade als er hoffte, diesmal unbemerkt die Treppe emporschleichen zu können -der Lift ging schon seit Wochen nicht - erschien doch noch seine Vermieterin in der Tür. Statt ihn gleich wegen der wieder einmal ausstehenden Miete zusammenzustauchen, hielt sie ihm einen bauchigen großen Umschlag vor die Nase. "Das war für Sie in der Post. Ich will sehr hoffen, daß es eine fette Erbschaft ist, oder wenigstens ein Angebot von Hollywood. Sonst können Sie Ende dieses Monats Ihre Sachen packen und ab sofort in Ihrer Luxus-Limousine nächtigen!"
"Jawohl, Mrs. Strangewell," seufzte Frans, der im Gespräch mit dieser Frau jedesmal mit voller Absicht sein Deutsch herauskehrte, um das zu kaschieren, was er über sie dachte, und nahm das Kuvert und die restliche Post entgegen. Ohne zuerst einen Blick darauf zu werfen, verflüchtigte er sich in seine Wohnung, froh, daß er heute der üblichen längeren Standpauke entgangen war. Und er wußte genau, daß er sich in seiner Lage noch glücklich schätzen durfte. Er wußte von Leuten, die fest angestellt waren und sich trotzdem keine feste Bleibe leisten konnten, die jede Nacht draußen in der Wüste im Schlafsack verbrachten und morgens vor der Ankunft im Büro irgendwo unterwegs an einer Tankstelle duschten und sich rasierten... der alltägliche Alptraum des American Way of Life.

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #2 am: 25. September 2012, 16:05:47 Uhr »
Die Post landete auf der abgenutzten, schäbigen Couch, und Frans fuhr als erstes aus Anzug und Schuhen. Als zweites riß er erst einmal die Fenster auf und sog die smoggeschwängerte, hier oben nach sonnengewärmtem Staub, bröselndem Ziegelwerk und Taubendreck riechende Stadtluft ein. Die Klimaanlage funktionierte synchron mit dem Lift, das hieß, den größten Teil des Jahres nicht, und zu dieser Jahreszeit verwandelte die Sonnenhitze sein Appartement regelmäßig in einen Brutofen, mit ein Grund, warum die Miete so niedrig war. Niedrig hieß aber leider nicht nichtexistent... nach dem nötigen Besuch des winzigen Örtchens und einer nur am Anfang von etwas rieselndem Rost gestörten Dusche konnte er sich endlich auf der Couch ausstrecken, nur noch mit Shorts bekleidet, Bananenmilch aus der Kühlbox und ein unterwegs gekauftes Sandwich auf dem Abstelltisch neben sich, und sich der Post widmen. Ein paar Rechnungen, jede Menge Werbung... und das große Mystery-Kuvert. Sein Name und seine Anschrift waren korrekt auf das braune Papier aufgedruckt, aber statt eines Absenders gab es nur ein goldfarbenes Emblem, das eines modisch stilisierten, aufsteigenden Phönix in einem flammenden Sonnenreifen. Frans konnte sich nicht erinnern, dieses auffällige Symbol schon einmal gesehen zu haben in diesem Land, in dem jeder stolz war auf sein persönliches Company-Logo. Er riß den Umschlag auf. Weißes Papier war darin, die Titelzeilen nebst Firmenlogo nobel in gold-rot-schwarz gedruckt - ein Rollenangebot! Sie hatten nicht einfach seinen Agenten kontaktiert, sondern ihn direkt angeschrieben, so als gäbe es noch kein Telefon? Höchst ungewöhnlich. Frans studierte das Schriftstück genau. Die Firma Benu Incorporated, von der er noch nie gehört hatte, beabsichtigte demnach, einen Werbefilm für ihre Produkte zu drehen, allerdings keinen Kurzfilm von wenigen Minuten Dauer, sondern einen richtigen Film von Spielfilmlänge, "to run in cinemas all over the world", wie es hieß. Das geplante Genre war Science Fiction, jedoch stand kein Titel dabei, noch irgendein Hinweis, ob der Film eventuell auf einem bekannten Buch basierte. Vielleicht war es ja ein so streng geheimes Projekt wie damals der erste Batman-Streifen, bei dem jede Drehbuchzeile und jedes Standfoto wie ein Staatsgeheimnis behandelt worden war, überlegte Frans, und man wollte noch keine Pferde scheu machen, solange er noch nicht zugesagt hatte. Die nächste Dreierreihe von "Star Wars"-Episoden konnte es jedenfalls nicht sein, so geheim konnte George Lucas ein neues Projekt gar nicht halten, daß nicht zumindest Gerüchte in der ewig brodelnden Gerüchteküche des Filmbusiness von L.A. und San Francisco aufgetaucht wären. Außerdem hätte dieser Regisseur kaum einen Film explizit als "Werbefilm" bezeichnet, die Actionfiguren und Comics und sonstigen Ableger zu seinen Filmen waren reine Selbstläufer... nein. Lucas zumindest schied aus. Frans las weiter.
Er sollte nicht weniger als die Hauptrolle erhalten. Starkes Stück, fand er, für eine Firma, die er nicht mal kannte, die aber ihn recht gut zu kennen schien. Nun ja, vielleicht hatten sie doch auf irgendwelchen Umwegen von seinen Qualitäten erfahren. So wie alle angehenden Schauspieler versuchte er in möglichst vielen Positiv-Karteien verfügbarer Kräfte zu erscheinen. Aufgabe seines Agenten war es dann, hoffnungsvollerweise, die eingehenden Aufträge zu sichten und die Spreu der Kurzzeitjobs vom Weizen des wahrhaft Lukrativen zu trennen. Obwohl er im Augenblick schon mit purer Spreu zufrieden gewesen wäre... er sichtete den Rest des Blätterberges. Es war bereits der komplette, ausgearbeitete Arbeitsvertrag für die Dreharbeiten, deren Dauer auf etwa ein Jahr geschätzt wurde. Forderungen wurden gestellt. Er würde für die Dauer an den Drehort umziehen müssen, was im Klartext hieß, daß nicht in den hiesigen Studios gedreht werden würde. Vielleicht in einem der Studios in Kanada, was keineswegs ungewöhnlich war, da Kanada Film- und Fernsehproduktionen recht großzügig förderte. Frans war durchaus nicht abgeneigt, einen solchen Sprung zu wagen. Vorab, und um sich abzusichern, verlangte die Firma eine Spanne von einigen Tagen für Testaufnahmen. Einige Tage, das hieß wohl, man wollte mit ihm schon auf Nummer sicher gehen. Normalerweise war das eine Sache von maximal einer Stunde, Wartezeiten nicht mitgerechnet, bestehend aus Vorsprechen, einige schnell memorierte Zeilen mit dem geforderten Gefühlsausdruck vortragen, vielleicht ein schnelles Take mit der Kamera, und dann, das "Ja" oder "Wir kommen vielleicht auf Sie zurück" des zuständigen Regisseurs, wobei letzeres fast immer gleichbedeutend mit einer Absage war. Der Löwenanteil des Vertrags bestand aus den üblichen Paragraphen, Absicherungen und Klauseln, die er schon von früheren Engagements her kannte, und die ihm sein Agent einmal erklärt hatte. Ein Drehbuch oder zumindest Ausschnitte desselben, die es ihm ermöglicht hätten, sich auf die beabsichtigte "Richtung" seiner Rolle einzustimmen, lag nicht dabei. Geheimhaltung, oder war der Inhalt an sich nicht so wichtig, solange er nur eine gute Figur machte, egal was er spielen sollte? Oder wußte man gar von seiner Notlage und war sicher, daß er gar nicht ausschlagen würde? -
Aber da waren ein paar Sachen, die ihn stutzig machten. Wenn er sich bewährte, hieß es da, könne er mit weiterer Beschäftigung, vielleicht sogar einer Daueranstellung rechnen... Klauseln betreffend eventueller Fortsetzungen eines Films, falls er unerwartet ein Publikumserfolg werden sollte, waren keine Seltenheit, aber "Daueranstellung"? So etwas gab es in Amerika höchst selten und in Hollywood grundsätzlich nicht - oder allenfalls für hochdotierte Spezialisten, die hinter den Kulissen wirkten und deren Wissen in Bezug auf Spezialeffekte als unverzichtbares Firmengeheimnis galt. Nie jedoch für einen Durchschnittsschauspieler, der jederzeit durch einen anderen ersetzt werden konnte. Sonderbar... erneut las er den Vertrag durch. Das Gehalt, das ihm angeboten wurde, war für seine Verhältnisse üppig, und vermutlich angemessen für eine No-Name-Hauptrolle in einem Film, bei dem schon von vorneherein auf seinen rein kommerziellen Charakter hingewiesen wurde. Rick, sein Agent, würde jubeln, falls er nicht schon davon wußte, der erste wirklich bedeutende Vertrag für Frans Hauser - samt dem entsprechenden Honorar für Rick... Falls Frans mit der mehrtägigen Testphase einverstanden war, so hieß es ganz am Schluß des Papierwusts, solle er an der vorgegebenen Stelle unterschreiben. Natürlich würde Frans den ganzen Vertrag an Rick weitergeben und dieser ihn erst mal gründlich durchforsten, ihn auf hinterhältige Klauseln abklopfen und gegebenenfalls hier und da Nachbesserungen für seinen Mandanten einfordern, all diese Dinge tun, für die ein anständiger Agent zuständig war. Aber wegen ein paar Testaufnahmen würde er auf jeden Fall unterschreiben, zumal da hier nichts von einer Reise nach Kanada oder sonstwohin stand. Bevor er den Stift zückte, blätterte er noch einmal vor und zurück, und dann wußte er auf einmal, was ihn noch gestört hatte. Nirgendwo stand eine Anschrift dieser Firma Benu Inc., weder auf dem Briefkopf, noch auf dem Umschlag, noch irgendwo im Vertrag selbst. Die aufgeführten Namen der Geschäftsführung waren ihm unbekannt und klangen samt und sonders ausländisch, auf eine Art, die er auf Anhieb keinem bestimmten Land zuordnen konnte. Keine Anschrift, und, noch extremer, keine Telefonnummer - das hieß, entweder erhielt Rick diese Daten direkt von der Firma, oder... was oder? Für einen dummen Scherz wäre die Anfertigung dieses ganzen Schriftstücks etwas zu aufwendig gewesen. Das Papier war nämlich schwer und teuer, handgeschöpft mit einem verschlungenen, unbekannten Wasserzeichen, aus dem Frans erst nach einigem Nachdenken und gegen-das-Licht-halten das Emblem des Phönix im Flammenkranz wiedererkannte. Nun ja, heute war er zu müde, aber morgen würde er als allererstes Rick aufsuchen und die Sache klären. Nur die Unterschrift wegen der Testaufnahmen wollte er heute noch auf das Papier setzen, notfalls konnte er es immer noch im Papierkorb entsorgen, wenn die Sache unkoscher war. Der Kugelschreiber huschte über das Papier --

und im nächsten Augenblick erfaßte ihn ein irrsinniger Wirbel, der ihn vor Schreck aufschreien ließ. Wie in einer irrsinnigen Vision glaubte er mitzuerleben, wie dieser Tornado aus dem Nichts ihn durch die Decke seiner Wohnung, durch das flache Dach und immer höher emporriß, bis es - in Sekundenbruchteilen! - erst tiefblau und dann schwarz um ihn wurde, als würde er weg von der Erde hinein in den Weltraum gerissen --
und was danach geschah, bekam er nicht mehr mit. Er wurde ohnmächtig.
« Letzte Änderung: 25. September 2012, 16:39:42 Uhr von DAOGA »

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #3 am: 2. Oktober 2012, 14:46:25 Uhr »
Als er irgendwann später erwachte, lag er auf einem harten Boden. Und es stank. Was daran lag, daß der Boden, der viel zu nahe an seinem Gesicht war, nicht unbedingt sauber genannt werden konnte, die Metallplatten (Metall? In seiner Wohnung? Was zum Geier hatte er getrunken, daß er sich nicht erinnern konnte, sie verlassen zu haben?) waren bedeckt mit einer undefinierbaren Mischung, die sich im wesentlichen aus zusammengebackenem Schmutz unbekannter Herkunft, Staub und irgendwelchen öligen Bestandteilen zusammensetzte. Angeekelt setzte er sich auf und starrte auf seine Kleidung. Befand er sich gerade in einem Dreh, und war ungünstig gefallen, hatte er sich vielleicht den Kopf gestoßen, weil er so total einen Filmriß hatte? Wo war die Kamera, und das zornesrote Gesicht des Aufnahmeleiters, der gleich "Cut!" brüllen würde, gefolgt von der Anforderung des Studioarztes und diversen auserwählten Flüchen und der Hektik unter den Mitarbeitern, die darauf folgte... aber die Lichter, die auf ihn herabschienen, waren keine grellen Filmscheinwerfer, sondern ordinäre Neonröhren, er sah weder einen Aufnahmeleiter noch irgendjemand sonst, hörte niemanden büllen, und er fühlte auch nicht die Kopfschmerzen, die er mit einem Stoß gegen den Kopf oder einem simplen Kater in Verbindung brachte. Er sah an sich herab. Das letzte, an was er sich erinnerte, war, daß er nur mit Shorts bekleidet in seinem überhitzten Appartement gesessen und über ein ungewöhnliches Angebot nachgedacht hatte. Er hatte unterschrieben -- Filmriß. Jetzt trug er so etwas wie einen grauen Overall mit passenden bequemen Stiefeln, mit einem leuchtendblauen Emblem auf der linken Brustseite, das wieder - er schielte nach unten - den Phönix im Flammenkreis zeigte, diesmal umgeben von einem roten Kreis. Hatte er die Testphase etwa schon angetreten und erinnerte sich nur nicht, vielleicht weil er zur Feier des ersten guten Auftrags mit Rick einen zu viel gehoben hatte? Aber so etwas hatte er noch nie getan, und würde er vermutlich auch nicht tun, denn es hätte beim Auftraggeber höchst unprofessionell gewirkt, am ersten Tag gleich mit den deutlichen Spuren eines Katers aufzutauchen... für alle Fälle, daß er eingeschlafen war und das ganze hier nur träumte, zwickte er sich, und zuckte zusammen. Der Schmerz war real genug, und seine Umgebung weigerte sich standhaft, sich in bekanntere Gefilde zu verwandeln, sie blieb irgendeine Sackgasse zwischen Metallwänden, unter ihm der nicht zu saubere Boden, über ihm eine unverkleidete Metalldecke mit abgehängten Neonröhren, die zumindest ein angenehmeres Lichtspektrum zu haben schienen als die üblichen Röhren, die er von diversen Büros kannte. Wo war er hier, vielleicht in einem abgelegenen Teil eines Studios? War er unter Räuber gefallen, vielleicht unter Drogeneinfluß hierhergeschafft worden, damit er nicht störte?... bei was störte? Wie lange hatte er dort auf dem Boden gelegen? Es gab nur eine Methode, das herauszufinden, bevor seine Phantasie endgültig mit ihm durchging. Er machte sich auf den Weg. Es gab keine Tür und keine Absperrung, die ihn hinderte. Er bog um eine Ecke und stellte fest, daß hier so etwas wie ein breiterer Gang verlief, immer noch Metallwände, Neonröhren an der Decke und verschiedenes herumstehendes Gerät, das offenbar nicht der Bodenreinigung diente, weil es hier genauso schmutzig war wie in der kleinen Sackgasse hinter ihm. Und da kam jemand den Gang entlang, mit fast unhörbaren, geschmeidigen Schritten. Frans erblickte den Kommenden, und er vergaß alle Fragen, die er hatte stellen wollen. Stattdessen wurden ihm die Knie weich. Denn der, der da kam, war kein Mensch. Und das war keine Maske, die diese nahende Person trug, Frans hatte genug davon in seiner Zeit am Theater gesehen, um echt und nachgemacht auf Anhieb unterscheiden zu können. Nein, dieser Nicht-Mensch war echt... es war ein aufrecht gehendes, bepelztes Tigerwesen! Hausers trainierte Schauspieler-Sinne konnten nicht anders, als das Gesehene sofort zu analysieren, während er vor Schreck fast auf der Stelle festfror. Der Rumpf des Wesens war breiter gebaut und seine Gliedmaßen länger als bei einem normalen Tiger, und es bewegte sich geschickt und flink, mit geschmeidigen Bewegungen auf seinen zwei Beinen vorwärts, also ganz anders als ein Zirkustiger, der sich vor seinem Dompteur auf die Hinterbeine stellte und ungelenk hüpfte. Es war vielleicht einen Kopf größer als Frans, und der Schauspieler war sich sicher, daß in dieser Katzenschnauze mindestens zwei lange, scharfe Reißzähne staken, vielleicht auch einige mehr. Aber das Wesen zeigte seine Zähne nicht. Seine Augen, seltsam große Augen mit einem senkrechten farbigen Streifenmuster, die mehr an die Facettenaugen bestimmter Insekten erinnerten als an die einer Großkatze, starrten Frans an. Oder vielleicht starrten sie das Symbol auf dem Brustteil seines Overalls an, Frans konnte sich nicht sicher sein bei diesen unmöglichen Augen. Jedenfalls starrte "es" ihn an - und strebte vorbei. Ohne stehenzubleiben oder auch nur im Schritt abzubremsen, ohne ihn anzusprechen, anzuspringen, was auch immer... es ignorierte ihn einfach. Nur ein kurzes Ohrenzucken, als es vorbeiging, als erwartete es halb, von ihm angesprochen zu werden - und Frans sah, daß sich die Ohren des Wesens in seine Richtung nach hinten drehten, während es geschmeidig davonglitt. Es ignorierte ihn bewußt, aber es traute ihm nicht ganz über den Weg - so sah es Frans. Nun, vielleicht hatte er es einfach zu aufdringlich angestarrt in seinem Schrecken. Er blieb noch einige Augenblicke stehen, bis sich sein Herzschlag wieder so einigermaßen beruhigt hatte, und setzte dann seinen Weg fort. Bald traf er auf andere Katzenwesen, die ihn genauso ignorierten wie das erste Exemplar, dann auch auf die Eidechsen, die hier die Funktion von chinesischen Kulis zu erfüllen schienen, weil er sie kaum einmal unbeladen antraf, wenn sie auf den breiten Gängen dieses sonderbaren Ortes unterwegs waren, und so war er schließlich hier gelandet, bei einer Kneipe und dem ersten Beweis, daß es hier auch menschliche Wesen gab. Inzwischen war er auf einer noch breiteren "Hauptstraße" angekommen. Die außerirdischen Entsprechungen von Läden, Lokalen, Werkstätten und Büros säumten den Weg, Katzenwesen und Eidechsen und sogar Miniaturausführungen derselben, die nur Kinder sein konnten, belebten die Straßen, kleine Elektrofahrzeuge kurvten herum und transportierten Lasten, die die vierarmigen Echsen nicht bewegen konnten oder wollten, Gruppen standen herum und diskutierten irgendwelche Dinge, Verkäufer und Käufer feilschten um Preise, einzelne Personen befaßten sich mit ihren breiten, tastenbestückten Armbändern, die die Funktionen eines Allzweckkommunikations- und Unterhaltungsgeräts zu erfüllen schienen, Bekannte begrüßten einander... ganz normaler Alltag an diesem Ort, und niemand achtete auf Frans. Er konnte irgendwie fühlen, daß zahlreiche Augen auf ihn gerichtet waren, auf ihn oder vielleicht auf die Phönix-Plakette auf seinem Overall, aber niemand trat bewußt auf ihn zu und fragte ihn nach woher und wohin.
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Offline Felixx

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #4 am: 2. Oktober 2012, 17:36:20 Uhr »
Auch auf die Gefahr hin, jetzt als totaler Depp dazustehen....

 [mindoubt]

Wann tauchen dann unsere bekannten Helden auf?
 [jump]
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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #5 am: 4. Oktober 2012, 08:06:00 Uhr »
Hier geht es um eine Filmproduktion, nicht um unsere "Helden"! Deshalb poste ich die Geschichte ja auch hier und nicht unter CF-Fanfiction. Diese Geschichte spielt in "meinem" 2772-Universum, und da exisitert CF nur, wie in unserem, als Pulp- und Animeserie. Welche Rolle Frans übernehmen soll, ist ja wohl klar. Aber bevor er das tun kann, muß er erst die Testphase überleben bestehen...  :-\

Offline Felixx

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #6 am: 4. Oktober 2012, 08:32:19 Uhr »
Ok, ok, ich bin der Depp..... :-[

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #7 am: 4. Oktober 2012, 08:55:31 Uhr »
*no comment* Aber ich hoffe, Du liest trotzdem weiter mit...  :-*  ;)

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #8 am: 11. Oktober 2012, 12:36:09 Uhr »
Frans las die Beschriftungen der Schilder an und in den Läden und studierte neugierig kleine Plaketten aus Plastik an den Hausecken, die auf Durchgänge zwischen den Geschäftsbetrieben und kleinere Betriebe und Wohneinheiten in diesen hinteren verwinkelten Bereichen hinwiesen. Manche Plaketten waren alt und verschmutzt oder mit Graffiti überzogen, andere relativ neu und leuchtend. Abermals dauerte es eine Weile, bis Frans es bemerkte. Er las - und verstand! - Schriftzeichen, die definitiv nicht dem lateinischen Alphabet entstammten, die mehr einem Mix aus einfachem Japanisch und Hebräisch mit Einschlägen ins Griechische ähnelten - rein von der Optik her, nicht vom Inhalt - und die keiner der Sprachen entstammten, die er gelernt hatte, nämlich amerikanisches Englisch, Deutsch, Niederländisch und ein weing Spanisch. Trotzdem verstand er sie. Warum? Wie kam das zustande? Und auch die dazugehörige Sprache verstand er, wenn er im Vorbeigehen Gesprächsfetzen aufschnappte oder Meldungen aus einem auf Mithörlautstärke geschalteten Armbandgerät - eine bellende, hustende Geräuschfolge, wenn sie von den Katzenwesen stammte, und eine zischelnde, lispelnde Variante von den Echsenwesen.
Mittlerweile begriff er gar nichts mehr. Da waren weitere Dinge, die ihm auffielen. Die Fenster in den Gebäuden beispielsweise, und die Türen. Erstere waren grundsätzlich fest eingebaut, bestanden aus dickem Sicherheitsglas und sahen so aus, als ließen sie sich nur mit Gewalt öffnen, letztere waren extrem massiv, fast so dick wie die Wände, und mochten im geschlossenen Zustand sogar luftdicht sein. War das gedacht zum Schutz vor Überfällen, die bei so wehrhaften Bewohnern, selbst wenn sie sich im Augenblick in seiner Umgebung gesittet verhielten, an der Tagesordung sein mochten, oder gab es hier andere Bedrohungen - Giftgase vielleicht, oder eine unverträgliche Atmosphäre? Denn das alles hier lag nicht unter freiem Himmel, sondern unter neonlampenbestückten Metalldecken. Befand sich das alles hier vielleicht tief unter der Erde, oder an einem ganz anderen Ort? Die Fragen drängten stärker, als Frans ein Stück weiter eine massive Mauer erreichte, die diesen Stadtteil abzuschließen schien, und er die gigantischen Schottenwände aus massivem Metall sah, mit denen das riesige Tor im Notfall luftdicht versiegelt werden konnte. Seitlich des Tors fand er schließlich, was er hier halb erwartet hatte zu finden, nämlich so etwas wie eine Stadtkarte, einen elektronischen Wegweiser.  Interaktiv sogar, er verriet auf Knopfdruck alles, was man zu diesem Ort wissen mußte. Frans ging das ganze Menü mehrfach durch, um auch ja keine Seitenverweise auszulassen, und seufzte dann schwer. Wenn das Ding und seine ganze Umgebung ihn nicht anlogen, dann befand er sich hier weder auf der Erde noch in irgendeiner streng geheimen unterirdischen Anlage voller Aliens, die er dem amerikanischen Militär durchaus zugetraut hätte, sondern auf einer Raumstation namens Otrona. Im sogenannten Sektor Gelb-Eins, einem von vielen Sektoren, aus denen sich die zylinderförmige Raumstation zusammensetzte. Eine zum Teil grau eingefärbte Animation, die auf einigen Bildern aufgetaucht war, zeigte die Raumstation sogar noch größer, doch war anscheinend vor einiger Zeit der größte Teil des anderen Endes des Riesenzylinders abhanden gekommen. Welche Katastrophe war wohl dazu fähig, diese massiv gebaute Anlage so sauber in zwei Hälften zu trennen, überlegte Frans. Doch als er nach Angaben dazu suchte, oder zu der simplen Frage, um welchen Planeten diese Station denn nun eigentlich kreiste, wurde er an das Nachrichten- und Datenarchiv von Otrona verwiesen, und da kam man vermutlich nur heran, wenn man eines dieser Allzweck-Armbänder besaß. Die übrigens so ziemlich jeder außer ihm zu tragen schien. Er ging ein paar Seiten zurück zur allgemeinen Übersicht - da waren die Docks, und ein Büro, das als "Einwanderungsbehörde" markiert war. Wenn er so ein Armband und mehr Erkenntnisse erlangen wollte, dann bestimmt dort, und falls man ihm in der Behörde Schwierigkeiten bereitete, dann war das wohl das Problem desjenigen, der ihn hierhergezaubert hatte. Inzwischen war er nämlich so weit, daß er so ziemlich alles zu glauben bereit war, einschließlich der Theorie, ein Tornado hätte ihn hierhergebacht wie weiland Dorothy in das Land Oz. Was das alles mit dem Rollenangebot zu tun hatte, ob es überhaupt noch galt, wenn er jetzt auf unbestimmte Zeit in einer Raumstation im fremden Nirgendwo herumhing und vielleicht erst, so alle Weltraumgötter wollten, in Wochen, Monaten oder gar Jahren nach Hause auf die Erde zurückkehren konnte... er wußte es nicht. Stattdessen versuchte er sich den Weg durch die verschiedenen Sektoren hindurch, die nach Farben und Nummern geordnet waren, bis zu dieser Einwanderungsbehörde einzuprägen, und ging wieder los. Allzu schlimm verlaufen konnte er sich nicht, wenn er sich immer an die breiten Hauptverkehrsadern hielt, so viel wußte er jetzt, und spätestens am Tor der nächsten Sektorengrenze würde er den nächsten Wegweiser finden, wo er sich neu orientieren konnte.
Ein Personenauflauf. Vor ihm. Als er näher herankam, sah er die Ursache, zwei der Katzenwesen waren aufeinander losgegangen. Die Umstehenden sahen zu, wie die beiden Kontrahenten sich umkreisten und dann plötzlich aufeinander zusprangen und wilde Prankenhiebe austeilten und einsteckten, sich voneinander trennten und erneut lauernd umkreisten, aber niemand mischte sich ein, und es tauchte auch niemand auf, den man als eine hiesige Version der Polizei betrachten konnte, um einzuschreiten und die Sache zu beenden. Solche Duelle schienen hier normal zu sein und nichts, worüber man sich besonders erregen mußte. Frans Hauser vermißte die Fanclubs der beiden, die bei einem ähnlichen Kampf im Slum einer amerikanischen Stadt ihre Favoriten lautstark angefeuert hätten, aber das schien hier nicht üblich zu sein. Auch er hatte nicht die Absicht, sich einzumischen, er wollte einfach nur in großem Bogen um die Kämpfer herum und weiter. Vorsichtig, weil die Zuschauer dicht standen, suchte er sich seinen Weg durch die Menge. Die meisten ignorierten ihn, aber einige, die das Emblem auf seinem Overall entdeckten, wichen unwillkürlich ein Stückchen vor ihm zurück, als leide er an Aussatz. Das Zeichen des Phönix im Flammenkranz schien für diese Wesen eine Bedeutung zu haben, die sich ihm noch nicht erschlossen hatte.
Ups. Vor lauter Konzentration auf die beiden Streiter, die bei ihrem Schlagabtausch ständig die Position wechselten und ihre Zuschauerschaft mitzogen, wäre er beinahe auf einen der Zuschauer geprallt. Ausgerechnet auf eines der Katzenwesen, die ihm nach wie vor den Eindruck vermittelten, als gingen sie beim geringsten Anlaß jedem an die Kehle, einem wehrlosen Menschen sowieso... das Löwengesicht starrte ihn an, sichtlich empört, doch dann erfaßten diese sonderbar gestreiften Augen das Emblem auf Hausers Overall, und es schrak zurück, die bereits halb zum Schlag erhobene Hand mit den ausgefahrenen spitzen Krallen stoppte mitten in der Bewegung.
"Bennu-Sfaarak! Haint´n terougona ye!" fauchte das Katzenwesen ihn an. "Benu-Sklave! Mit dir lege ich mich nicht an!" Da diese Sprache recht doppeldeutig war, wie Frans mit seinem neugewonnenen Sprachwissen erkannte, konnte man die Aussage auch anders auslegen, aber er nahm an, daß diese Fassung dem Gemeinten am besten entsprach. Da er seiner eigenen Zunge aber mißtraute, was das Beherrschen der fremden Sprache in längeren Sätzen anging, gab er nur ein diffuses "Aye" von sich, suchte nach der nächsten Lücke zwischen den glotzenden Umstehenden und machte, daß er weiterkam. 
Für etliche Schritte lauschte er noch, ob das Wesen ihm vielleicht nachkam, um sich auf die handfeste Art für seine kurz angebundene Antwort zu "bedanken", und er frage sich, ob er es noch rechtzeitig hören würde, wenn es sich von hinten mit einem Satz auf ihn stürzte, so lautlos wie diese Wesen auf ihren unbeschuhten Pfoten waren.. aber es geschah nichts, und als er sich einen Häuserblock weiter einen Blick zurück gönnte, war das Wesen verschwunden, seinen eigenen Zielen folgend. Mit einem "Benu-Sklaven" wollte es tatsächlich nichts zu tun haben. Hieß das, daß er hier wegen des Abzeichens als eine Art Paria galt, den man am besten zu meiden hatte? Dann diente es wohl als eine Art Schutz für ihn, der sich mit den hier geltenden Regeln noch nicht auskannte, begriff er, eine kleine Maßnahme der Person oder Macht, die ihn hierhergebracht hatte.
Er suchte und fand den nächsten Wegweiser an der nächsten Sektorengrenze. Das Einwanderungsbüro lag zwischen den Docks der Raumstation, was absolut Sinn machte. Die Docks einer außerirdischen Raumstation, wo der Logik folgend mit Raumschiffen zu rechnen war... Frans war gespannt. Ob er hier wohl eine fliegende Untertasse fand, oder etwas anderes, was ihn zurück nach Hause, auf die Erde bringen konnte? Reichte es hier, den Daumen zu heben, um als Anhalter mitgenommen zu werden, wie an einer irdischen Tankstelle? Denn den berühmten Reiseführer durch die Galaxis hatte er leider nicht in der Tasche, noch nicht einmal das empfohlene Handtuch oder einige Einheiten der hiesigen Währung, die Taschen seines Overalls hatten sich bei einer Inspektion als jungfräulich leer entpuppt.
Je näher er den Docks kam, um so intensiver wurde der Betrieb. Die Katzenaliens schienen durchaus den Müßiggang zu schätzen, er hatte inzwischen genug von ihnen gesehen, die ganz nach Katzenart einfach so irgendwo abhingen und den lieben Gott einen guten Mann sein ließen, aber dafür wimmelte es hier geradezu von den ewig geschäftigen Eidechsen. Da mußte wohl irgendwo ein Nest sein, dachte er amüsiert... und er ahnte nicht, daß er damit der Wahrheit ziemlich nahe kam.
Im Bereich der Docks gab es Wachen, zu erkennen an ihren uniformähnlichen Aufzügen, die ihnen sogar für Aliens einen "dienstlichen" Anstrich verliehen, aber extra abgesperrt war dieser Bereich nicht, kein Wunder bei diesem unaufhörlichen Kommen und Gehen und dem Transport zahlreicher Waren zu den Verladesystemen oder von dort in den Rest der Station. Frans vermutete, daß es zusätzlich zu den sichtbaren Wachen auch Kameraüberwachung und weitere unsichtbare elektronische Überwachungssysteme gab, die die Einfuhr von Waffen, Sprengstoffen und ähnlichen gefährlichen Konterbanden verhinderten. Er selbst hätte es jedenfalls so gemacht. Bevor er nach dem Einwanderungsbüro suchte und sich dem zu erwartenden Ärger dort stellte, wollte er sich noch so viel wie möglich ansehen, nachdem er schon mal hier war. Er suchte und fand einen Zugang zu einem der Docks, die aufgeteilt wie Tortensegmente die Enden der zylinderförmigen Raumstation ausmachten, und fand sich auf einer Art Laufsteg für Besucher wieder, viele Meter über dem eigentlichen Dock und getrennt von ihm durch dicke Scheiben aus Sicherheitsglas.
Und da waren sie endlich. Raumschiffe!
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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #9 am: 31. Oktober 2012, 12:56:18 Uhr »
Ein deutliches Gefühl von Déjà-Vu überkam ihn. Er kam sich fast vor wie der junge Anakin Skywalker. Das hier hatte in der Tat gewisse Ähnlichkeit mit Szenen aus den ersten Episoden der Star-Wars-Serie. Falls er jemals zur Erde zurückkam, konnte er ohne falsche Bescheidenheit "Du" zu George Lucas sagen, zumindest was den Inhalt seiner Filme anging.
Er sah genauer hin. Nun ja, auf den zweiten Blick waren die meisten Maschinen, die er da unten stehen sah, ziemlich klein, ein wirklich großes Raumschiff hätte in dieses Dock trotz seiner Größe nicht hineingepaßt. Und es waren auch keineswegs schnittige Raumflitzer wie in den Kinofilmen, sondern eher plumpe, mit Greifern und undefinierbaren Auswüchsen überzogene Einheiten, manche davon nur großgeratene Exoskelette, von denen die meisten wohl dem Raumverkehr und Arbeiten in unmittelbarer Nähe der Station dienten und nicht für längere Flüge geeignet waren. Auch Roboter, die in den SF-Filmen überall zu sehen waren, entdeckte er nicht, nur lebendige Arbeiter, erkennbar an ihren grellgefärbten Overalls, die den größten Teil ihrer Körper bedeckten und sie allein dadurch schon von den spärlicher bekleideten restlichen Stationsbewohnern unterschieden. Er sah Katzenwesen, eine Menge Echsen und hin und wieder einen einzelnen Menschen, die da unten ihren Tätigkeiten nachgingen. Offenbar verließ man sich lieber nach wie vor auf die klassische menschliche beziehungsweise unmenschliche Arbeitskraft. Oder vielleicht war auch die Entwicklung von künstlichen Lebensformen hier noch nicht so weit fortgeschritten, daß Roboter tatsächlich eine bedeutsame Entlastung dargestellt hätten.
Elektronische Hinweistafeln hingen unter der Decke. Den größten Teil der angezeigten Daten verstand er nicht, aber sie erinnerten ihn daran, daß es hier vielleicht auch ein Terminal für Besucher gab, das ihm Hinweise zu den vorhandenen Raumschiffen, ihren Besatzungen und nächsten Reiseziele geben konnte. Also machte er sich wieder auf den Weg, und da er allmählich Übung darin bekam, sich an diesem Ort zurechtzufinden, entdeckte er tatsächlich bald ein solches Terminal. Als er das Display betrachtete, das die Umgebung der Docks samt der gerade im Hafen liegenden oder in der Nähe befindlichen Maschinen anzeigte, verstand er. Natürlich, nur kleine Einheiten waren wirklich geeignet, um in die Docks einzufliegen. Die richtigen, großen Raumschiffe, die zu anderen Welten flogen und vielleicht sogar in andere Sonnensysteme, die waren zu groß und blieben draußen, waren nur über lange, stabile Verbindungsgänge mit der Station verbunden, wobei das Andockmanöver wegen des Gewichtszuwachses für die ganze Station und der dadurch nötig werdenden Autstarierung des Gleichgewichts jedesmal eine Wissenschaft für sich darstellen mußte. Frans tippte sich gespannt durch die verschiedenen Menüs. Er entdeckte Ankunfts- und Ablegezeiten, eine Menge Zubringerverkehr, der hauptsächlich von den kleinen Einheiten durchgeführt wurde, die er gerade im Dock gesehen hatte... während die Daten der Zubringer sich auf dem Display regelmäßig und ziemlich schnell änderten, weil Landemanöver durchgeführt wurden, Ausschleusungen stattgefunden hatten oder Flugpläne vorgelegt und abgesegnet worden waren, tat sich bei den Daten der großen Schiffe nichts. Ein Frachter von Sonabir hatte vor fünf Stunden abgelegt und wurde immer noch entladen, deshalb wahrscheinlich der fleißige Verkehr auf den Hauptstraßen im Dockbereich, den er die ganze Zeit beobachtet hatte, die ganzen mitgebrachten Frachtgüter mußten jetzt verteilt und zu ihren Weiterverarbeitungsfirmen oder Lagerhallen auf der Station gebracht werden. Kleine Einheiten überprüften den Frachter auf beim Start von Sonabir aufgetretene Schäden und reparierten das eine oder andere. Die kleinen vielgliedrigen Maschinen und Fluganzüge schwärmten um den riesigen stromlinienförmigen Raumschiffskörper wie bizarre Putzerfische um einen Hai. Ein anderes Raumschiff, offenbar ein Linienschiff, hatte "Dhoan-Sek" als Heimathafen angegeben, wo immer das auch liegen mochte, es würde in umgerechnet zwölf irdischen Stunden eintreffen. Wieder einmal stutzte Frans kurz, als sein Gehirn ganz ungefragt und unbestellt die Umrechnung der fremdartigen Zeiteinheiten "Lax" und "Varilax" in irdische Minuten und Stunden präsentierte. Das war wohl auch ein Teil seiner so spontan erworbenen Fremdsprachenkenntnisse, überlegte er. Aber da es ihm hier half, die Angaben zu verstehen... er las weiter, scrollte die Daten hinauf und hinunter. Immer wieder die gleichen Namen. Sonabir schien am nächsten zu liegen, von dort gab es einen regelmäßigen Pendelverkehr nach Otrona, so alle paar Tage mal, und immer mit Frachtern, Frans konnte die Namen der Schiffe und ihren Flugverkehr der vergangenen zwei Monate genauso abfragen wie die prognostizierten Anlege- und Ablegezeiten der Flüge in den kommenden Wochen. Seltener als Sonabir tauchte der Name Shive auf, noch seltener die Namen Dhoan-Sek und Nh-Nafress, auch hier meistens Frachter, aber hier gab es vereinzelt auch Schiffe, die als "Privatflug" oder "undefiniert" gekennzeichnet waren. Das gab es hier also auch, private Luxusfahrzeuge der hiesigen Reichen und Schönen und Ganoven. Dazwischen fand Frans immer wieder ein mysteriöses O 2, meistens als Durchgangsstation von und zu den letzteren beiden Orten Dhoan-Sek und Nh´Nafress erwähnt, wenn es die größeren Raumschiffe betraf, und er kam nach einigem Grübeln darauf, daß es sich bei dem seltsamen Kürzel O 2 nicht um eine irdische Telefongesellschaft, sondern um eine weitere Raumstation namens Otrona 2 handeln müsse, die den hiesigen Bewohnern so gut bekannt war, daß man ihren Namen gar nicht voll ausschrieb. Oder vielleicht konkurrierten sie auch miteinander und waren nicht gut aufeinander zu sprechen, weshalb man ihnen hier auf dem Display nicht einmal den vollen Namen gönnte, überlegte der Besucher von der Erde, der ähnliches Geschäftsgebaren aus einem Haifischtümpel namens Los Angeles kannte. Er grinste sich eins.
Erneut registrierte das Display eine Änderung. Ein weiteres Schiff kündigte sich an. "Feuerzahn", las Frans den Namen laut vor. Das hörte sich richtig gefährlich an. Heimathafen Nh´Nafress, was Frans genausoviel sagte wie alle anderen Namen davor. Als Begründung für die Landung auf Otrona wurde Fracht angegeben. Aber dieses Schiff unterschied sich von den anderen. Allmählich lernte Frans aufgrund von Vergleichen der einzelnen Daten, interessante Details zu erkennen und herauszufischen. Dieses Schiff hier kam rasend schnell heran, wenn er den Angaben trauen durfte, mit einer geradezu irrsinnig hohen Geschwindigkeit im Vergleich mit allem anderen Flugverkehr rings um die Station, und neben seine Ankunftsbestätigung war ein Symbol gesetzt. Als Frans eine Erklärung dieses Symbols anforderte, hieß es schlicht: "Ankunft per Hypersprung bestätigt."
Hypersprung... verdammt, Frans hatte genug Science Fiction gelesen, um zu begreifen, was das hieß. Die anderen Raumschiffe, Frachter von Sonabir und den unaussprechlichen anderen Orten, von denen er gelesen hatte, waren systemgebundene Schiffe. Groß und schnell genug, um zwischen den Welten eines Sonnensystems zu verkehren, aber nicht geeignet, den viele Lichtjahre tiefen Abgrund zum nächsten Sonnensystem zu überwinden... aber das galt nicht für den "Feuerzahn" von Nh´Nafress. Hier hatte Frans, wonach er gesucht hatte! Er fragte die voraussichtliche Ankunftszeit ab, und das Dock, wo das Schiff anlegen würde. Dieses Schiff, den "Feuerzahn", würde er sich auf keinen Fall entgehen lassen, und wenn die Besatzung aus neunköpfigen Monstern vom Orionnebel bestand!
Aber bevor er sich auf den Weg zum Dock C-6 machte, fragte er noch ab, was er bis jetzt die ganze Zeit hinausgeschoben hatte. Eine Frage nach der Erde...
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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #10 am: 19. November 2012, 14:18:14 Uhr »
Erde. Dreck. Bodenbedeckung. Landwirtschaft. Persönliche Mitteilung. Stationshandel. Planet.
Das Display gab ihm diese Reihe von Optionen vor, an denen er sich weiterhangeln konnte. Nein, er wollte keine Definition des Wortes "Erde" und aus welchen üblichen, harmlosen, nützlichen, unnützen oder potentiell gefährlichen Substanzen oder Organismen sich Erde zusammenzusetzen pflegte. Auch über die Möglichkeit des Betriebes einer Landwirtschaft an Bord der Station wollte er nicht informiert werden, nicht darüber, welches unglückliche Alien rein zufällig die Lautfolge "E-R-D-E" als Bestandteil seines Namens trug und wie man es kontaktierte, und nicht, welcher Stationshändler ihm einen Sack reiner, sterilisierter Planetenerde für das Befüllen eines Blumentopfes verkaufen konnte. Der Planet Erde war es, der ihn interessierte. Aber das Datenangebot dieses Dock-Terminals war begrenzt auf Dinge, die diese Station und insbesondere den Flugverkehr betrafen. Als er den "Planeten" antippte, bekam er nicht etwa Angaben über seine Heimatwelt, sondern... abermals Flugdaten? Frans las, und begriff. Da war er wieder, der "Feuerzahn" von Nh´Nafress. Und andere Schiffe, deren Namen er gelesen, und einige weitere, von denen er bisher nichts gewußt hatte, weil sie in den letzten Wochen hier weder angelegt hatten noch von hier abgeflogen waren. "Schwarzer Stern" von Orvun, Dhoan-Sek - okay. "Feuerwälzer" von Nh´Nafress - auf Nh´Nafress schien man es mit Feuer zu haben. Aber okay. "Henker von Paris", Heimathafen... Asimov?? Vielleicht ein Schreibfehler, verballhornte Alien-Wörter, die sich wie die Hauptstadt Frankreichs und der berühmte Autor lasen, dachte Frans und malträtierte das Display, um endlich herauszufinden, was die Flugdaten all dieser Schiffe mit der Erde zu tun hatten. Und da kam es. Eingebettet in die Daten jedes einzelnen Schiffes in dieser Auflistung: ein Abstecher zur Erde. Manche hatten sogar mehrere davon hinter sich, wie "Feuerzahn", "Henker" und Schwarzer Stern". Zu behaupten, daß Frans Hauser sich jetzt etwas aufgedreht fühlte, war eine glatte Untertreibung. Verdammt, hier lief so etwas wie ein regelmäßiger Verkehr von außerirdischen Schiffen mit der Erde ab? Aber - er las die Schiffsnamen erneut. Keines davon lag jetzt gerade im Dock, keines, von dem aus man ihn hier auf der Station hätte abladen können, wenn es denn an seiner Entführung beteiligt gewesen war - und es war auch keines vor kurzem abgeflogen. Der eilige "Feuerzahn" lief in etwa einer Varilax ein, was vermutlich gerade noch genug Zeit für ihn ließ, das betreffende Dock so rechtzeitig zu erreichen, daß er die aussteigende Besatzung begutachten konnte. Also nach wie vor keine Antwort auf die Frage, wie zum Geier er eigentlich hierhergekommen war... er fragte noch den Weg ab und machte sich auf, um dem "Feuerzahn" mal auf denselben zu fühlen.
Dieses Dock war so gut wie leer, stellte er fest, als er auf einem identischen Besuchersteg stand und in die riesige Halle hinunterblickte. Die Größe des Raumschiffs war mit knapp achtzig Metern Länge angegeben worden, beziehungsweise deren Äquivalent in Alien-Maßen. Damit fiel der "Feuerzahn" schon unter die Rubrik der kleineren Kaliber und mochte so eben noch in den Raum hineinpassen. Frans war gerade noch rechtzeitig angekommen, um die Ankunft mitzuerleben. Da öffnete sich das riesige Hangarschott, und das erste, was sich da hereinschob, war... ein wirres Geflecht von riesigen, borstigen, starren Tentakeln, gefolgt von einer dick geschuppten, gepanzerten Schnauze. Was in aller Welt war das denn? Frans klammerte sich an die Brüstung und klebte fast mit seinem Gesicht an der Panzerglasscheibe, die ihn vom Dock trennte. Weitere Schuppenmassen folgten. Angelegte Flossen, groß und klein, wie bei einem exotischen Fisch, angelegt deshalb, weil das Ding sonst nicht durch das Tor gepaßt hätte. Hier und da waren Öffnungen in dem Schuppenpanzer. Keine Löcher - mehr so etwas wie Augen, geschützt durch gepanzerte Lider? Und mehr Tentakel, Schuppen, Flossen und Dinge, die auf den ersten Blick wirkten wie gezackte Narben im Schuppenpanzer, in Wahrheit jedoch so etwas wie geschlossene, zahngespickte Mäuler darstellten?? - Und da, ein aufgemaltes rotes Emblem auf einer der größeren Flossen. Der Phönix im Flammenkranz, das Symbol der Benu Incorporated!
Und dann war das unbeschreibliche Ding, der Riesenfisch aus dem Weltraum, ganz im Dock, das er fast komplett ausfüllte. Wie man dieses Etwas jemals wieder hinausbugsieren wollte, war Frans völlig schleierhaft, denn es war absehbar, daß sich im Rückwärtsgang die Tausende von Schuppen und Dutzende von Flossen abspreizen und querstellen würden, und einfach umdrehen konnte sich das Ding nicht, dafür war das Dock zu eng.
Ein Signal ertönte. Die Außenschotten waren wieder hinter dem einfliegenden Schiff geschlossen und gesichert worden, die Gefahr einer explosiven Dekompression nicht mehr gegeben. Da kam schon die Belegschaft dieser Dockstation, um auf die aussteigende Raumschiffscrew und die angekündigte Fracht zu warten, einige Echsenarbeiter in ihren Overalls, ein paar Katzenwesen, die vielleicht als Aufseher fungierten - und ein Erdenmensch. Aber der trug keinen Arbeitsanzug. Ein unerwarteter Anblick, Frans glotzte. Der Mann dort unten... trug einen weißen Anzug mit Ärmelstreifen, der selbst nach irdischer Definition als Kapitänsuniform gegolten hätte. Und er sah gut aus. Lockiges dunkles Haar, ein kleines Bärtchen auf der Oberlippe, die ganze Gestalt geschniegelt und hochglanzpoliert, der Mann hätte mühelos eine Hauptrolle als moderne Version des jungen Errol Flynn einheimsen können. Definitiv kein Arbeiter, dachte der Schauspieler auf dem Besuchersteig. Passagier, Ersatzkapitän für das gerade eingelaufene Schiff - oder Begrüßungskomittee? Jetzt war Frans so gespannt wie eine Sprungfeder...
Eine der "Narben" auf dem Körper des Fisch-Schiffs öffnete sich. Die "Wundränder" glitten nach beiden Seiten auseinander, dabei schier endlose Reihen von spitzen Zähnen entblößend, die wie die Teile eines Reißverschlusses ineinander gegriffen hatten und nur auf die Distanz bis zu Hausers Standort winzig aussahen. Darunter wurde etwas sichtbar, was wie rotes, rohes Fleisch aussah - oder wie Zahnfleisch... auch das öffnete sich, glitt auseinander. Etwas schwarzes, massives schnellte aus dem unteren Rand der Narbe heraus und sauste schräg nach unten, wie eine leckende schwarze Zunge, die an den Rändern mit zahlreichen, tastenden, wimmelnden Tentakeln besetzt war. Doch die zuckende, suchende Bewegung von Zunge und Tentakeln erstarb sofort, und das Zungen-Ding erstarrte zu einer bizarren Form von Gangway, deren Rand-Tentakel sich zu Stützen derselben im unteren Teil und einer Art von Handlauf oben, nahe am Schiffsleib, verschlungen hatten. Die Wesen, die mit so einem Schiff flogen, mußten verdammt bizarr sein, dachte Frans... und da kam schon eines, wankte auf unsicher wirkenden Beinen die verblüffend gleichmäßige Zungen-Gangway hinunter. Aber das war keineswegs ein bizarres Alien.
Normal aussehende legere Kleidung, sogar für die Begriffe eines simplen Erdenmenschen wie Frans Hauser, schulterlanges blondes Haar, von dem ein ordentliches Büschel am Hinterkopf zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden war, glattes Menschengesicht ohne Bart... zuerst hätte Frans den Ankömmling wegen der langen Haare für eine junge Frau gehalten, aber auf den zweiten Blick erkannte er einen jungen Burschen, garantiert noch keine zwanzig Jahre alt. Der Junge und der Errol-Flynn-Verschnitt begrüßten einander begeistert, auf eine Art, wie sie nur unter guten Bekannten üblich war. Vielleicht waren sie ja sogar miteinander verwandt. Frans beobachtete weiter, gespannt, wer sonst noch ausstieg. Da wurde er allerdings entäuscht, denn der Rest der Besatzung von dem Fisch-Schiff ließ sich nicht blicken.
Nach der Begrüßung überreichte der Junge einem der abwartend herumstehenden Katzenwesen im Arbeitsanzug ein Gerät, das er am Gürtel festgemacht mit sich getragen hatte. Es war etwa unterarmlang und länglich und mit mehreren Anzeigen und Bedienungsknöpfen versehen. Frans hätte es auf den ersten Blick für eine Waffe gehalten, aber das schien es nicht zu sein. Denn das Katzenwesen nickte auf überraschend menschliche Art und gar nicht feindselig gegenüber dem Menschenjungen, richtete das Gerät auf das Schiff und betätigte einen der Schalter. Unterdessen machten der Junge, der mutmaßliche Kapitän und ein weiterer Katzenmann, der die körperlichen Ausmaße samt dem schwarzen Fell eines irdischen Gorilllas mitbrachte und statt eines Arbeitsoveralls die übliche Hose samt einem reichlich mit Gerätschaften bestückten Gürtel trug und der den Kapitän offenbar begleitet hatte, auf den Weg, um das Dock zu verlassen. Das stürzte Frans in einen Zwiespalt. Einesteils waren diese beiden Menschen wohl der beste Weg für ihn, endlich mehr zu erfahren, aber andererseits wollte er unbedingt noch wissen, was da weiter mit diesem Schiff ablief, was dieser Arbeiter da mit dem länglichen Gerät anstellte... da sah er es schon. Aus der Luke des Schffes kam nämlich wieder etwas, und diesmal sah es ganz so aus wie etwas, was zu solch einem Weltraumfisch paßte. Lange, schwarze Insektenbeine tasteten sich zur Luke heraus, eine ganze Menge und in ziemlicher Größe, mindestens so lang wie der junge Bursche vorher, schätzte Frans... größer sogar. Das Wesen, das da nicht allzu schnell die Luke passierte, sah aus wie eine gigantische schwarze Spinne mit viel zu vielen Beinen und Greifapparaten. Auf gut drei, wenn nicht gar vier Meter Höhe schätzte Frans das Lebewesen, mit entsprechender Breite wegen der äußeren, weit ausladenden Beine. Und daß es sich so langsam und tastend weiterbewegte, hatte seinen Grund, stellte er fest, als das Ding endlich ganz draußen war und die Zungengangway herabkam, es bewegte sich nämlich rückwärts. Etliche Beine von dem schwarzen Etwas manipulierten etwas, links und rechts, was sich hinter dem Ding über dem Boden zu winden und zu schlängeln schien, sich dann perfekt gerade ausstreckte und liegenblieb... so etwas wie zwei Schienen entstanden, überall wo die Riesenspinne zurückwich. Leises Rumoren und Schlagen zeigte an, daß unten im Dock Maschinen anliefen, und Frans entdeckte, daß sich eine der Seitenwände des Docks geöffnet hatte und sich dort passende Anschlußteile für die Schienen aus dem Schiff aus der neuentstandenen Öffnung schoben. Katzenwesen und Eidechsenarbeiter standen abwartend und aufmerksam zusehend herum, der eine Luchs-Typ, dem der blonde Bursche das waffenartige Gerät in die Hände gedrückt hatte, manipuliert fleißig daran herum, die scheinbare "Mündung" auf die Spinne gerichtet... und der Zuschauer von der Erde begriff, daß es sich dabei um eine Art Kommunikationgerät, vielleicht sogar eine Art Fernbedienung handelte, mit dem das Katzenwesen die Handlungen der Riesenspinne beeinflussen konnte. In verblüffend kurzer Zeit war eine Schienenverbindung zwischen dem Schiff und dem stationseigenen Transportgleis fertiggestellt, und das Entladen konnte beginnen.
Die farbig lackierte, schon leicht abgenutzt aussehende Schmalseite eines Großcontainers, der sich kaum von seinen Gegenstücken auf irgendeinem Containerbahnhof auf der Erde unterschied, schob sich aus der Luke des Fisch-Schiffs, gefolgt von einer zweiten Riesenspinne, die sorgsam darauf achtete, daß der Container auf dem kurzen abfallenden Wegstück die Rampe hinunter nicht aus der Bahn geriet, sondern sauber auf den ausgelegten Schienen blieb. Der ganze Container war oben abgedeckt mit einer dünnen Plane, die leicht grünlich leuchtete. Spinne Nummer Eins hatte sich seitlich postiert und sorgte mit leichtem Antippen einiger ihrer Riesenbeine hin und wieder gleichfalls dafür, daß der Container sicher auf das stationseigene Gleis gelangte. Spinne Nummer Zwei ließ sich auf die andere Seite der Rampe hinunter und blieb dort, um bei der Überwachung der Containerbewegungen mitzuhelfen. Was offenbar hieß, daß entweder die Spinnen extem stark waren, wenn sie die großen Frachtstücke so simpel auf Kurs halten konnten, oder die Container trotz ihrer Größe nicht allzuviel wogen. Und da glitt der nächste Container aus der Luke, verziert mit farbigen Firmenemblemen der außerirdischen Art, und wieder abgedeckt mit grünlich leuchtender Folie... ganz unerwartet für Frans schoß irgendetwas Fliegendes über dem Container heraus aus dem Schiff, dem ersten hinterher, sammelte sich über dessen Folienbedeckung - und hob sie hoch, indem es sich um sie sammelte und unter sie drunter schob, formlos und grau und ungestalt und wild durcheinander und auseinander schwärmend, ganze Knoten und Wirbel in der Luft bildend wie ein riesiger Bienenschwarm, der anschließend mit seiner Folienbeute ins Schiff zurückkehrte. Und Frans begriff wieder. Die Folie gehörte zum Schiff, wurde vermutlich wieder und wieder benutzt, um...
das Gewicht der gigantischen Container so weit zu reduzieren, bis sie nicht mehr wogen als riesige Luftballons, die von den Transport-Spinnen mit Leichtigkeit zur richtigen Stelle auf dem stationseigenen Transportsystem dirigiert werden konnten, von wo aus sie dann Angelegenheit der Station waren. Denn die Folien bestanden aus Dhyarit oder Gravium, einem metallischen Über-Element, das bei Anlegen einer elektrischen Spannung (erledigt durch einen simplen kleinen Akku, der an einer Ecke von jeder der Folien befestigt war) die Schwerkraft manipulierte, in diesem Fall: sie bis auf beinahe Null reduzierte. Bei diesem Prozeß verbrauchte sich das Gravium allmählich, bis nichts mehr übrig war als ein wenig inaktive, nutzlose Asche. Allerdings war der Schwund des kostbaren und teuren, weil extrem seltenen Über-Elements durch Verbrauch um so geringer, je größer die Fläche des aktivierten Metalls war...
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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #11 am: 3. Dezember 2012, 12:34:11 Uhr »
Franz zuckte zusammen. Woher wußte er das? Auf einmal schienen ihm die Begriffe "Dhyarit" und "Gravium" ganz selbstverständlich  zu sein, aber er konnte sich nicht erinnern, sie jemals gehört oder gelesen zu haben, ganz zu schweigen davon, was man mit dem Zeug, das damit gemeint war, anfangen konnte... wieder ein Bröckchen Wissen, das zusammen mit seinen spontan aufgetauchten Sprachkenntnissen gekommen sein mußte. Was sich wohl sonst noch alles an interessanten Sachen in seinem Gehirn verstecken mochte? Aber es war wohl sinnlos, darüber nachzugrübeln und zu versuchen, mit Gewalt etwas herauszupressen. Er mußte auf weitere Stichworte, weitere bildliche Assoziationen warten... oder selbst aktiv werden und danach suchen, wie bei einem Computerspiel.
Gravium war eine feine Sache, wenn man etwas Schweres transportieren wollte, so viel hatte er jetzt begriffen. Wofür man das Zeug hier sonst noch einsetzte, würde er wohl merken, jetzt, da er einen Faden des metaphorischen Wollknäuelchens in der Hand hatte und wußte, worauf er achten mußte. Aber -- er schrak zusammen, und blickte fast panisch umher. Der Kapitän und der junge Bursche, die er doch hatte befragen wollen, zusammen mit ihrem Katzen-Gorilla - sie waren inzwischen gegangen! Entschwunden durch die gleiche Öffnung, aus der die Gleise ragten... wie zum Henker kam er da jetzt hinunter, und schnell genug, um die beiden noch zu erwischen, bevor sie irgendwo in den Tiefen dieser riesigen Weltraumstation verschwanden? Er fühlte die Bewegung neben sich mehr als daß er sie hörte, und drehte den Kopf. Eine der Echsen stand neben ihm auf dem Besuchersteg und blickte hinunter in die Halle. Frans wußte, daß die Echsen reden konnten, und sehr viel unheimlicher als die gefährlich aussehenden Katzen-Aliens waren sie eigentlich auch nicht...
"Verzeihen Sie," versuchte er seine ungeübte Zunge in der fremden Sprache und den höflichsten Worten, die sein neugewonnenes Vokabular ihm eingab. "Diese zwei Menschen, dort unten...?" Und er deutete nach unten, wo die beiden verschwunden waren. "Wohin?"
"Aht-Schar Patssisss Andreou." zischelte die Echse prompt. "Weh Sssiwah Hendricksss. Protuh o so Otrona. Can Tuan raakhaa. Hedaa--" Und alle vier Echsenhände drehten sich, die Handflächen nach oben.
Aht-Schar war der Titel des hiesigen Präsidenten, Häuptlings, Obermotzes oder wie man es sonst übersetzen mochte, Patsis Andreou war der Name, der griechisch klang, was er aber nicht unbedingt sein mußte. Das mußte der Hübsche in der Uniform gewesen sein. Und Siwa Hendricks, Besucher auf Otrona, der junge Bursche aus dem Raumschiff. Bei jemandem oder an einem Ort, der Can Tuan hieß, konnte er mehr erfragen, möglicherweise. So übersetzte Frans für sich mit seinen neuen Sprachkenntnissen.
"Can Tuan?" fragte er zurück.
"Aht-Jeraaa." Und zwei von vier Echsenhänden deuteten in eine bestimmte Richtung, hinein in den Leib der Raumstation. Aha, also war der Sitz des Obermotzes gemeint. Die Echse wußte nicht genau, ob der Präsident zu seinem Regierungssitz unterwegs war oder ob er mit seinem Besucher woanders hinzugehen gedachte. Trotzdem, das war ein Hinweis, mit dem Frans etwas anfangen konnte. So gut es ihm möglich war, bedankte er sich bei der Echse und stiefelte los. Schade, daß er nicht fähig war, die Mimik des fremden Wesens zu lesen. Er hätte zu gerne gewußt, was sich die Echse gerade über ihn dachte, nach ihrem kurzen Austausch, ob er sie zu freundlich, zu unfreundlich, zu zuvorkommend, zu herablassend behandelt hatte oder ob er vielleicht etwas ausgelassen hatte, was im Umgang mit diesen Wesen üblich war... sie sah ihm jedenfalls nach, als er um die Ecke bog und er sie noch mal für einen Sekundenbruchteil aus dem Augenwinkel heraus ansehen konnte, ohne daß es verdächtig wirkte.
So. Wohin jetzt? Doch zum Einwanderungsbüro, das ganz in der Nähe sein mußte, wenn er den letzten Wegweiser richtig gelesen hatte, oder doch den beiden Menschen hinterher, auf gut Glück zurück in die Tiefen der Raumstation? Da ihm allmählich die Füße wehtaten - erst ein ganzer Tag, den er auf der Suche nach einem Auftrag zugebracht hatte, und dann, paff!, gestrandet irgendwo in einer riesigen Raumstation in einem fremden Sonnensystem, weit weit weg vom Planeten Erde - entschied er sich für den kürzeren und eindeutigeren Weg. Der Besucher hatte nicht den Eindruck gemacht, als wolle er unmittelbar wieder abreisen, und das Entladen des Raumschiffs dauerte vermutlich einige Zeit. Und vielleicht konnte auch das Einwanderungsbüro Kontakt mit ihm aufnehmen, wenn Frans darum bat... ein paar weitere interessante Einblicke in den Betrieb in echten Weltraum-Docks später fand Frans tatsächlich die außerirdischen Markierungen an einer Wand, die ihn zum Büro der Behörde führten. Er trat ein.
Unmittelbar hinter der Tür war erst mal ein größerer Raum, ein Wartesaal, der zur Hälfte mit Sitzgelegenheiten unterschiedlicher Art und einigen fest am Boden montierten Tischen ausgestattet war. Recht viel Betrieb war nicht gerade, Frans war der einzige Anwesende. Er befand sich auf einer Raumstation, rief er sich in Erinnerung, wo man jedes ankommende Fahrzeug wahrscheinlich schon auf hunderte Meilen Entfernung wahrnehmen konnte und wohl kaum jemand als illegaler Einwanderer einzudringen vermochte. Vermutlich wurde der größte Teil der Arbeit elektronisch gemacht, wenn die Raumschiffe die Einwanderer schon im Anflug vorankündigten und die Leute hier dann nur noch auftauchten, um ihre Unterschrift auf Papiere zu setzen und ihre Ausweise, Arbeitgenehmigungen oder sonstiges entgegenzunehmen. Hinter einer gläsernen Trennwand an einer Seite des Raums befand sich so etwas wie ein Schalter, in dessen Sessel eine von den vierarmigen Echsen hockte und dem einsamen Neuankömmling neugierig entgegenblickte.
Frans fühlte sich irgendwie erleichtert, daß es eine Echse war. Eines der so gefährlich aussehenden Katzenwesen hätte er sich vermutlich nicht anzusprechen getraut. Aber so trat er näher, sich insgeheim über sich selbst wundernd, wie schnell er Vertrauen zu völlig nichtmenschlichen Lebensformen fassen konnte.
"Verzeihung, könnte ich hier vielleicht eine Auskunft bekommen?" begann er zögernd. Natürlich nicht auf Englisch, sondern in dieser sonderbar kurz angebundenen, knurrenden und hustenden Aliensprache, die er jetzt auf so wunderbare Weise beherrschte. Irgendwie hatte die Sprache Ähnlichkeit mit dem Deutschen, weder in den Worten noch in der Grammatik, die beide denkbar einfach schienen, aber irgendwie... vielleicht in der Art, wie die Worte ausgesprochen wurden. Wie hatte mal ein bekannter Politiker die deutsche Sprache definiert, als "Mischung aus Husten, Räuspern und Spucken"? Wenn man noch etwas Fauchen und Knurren dazugab, ergab das perfektes Alien... Frans las die Haltung der Echse als ein "Ja, bitte?", und fuhr mutig fort: "Es ist so, ich scheine mich verlaufen zu haben. Vielleicht können Sie mir sagen, wohin ich mich wenden soll?"
Ein Finger an einer von vier Händen deutete auf Frans. "Benuna?" fragte das Wesen.
"Benu--" begann Frans, und verstand plötzlich. Die Echse, die Schalterangestellte - irgendwie hielt er "sie" für weiblich, er wußte nicht wieso - deutete auf das Emblem auf seinem Anzug, das Emblem der Benu Inc., das hier anscheinend allgemein bekannt war. Benu-na, hatte sie gesagt, was hieß "Von den Benu?"
"Ja, genau!" bestätigte er. "Die Firma hat mir ein Stellenangebot zugeschickt, und ganz plötzlich war ich hier. Aber ich weiß nicht mal, wo "hier" eigentlich ist."
Das schmale Echsenmaul wirkte auf einmal doppelt so breit, als die Angestellte ihre Mundwinkel nach hinten zog, wobei sie ihre spitzen Zähne ein Stückchen weit entblößte. Nur ein Stückchen weit, es war noch keine bedrohliche Geste, und Frans begriff, sie grinste über das ganze Gesicht. Offenbar waren derartige Streiche von der Benu Inc. nichts ungewöhnliches, und dieses Wesen freute sich einfach, einmal bei so einem Streich live dabeizusein. "Äh, machen die das mit allen Neulingen so?" fragte er verdutzt.
"Nur mit denen, von denen sie Großes erwarten." antwortete das Wesen zu seiner Verblüffung und grinste weiter.
Frans überlegte kurz. "Warum?" fragte er dann. "Was gibt es hier, an dem man... Größe... beweisen könnte?"
Verdammt, er war Schauspieler! Welche verborgenen Qualitäten glaubte die Firma in ihm zu finden?
"Das hier ist Otrona Eins." antwortete das Alien. "Haben Sie diesen Namen schon einmal gehört?"
"Nein, noch nie." sagte Frans wahrheitsgemäß. "Ich habe bis jetzt... zu weit entfernt von hier gelebt, um davon zu hören."
"Otrona Eins trägt auch den Namen "Stern der Verbrecher". Auf anderen Welten geht die Geschichte um, daß hier nur Gesetzlose leben und jeder tun und lassen könne, wie ihm beliebt. Deshalb kommen viele Leute hierher, die das glauben, und sie müssen erst belehrt werden, daß das keineswegs der Wahrheit entspricht."
"Ich verstehe. Das hier ist eine Raumstation, und da muß die Sicherheit vorgehen." Frans hatte ein paar Episoden "Babylon 5" gesehen und war jetzt dankbar dafür. Verdammt, was man aus Fernsehserien alles lernen konnte!
Die Echse nickte auf menschliche Art, was sicher nicht eine normale Reaktionsweise dieser Alienrasse war, sondern angelernt. Das Wesen war im Umgang mit Menschen vertraut, begriff Frans, was nicht ganz unerwartet kam, schließlich gab es hier ein paar davon.
"Trotzdem sollten Sie hier vorsichtig sein. Nicht jeder hält sich von einem Neuling der Benuna fern. Einige mag sogar die Aussicht verlocken, Ihnen Schaden zufügen zu können." sagte sie und deutete erneut auf das Emblem auf seinem Overall.
"Benu-Sklave" hatte das Katzenwesen, dem Frans früher begegnet war, geradezu verächtlich zu ihm gesagt. Das war also jemand gewesen, der die Benu nicht leiden konnte. Und diese Echse machte Frans soeben darauf aufmerksam, daß es hier Leute gab, die es nicht nur bei einer Beschimpfung beließen, sondern sogar noch weiter gehen würden.
"Ich danke Ihnen für die Warnung." sagte er deshalb. "Gibt es hier jemand von der Firma, mit dem ich sprechen kann?" fragte er anschließend.
"Ich werde nachfragen." machte die Echse, und begann dann unerwartet eine Folge von Pfeif-, Knurr- und Zischgeräuschen von sich zu geben, bei der es sich wahrscheinlich um die Muttersprache dieses Aliens handelte, jedenfalls verstand Frans diesmal nichts davon. Er war auch gar nicht der Empfänger der Ansage, sondern die Mikrofone, die sich irgendwo in dem mit zahlreichen technischen Gimmicks ausgestatteten breiten Sessel des Aliens oder vielleicht auch in dem Schreibtisch samt Monitoren und Geräten darauf versteckten. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, auf einem der Bildschirme vor der Echse tauchten Ketten von Symbolen in Alienschrift auf, und aus einem Lautsprecher kam die mündliche Version derselben in denselben knurrenden, pfeifenden und zischenden Lauten.
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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #12 am: 18. Dezember 2012, 12:43:34 Uhr »
"Hoar Ssiwa Hendrickss ist vor kurzem von Nh´Nafress eingetroffen." übersetzte die braunschuppige Angestellte für Frans. "Ssiwa Hendrickss ist Benuna, er wird Ihnen sicher weiterhelfen."
"Ich war als Zuschauer im Dock, als der "Feuerzahn" einlief. Das war dieser blondhaarige Junge, nicht?"
Als die Echse abermals nickte, fragte Frans weiter: "Ist er hier bekannt?"
"Aye. Gut bekannt. Er kam als Gesetzloser hier an. Nach dem Überfall blieb er auf dem Teil der Station, das jetzt als Otrona Zwei bekannt ist, und wurde Benu-Lehrling."
Das mysteriöse O 2 war also in der Tat eine weitere Raumstation, Frans hatte also richtig geraten. Aber, wenn der junge Bursche als Gesetzloser hier angekommen war, dann mußte er früh mit seiner Verbrecherkarriere angefangen haben. Problemjugend gab es also sogar hier, dachte Frans amüsiert.
"Entschuldigen Sie, aber was hat es auf sich mit dem Überfall und Otrona Eins und Zwei?"
Die Echse gab ihm die Geschichte in Kurzform. Von dem Überfall menschlicher Söldner auf die Station, verlockt von dem Irrglauben, sie könnten auf dem angeblich gesetzlosen "Stern der Verbrecher" ein Verbrecherregime einführen, die mit einer völligen Auslöschung der Invasoren und einer Explosion endete, die die Station in zwei Hälften zerriß.
"Zuerst wurde als Grund, die Hälften nicht mehr zusammenzufügen, die Sicherheit vorgeschoben, als man auf Otrona Zwei noch mit unentdeckten Bomben des Feindes rechnen mußte. Später stellte sich heraus, daß die neu eingesetzten Regierungen der beiden Hälften tatsächlich dem politischen Leumund beider Stationen dienlich waren, und deshalb beließ man es bei zwei unabhängigen Raumstationen. Otrona Eins behielt den Titel "Stern der Verbrecher"," und dabei machte das Alien eine Miene, die sogar Frans inzwischen als mitleidigen "ich-weiß-es-besser"- Ausdruck erkannte, "und Otrona Zwei wird offiziell vom Hohen Rat Ennar Ektheb geführt, der schon vor dem Überfall einen Sitz im Rat von Otrona hatte und den passenden schlechten Ruf dazu, aber inoffziell ist es ein Sitz der Benuna."
"Oh. Sie meinen - daß ich hier gelandet bin, auf Otrona Eins, war vielleicht ein Fehler?"
"Benu machen keine Fehler. Sie sind charrash -- fremd."
Also handelte es sich bei den Benu um eine weitere Alienrasse, was Frans inzwischen schon stark vermutet hatte. Eine, die so fremdartig war, daß selbst die Echsen sie als fremdartig betrachteten, und zugleich so mächtig, daß die meisten Bewohner dieser verrufenen Station ihre menschlichen Untergebenen respektierten, oder sie zumindest in Ruhe ließen. Aliens, die ausgerechnet an Frans ein Interesse zeigten - warum? Aber das konnte diese freundliche Alien-Eidechse hier ihm sicher nicht sagen, da mußte er sich an diesen Siwa Hendricks halten. Also wieder ein Trip quer durch die Raumstation... er unterdrückte ein Seufzen, denn inzwischen fühlte er sich reichlich fußkrank, seine Kehle war trocken und sein Magen definitiv leer. Er war nicht einmal dazu gekommen, seine Milch zu trinken, zuhause in seinem Appartment, vor unbekannt langer Zeit und vermutlich irgendwo in einer ganz anderen Region der Milchstraße... die Angestellte schien sein Befinden zu erraten.
"Ich werde Ihnen einen Führer rufen. Wenn Sie unterdessen Platz nehmen möchten?" fragte das freundliche Alien und wies auf die Sitzgelegenheiten in dem Wartesaal, so höflich wie irgendein Firmenmitarbeiter in good old America. Dann knurrte, jaulte und zischte es wieder in seine Mikrophone, diesmal allerdings ohne Antwort zu bekommen.
Frans hatte sich niedergesetzt und wartete geduldig, er brauchte aber nicht lange warten. Schon nach ein paar Minuten ging die Tür auf, und eine weitere Echse schlüpfte herein. Diese hier war aber bedeutend kleiner als die hinter dem Schalter, sie reichte Frans, als er aufstand, nur bis an die Brust und wirkte noch dünngliedriger und schlacksiger als die anderen Echsen, die er bisher gesehen hatte - es schien ein Kind dieser Rasse zu sein.
"Mssachhs hier wird Sie führen," sagte die Angestellte und wies auf das Kleine. Und dann machte sie zum Abschied, zur großen Überraschung des Schauspielers, eine deutlich erkennbare Verbeugung. Die Geste war vermutlich gleichfalls fremdartigem, möglicherweise menschlichem Verhalten entnommen worden, wirkte bei dem braun und grau geschuppten Geschöpf aber erstaunlich elegant und anmutig. Frans wußte, was Höflichkeit war, und ließ sich nicht lumpen, indem er die Geste erwiderte und sich laut bedankte. Dann drehte er sich um und folge seinem Führer.
Frans Hauser fühlte sich trotz seiner Erschöpfung glücklich, beinahe beschwingt, als er der kleinen Echse folgte. Sein erstes, sogar längeres Gespräch mit einem leibhaftigen Alien, und er hatte diese Aufgabe mit Bravour bestanden, wie er gern annehmen wollte! Selbst wenn es "nur" eine Echse gewesen war, die auf dieser Station allgegenwärtig zu sein schienen, und nicht eines der ihm nach wie vor viel gefährlicher erscheinenden Katzenwesen. Auf jeden Fall konnte er sich jetzt bei den "Men in Black" bewerben, wenn es mit der Schauspielerei nichts wurde, überlegte er, wobei er unbewußt vor sich hin lächelte. Sein kleiner Führer wuselte flink dahin, und zweifellos hätte er noch sehr viel schneller gekonnt, wenn er nicht einen fußlahmen Menschen im Schlepptau gehabt hätte. Immer wieder warf das Wesen Blicke zurück, ob Frans ihm auch folgte, und achtete darauf, daß sie sich nicht verloren, wenn sie mal in eine dichtere Traube von Passanten gerieten. Anders als Frans vorhin hielt der Kleine sich keineswegs an die breiten Hauptverkehrsstraßen, er führte ihn immer wieder durch enge Passagen, Hinterhöfe und Zonen, die wie außerirdische Entsprechungen orientalischer Basare wirkten. Zuerst dachte er noch, die Mini-Echse wollte ihn möglichst fix an seinem Bestimmungsort abliefern, aber nach einiger Zeit ging ihm auf, daß sein Führer ihm offenbar ein paar besondere Sehenswürdigkeiten zeigen wollte und deshalb ein paar Umwege machte. Soeben erreichten sie einen größeren Platz, in dessen Mitte sich so etwas wie ein ziemlich großer, milchweißer, gläsern-durchsichtiger Baumstamm erhob, dessen Astgewüchse durch die Decke ins nächste Stockwerk darüber gedrungen waren. Der untere Teil, wo die Wurzeln sein mußten, war gegen näheren Zutritt abgesperrt, umringt von abgestellten Warenpaletten und mit Graffiti und Werbeplakaten verzierten Bretterwänden, die dort schon einige Zeit als Barriere stehen mußten, so ramponiert wie sie waren.
"Was ist das?" fragte Frans seinen Führer und deutete auf den "Baum".
Das Kleine imitierte ein menschliches Achselzucken, kaum erkennbar bei seinen dürftig ausgeprägten Eidechsenschultern. "Ein Überrest des Überfalls. Na-no-tech-no-logisch." zischelte es. "Niemand weiß, wofür es gut ist. Aber zumindest ist es keine Bombe."
Frans erinnerte sich an das, was die Angestellte ihm über den Überfall erzählt hatte, und über die sogenannten "Überreste", die man bis heute nicht entfernt hatte, weil sie sich untrennbar mit zahlreichen Stationseinrichtungen verbunden hatten. Aber zumindest war es keine Bombe, wie beruhigend.
"Übrigens, wie darf ich dich nennen?" fragte er dann weiter. "Ich verstehe eure Sprache nicht, und was die ehrenwerte Hüterin des Büros gesagt hat, kann ich nicht aussprechen. Ist es dir recht, wenn ich dich "Moses" nenne?"
"Was bedeutet +Moses+?" fragte die Echse, sorgsam auf seine Antwort gespannt, sie hing geradezu an seinen Lippen. Frans konnte ihren Gesichtsausdruck nicht deuten, war es Spannung, Ärger über den fremden Namen oder Amüsement über seine Sprachunkenntnis, vielleicht auch alles zusammen?
"Moses hieß ein Führer eines Menschenvolkes in uralten Zeiten. Und da du jetzt mein Führer bist, wäre der Name passend. Was hältst du davon?"
Das Kleine zischelte ihn an, gab ein ganzes Zisch-Trommelfeuer von sich, begleitet von hektischen Bewegungen aller vier Arme, aber es war kein einziges Wort darunter, das Frans verstanden hätte. "Ja oder nein?" fragte er, als die Echse schließlich zu einem Ende kam, vermutlich weil ihr die Luft ausgegangen war.
"Ja! Jajajajajaja!"
"Schon gut. Also Moses." Frans lachte über den Eifer, mit dem die Miniechse ihren Menschennamen akzeptiert hatte. "... und sind wir bald da?" stellte er dann die klassische Frage an alle Führer der Weltgeschichte, mit der sich vermutlich schon der Original-Moses hatte herumärgern müssen.
"Gleich." versprach der neugetaufte Führer.
Sie erreichten einen breiteren Korridor, an dem offenbar wieder bessere Kreise residierten, denn die Fassaden aus dekompressionssicherem Metall und Kunststoff waren hier besser gepflegt und es waren weniger Kramwarenhändler zu sehen, dafür mehr von den Elektro-Transportern, die auf der abmarkierten Fahrbahn in der Mitte des Ganges verkehrten. Schilder deuteten auf zahlreiche Büros in den Blöcken rechts und links hin. Moses steuerte auf einen verglasten Eingang zu, hinter dem ein Katzenwesen als Pförtner fungierte, indem es faul auf einem dicken Lederpolster herumlungerte und irgendetwas auf einem Bildschirm verfolgte, während es sich irgendwelche Katzenleckerli ins Maul schob. Aber das Wesen war trotzdem aufmerksam, es hatte sie schon vor ihrem Eintreten bemerkt, aufmerksam geworden durch ihr Stehenbleiben, und musterte sie durch das Glas der Tür hindurch. Moses und der Pförtner tauschten ein paar Worte aus, von der Frans nur die Hälfte des Pförtners verstand, weil die Echse wieder in ihre Muttersprache verfallen war, übrigens abermals mit erklärenden Gesten ihrer vier Arme. Das Verstehen der Echsensprache schien leicht zu sein, nur das Sprechen war schwer, schloß Frans aus der gezeigten Bilingualität des Katzenwesens. Egal was sie auch gerade vereinbart hatten, der Pförtner winkte ihnen, daß sie weitergehen konnten. Moses nickte ihm dankend zu und ging weiter voran. Eine weitere Tür öffnete sich vor ihnen, offenbar vom Pförtner ferngesteuert, weil diese Tür genauso dick und luftdicht verschließbar war wie alle Außentüren in dieser Station. Danach standen sie abermals in einem Flur, der hier aber schon wohnlich aussah, mit fest an die Wände montierten bunten Bildern und einem kurzflorigen Teppichboden in hellem, freundlichen Grün, der fast erfolgreich einen Rasen zu imitieren versuchte. Von diesem Flur gingen drei Türen ab, wieder die dicke Version mit je einem Guckloch zusätzlich zu den Kameras, die bestimmt unsichtbar in der Decke montiert waren.
Eine der drei Türen öffnete sich vor ihnen. Moses nickte Frans zu und bedeutete ihm einzutreten, flötete dann eine ganze Serie von seltsamen Tönen, verneigte sich tief, wobei er wieder mit allen Vieren gestikulierte, und wischte dann mit unglaublicher Geschwindigkeit davon, bevor Frans etwas sagen oder die Verbeugung erwidern konnte.
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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #13 am: 2. Januar 2013, 19:52:31 Uhr »
"Na, bei dem haben Sie aber einen Stein im Brett." hörte Frans eine vergnügt klingende, jugendliche Stimme. In der Tür stand der junge Bursche mit dem langen Blondhaar, den Frans im Dock hatte ankommen sehen. Er lehnte lässig im Rahmen und besah sich den Besucher neugierig von oben bis unten.
"Sie sind der Schauspieler?" fragte er dann ganz unerwartet. Als Frans erstaunt nickte, lachte der Blonde. "Fein, da haben Sie mir Arbeit erspart, sonst hätte ich Sie suchen müssen. Ich wurde extra hierhergeschickt, um Kindermädchen für Sie zu spielen, und ich dachte schon, ich müsse erst Ihre Einzelteile irgendwo aus einem hungrigen Magen herausfieseln. Der "Stern der Verbrecher" trägt seinen Spitznamen nicht ganz umsonst, wissen Sie."
Frans nickte abermals. Was ihm die schuppige Angestellte erzählt hate, schien der Wahrheit zu entsprechen.
"Kommen Sie erst mal rein, sonst holen Sie sich hier noch Zugluft." bemerkte der Junge salopp und gab den Weg frei. Hinter der Tür lag ein durchaus geschmackvoll eingerichtetes, weiträumiges Appartment, in dem sich auch ein menschliches Wesen wohlfühlen konnte.
"Äh, sagen Sie, ist es üblich, den Echsen Trinkgeld oder so zu geben?" war das erste, was Frans herausbekam. "Ich hätte Moses gern etwas gegeben, aber meine Taschen sind leer..."
Der Blonde fuhr herum. "Moses? Sie haben ihn Moses genannt?"
"Nun, den Namen, den die Echse im Einwanderungsbüro genannt hat, konnte ich nicht aussprechen --"
"Was hat sie gesagt, Mssachhs etwa?" Der Junge bekam das Wort tatsächlich fehlerfrei über seine Lippen, sämtliche Fauch- und Zischlaute inklusive. Als Frans nickte, lachte Siwa Hendricks abermals, so daß Frans sich unwillkürlich fragte, in welches Fettnäpfchen er da gerade ahnungslos getreten war.
"Mit diesem Wort bezeichnen die Sfarrk generell ihre Brut." wurde er sogleich aufgeklärt. "So was wie Namen in unserem Sinne haben sie nicht, obwohl sie sich untereinander irgendwie identifizieren können. Sfarrk in Dauerpositionen werden üblicherweise mit ihren Dienstbezeichnungen angeredet, also als Mechaniker, Operator oder Bodenschrubber. Nur die ganz hohen Chargen tragen echte Eigennamen, und das sind dann meistens endlose Ketten von Abstammungslisten und Ehrenbezeichnungen. Wenn Sie dem Kleinen tatächlich einen Namen verliehen haben, dann wundert es mich nicht, daß er Sie am liebsten behalten und adoptiert hätte. Der wird jetzt stolz wie Oskar sein." Er lachte immer noch.
"Oh." machte Frans. Er runzelte die Stirn. "Habe ich da einen Fehler gemacht?"
"Haben Sie ihm die Bedeutung des Namens erklärt?"
"Äh, ja, er hat mich danach gefragt."
"Nun, dann haben Sie wohl seinen Beruf für den Rest seines Lebens festgelegt. Als Moses - als Führer für die Fremden, der hier hoffentlich nie das Wasser teilen muß."
"Das wollte ich gar nicht. Äh, Sie wissen auch, was Moses bedeutet?" Frans war jetzt mit voller Absicht in sein heimatliches Yankee-Englisch zurückverfallen. Er wollte mal sehen, ob...
"Na klar, ich bin ja schließlich klassisch gebildet." antwortete der Junge unbeeindruckt und  gleichfalls auf Englisch. Er sprach es flüssig und mit amerikanischem Ostküsten-Akzent, aber mit hörbarem knurrendem Unterton dieser Alien-Sprache, die sie bis jetzt benutzt hatten, offenbar verkehrte er ziemlich viel in dieser Zunge und wurde die Sprechweise nicht so schnell wieder los."Wann sind Sie übrigens hier angekommen?"
"Das ist schon einige Stunden her, und ich war schon vorher viel auf den Beinen."
"Dann sind Sie sicher müde und hungrig, selbst wenn Sie nicht vor irgendwas Zähnestarrendem davonlaufen mußten." Er grinste und winkte Frans, ihm zu folgen, und sie wechselten vom Livingroom in eine fast gleichgroße Küche, wo der Junge sich sofort an Tiefkühltruhe und Ofen zu schaffen machte und Päckchen vom einen ins andere schob. "Setzen Sie sich, in ein paar Minuten gibt´s was feines. Ich hoffe, Sie mögen Jägerglück."
"Ich glaube, ich hatte bisher noch nicht die Ehre."
"Dann lassen Sie sich überraschen. Und keine Sorge, ich hatte oft genug Küchendienst. Meine Werke sind inzwischen selbst für menschliche Gaumen genießbar."
Gut zu wissen, dachte sich Frans. Der Junge schien ihm freundlich und gut gelaunt, kaum vorstellbar, daß er als Gesetzloser auf diese Station gekommen war. Ein angenehmer Duft nach Essen breitete sich vom Herd her aus, und Frans spürte, wie ihm das Wasser im Mund zusammenlief. Siwa suchte in dem Einbau-Vorratsschrank nach Getränken und Geschirr. "Was trinken Sie, Wasser, Coke, Saft, Biruzz?"
"Was ist das, Biruzz?"
"Ein Dhoanor-Gesöff, ein niedrigprozentiger Mix aus Bier und Fruchtsaft. Zum Glück stinkt es nicht so teuflisch wie die echt harten Dhoanor-Stöffe, bei denen fällt unsereins allein schon vom Bukett um. Sonst haben Katzen doch angeblich viel feinere Nasen als wir, aber wie die dieses Zeug verkraften... das ist echt widernatürlich."
Dhoanor, also so hießen die Katzenwesen. und Sfarrk die Echsen, alles klar, und jetzt wußte Frans auch, was in jener Kneipe, an der er vorbeigekommen war, so teuflisch gestunken hatte - kein Reizgas, sondern außerirdische Spirituosen. Er nahm nickend die gekühlte Flasche entgegen, die Siwa ihm frisch geöffnet reichte, schnupperte mißtrauisch und versuchte dann einen Schluck. Es war herrlich kühl, prickelte fast wie Champagner auf der Zunge und schmeckte gar nicht so übel. "Daran könnte ich mich gewöhnen." lächelte er und nahm einen zweiten Schluck, der schon deutlich größer ausfiel.
"Übertreiben Sie´s nicht." warnte der Blonde prompt. "Es schmeckt wahnsinnig lecker, aber auf leeren Magen wirkt selbst das niedrigprozentige Zeug recht fix. Ich muß mich immer zurücknehmen, weil ich leider gar nichts vertrage. Drei Flaschen von dem Zeug, und ich schlafe wie ein Baby. Und habe morgen einen Kater so groß wie der Himalaja." Er grinste entschuldigend und nahm sich selbst einen Saft. Dann piepste der Ofen, und er servierte das fertige Mahl, das herrlich duftete. "Wohl bekomm´s."
Er hatte sich selbst auch Geschirr bereitgestellt, aber die Portionen waren gigantisch und hätten für mehr als zwei Esser gereicht. Normalerweise, aber Frans war wirklich hungrig, seine letzte Mahlzeit
war ein geschnorrtes Sandwich zu Mittag gewesen in einer Studiokantine, vor vielen, vielen Stunden auf der Erde und vermutlich viele, viele Lichtjahre von hier... jedenfalls verschwand das Zeug in Windeseile. Die gekochten Kartoffeln als Beilage konnte er identifizieren, sie schmeckten sogar besser als die, die er sonst so in irdischen Restaurants bekommen hatte, vermutlich eine besondere Zucht, dachte er, oder auf besonderem (außerirdischem?) Boden angebaut. Das andere war ein Wurzelgemüse, vielleicht Schwarzwurzeln wegen der hellen Farbe, in Sahnesoße, auch das konnte als irdisch durchgehen. Nur beim Fleisch fragte er sich, von welchem Tier es stammte. Für Rindfleisch war es viel zu zart, für Geflügel stimmte der Geschmack nicht, und es enthielt seltsame dünne Knorpel, die sich wie Rippenreihen durch die Struktur zogen... eine Fischart vielleicht, obwohl es nicht fischig schmeckte? Er fragte seinen Gastgeber.
"Jägerglück stammt nicht vom Tier, es ist rein vegetarisch. Die Dhoanor züchten die Pflanze schon seit Jahrtausenden. Die Gewächse sehen aus wie Tannenbäume mit dicken, fleischigen Blättern, die mit fürchterlichen Stacheln bedeckt sind. Wenn man den Trick kennt, kann man sie aber ganz leicht schälen, ohne sich die Finger zu zerstechen. Geht fast wie Bananenschälen." Siwa zeigte seine Hände. "Sehen Sie, meine Haut ist noch ganz, und ich habe schon Unmengen von Jägerglück geschält. Der Name ist übrigens ein Produkt des typischen Dhoanor-Humors. Der Jäger, der nichts lebendiges fängt, ist glücklich, wenn er wenigstens einen Baum rupfen kann, oder so." Er grinste abermals und widmete sich seiner eigenen Portion, die trotz der Menge mit unglaublicher Geschwindigkeit verschwand.
"Ich bin wohl gerade richtig zum Essen gekomen," kaute Frans.
'"Nö, nicht unbedingt, aber als Matrixtechniker bestehe ich praktisch nur aus Magen. Wir haben von Berufs wegen einen immensen Kalorienumsatz, deshalb ist so ein kleiner Zwischenimbiß immer willkommen."
Kleiner Imbiß, meine Fresse, dachte sich Frans, verschluckte es aber zusammen mit einer Ladung Kartoffeln. "Ist das hier Ihr Apppartment?" fragte er dann, um Konversation zu machen.
"Nein, es gehört Andreou, dem Ratspräsidenten von Otrona. Der hat mehrere Wohnungen nahe des Can Tuan, deshalb stellt er die hier für mich bereit, wenn ich mal hier weile. Was nicht oft der Fall ist, wir M-Tecs sind hier ja nicht gerade beliebt, und Patsis macht sich auch keine Freunde, wenn er zu oft mit unsereins herumhängt."
"Als Benuna?" klopfte der Schauspieler sacht auf den Busch.
"Ja, genau. Sie hatten echt Glück, daß man Sie in Ruhe gelassen hat, nicht alle von dem Abschaum hier auf Otrona achten das Anfänger-Symbol, obwohl sie wissen, was ihnen  blüht, wenn sie einem Frischling zu nahe treten." Siwas Zeigefinger wies auf das Emblem auf Fransens Overall.
"Ach übrigens, ich glaube, wir haben uns noch gar nicht vorgestellt." fiel ihm dann ein. "Siwa Hendricks aus Lyon´s Home, das liegt in Pennsylvanien, nicht weit vom Big Apple entfernt." grüßte er und streckte die Hand aus.
"Frans Hauser. Meine Eltern stammten aus Germany, nahe der niederländischen Grenze, aber ich wohne in L.A.."
"Aus L.A., der Urheimat des Films also, Hollywood und so. Genau der richtige Ort für Schauspieler." meinte Siwa.
"Genau. Aber, sagen Sie mal, wo genau bin ich hier eigentlich? In einem Moment saß ich noch in meinem Zimmer in Downtown L.A. und unterschrieb diesen Vertrag, und im nächsten Moment hat mich ein Tornado davongetragen und hier auf Otrona abgesetzt wie weiland Dorothy im Land Oz."
Siwa lachte wieder. "Man hat Ihnen einen sogenannten Portschlüssel untergejubelt, der Sie über tausende von Lichtjahren direkt hierherteleportiert hat. Solche kindischen Tricks sind typisch für unsere fiesen außerirdischen Oberbosse, die Benu. Die lieben solchen Schwachsinn. Otrona ist eine Raumstation, wie Sie schon bemerkt haben, und schlappe dreißigtausend Lichtjahre von der Erde entfernt, im Dhoan-System, dem Heimatsystem der Dhoanor."
"Und Sie kamen über Na-Na... dingsbums hierher?"
"Ah-Nafress." machte Siwa den unaussprechlichen Namen vor. "Das ist ein Sfarrk-Name, weil Nh´Nafress zum Imperium der Sfarrk gehört. Nh´Nafress ist ein marsähnlicher Planet so ungefähr auf halbem Weg zwischen hier und der Erde, deshalb dient er als Relaisstation für den Durchgangsverkehr."
"Ich war im Dock, als Sie ankamen, oben auf der Zuschauerplattform, und habe das Schiff gesehen, den "Feuerzahn"."
Siwa nickte. "Eine Hammer-SyMOr. Klein aber fein, und vielleicht bald mein. Ich mache gerade den Flugschein dafür, wissen Sie. Die Theorie ist kein Problem, dafür gibt es Hypno-Programme, aber bis man die für die Prüfung benötigten Flugstunden zusammen hat, geht man auf dem Zahnfleisch. Länger als vier Stunden am Stück kann man nicht am Steuer sitzen, danach wirft einen die KI aus dem System für die nötige Ruhepause. Und die Flüge dauern eh selten länger."
"Vier Stunden? Von Nh-Nafress bis hier?" Über tausende von Lichtjahren? Frans konnte es kaum glauben.
"Hammer-SyMOrs sind fixe Kerlchen." Siwa grinste wieder. "Von Null auf Warp Neun in nullkommanix, und sie können praktisch aus dem Stand heraus springen - das heißt, auf Überlicht gehen. Sie brauchen auch keine saubergeputzten Einsprungzonen, weil sie über extrem starke Schutzschilde verfügen. Wenn Sie es mal ausprobiert haben, werden Sie verstehen, warum einen die KI immer wieder rauswirft -- rauswerfen muß. Sobald man sich erst einmal ins System eingeklinkt hat, möchte man es nie wieder verlassen."
Frans schüttelte nur ungläubig den Kopf. "Das hört sich an wie Krieg der Sterne."
Der blonde Junge nickte eifrig. "Ich kenne die Serie und liebe sie." lachte er. "Nur schade, daß es nur so wenige Originalepisoden gab... die späteren TriVi-Serien waren nicht mehr halb so gut. -- Werden Sie in so einem Film spielen?" frage er dann neugierig. "Man hat mir gesagt, daß es Science Fiction werden soll..."
"Mehr weiß ich leider auch nicht. In dem Schriftstück, das mir zugeschickt wurde, war von einer mehrtägigen Testphase die Rede, und daß das Genre Science Fiction sein soll. So was wie ein Drehbuch oder wenigstens ein Filmtitel oder eine Rollenbeschreibung war nicht dabei."
"Ich kann mal nachsehen, ob ich inzwischen weitere Anweisungen bekommen habe, was Sie betrifft. Man hat mir auf Nh´Nafress nur gesagt, daß ich Sie hier unter meine Fittiche nehmen soll, aber nicht, was danach passiert. Das ist übrigens ganz normal für uns Benuna, daß wir unsere Anweisungen von oben häppchenweise bekommen, und uns den Rest selber dazudenken müssen." Er war aufgestanden und stand jetzt vor der kleinen  Couch, die die Küche wohnlicher machte. Aber er setzte sich nicht hin, sondern streckte die Hand dagegen aus und sagte laut "Platz!", wie zu einem unsichtbaren Hund...
« Letzte Änderung: 17. Januar 2013, 13:21:59 Uhr von DAOGA »

Offline DAOGA

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #14 am: 17. Januar 2013, 12:39:19 Uhr »
Aber es war kein Hund, der aus dem ziemlich großen, blauen, kugelförmigen Blitz, der plötzlich direkt über der Couch aufflammte, materialisierte. Es war etwas flaches und viereckiges, in dunklem Rot und Gold und Chrom. Bedenkenlos griff Siwa nach dem Objekt, das auf die Kissen geplumpst war, und brachte es zum Eßtisch.
Es war ein Laptop, stellte Frans fest, ein aktentaschengroßer Apparat in dunkelrotem Kunstleder, das Firmenemblem in Gold beidseitig aufgedruckt, ein regelrechtes Steinzeit-Monstrum von Gerät. Das überraschte ihn, schien die Technologie an diesem Ort doch generell weiterentwickelt zu sein als dort, wo Frans herkam, und dort waren die Laptops inzwischen schon viel kleiner und flacher...
"Teleporter-Funktion." sagte Siwa nur als Erklärung. "Die haben diese Dienst-Laptops der Benu Incorporated alle. Zum Glück für uns ZBVler, weil wir die schweren Dinger deshalb nicht ständig mitschleppen müssen, es reicht, sie zu rufen, wenn wir sie brauchen." Er klappte bereits den Deckel auf, wodurch die üblichen Bestandteile eines Laptops, ein flaches Display und eine Tastatur, sichtbar wurden.
"Schirm. Neuer Inhalt." sagte er dann, wieder in der Alien-Sprache, aber nicht an Frans, sondern an den Laptop gewandt. Ein immaterielles, vermutlich holografisch projiziertes Blatt schob sich senkrecht aus der Spalte zwischen Display und Tastatur und zeigte mehrere Zeilen in leuchtender Alien-Schrift.
Siwa deutete mit dem Finger auf die Zeilen. "Die mit dem komischen Symbol da, das sind neue Lehrprogramme für ich, ich bin nämlich immer noch Lehrling. Das Symbol bedeutet aber nicht "radioaktiv", wie man fast glauben könnte, sondern zeigt, daß es hypnotisch unterstützte Programme sind. Oder mit anderen Worten, ich soll sie nicht abspielen, wenn andere Leute anwesend sind, weil ich die sonst alle mit einer mörderischen Migräne beglücke, die Dinger strahlen nämlich fürchterlich aus. Es reicht völlig, wenn ich selber nach einer Stunde Lehrprogramm für den Rest des Tages wie ein hirntoter Zombie herumwanke... aber da, da ist was offenes. Könnte ein Memo über Sie sein." Er öffnete die Seite, indem er die projizierte Farbfläche berührte.
Die erste Seite, die kam, war offensichtlich eine Kopie aus einem ziemlich alten Druckwerk, dem Stil der Buchstaben nach, und sie enthielt sogar ein paar kleine Scharzweiß-Zeichnungen. Die beiden lasen, und da Siwa in Schnelllesetechniken geübt war, war er der erste, der losprustete. "Captain Future, der Weltraumheld, Hexenmeister der Wissenschaft!" lachte er. "Also das soll Ihre Rolle sein! Klasse, ich liebe dieses lustige Retro-Zeug..."
Noch nicht ein einziger Take im Kasten, und schon ein erster Fan. So schlimm konnte es also nicht werden, Frans war beruhigt. Sie studierten das Memo weiter, und kicherten immer wieder, vor allem als sie die Datei mit der ersten veröffentlichten Filmversion des Materials entdeckten, eine japanische Zeichentrickserie, und sich durch die verschiedenen Länderversionen mit ihren unterschiedlichen Soundtracks hangelten.
"Voll abgedreht." meinte Siwa schließlich und mit ehrlicher Begeisterung. Verdammt, er liebte so altmodisches Zeug, kaum zu fassen, daß er nie zuvor davon gehört hatte...
"Sie meinen also, das könnte ein Erfolg werden? Ich meine, hier, im echten Weltraum, unter echten Aliens..."
Siwa grinste verschmitzt. "Hängt ganz vom Talent des Drehbuchautors ab. Eine gut gemachte Abenteuerstory geht immer und überall, egal wie hanebüchen sie sonst aufgezogen ist. Hin und wieder gibt es Phasen, in denen Retro total in ist. Und Sie dürfen den reinen Nonsens-Faktor nicht unterschätzen. Diese Zeichentrickfilme scheinen ja ungewollt recht komisch zu sein. An Geldmangel jedenfalls wird das Projekt garantiert nicht scheitern, die Benu Inc. hat es dicke. Wenn die sagen, die wollen das durchziehen, dann machen die das auch." Während Frans sich beruhigt wieder der unterbrochenen Mahlzeit zuwandte, suchte Siwa weiter, ob er vielleicht noch irgendwelche Anweisungen aus der Chefetage der Firma fand.
"Ich hätte da noch ein paar Fragen. Zum Beispiel zu den Sfarrk..."
"Oh, ja. Sich an die zu wenden war ein echter Geniestreich von Ihnen, was besseres hätten Sie gar nicht machen können."
Da Frans ihn jetzt interessiert anblickte, holte Siwa weiter aus. "Die eidechsenähnlichen Sfarrk, die Sie bis jetzt gesehen haben, sind in Wahrheit alles Arbeitsdrohnen, kleinwüchsige Sklavenarbeiter. Sie stammen alle von einer einzigen Mutter ab, der Brutmutter, die ihr Nest irgendwo im Unterdeck, tief verborgen in den Eingeweiden der Station hat. Sfarrk sind zwar warmblütige Reptilien, aber ihre Gesellschaft ist als Schwarmintelligenz aufgebaut wie ein Bienenstock auf der Erde. Die Sfarrk kamen vor ein paar Jahrzehnten nach Otrona, als eines der Piratenschiffe, die hier ihren Heimathafen haben, das Wrack eines Sfarrk-Schiffes entdeckte, mit der noch lebenden Sklaven-Brutmutter und ein paar von ihren Jungen an Bord. Da man mit ihnen nichts anfangen konnte und das Sfarrk-Imperium sie auch nicht zurückhaben wollte, hat man sie in die Unterdecks abgeschoben, die Armenviertel von Otrona, und dort, zwischen Abfall und Ungeziefer, fanden sie ideale Vermehrungsbedingungen. Wieviele es heute von ihnen auf der Station gibt weiß keiner, vermutlich sind es einige tausend. Da sie sich aber als geborene Sklavennaturen als fleißige Arbeiter erwiesen haben, denen kein Job zu mühsam oder dreckig ist, haben sie inzwischen überall ihre Klauenfinger drin, sie wissen und können alles und haben sogar einen eigenen Sitz im Rat, dem sie offiziell direkt unterstehen. Reinrassige Sfarrk, also nicht die kleinen Arbeitsdrohnen, sieht man her sehr selten, und nur als Besucher aus dem Sfarrk-Reich. Man kann sie schon auf den ersten Blick von den Drohnen unterscheiden durch ihre Form und ihre Größe, sie sehen nicht wie Eidechsen aus, sondern wie Raubsaurier von der Erde, nur mit vier Armen, und da sie ihr ganzes Leben lang weiterwachsen, können sie gigantische Ausmaße erreichen. Die reinrassigen alten Brutmütter auf ihrer Heimatwelt sind so groß, daß sie sogar einem irdischen T-Rex Respekt einflößen würden. Übrigens waren es damals beim Überfall - von dem haben Sie bestimmt gehört - die Sfarrk, die das Söldner-Invasionsheer aufgerieben und vernichtet haben. Sie brauchten damals eine eigene Erlaubnis vom Rat, oder von dem, was damals vom Rat noch übrig war, weil sie ja eigentlich nur Sklaven sind und genetisch auf absoluten Gehorsam ihrer Brutmutter und den Vorgesetzten der Brutmutter gegenüber getrimmt. Aber als sie dann die Erlaubnis hatten loszulegen..."
Siwa schüttelte den Kopf, seine Miene war ernst. "Ich war damals dabei und habe es miterlebt, wissen Sie. Den Söldnern haben ihre modernen Waffen und Kampfanzüge nicht das geringste genützt, die Sfarrk hingen in ganzen Trauben an ihnen und haben sie einfach in Stücke gerissen. Es war ein Blutbad. Und anschließend ein Festmahl für die Sfarrk. Was ein Sfarrk tötet, das frißt er auch. Jedenfalls ist nicht mehr allzuviel von den Invasoren anschließend in den Recycling-Gruben gelandet..."
Frans starrte auf die Reste seiner Mahlzeit, die ihm auf einmal nicht mehr schmecken wollte. Siwa fuhr unbeirrt fort. "Nun, die M-Tecs haben die Sfarrk schon vorher immer mit größter Hochachtung behandelt, obwohl es bis heute viele Leute gibt, die darüber die Köpfe schütteln, und ich habe damals, beim Überfall und bei den Aufräumarbeiten danach, den Grund für diese Hochachtung erfahren. Heute, kann ich sagen, stehen wir Benuna auf bestem Fuß mit ihnen. Sie sind die heimlichen Herrscher der Station, und auch auf Otrona Zwei, wo ich mich meistens aufhalte, wenn ich in diese Gegend komme. Wir haben da drüben nämlich inzwischen eine eigene Brutmutter. Keine Tochter der hiesigen, weil sie nämlich schon zu alt war um eigene, fortpflanzungsfähige Töchter zu produzieren, sondern ein junges Exemplar direkt von Sfarrka´Na, ein kostbares Geschenk der Kaiserin der Sfarrk."
"Und Sie haben keine Angst, daß diese Wesen irgendwann über Sie herfallen, wenn sie einen Befehl dazu bekommen? So wie die Klonarmee über die Jedi?"
Die Star Wars-Anspielung brachte Siwa wieder zum Lächeln. "Nein, haben wir nicht. Die Hochachtung, von der ich sprach, beruht auf Gegenseitigkeit, ein paar von uns haben sich in den Augen der Sfarrk als ebenbürtig und geeignete Anführer bewiesen, die selbst der Brutmutter Befehle erteilen dürfen. Und ihre Loyalität wurde von ihrer Kaiserin auf die Führer der Station übertragen, das heißt auf den jeweiligen Rat. Nur ein einstimmiger Ratsbeschluß kann die Armee der Echsen in Bewegung versetzen, und zumindest auf Otrona Zwei haben da die Benu, unsere Oberbosse, ein Wort mitzusprechen. Hier auf Otrona Eins sind es die Grünen, die für die Lebenserhaltungssysteme zuständige Arbeiterkaste, die mit den Sfarrk zusammenstehen und meistens gegen den Rest des Rates stimmen, der überwiegend aus waschechten Ganoven und Banditen besteht. Der Stern der Verbrecher hat da schließlich seinen Ruf zu wahren. Politik halt, wie überall im Universum... aber jetzt Schluß mit den Gute-Nacht-Geschichten, Ihnen fallen ja schon die Augen zu." lachte der Junge ihn an.
Frans seufzte und nickte müde, während er unbeholfen das geleerte Geschirr zusammenschob. Er hätte auf der Stelle aufs Gesicht fallen und einschlafen können.
« Letzte Änderung: 17. Januar 2013, 13:27:35 Uhr von DAOGA »