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DAOGA / Re: CF der Film - Version 2772
« Letzter Beitrag von DAOGA am 16. Juli 2019, 14:51:40 Uhr »
Aus einem der Kokons ertönte eine Antwort. Es klang wie ein kurzes, leises Kläffen von einem kleinen Hündchen.
Und den dreien schwante etwas. Die Haustiere von Grag und Otho, die an einigen Stellen eine wichtige Rolle spielten - ein metallfressender Mondhund  und ein wandelfähiges Meteorchamäleon?
Kaum gedacht, da  rissen die beiden Kokons auch schon auf, auf dem Rücken der Spinnencyder, die sich geduldig niedergekauert hatte.
Etwas weißes, flauschiges quoll aus dem einen, etwas graues, irgendwie schlangenartig verknotetes aus dem anderen. Das Weiße kugelte in Signys Hände, weil er am nächsten stand, und da Frans sich so gar nicht bewegen mochte angesichts des Unbekannten, nahm Siwa, der weniger Berührungsängste mit den Produkten der Werft kannte, das unförmige graue Ding entgegen.
Beide Dinger, weiß und grau, mußten sich erst entfalten, weißer Pelz und graue Hautfalten schoben sich auseinander -- und dann blickten den dreien zwei allerliebste Tiergesichtchen entgegen, mit riesigen Augen, rosigen Nasenspitzen und kleinen Mäulern, die jedoch schon kleine spitze Zähnchen enthielten, wie Signy zu spüren bekam, als sein Exemplar besagte Zähnchen an einem seiner Finger testete.
„Autsch!“ machte er reflexhaft, obwohl kein Schaden geschehen war, die Androiden- sorry, Golemhaut war nämlich reichlich zäh.
„Ich glaube, das hier ist deiner.“ meinte Siwa und reichte ihm das graue Wesen, das im Moment einer sehr schwangeren, sehr kurzen Schlange mit Mopsgesicht glich, oder einem beinlosen Tatzelwurm.
Mit gebührender Vorsicht, obwohl auch seine Haut dicker und besser geschützt war als die eines normalen Menschen, nahm er dafür das weiße Fellknäuel entgegen, da „Grag“ im Hintergrund sich nach wie vor nicht bewegen wollte.
„Ich glaube, ich nenne dich „Fluffy“,“ erklärte er dann hoheitsvoll.
„Iyiek!“ quietschte das Tier prompt, und grollte aus der Tiefe seiner winzigen Brust. Was ganz klar eine Verneinung war, sein Name schien ihm einprogrammiert zu sein.
„Also gut. Yiek. Besser?“ Ein diesmal zustimmend klingendes Kläffen besiegelte die Taufe, und eine nasse Hundeschnauze drückte ein Küßchen in Siwas Gesicht.
„Dann ist das hier Oog, mein Haustier. Ich hatte bisher noch nie ein Haustier!“ Signy wirkte etwas ratlos, mit der seltsamen „Schlange“ in der Hand, die in diesem Moment anfing sich zu verändern, indem ihr nämlich plötzlich vier Gliedmaßen wuchsen. Und noch zwei mehr, so daß der mythische Tatzelwurm komplett war, und das Tier sich sanft aber bestimmt an Signys Händen festklammern konnte.
„Behalt es einfach immer bei dir, füttere es regelmäßig aber mit Maßen, und versuch nicht versehentlich draufzutreten, dich draufzusetzen oder es irgendwo einzuklemmen.“ riet Siwa, der in einem Dorf mit vielen gleichaltrigen Kindern samt deren Haustieren aufgewachsen war. „Der Rest kommt im Lauf der Zeit von selber.“
„Was sind sie?“ wollte Frans wissen.
„Es sind ebenfalls Cyders, nur daß sie nicht auf Insekten oder Würmern basieren, sondern auf anderen Tierarten. Und vermutlich können sie etwas unabhängiger von ihrer Mutter-SyMOr agieren, weil sie speziell für Außeneinsätze geschaffen sind.“ Siwa fuhr prüfend mit den Fingern durch weißes, flauschiges Fell, spürte der Konsistenz der einzelnen Haare nach.
„Bei Fluffy hier ... sorry Yiek natürlich -„“ weil das kleine Knäuel prompt wieder begonnen hatte zu knurren - „vermute ich, daß er hauptsächlich aus Oonark-Genen besteht, gemischt mit normalem Haushund. Das heißt, daß er wahrscheinlich keine Sauerstoffatmosphäre braucht. Obwohl ich das nicht gleich an einem Neugeborenen testen würde, sondern erst später, wenn er ausgewachsen ist. Was er gerne frißt, finden wir noch heraus, es würde mich nicht wundern, wenn wir einen Kieselsteingarten für ihn bräuchten, fürs Futter genauso wie für seine Hinterlassenschaften.“
Und Frans erinnerte sich an ihre Begegnung mit der friedlichen Oonark-Familie auf dem toten Planeten Sonabir. An mächtige Steinbrecher-Kiefer, rotglühende Augen, ein zebraartig schwarzweiß gestreiftes Vorderteil und einen dicht weiß bepelzten Hintern, der ebenso der Energiezufuhr wie als Schutzwall gegen übermäßige Strahlung diente. Und an die schiere Größe der ausgewachsenen Exemplare.
„Meinen Sie, der hier wird auch mal so groß?“
„Unwahrscheinlich. Der Größenwuchs läßt sich ziemlich einfach beschränken, Zwergformen bringt schließlich auch die Natur ständig hervor, wenn die Nahrungsversorgung zu wünschen übrig läßt.“
„Was ist mit Oog?“
„Der scheint stark nach den gleichen Prinzipien wie unser Grag hier zu funktionieren, ich kann hier jede Menge nanotechnologische Aktivität feststellen, auf der seine Wandlungsfähigkeit beruht.“
Der Matrixstein im Ring an Siwas rechter Hand hatte in mildem blauem Licht zu glühen begonnen, so daß die anderen zwei wußten, er musterte das Cybertier gerade in der matrixgestützten Aurasicht, die einem so viel mehr verraten konnte als normale menschliche Sicht oder normale, menschengemachte Instrumente.
Frans hatte seinen eigenen neu erworbenen Ring, zusammen mit der Karte, wieder in seinen Laptop gelegt, denn er wußte genau, daß es Anfängern wie ihm noch nicht erlaubt war, den Ring ständig an sich zu tragen, so wie es der Dreiergeselle Siwa tun durfte.   
„Hat man diese - Wesen - jetzt erst erschaffen, in dieser kurzen Zeit?“ fragte er jetzt, und war mal wieder beeindruckt.
„Das ist eher unwahrscheinlich. Wir wissen ja, daß dieses Filmprojekt viele Jahre Vorlaufzeit hatte, vielleicht hat man sie schon vor Jahren erschaffen und dann in einem Stasisfeld auf Eis gelegt, bis es Zeit war für sie, geboren zu werden und ihre Rollen zu spielen.“
„Darf ich mal?“ Mit gebührender Vorsicht, eingedenk der scharfen Zähne, die Yiek an Otho/Signy getestet hatte, nahm Frans das Flauschbündel entgegen und strahlte dann selig, als Yiek auch ihn zur Begrüßung „küßte“, und den Kontakt mit einem zufriedenen Kläffen besiegelte.
„Als Kind habe ich mir immer einen Hund gewünscht, aber ich bekam leider nie einen.“ sagte er dann, mit einem Freudentränchen im Auge. „Darf ich mich um ihn kümmern?“
„Müssen Sie wohl sogar, solange unser Grag noch nicht einsatzbereit ist.“ meinte Siwa mit einem Blick auf die stille Statue. „Da fehlt noch die eigenständige Persönlichkeit, die fähig wäre, sich um ein Haustier zu sorgen.“
„Ich dachte, der wird über die Kay gelenkt.“
„Eine eigenständige Persönlichkeit wäre besser, und ich kann mir vorstellen, daß auch da eine Lösung gefunden werden wird. Unsere Crew wächst jedenfalls. Fliegen wir los?“
„Jawollja!“ freute sich Signy und schwang sich in seinen Sitz. Oog saß sechsbeinig auf seiner Schulter festgeklammert und hatte sich per ausgebildetem Pseudo-Schwanz zusätzlich gesichert.
Auch die anderen enterten ihre Plätze, und Yiek dachte gar nicht daran, aus dem Arm von Frans zu entweichen. Und dann erstarrte er, als das Stasisfeld seine kleine Kuppel spannte und Frans schützend umhüllte, schmerzlos versteinert in der Zeitlosigkeit, die er hinterher wahrscheinlich gar nicht als Unterbrechung wahrnehmen würde.
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DAOGA / Re: CF der Film - Version 2772
« Letzter Beitrag von DAOGA am 11. Juli 2019, 14:38:18 Uhr »
„Morgen, Frans.“ grüßten die zwei anderen ihn, von denen Siwa bereits wieder beim Essen war.
Er hatte wohl doch etwas länger geschlafen als gedacht.
Frans zog sich ein Less aus dem Küchenautomaten, weil dessen angenehm vanilleartiger Geschmack ihm zusagte, beäugte was auf dem Tisch stand, und setzte sich dazu.
„Ich habe geträumt. Von einem Benu.“ begann er.
„Ja?“ Siwa war ganz Ohr.
So fix in Traumdeutung wie der uralte, erfahrene und in Psychologie geschulte Tom war Siwa bestimmt nicht, dachte Frans, aber dank seiner gemachten Erfahrungen wußte auch das junge Original, daß alles, was mit den Benu zusammenhing, potentiell eine tiefere Bedeutung haben konnte, sogar ein Traum. Deswegen tat Siwa ihn nicht von vornherein als bedeutungslos ab, wie die meisten normalen Menschen es getan hätten.
„Ich fragte ihn nach dem Grund für alles, und er sagte zwei Worte: sympathische Reaktion.“
„Und Sie fragen sich jetzt, war das wieder ein echter Besuch oder doch nur ein Traum.“
Frans nickte.
„Nun, bei unseren fiesen Oberbossen ist so ziemlich alles möglich, auch daß sie in unseren Träumen herumpfuschen. Was wir Matrixtechniker unter einer sympathischen Reaktion verstehen, wissen Sie vermutlich.“
Frans nickte wieder und grinste. „Tom hat sie ständig, er läßt sie mit voller Absicht zu, weil er sich dann jedesmal köstlich über die Reaktionen seiner Umwelt amüsiert. Er ist einfach ein hoffnungsloser Angeber.“
„Wie das?“ wollte Signy wissen.
„Nun, wie alle hochrangigen Matrixtechniker hat er eine Fluggestalt. In der klassischen Grundform eines Feuervogels, eine Benu-Imitation.
Weil die Kontaktstellen zur Gestalt in seiner Aura stecken, reagiert die Aura jedesmal sympathisch, wenn sie künstlich für irgendeine Arbeit aufgeladen wird, und versucht die Form der Gestalt nachzubilden, beginnend bei den Flügeln. So steht Tom dann jedesmal mit vermeintlichen Engelsflügeln aus purem Licht da, und wird von meinen Zeitgenossen regelmäßig für den getarnten Erzengel Gabriel oder ein ähnliches mystisches Wesen gehalten.
Das weiß er natürlich genau, der Witzbold, und lacht sich jedesmal einen ab.“
Jetzt lachten die zwei anderen auch.
„Typisch Tom.“ sagte Siwa dann über seinen,  zu Fransens Zeit knapp tausend Jahre alten Klon.
„Aber was bedeutet sympathische Reaktion in Bezug auf den Film?“ fragte Frans.
„Darüber haben wir schon gesprochen. Die Multiversen, und welche Wirkung eine Fiktion bei uns auf andere Universen haben könnte, wo jedes unserer Hirngespinste vielleicht Realität wird.
Wir Menschen sind eine visuelle Spezies, für uns ist sehen gleich glauben, auch wenn es nur Hollywood-Tricks auf einer Leinwand sind, ein fliegender Superman, ein städteplättender Godzilla - aber in dem Moment, in dem wir es sehen, glauben wir an ihre Echtheit.
Auch wenn uns unser gesunder Menschenverstand gleich danach wieder sagt, daß es alles nur gut gemachte Tricks mit Modellhäusern und Schauspielern in Gummianzügen, mit Filmblut oder Computerpixeln sind.
Aber in den Momenten, in denen wir im Film versunken sind, da glauben wir, und die Energie von ein paar Millionen Gehirnen, die alle das gleiche glauben, hat verdammt viel Kraft. Kraft die sich bei uns nicht mehr auswirkt, da der Film ja schon Realität ist, man kann ihn sich wieder und wieder und wieder anschauen, aber irgendwo geht diese geballte, auf ein einziges Ereignis konzentrierte Energie hin, die verpufft nicht so einfach.
Durch das Ansammeln von solch geballten Energien kommen Dinge in Bewegung, Ereignisse, die sich vielleicht quer durchs ganze Multiversum ziehen wie wogende Wellen auf einem See. In einigen Universen, die dafür besonders empfänglich sind, mögen sie sich dann materialisieren. Scheinbar aus reinem Zufall heraus, tatsächlich aber in sympathischer Reaktion auf unsere konzentrierten Hirngespinste.
So befruchten sich die verschiedenen Universen ständig gegenseitig, ein ständiger Informationsaustausch. Der begann, als die allerersten intelligenten Wesen damit begannen, sich Dinge vorzustellen und  sich Geschichten zu erzählen.
Je mehr Zuhörer oder Zuschauer, die vor ihrem inneren Auge das gleiche sehen, um so mehr geistige Energie entsteht, eine stehende Welle, von Tausenden oder Millionen an Hirnen gespeist, wie ein Tsunami, der sich später an irgendeiner fernen Küste brechen wird.“
„Und wenn sich nichts geringeres als leibhaftige Halbgötter bemühen, dann muß was dahinter stecken. Denn die wissen genau, was sie tun und welche Auswirkungen quer durchs ganze Multiversum es haben wird.“ schlug Signy in die gleiche Kerbe.
„Vielleicht irren wir uns in ein paar Details, aber der grobe Kurs ist bereits festgelegt.“
„Ich weiß nicht, ist das nicht eine viel zu große Verantwortung für uns?“ fragte Frans, der wieder einmal eine tonnenschwere Last des bevorstehenden Schicksals im Genick zu fühlen glaubte.
Doch die zwei schüttelten unisono die Köpfe.
„Wir sind alle nur kleine Rädchen im Getriebe. Wichtige Rädchen im innersten Kreis des innersten Uhrwerks, aber trotzdem nur ein paar unter sehr vielen. Sie kriegen Ihr Drehbuch, sobald es fertig ist, und arbeiten es so gut wie möglich ab, wir anderen tun auch was wir können und so gut wir es fertigbringen, und mehr als das kann und wird niemand von uns erwarten.
Außer uns gibt es noch irrsinnig viele andere Faktoren, die zum Gelingen des großen Werks beitragen. Wenn wir irgendwie in die falsche Richtung gehen sollten, wird man das sehr schnell merken und korrigieren. Also bleiben Sie entspannt, bei so vielen Köchen, die um den Brei herumkreisen, viel mächtigere als wir es sind, kann die Sache nur schiefgehen.“
Wieder grinsten die beiden, und Frans war beruhigt.
„Mal schauen, ob wir was neues haben.“ meinte Signy dann.
Er sagte kein lautes Kommandowort, aber seine Handbewegung war unmißverständlich, denn gleich darauf materialisierte ein Laptop. Ein älteres Gerät, ziemlich angeschrammt, nachgedunkelt und verbeult aussehend - was angesichts der starken Schutzfelder, die auf den Geräten lagen, gar nicht hätte möglich sein dürfen, aber vielleicht wollte Signy es genau so haben, und hatte das Äußere des Kastens seinen Wünschen angepaßt.
Auch den Öffnungsbefehl mußte Signy nicht laut aussprechen, vermutlich kommunizierte er telepathisch mit dem Apparat.
Eine Schrift auf dem Monitor blinkerte grell.
„Wir sollen nach Kuppel A-3 kommen. Die nächsten beiden Besatzungsmitglieder auflesen und dann sofort dorthin, wo die Post abgeht, nach C-6. Das ist die Außenstelle der Werft, mit Hallen in jeder Größe und Farbe, wo sich jede nur erdenkliche Umgebung simulieren läßt, unser Drehgelände. Toll, es geht endlich los!“
„Haben wir schon was verpaßt?“ fragte Frans sorgenvoll, aber die beiden winkten ab. „Dann wären uns die Laptops vermutlich auf die Köpfe geknallt, als kleine handfeste Erinnerung, mal wieder reinzusehen.“ grinste Siwa. 
„Also gut. Wen finden wir in A-3? Das Gehirn - und Joan Randall! Na, da bin ich gespannt, wer die Glückliche sein wird!“
Beinahe im Laufschritt enterten die drei das Cockpit, wo immer noch reglos die Grag-Statue in der Landschaft stand. Aber gerade als sie sich in ihre Sitze werfen wollten, bemerkten sie eine ziemlich große, rötliche, spinnenförmige Cyder, die ihnen geschäftig und ziemlich fix nachkrabbelte und mit eifrigem Gezappel von ein paar überschüssigen Beinchen stumm um ihre Aufmerksamkeit bat.
Auf ihrem Rücken trug sie nach Spinnenart zwei rundliche Seidenkokons, in denen sich etwas bewegte - der Cydernachwuchs, bereit zum Geborenwerden?
„Was wird das jetzt?“ fragte Signy. „Sollen wir hier Hebammen spielen?“

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DAOGA / Re: CF der Film - Version 2772
« Letzter Beitrag von DAOGA am 8. Juli 2019, 17:24:20 Uhr »
Er ging voran, hinaus aus dem Cockpit, und die nächste Abzweigung gleich rechts. Da war gleich ein Wohn- und Aufenthaltsraum, nicht allzu groß, aber funktionell ausgestattet, einem kleinen, jungen Raumschiff vom Schlag der „Comet“ angemessen. Gleich nebenan lag ein Badezimmer, für den Fall, daß es einem Crewmitglied der Cockpitmannschaft mal pressierte.
Siwa erklärte Frans die Ausstattung, die sich von der auf Otrona unterschied, jedoch ebenso wie sie mit wenigen simplen Handgriffen so verändert werden konnte, daß sie auch in Schwerelosigkeit funktionierte, und einige andere Unterschiede zu den sanitären Anlagen, die Frans kannte.
Zum Beispiel daß hier kein Nachspülen nötig war, weil auch hier Cyders, die natürlichen Abfallentsorgern nachempfunden waren - hier hauptsächlich diversen Würmern, ein unheimliches Gewimmel in den Tiefen der Abwasserrohre, in die Siwa Frans mit Hilfe seiner Matrix einen kurzen Blick tun ließ - prompt für die nötige Reinigung und Wiederaufbereitung sorgten.
„Wenn Sie fertig sind, drücken Sie auf diesen Knopf, das ist das Zeichen für die Cyders, daß sie loslegen dürfen und Sie auch nichts wichtiges versehentlich in der Kloschüssel versenkt haben, Ihre Hausschlüssel oder was anderes.
Wenn Sie zu lange auf dem Lokus residieren, kann es aber schon mal passieren, daß eine übereifrige Cyder Sie in den Podex zwickt.“ behauptete Siwa dann mit schelmischem Grinsen, und Frans grinste zurück, weil er den Scherz erkannte.
Und dann ließ Siwa ihn allein, um als erster zu tun, wozu sie den Raum betreten hatten. „Ich komme Sie retten, wenn Sie zu lange brauchen oder das Schiff versucht, Sie aufzufressen.“ machte er Frans Mut, bevor er verschwand.
„Danke.“ lachte der zurück.
Als Frans fertig und gereinigt war, machten sie fliegenden Wechsel, und während Siwa den Badezimmerservice nutzte, bestaunte der Schauspieler, was die beiden während seiner kurzen Abwesenheit auf den Tisch des Wohnraumes gezaubert hatten, nämlich eine mehrgängige Speisenfolge, die für zehn hungrige Mägen gereicht hätte. Frans erinnerte sich allerdings an das Fassungsvermögen von Tom, und daß Siwa ebenfalls für zwei essen mußte, wenn er nicht wollte, daß sein „Haustier“ bald für sich selbst auf Futtersuche ging, und war daher sicher, daß die gute Ware nicht alt werden würde.
Signy setzte sich zwar dazu, aber nur wegen der Unterhaltung, das Essen rührte er nicht an.
„Wie machen Golems das mit dem Essen? Müßt ihr, könnt ihr überhaupt?“ fragte Frans neugierig mit vollem Mund.
„Wir können schon, wenn wir getarnt unter Menschen sind und es von uns erwartet wird, daß wir etwas zu uns nehmen. Es wird dann irgendwie energetisch verwertet, aber da wir hauptsächlich über unsere künstlichen Matrix-Herzen leben, sind wir nicht darauf angewiesen.“ gab Signy gerne Auskunft.
„Die reine Materialerneuerung, wenn Schäden oder Verschleiß auftreten, läuft bei uns ein bißchen anders als bei echtorganischen Lebewesen, das dafür benötigte Material läßt sich ohne Nahrungsaufnahme samt Restausscheidung absorbieren.“
„Praktisch.“ fand Frans und meinte es auch so. Andere Völker, andere Sitten. Inzwischen genoß er es, am laufenden Band von irgendetwas neuem überrascht zu werden.
„Darf ich eine sehr intime Frage stellen?“ sagte er dann.
„Nur zu, wir sind hier ganz unter uns.“ lächelte Signy, der den Inhalt wohl schon erahnte.
„Siwa sagte, Sie sind so etwas wie eine Gestalt, wie die Drachen oder Fluggestalten - aber Gestalten werden immer zu einem ganz bestimmten Zweck erschaffen, oder? Was ist der Zweck der Golems?“
„Kennen Sie den Ursprungsmythos der Golems?“ fragte Signy zurück.
„Der Golem des Rabbi Loew, der die Juden vor einem christlichen Mob schützen sollte?“
„Genau so ist es.“ antwortete Signy gemütlich. „Der Golem als Verteidiger der Unschuldigen.
Aber in weiter gefaßtem Sinne als nur bei religiösen Auseinandersetzungen unter Menschen. Genauso wie die Drachen sind wir eine weitere Verteidigungslinie gegen den Unsichtbaren Feind. Gut getarnt und somit fast unsichtbar bewegen wir uns unter den Menschen und suchen nach den Agenten des Feindes.
Genau das, was Tom Richards zu Ihrer Zeit tat und was Siwa und seine Kollegen heute tun. Wir sind also von Natur aus Verbündete. Und das war auch der Grund, warum meine eigenen ... Artgenossen ... entschieden, mich in die Gruppe der Lehrlinge einzuschleusen.
Es war ein Experiment, um herauszufinden, wie gut meine Tarnung unter realistischen Bedingungen unter Matrixtechnikern funktionierte - und wie gut die Zusammenarbeit laufen würde, wenn niemand wußte, was ich wirklich bin. Oder auch danach, was eigentlich nicht in dieser Form geplant war, oder zumindest nicht so früh in der Testphase. Als dieser Disruptor hochging und meine Tarnung wegbrannte, bin ich sauber aufgeflogen.“ Er zeigte ein schiefes Grinsen, und wechselte dann abrupt zu seiner ungetarnten, knochenweißen Golem-Gestalt, um die Szene damals zu verdeutlichen.
Frans bekam jetzt die Gelegenheit, dieses wahre Gesicht von Signy genauer als vorhin zu studieren, diese seltsam glatt wirkende, haarlose und perfekt weiße, an eine Schaufensterpuppe erinnernde Hülle, unter der sich ein hochgezüchtetes und zweifellos hochleistungsfähiges Amalgam aus synthetischem Fleisch und Matrixenergien verbarg.
„Paßt perfekt für Otho, den Androiden.“ befand er dann. „Wenn der Film mal einige Zeit gelaufen ist, können Sie und Ihre Artgenossen völlig ohne Tarnung in der Öffentlichkeit herumlaufen, weil jeder Sie einfach für einen kostümierten Fan des Films halten wird.“
„Vielleicht ist das sogar eine beabsichtigte Nebenerscheinung.“ meinte Signy dazu. Denn keiner von ihnen hatte eine Ahnung, wie viele Hintergedanken wirklich in diesem ganzen Filmprojekt steckten.
Und dann brachte Frans die anderen wieder zum Lachen, weil er ganz willkürlich ein monstermäßiges Gähnen produzierte.
„Tut mir leid, das war wohl etwas zu viel für Sie, für Ihren ersten Tag hier auf Nh´Nafress.“ lachte Siwa.
„Sind Sie satt? Dann kommen Sie, suchen wir eine Kabine für Sie. Im Augenblick hetzt uns noch keiner, Sie können in Ruhe ausschlafen.“
Gleich die nächste Tür nebenan offenbarte ein genauso gestaltetes Wohnabteil, komplett mit „Heimlich Gemach“, Bett und Schränken, in denen sich ein Vorrat von Ersatzkleidung und Wäsche fand.
Siwa zeigte Frans noch, in welches Fach man die getragenen Sachen zwecks Reinigung durch irgendwelche fleißigen Cyders schob, wünschte ihm eine gute Nacht und ließ ihn dann mit seinen Gedanken und seiner Müdigkeit allein. 
Der Schauspieler ließ sich ins Bett fallen und glaubte, trotz seiner mentalen Erschöpfung nie einschlafen zu können, so viele neue Eindrücke gingen in seinem Kopf herum - und doch war er nach wenigen Minuten einfach weg.
Irgendwann, viel später, träumte er.
Normale Träume, Szenerien seiner eigenen Zeit, anfänglich zusammenhanglos.
Dann entwickelte sich eine längere Szene. Zuerst war es ein ganz normaler Traum, denn Frans erinnerte sich irgendwie daran, diesen Traum früher schon mal gehabt zu haben, ein Traum von der Sorte, die man beim Aufwachen schon wieder vergessen hatte, an die man sich nur in weiteren Träume erinnern konnte.
Dann jedoch schmuggelte sich jäh ein neues Element ein, etwas das er erst vor kurzem in der Realität erlebt hatte.
Ein Benu flog nämlich auf ihn zu und landete direkt vor ihm auf einem passenden Metallständer, der auf einmal direkt vor Fransens Traum-Selbstbild materialisiert war.
Er war so klein wie der Kartenwächter, in der Größe eines Fasans, hatte für Frans jetzt aber starke Ähnlichkeit mit einem großen Papagei, einem bunten Ara aus einer Papageienschau, der selbstverständlich in neonbunt lodernden Flammen stand, wie es bei Benu üblich war.
Aus Menschenaugen - gezeichneten Menschenaugen, die Augen des Zeichentrick-Captain Future - blickte das Wesen Frans an, und er wußte sofort, das hier war ein echter Benu, der ihn betrachtete, auch wenn er das von Siwa und Tom übereinstimmend geschilderte Gefühl einer überwältigenden, in den Boden schmetternden, quasigöttlichen Präsenz nicht empfand. 
Aber das hier war ja nur ein Traum, oder? Und in Träumen war alles möglich.
Auch daß Frans gegenüber einem Quasigott den Mut zusammennahm, ihn einfach zu fragen: „Warum das alles?“
Warum der Aufwand mit den Zeitreisen, mit dem Film, einem echten Raumschiff, einer beinahe echten Crew, den leibhaftigen Besuchen durch einen Beinahe-Gott  -
„Warum?“
Und der Benu antwortete.
„Sympathische Reaktion! Sympathische Reaktion! Krooaaak!“ krächzte er mit der Sprechstimme eines dressierten Papageis. Und flog auf, daß Frans nichts mehr wahrnahm außer hellen, freundlichen Flammen rings um sich herum,  und -
erwachte.
Er zwinkerte, merkte wo er war - im Bett der Kabine in der Comet - und wußte sofort, daß er diesen letzten Rest seines Traums nicht vergessen würde.
Und da Tom ihm bereits kurz nach ihrer ersten Begegnung erzählt hatte, daß er sich nebenbei auch mit Traumdeutung befaßte und Träume nicht selten wichtige Hinweise des Unterbewußtseins enthielten - Memos des Unterbewußten als Wachbewußtsein, wenn ein Traum schon so intensiv war, daß man ihn bis ins Wachbewußtsein behielt - hatte Frans die Anweisung bekommen, solch intensive Träume zwecks späterer Auswertung festzuhalten, niederzuschreiben oder wenigstens in Erinnerung zu behalten.   
Er reinigte sich, legte seine über die Ruhezeit frisch gereinigte Kleidung wieder an und machte sich auf den Weg zurück in die nebenan liegende Kabine.
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DAOGA / Re: CF der Film - Version 2772
« Letzter Beitrag von DAOGA am 2. Juli 2019, 18:25:22 Uhr »
Er öffnete die Augen wieder. Und sah ein zweifaches Lächeln. Die beiden wußten genau, was in ihm vorging.
„Machen Sie sich nicht ins Beinkleid, sondern wachsen Sie einfach rein, und wenn Sie etwas nicht wissen oder mit etwas nicht fertig werden, dann schreien Sie einfach um Hilfe. Sie haben mehr Unterstützung als Sie im Moment ahnen, nicht nur uns zwei hier. Wenn nötig können Sie ganz Nh´Nafress zusammenschreien, daß unsere M-Tec-Kollegen aus allen Richtungen herbeiströmen.“ riet Siwa selbstbewußt.
„A-- propos.“ dehnte er dann.
Und schlug sich gegen die Stirn, als würde ihm etwas wichtiges einfallen. „Haben Sie Ihren Laptop hier schon einmal gerufen?“
Daran hatte Frans noch nicht gedacht, er war ganz unbewußt davon ausgegangen, daß das Gerät in der Vergangenheit zurückgeblieben war. Aber Tom hatte ihm mal erklärt, daß die Geräte irgendwie an ihrem rechtmäßigen Benutzer, vielleicht in seiner Aura, steckten oder kleben blieben, wenn man sie in ihre „Taschendimension“ schickte, sein Exemplar war ihm also vermutlich irgendwie gefolgt. Deshalb folgte er jetzt einfach Siwas Beispiel von vorhin, suchte sich eine Abstellfläche, streckte die Hand aus und sprach seinen eigenen Rufbefehl: „Komm!“
Der Kasten materialisierte.
„Machen Sie auf und schauen Sie mal, ob Sie irgendwelche Ostereier bekommen haben!“ sagte Siwa.
„Öffnen!“ befahl Frans daher in Richtung des Geräts, das gehorsam mit einem elektronischen Piepser aufklappte.
Papiermengen wie beim allerersten Mal quollen diesmal nicht hervor. Stattdessen lagen zwei Gegenstände zwischen den aufgeklappten Hälften. Ein Matrixring, noch unaktiviert, weil der Stein nicht blau leuchtete, sondern eine unscheinbar graublaue Färbung zeigte, und so etwas wie eine Bankkarte aus Plastik, jedoch in reinem Schwarz gehalten, ohne jeden Aufdruck.
„Volle Ausstattung, Mann. Herzlichen Glückwunsch!“ kommentierte Signy lautstark und klopfte Frans im Überschwang auf die Schulter. „Sorry.“ machte er dann entschuldigend, weil er Frans ja nach wie vor als den Höherrangigen, jedenfalls wenn es um die Schauspielerei ging, betrachtete.
„Schon gut.“ lächelte Frans. „Aber was heißt das, volle Ausstattung?“
Daß ein Matrixring eine Kostbarkeit ersten Ranges war, wußte er von Tom her, die Energiematritzen, Dhyarras oder Sternensteine, wie sie genannt wurden, waren im ganzen Universum extrem selten und wuchsen nicht auf Bäumen. Aber was die Karte zu bedeuten hatte, da hatte er keine Ahnung.
Siwa wackelte mit den Fingern und hielt plötzlich wie ein Bühnenzauberer eine zweite schwarze Karte in der Hand. „Das hier ist meine eigene. Sie heißt „Bloody Card“, die blutige Karte. Genau wie Matrixring und Laptop ein vielfältig einsetzbares Multifunktionsgerät. Ihren Namen hat sie daher, weil man sie auch als sehr effektive Waffe einsetzen kann, einfach indem man sie wirft, sie hat mit Matrixenergie verstärkte Kanten und schlägt durch wirklich alles durch, außer durch andere Matrixfelder. Ihrem eigenen rechtmäßigen Benutzer allerdings tut sie niemals etwas zuleide, was gut so ist, sonst würden wir schon bei den Übungen eine Menge Körperteile verlieren.
Wenn man sie wirft, kommt sie wie ein Bumerang immer wieder von selbst zurück, man muß also nicht nur darauf achten, was sie auf dem Hinweg trifft, sondern auch welche Hindernisse auf dem Rückweg im Weg stehen.
Beim Werfen müssen Sie sich übrigens nicht auf Ihre eigene Treffsicherheit verlassen, es reicht völlig, wenn Sie an das Ziel denken, das Sie treffen wollen, sie sucht sich ihr Ziel dann selber. Das heißt, sie funktioniert gedankengesteuert. Sie hat aber noch viel mehr Einsatzmöglichkeiten, etwa als Kreditkarte, die Ihnen Geld aus jedem Automaten Ihrer Zeit holen könnte, selbst wenn Sie gar kein Konto haben, und man kann sich über sie in jeden Computer hineinhacken, egal wie gut die Firewalls sind.
„Bloody Card“ nennt man sie übrigens, weil es ein Blutbad gibt, wenn Sie sie aus irgendeinem Grund in eine Menschenmenge werfen würden, denn sie würde nicht steckenbleiben oder zu Boden fallen, sondern mit eigenem Antrieb immer weiterfliegen, bis sie auch das letzte Ziel getroffen und durchschlagen hat. 
Und damit kennen Sie jetzt auch schon ein paar von den Gründen, warum man uns die Karten immer wieder zu klauen versucht, jedenfalls Personen, die von den Wächtern der Karte keine Ahnung haben. Spielen Sie mal Versuchskaninchen, Frans?“ Er grinste erwartungsvoll.
Der nickte, etwas zögerlich, weil er keine Ahnung hatte, was passieren würde.
„Dann klauen Sie mir jetzt mal meine Karte. - Kartentest!“ sagte er laut, ein Befehl an das Multifunktionsgerät.
Siwa hielt Frans die Karte einfach hin, und er nahm sie gedankenlos entgegen. Der „Diebstahl“ war damit vollzogen.
Vorsichtig wegen der matrixgeschärften Ränder, von denen die Rede gewesen war - daß man solche Warnungen lieber nicht in den Wind schlug, kannte er von Toms Haustier Azure her, dessen Schuppen so scharf wie Rasiermesser waren - hielt er sie in der Hand und betrachtete sie neugierig.
Zuerst schien gar nichts zu passieren, aber dann erschien so etwas wie ein leuchtender Punkt in der Schwärze des Plastiks. Der ständig wuchs und sich dabei in der Schwärze bewegte, als wäre das kein simples Plastik, sondern ein Display. Aus dem Punkt entwickelte sich das winzige Abbild eines Feuervogels - eines Benu. Der immer weiter wuchs, bis die ganze Karte vor Licht flammte -
und dann, mit einem Schlag, brach das Licht aus der Karte hervor.
Frans ließ sie vor Schreck fallen, geblendet und in Erwartung von Hitze, einem Feuersturm, doch das Licht war kalt.  Es blendete nur - und dann war er plötzlich halb taub, weil ein fürchterlicher Schrei ertönte. Nicht aus einer menschlichen Kehle.
Er zwinkerte, und stellte fest, daß das Licht immer noch da war, der Feuervogel aus lebendigem, flammendem Licht, etwa so groß wie ein Fasan, der gerade einen Bogen flog und mit einem erneuten, zornigen Schrei zu einem zweiten Angriff auf Frans ansetzte, nachdem er ihm aus der Karte heraus regelrecht ins Gesicht explodiert war.
Frans strecke abwehrend die Hände entgegen. Beim Kontakt mit dem Feuervogel spürte er einen deutlichen elektrischen Schlag, der ihn durchzuckte, aber die gefürchteten Verletzungen durch Schnabel, Krallen und Feuer blieben aus. Und wieder flog das immaterielle Tier eine Wende und griff mit lautem Geschrei erneut an, wieder der Schock, als dieses Abbild eines Benu einfach durch ihn hindurchflog, aber egal wie Frans sich duckte, mit den Armen um sich schlug oder sogar seinen Laptop als Schlagwaffe mißbrauchte, der Wächter der Karte blieb unbeeindruckt, griff schreiend wieder an, und wieder, und noch einmal --
und als Frans anklagend zu Siwa schaute, grinste der nur frech.
„Der würde jetzt den ganzen Rest Ihres Lebens an Ihnen kleben bleiben, weil Sie versucht haben, mir meine Karte zu stehlen. Echte Verletzungen kann er nicht anrichten, aber er schockt Sie ständig und macht mit seiner Erscheinung und dem ständigen Geschrei genug Affentheater, um die ganze Umgebung auf Ihre Missetat aufmerksam zu machen.
Wenn Sie die Karte an einen anderen „Dieb“ weiterreichen würden, hätte der genauso einen Wächter am Hals. Und der nächste, und der nächste. Nur der rechtmäßige Besitzer der Karte kann den oder die Wächter zurückpfeifen.“
Er hatte seine Karte aufgehoben und richtete sie jetzt gegen den Feuervogel, der wie magisch davon angezogen und aufgesaugt wurde, wobei er sich rasend schnell verkleinerte, bis er als winziges Lichtpünktchen in der Karte erlosch.
„Genauso wie der Laptop hat übrigens auch die Karte einen Peilsender. Falls es also tatsächlich ein Dieb schaffen sollte, den Wächter entweder zu isolieren oder Sie unter Androhung von Gewalt dazu zu zwingen, den Wächter lahmzulegen und die Karte herauszurücken, dann ist trotzdem nicht alles verloren.
Genauso wie beim Laptop gilt hier die Regel, geben Sie die Karte einfach heraus, denn ohne Aktivierung durch Sie ist sie ohnehin nicht viel wert, und über den Peilsender kann sie jederzeit aufgespürt und zurückgeholt werden, entweder von Ihnen, oder wenn Sie dazu noch nicht kampfesfähig genug sind, von jemand anderem, der die nötige Einsatzbereitschaft mitbringt. Interessenten dafür werden Sie genug finden, die höherrangigen M-Tecs wie Carolus, mein Lehrer, reißen nämlich für ihr Leben gern Bösewichten das feine Ende auf.“ Er grinste fies. 
„Sie können übrigens auch stille oder laute Notrufe über die Karte absetzen und vieles mehr tun. Das werden Sie alles in einem Lehrgang mit uns erfahren. Und auch die Karte hat Ostereier, die man selbst herausfinden muß, indem man einfach daran herumspielt und sich Szenarien ausdenkt. Unterschätzen Sie niemals die Produkte der Hammer-Werft. Verbesserungsvorschläge sind allerdings jederzeit erwünscht, also lassen Sie gern Ihre schmutzige Phantasie spielen und testen Sie, was davon schon verwirklicht ist, und was noch fehlt.“
Danke, Frans war mal wieder bedient. Ein James Bond hätte vermutlich seine Seele für ein derartiges Agentenwerkzeug verkauft, das Ding schien effektiver zu sein als jede Magnetuhr oder Dietriche im Schuhabsatz, aber James Bond war ja „nur“ eine fiktive Figur. So fiktiv wie ein Captain Future. Aber die Karte, die war echt ...
„Also ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir hängt der Magen auf Halbmast, und für Königstiger müßte ich auch mal.“ verkündete Siwa. „Kommt ihr mit?“
Sie nickten.
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DAOGA / Re: CF der Film - Version 2772
« Letzter Beitrag von DAOGA am 24. Juni 2019, 14:33:52 Uhr »
„Wie geht es eigentlich dem Drehbuch?“ fragte er dann, zu Siwas Laptop blickend.
„Sehen Sie selber. Drehbuch!“ forderte Siwa laut an.
Und ganz wie bestellt erschien schwebend über dem offenen Gerät die holografische Simulation des - geschlossenen - Drehbuchs, aber es war nicht mehr ganz so wie beim ersten Mal.

„Was passiert denn da?“ fragte Frans verwundert.
Schon auf Otrona hatten sie beobachten können, wie das Drehbuch sich vor ihren Augen veränderte, Kapitel und Entwurfsskizzen verschwanden und andere neu dafür auftauchten, aber diese Aktivität hatte sich massiv verstärkt, das immaterielle „Drehbuch“ war in ständiger Bewegung, als würden virtuelle Ratten unter dem Deckblatt herumtoben, es wurde dicker, dünner, Lesezeichen und Markierungen erschienen und verschwanden wieder ...
„Da laufen Simulationen ab, Dutzende, vielleicht Hunderte gleichzeitig. Die animierte Version der gezeichneten Storyboards Ihrer Zeit, die den Machern des Films einen ersten visuellen Eindruck verschaffen sollen. In den letzten Tagen wurde das Filmprojekt für die Mitwirkung aller Kreativen auf Nh´Nafress freigegeben und fleißig beworben, die Entwürfe für einzelne Szenen wurden regelrecht versteigert, und diese Welt hat ungefähr drei Millionen Bewohner. Wenn da nur jeder Hundertste mitmacht, gibt das schon einen gewaltigen Input, aber ich vermute, daß die Zahl der Teilnehmer weitaus größer ist, alle Kreativen, an Filmen Interessierten, alle Vergan-genheits- und Retroliebhaber, Science-Fiction-Freaks, alle Geeks und Nerds, alle Durchgeknallten und Gelangweilten, Romantiker und Actionfans, jeder der irgendwie seine metaphorischen fünfzig Cent dazugeben will, eine neue Beschäftigungstherapie für die ganze Planetenbevölkerung ...
kein Wunder, daß das Ding gerade brodelt wie ein Kochtopf. Möchte wetten, da kommt gerade genug Masse herein, um gleich auch noch die nächsten zwanzig Fortsetzungen sicherzustellen, weil nämlich sämtliche Romanvorlagen verteilt wurden, und davon gab es ja etliche.“
Und Frans erinnerte sich an etwas, was Tom ihm erzählt hatte, daß es in dieser Zeit nämlich ganz normal war, Lehrstoffe zu jedem erdenklichen Thema über unterhaltsam aufgemachte Simulationsprogramme zu konsumieren, zu jeder Zeit und Gelegenheit und völlig kostenlos.
Und die meisten Menschen dieser Zeit waren dank simpler Computertools auch in der Lage, ohne große Anstrengung selber einfache Simulationen aus dem Ärmel zu schütteln, vor allem wenn Thema, Handlung und Figuren bereits vorgegeben waren.
„Natürlich ist längst nicht alles was kommt auch brauchbar, da dürften jede Menge private Phantasien von Steinzeitgeschichten oder Western bis zu hartem Porno eintrudeln. Das unbrauchbare Zeug wird auf dafür geeigneten Seiten abgelegt, für jeden der Interesse daran findet, weil es den meisten Absendern eh nur um die Veröffentlichung ihrer Werke geht. Das brauchbare wird ausgefiltert und dem inneren Kreis der verantwortlichen Designercrew zugeleitet, zwecks Begutachtung und weiterer Verwendung. Am Ende muß der ganze Film schließlich wirken wie aus einem Guß.
Ihnen ist sicher aufgefallen, daß von der Origin-Story noch die Erschaffung des Androiden und Corvos Überfall mit der Ermordung des Ehepaares Newton fehlen. Abgedreht wurden diese Szenen sicher schon, wir bekamen sie aber noch nicht überspielt, einmal weil sie wahrscheinlich chronologisch im Film erst später Erwähnung finden, und zweitens weil Signy seine Rolle noch nicht spielen konnte. Vermutlich steckt auch in diesem Teil im Moment der Zeichentrick-Otho als Platzhalter drin, und vielleicht auch der Zeichentrick-Grag, wenn keine andere Kay einen passenden Grag liefern konnte.“ Siwa lächelte.
Frans blickte unwillkürlich zu der stillen Metallstatue. Wohl wissend, daß der wie abgeschaltet wirkende Roboter in Wahrheit ihre Diskussion genauso mithörte wie die Kay direkt, die eh überall um sie herum war. 
Er wandte sich an Signy. „Wer wird die Programmierung des „Grag“ übernehmen?“
Weil Siwa doch vorhin behauptet hatte, daß Signy selbst sich um seinen metallenen Film-Bruder kümmern würde.
„Die Buchvorlagen wurden der Kay überspielt, sie weiß also, wie unsere zwei Figuren miteinander zu interagieren pflegen. Jede einzelne Szene. Grag ist mehr der Typ körperlich bärenstarke, aber geistig etwas zurückgebliebene große Bruder als ein klassischer, rein logikgesteuerter Roboter aus anderen Filmen, und so wird die Kay ihn führen, als menschliches Simulacrum. Otho und Grag allerdings in passende humoristische Szenen zu bringen, ist die Aufgabe der Drehbuchschreiber. Glaubwürdigen Instanthumor zu inszenieren ist so ziemlich das schwierigste was es gibt, damit wäre die Kay überfordert. Da muß dann die menschliche Kreativität wieder ran. Aber da Siwa mit dabei ist und Sie von Siwas Klon angelernt wurden, dürften Sie vom bekannt schrägen Humor der beiden profitieren können und Vorschläge für Situationskomik machen, alles was sich gerade ergibt.“
Er streckte Siwa frech die simulierte Zunge heraus.
Der grinste nur heiter. „Mal sehen welche Witze sich am Wegesrand finden lassen.“ meinte er.  „Kommt Zeit, kommt Witz.“
Er wandte sich Frans zu. „So, und jetzt spucken Sie´s aus. Sie haben doch etwas wahrgenommen, als der Captain uns anschaute. Irgendetwas, was uns entgangen ist, wir konnten nur Ihre Reaktion darauf sehen. Was war es?“
Denn jetzt war Frans vielleicht schon aufgelockert genug, darüber zu sprechen.
Der zögerte kurz, und seufzte als er merkte, daß die beiden gespannt auf seine Antwort warteten.
„Er hat mich angesehen, das ist richtig. Aber nicht wie eine Filmfigur, die bei jedem Abspielen genau die gleichen Bewegungen machen wird, sondern irgendwie - lebendig.“ Ein Einfall kam ihm, eine Analogie. „Als würde etwas anderes durch die Augen der Figur schauen, jemand anderer, wie durch diese Trickgemälde mit den Löchern hinter den gemalten Augen. Geht sowas überhaupt, bei einem immateriellen Filmbild?“
„Wenn Benu im Spiel sind, ist alles möglich. Sieht ganz so aus, als hätte einer unserer Oberbosse persönlich bei Ihnen vorbeigeschaut, um Ihnen ein „Daumen hoch“ zu verabreichen. Was haben Sie gefühlt dabei?“
„Ein Benu?“ Frans war geschockt, denn nach allem was ihm Siwa und Tom darüber erzählt hatten, waren diese Wesen sowas wie beinahe allmächtige Halbgötter. Daß sich solch ein Wesen persönlich hierher bemüht haben sollte, um einen Durchschnittsschauspieler aus einer längst vergangenen Ära zu begutachten, konnte er nicht begreifen.
„Sie sagten doch, man bräuchte hinterher jedesmal frische Unterwäsche.“
„Nicht immer.“ lächelte Siwa, der solche unheimlichen Begegnungen der n-dimensionalen Art bereits mehrfach erlebt hatte. „Sie können sich phantastisch tarnen und verstellen. Wahrscheinlich machen ihnen solche Spielchen mit niederen Wesen wie unsereiner einfach Spaß, so wie wir zuweilen Tiere necken, aus reinem Spieltrieb heraus. Aber jetzt erzählen Sie. Was haben Sie gefühlt?“
Frans dachte nach, wie es sich am besten in Worte fassen ließ.
Schließlich sagte er: „Es war, als stünde ich einem echten Captain Future gegenüber. Trotz des gezeichneten Kopfes. Der mich dazu aufforderte, seinen Platz einzunehmen. Nicht nur als Rolle, sondern mehr so ... wie Tom über sein „Reich“ herrscht. Mit Verantwortung, der Liebe zu selbst dem geringsten seiner Untertanen, und dem Mut, sich mit jedem Gegner und Bösewicht anzulegen, um zu schützen, was ihm am Herzen liegt. Nur daß ein Captain Future gleich das ganze Weltall zu beschützen versucht, nicht wahr?“ Er grinste etwas verunglückt.
„Ist gar nicht so weit von der Realität weg.“ fand Siwa, ohne darüber zu lachen. „Tom hat Ihnen vom „Unsichtbaren Feind“ erzählt, nicht wahr?“
Der hier auf Nh´Nafress zum ersten Mal in der modernen Zeit aktiv geworden war, wenn man Siwas Spekulationen über die möglichen Ursachen der Invasion auf Otrona einige Zeit vorher außer acht ließ.
Auch wieder etwas, was Fransens neu gespannte Nerven zum schmerzhaften Vibrieren brachte, denn er war ja hier, auf Nh`Nafress, eben jenem legendären Ort, wo es passiert war.
Und mit diesem phantastischem Raumschiff und der freundlichen Hilfe der beiden anderen konnte er sogar jederzeit die Orte besuchen, an denen Ereignisse stattgefunden hatten, das Goldfundament, das heute die Sicherheit des ganzen Planeten vor weiteren Angriffen dieser Art sicherstellen sollte, den Krater, in dem sich damals der mörderische psionische Schock mit der Kraft eines einschlagenden Asteroiden zersprengt hatte, die Stelle in einer der Kuppeln, in der Siwas damals noch winziger Drache den hinterhältigen, wie einer Lovecraft-Geschichte entsprungenen „Seelensauger“ des Feindes in die Luft gejagt hatte ...
alles echt, abermals.
Frans kniff die Augen zu. Er erinnerte sich, daß Siwa und Signy zusammen bereits im Kampf gegen Agenten des „Unsichtbaren Feindes“ gestanden hatten, auch Verluste dabei eingesteckt hatten. Und wie Tom in seiner eigenen Zeit nichts anbrennen ließ, wenn Hinweise auf Schläferagenten des Feindes in seiner eigenen Zeit bei ihm eintrafen.
Mit ernster Action auch an diesem Ende der Zeit mußte er jederzeit rechnen, und daß er jetzt mit einbezogen wurde.
Aber, was immer auch passieren würde - er würde nicht allein sein. Er hatte hier Freunde, Hilfe, Führung wenn nötig, als selbsterklärter Nicht-Held. Denn schließlich war und blieb er Schauspieler mit Leib und Seele, das abenteuern und kämpfen und als realer Held in der Schußlinie stehen überließ er lieber den anderen.
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Sonstiges / Re: CF & Joan - Whataya want from me?
« Letzter Beitrag von claudrick am 19. Juni 2019, 08:54:15 Uhr »
Stimmt, immer noch ein toller Song... Adam Lambert hätte vielleicht auch einen passenden Vul Kuolun/Ul Quorn-Darsteller abgegeben...  8)

LG

claudrick
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DAOGA / Re: CF der Film - Version 2772
« Letzter Beitrag von DAOGA am 17. Juni 2019, 17:08:39 Uhr »
Siwa hatte gemerkt, daß Frans gerade so etwas wie eine Epiphanie erlebt hatte, sein Finger bedeutete Signy, ebenfalls erst mal den Mund zu halten, bis Frans das Erlebnis entweder verdaut oder zwecks späterer genauerer Analyse in einer passenden Schublade verstaut hatte.
Er hatte selber nur bemerkt, daß Frans ungewöhnlich lange Blickkontakt zu seiner zukünftigen Rollenfigur gehalten hatte, nachdem sie mitten in der Bewegung plötzlich erstarrt war, weil die Testaufnahme hier anscheinend abrupt abbrach. Was Frans gesehen hatte oder zu sehen glaubte, wußte er nicht, aber wenn Benu die Klauen im Spiel hatten, war bekanntlich alles möglich.
Wenn Frans darüber reden wollte, konnte er das jederzeit tun, er wußte inzwischen, daß nichts, was er erzählen könnte, bei Siwa und Signy zu einem dezenten Stirntippen führen konnte, denn dafür hatten die beiden selbst schon zu viel scheinbar „Unmögliches“ miterlebt.
„Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir gefiel das ziemlich gut. Ein bißchen wird wohl noch daran herumgeschliffen, aber so auf Anhieb - allzu lang ist dieser Vorspann ja nicht.“ sprach Siwa deshalb ganz unverfänglich.
„Dieses Zerfallen am Schluß war echt rad!“  bemühte Signy den aktuellen Slangausdruck, was man zu anderen Zeiten mit „geil“ oder „cool“ umschrieben hätte.
„Das sollten sie auf jeden Fall irgendwo einbauen, vielleicht im Abspann.“ Sein simuliertes Gesicht zeigte ein erfreutes Grinsen.
„Oder im Übergang zwischen den beiden Zeiten, da paßt es auch hin. Peppt die Szene mehr auf als nur die Aufschrift ´Zwanzig Jahre später`, als fließender Übergang. Der Urzustand zerfällt, der aktuelle taucht auf.“ fand Siwa, der reichlich überlieferte Filme aus dem 20. Jahrhundert konsumiert hatte und sich daher mit damaligen Sehgewohnheiten auskannte. Wenn der geplante Film sich schon auf eine Vorlage aus dieser Zeit berief, durfte er auch sehr gern der Nostalgie Rechnung tragen.

„Aber es geht hier nicht nur um einen Film, nicht wahr?“ sagte Frans langsam, der über sein Erlebnis gerade noch nicht hinweg war.
„Eine Jagd der Benu durch Raum und Zeit. Das sagten Sie auf Otrona. Ein Köder für unbekannte Feinde. Auch Tom war dieser Ansicht. Er meinte, daß schon bei den Dreharbeiten mit Überraschungen zu rechnen wäre, und wenn der Film erst mal anläuft ...“ Er erinnerte sich an etwas.
„Als ich damals auf der Erde den Vorvertrag unterschrieb, das erste Angebot ... da hieß es, daß der Film weltweit zu sehen sein sollte. Ich ging selbstverständlich davon aus, daß das in meiner Zeit geschieht, denn daß ich gleich danach in die Zukunft gerissen würde, konnte ich nicht ahnen.“
Siwa glaubte fast materialisierte Fragezeichen über Fransens Kopf sehen zu können wie in einem verrückten Cartoon.
„Sie meinen, daß der Film vielleicht rückwärts in Ihre Zeit transportiert wird, und dadurch eine Verschiebung innerhalb der Realität stattfindet, denn im Moment wissen wir noch nichts davon, daß der Film, der ja noch nicht existiert, in der Vergangenheit jemals zu sehen war. Aber selbst das würde ich den Benu zutrauen. Denken Sie an den verhinderten Brand in Ihrer Zeit. Der Bericht darüber existierte trotzdem weiter, denn sonst hätten wir ja nichts davon erfahren und Sie hätten ihn nicht verhindern können. Das Ereignis wurde also wahrscheinlich in irgendeine Paralleldimension verschoben, zu der die Benu Zugang haben und wir nicht.
„Und so könnte also auch der Film rückwärts in der Vergangenheit in irgendeiner Paralleldimension landen.“ spekulierte Frans weiter, froh daß Siwa ihn verstand.   
„Vielleicht sogar in vielen Paralleldimensionen, und welche Folgen daraus entstehen könnten, Folgen die jetzt in unserer Zeit, längst passiert wären ...
Denn in dieser gigantischen ewigen Wahrscheinlichkeitsrechnung, die unser Universum ausmacht, ist eine glaubwürdige Illusion ähnlich viel wert wie eine tatsächlich eingetretene Realität, denken Sie an die weltweit bekannten Filmklassiker Ihrer eigenen Zeit und wie sie die Menschen beeinflußten. Niemand von uns kann jetzt im Augenblick ahnen, welche Folgen, welche Inspirationen dieser Film auslösen wird bei all jenen, die ihn sehen werden, heute oder in Ihrer Zeit.
Oder welche Wellen er im Multiversum, über unsere eigene Dimension hinaus, schlagen wird. Denken Sie an Ihre eigene Rettung vor dem Brand. Offenbar war das Ereignis, der Brand, für den ganzen Zeitablauf seither in unserer Realität einfach nicht wichtig genug gewesen, um „unbedingt“ stattfinden zu müssen. Die Erde hat sich auch ohne ihn weitergedreht. Nicht zum Besseren, nicht zum Schlechteren. Und nur eine Handvoll Personen wissen davon, jetzt und in der Vergangenheit. Für jeden anderen war es einfach immer schon so, wie es durch unser Eingreifen zustandegekommen ist.“
„Schon gut.“ seufzte Frans. „Ich denke lieber nicht mehr darüber nach, mein Hirn versucht jetzt schon, sich zu verknoten. Nehmen wir es einfach wie es kommt, und wundern uns später darüber.“
„Kluge Taktik.“ grinste Siwa, der das Phänomen des akuten Hirnverknotens aus eigener Erfahrung kannte.
„Das lebende Gehirn hatte aber wenig Ähnlichkeit mit dem im Zeichentrick.“ fiel Frans dann ein. „Diese seltsamen Fühler anstelle einfacher Augenstiele ...“
„Wenn ein körperloses Gehirn sowieso völlig auf künstliche Sinnesorgane angewiesen ist, macht es wenig Sinn, es wieder auf das beschränkte menschliche Wahrnehmungsvermögen zu beschränken.“ erklärte unerwartet Signy, nicht Siwa.
„Diese Fächerfühler sind multiple Wahrnehmungsorgane, Augen, Ohren und Nase zusammen. Dazu gibt es ein paar Backupsysteme direkt an der Hülle, falls die ausfahrbaren Antennen irgendwie beschädigt werden.
Die Augenlinsen können von mikroskopisch bis Adlerauge sehen, außerdem Wellenlängen weit über das normal sichtbare Spektrum hinaus, Ultraviolett und Infrarot bis hin zu harter Strahlung, die Mikrophone können Frequenzen unterscheiden, die das menschliche Ohr nicht mal wahrnehmen kann, und die Geruchssensoren riechen nicht nur auf menschliche Art, sondern können auch Giftgase und atmosphärische Zusammensetzungen wahrnehmen.“
Er lächelte entschuldigend, weil Frans ihn gar zu verdutzt ansah.
„Ich habe mich informiert. Für einen Wissenschaftler, der im physikalisch-technischen Bereich arbeitet und hin und wieder einem Abenteurer und Kriminalisten wie Captain Future zuarbeitet, aber Probleme hat mit dem Greifen und Bewegen von Gegenständen, macht so eine Rundumausstattung als sein eigenes Allround-Meßgerät absolut Sinn. Der Filminhalt soll so logisch und glaubwürdig wie möglich herüberkommen, da läuft ohne Modernisierung des alten Stoffes nichts.
Deswegen geht in der Geschichte im Moment alles auf Nanotechnologie zurück, denn nur diese Form von Technologie - von unserer Matrixtechnologie abgesehen - würde vieles in der alten Serie glaubwürdig erklären, von den Verwandlungsfähigkeiten der Helden bis dazu, daß praktisch ein Mann allein in der Lage wäre, ein komplettes Raumschiff zu bauen. Oder das simple Aufbauen einer Mondbasis, für das man in Ihrer Zeit einen gewaltigen Aufwand an Maschinen und Material benötigt hätte, der im Film - angesichts der Heimlichkeit, mit der der Bau geschieht - einfach nicht logisch zu erklären wäre.
Aber Nanotechnologie macht´s möglich. Ein bißchen übertrieben vielleicht, einiges davon ist selbst mit unserer heutigen Technologie noch nicht so möglich, aber gute Filme leben bekanntlich von ein paar kleinen Übertreibungen hier und da. Die geben Pfeffer in die Suppe.“ Er grinste verschmitzt.
„Nachdem Sie wieder weg waren und ich erfuhr, daß Signy den Otho spielen soll, haben wir zwei uns zusammengesetzt, sind die alten Geschichten und die Animefilme durchgegangen und was uns die Gerüchteküche auf Nh´Nafress liefern konnte, und dann haben wir ein Brainstorming gemacht, wie man zu Ihrer Zeit sagte.“ fügte Siwa an.
„Und das war das Ergebnis, worauf alles vermutlich hinauslaufen würde - Nanotechnologie. Nichts anderes ist logisch genug, um den Film glaubwürdig zu machen. Außer es wird noch abgefahrener, wenn Matrixtechnologie ins Spiel käme, und das würde kein kritischer Zuschauer mehr schlucken. Tom hat Ihnen vermutlich gezeigt, wie nahe Matrixtechnologie an echter Magie dran ist, und das soll ja kein Fantasy-Film werden, sondern gute alte hanebüchene Science Fiction.“
Das brachte jetzt sogar Frans wieder zum Grinsen.

8
FanFiction / Oneshots
« Letzter Beitrag von claudrick am 17. Juni 2019, 12:45:17 Uhr »
Hallo ihr Lieben,

vielleicht geht es euch auch manchmal so, dass ihr zwar eine tolle Szene im Kopf habt, aber keine Story, in die ihr sie einbauen könnt. In diesem Thread könnte Platz für solche Szenen sein, die wahrscheinlich keine Fortsetzung bekommen aber trotzdem lesenswert sind. Fühlt euch gerne aufgefordert! Ich mach mal den Anfang...  :)



Einen grandiosen Triumph hatte es George Forrester, der Präsident der Solarregierung, vor versammelter Presse genannt. Einen massiven Schlag gegen einen Ring aus Waffen-, Drogen- und Menschenhändlern, Mördern und Räubern. Einen Schlag, von dem sich das organisierte Verbrechen nicht so schnell erholen würde, hatte er doch einen seiner führenden Köpfe das Leben gekostet, dem meistgesuchten Piraten des Sonnensystems: Dem Falken.

Die Pressekonferenz im Regierungsgebäude in New York war noch in vollem Gange, während Marschall Ezra Gurney an Bord seines Raumkreuzers der Planetenpolizei, der noch im Orbit des Jupiters stand, mit schweren Schritten den Korridor zur medizinischen Abteilung entlang ging. Um sicher zu gehen, dass es wirklich der Falke war, den man gestellt hatte, und nicht etwa einer seiner vielen Doppelgänger, war seine Leiche sichergestellt worden, um Proben für einen DNA-Abgleich zu nehmen. Die diensthabende Ärztin mit den großen, stark mandelförmigen Augen, wie sie typisch für die Bewohner des Ganymed waren, erwartete Ezra bereits.

„Darf ich ihn sehen, Dr. Ambani?“, erkundigte sich Ezra, kaum, dass die Ärztin dem Marschall etwas Blut, Speichel und Hautgewebe entnommen hatte. Der Blick aus ihren großen, dunklen Augen, der ihn daraufhin traf, sagte etwas anderes als ihre zögernde Antwort. „Natürlich, wenn Sie das möchten.“

Ezra folgte der Ärztin in einen Nebenraum. Dort entriegelte sie eine der Kühlboxen, zog die darin befindliche Liege heraus und öffnete den Reißverschluss eines Leichensacks. Dann trat Dr. Ambani etwas zur Seite und wandte sich ab, um dem Marschall etwas Privatsphäre zu geben. Allein lassen dürfte sie ihn mit dem Toten nicht.

Ezra holte Luft und trat mit versteinerter Mine an den Leichensack heran. Irgendwie hatte er geahnt, dass dieser Moment eines Tages kommen würde, und doch musste er sich jetzt zusammenreißen, als er in das Gesicht des Piraten blickte. Denn abgesehen von ein paar Brand- und Schürfwunden im Gesicht und schulterlangem grauem Haar, das dem Falken bis auf die Schultern fiel, war es, als schaue Ezra in einen Spiegel. Dieselbe markante Nase, ein grauer, an den Seiten etwas längerer Schnurrbart, das kantige Kinn. Eine aufwühlende Mischung aus Zorn, Enttäuschung und Trauer überkam ihn und ließ einen unterdrückten Laut durch seine zusammengepressten Lippen kommen.

„Verdammter Idiot!“, waren die Worte, die Ezra wohl ausgestoßen hätte, wäre Dr. Ambani nicht mit im Raum gewesen. Kurz ballten sich seine Fäuste, so als wolle er der Leiche seines jüngeren Bruders einen letzten Knuff verpassen, doch stattdessen wandte Ezra sich schnell ab und gab Dr. Ambani ein Zeichen, dass sie die Leiche wieder verstauen konnte. Der Marschall nahm noch den teilnahmsvollen Blick der Ärztin wahr, ehe er mit einem gemurmelten Dank hastig den Raum verließ.

Nein, Ezra konnte und wollte nicht um seinen Bruder trauern. Zu viele Verbrechen hatte dieses Monster begangen, zu viel Leid verursacht. Die Zeit, in der Ezra sich Vorwürfe gemacht hatte, weil es ihm nicht geglückt war, seinen Bruder wieder auf den rechten Weg zurückzubringen, war lange vorbei. Und die frühere Verbitterung darüber war nun endgültig größter Verachtung gewichen, wenn nicht sogar Hass, denn der Falke und seine Bande hatten nicht nur den Tod etlicher Einsatzkräfte der Polizei verschuldet, sondern auch den von Ezras engstem Kollegen und bestem Freund seit ihrer gemeinsamen Ausbildungszeit: John Randall. Dieser hinterließ eine fünfzehnjährige Tochter, Joan, mit der er auf dem Wohngelände der Planetenpolizei ein kleines Haus bewohnt hatte. Ezra kannte Joan, seit sie auf der Welt war, und sie betrachtete ihn durch die enge Freundschaft mit ihrem Vater als Familienmitglied. Ezra musste umgehend zu ihr und sich jetzt um sie kümmern. Das war er John schuldig!

not tbc  ;)
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Serie und Comics / Re: Captain Future Theme - Versionen bei You Tube
« Letzter Beitrag von Mooncat am 24. Mai 2019, 22:49:21 Uhr »
"Neue "Vertonung""  [goodjob]
Zitat
Captain Future Retro Cut Concept-Art Trailer
https://youtu.be/cnytiHBHhAE


???
Zitat
nDee "Captain Future" https://www.youtube.com/watch?v=wLTK3f5gegw
???



Zitat
Captain Future - German Credits (RTL Nitro HD)  https://youtu.be/ZhatqitGpwA


[musicnote]
Zitat
Captain Future (Noten) https://www.youtube.com/watch?v=AhzQlaLnjp8
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