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DAOGA / Re: Fanfic Professor Zamorra
« Letzter Beitrag von DAOGA am Heute um 12:05:28 »
Zamorra war fast genauso verdutzt wie sie. Reflexhaft fuhr er eine Hand aus, um sie davon abzuhalten, sich einfach auf die Kultisten zu stürzen. Hoffentlich hatte keiner von denen Nicoles Worte gehört...
„Bist du sicher?“ flüsterte er, um ihren Tatendrang zu bremsen. Bedeutend leiser natürlich.
„Natürlich. Siehst du die große da? Der kleine fehlende Zacken am Blattrand? An diese kleine Beschädigung erinnere ich mich genau. Der war schon da, als wir sie damals pflanzten, damals war sie noch ein Schößling. Jetzt ist sie die Mutter, und die anderen die Ableger.“
Das stimmte. Die anderen Regenbogenblumen waren deutlich kleiner, doch bereits groß genug, um funktionstüchtig zu sein.
Mittlerweile wußten Nicole und Zamorra, daß die Regenbogenblumen ein Transportsystem biologischer Transmitter darstellten, die praktisch überall hin reichen konnten - bis in andere Dimensionen, andere Zeiten, in die Spiegelwelt und sogar in die Hölle. Sie selbst hatten an mehreren strategisch günstigen Stellen für Anpflanzungen gesorgt, um diese Fähigkeit nutzen zu können.
Für die hier nicht. Da hatte sich jemand eine der Pflanzen aus der Lyoner Kolonie abgezweigt und seine eigene Zucht aufgezogen.
Natürlich waren sie nicht so dumm, zu glauben, daß die Verehrung der Vermummten den Pflanzen selber galt. Nein, die verehrten das, was da gleich erscheinen würde. Und wenn es wirklich ein Dämon sein sollte, frisch und schwefelduftend aus den tiefsten Abgründen der Hölle -   
Der Gesang der Vermummten endete abrupt, und sie erhoben sich. Gleichzeitig und mit völlig gleichartigen Bewegungen, wie ein gut trainierter Tanzverein - oder wie programmierte Roboter... und sie alle drehten sich dem Eingang zu, völlig unisono.
Ups, dachte sich Zamorra, und unterdrückte den lauten Kommentar gerade noch. Was natürlich nichts half. Sie waren entdeckt worden. Oder erwartet.
Letzteres, wußte er gleich darauf, als aus einem seltsam schwarzen Nebel, der auf einmal wie ein Rauchsignal zwischen den Blumen waberte, eine donnernde Stimme erklang. Der Dämon war pünktlich erschienen, aber nicht so dumm, sich blicken zu lassen. Weil er einfach feige war, wie alle seiner Spezies? Oder weil es einer war, den sie kannten, und nicht erkennen sollten, bevor sie tatsächlich den letzten Atemzug taten?
Das alles ging Zamorra in einem Sekundenbruchteil durch den Kopf, während er sich stöhnend die Hände auf die Ohren preßte. In seinem Triumph, die Erzfeinde der Hölle in diese simple Falle gelockt zu haben, erlegte sich die Höllenkreatur keinerlei Lautstärkenbeschränkung auf. Obendrein besaß die Dämonenstimme zahlreiche Untertöne im Infraschallbereich, die die Eingeweide der anwesenden Menschen in schmerzhafte Vibrationen versetzten. Noch etwas lauter, und die Wände ringsum wären zu Staub zerbröselt.
„Eindringlinge!“ donnerte die Stimme. „Entweiher dieser heiligen Stätte! Faßt sie, meine treuen Diener, und opfert mir ihre Herzen! Mich dürstet nach Blut!“
Klischeehafter ging es wirklich nicht mehr. Zamorra mußte an sich halten, um nicht verweisend den Kopf zu schütteln. Jetzt also eine kleine Kampfeinlage mit den Kultisten, die dank der Blaster ziemlich kurz ausfallen würde, und anschließend ein mit etwas Glück ebenso kurzer Showdown mit diesem lautstarken Möchtegern-Dämon... vielleicht hätten sie Fooly doch mitnehmen sollen. Dann wäre wenigstens einer von ihnen auf seine Kosten gekommen...
Die Kultisten rückten vor. Nur einen Schritt, absolut gleichförmig wie zuvor, eine unheimlich drohende Geste der schwarzvermummten, überlebensgroß wirkenden Gestalten - jedoch nur aus der Sicht von jemandem, der sich noch nie zuvor in solch einer Lage befunden hatte.
Einem altgedienten Dämonenjäger wie Zamorra jagte diese Szene den Blutdruck nicht mehr hoch, zumal wenn er den Blaster bereits schußbereit in Händen hielt. Es waren genau dreizehn Kuttenträger, hatte er nachgezählt. Dreizehn ist des Teufels Dutzend, eine magisch „wirksame“ Zahl.
Und gleich einer weniger... Er feuerte.
Der dünne, verästelte Lähmstrahl erfaßte einen der Vermummten. Doch der zeigte keine Wirkung, blieb unbeeindruckt stehen. Statt umzufallen, lachte er nur. Wie auf Kommando lachten alle anderen ebenfalls, und das auf eine höchst sonderbare Weise.
Ein solches dünnes, zirpendes, irgendwie elektronisch klingendes Lachen hatte Zamorra schon mal gehört, und ahnte sofort, womit er es zu tun hatte. Nicole gleichfalls. Sie schoß, und benutzte diesmal den Laserstrahl. Eine der Gestalten ging in Flammen auf, eines der dünnen Stimmchen änderte sich zu einem schrillen, immer noch dünnen Kreischen, und aus der brennenden, zusammenfallenden Kutte schoß ein winziges Etwas, das noch ganze zwei Sekunden lebte und ziellos hin- und herraste, bevor es den aus ihm züngelnden Flammen erlag und mitten in der Bewegung zu Asche zerfiel.
Ein Irrwisch! Eine der niedersten intelligenten Lebensformen der Höllendimensionen. Normalerweise verließen sie nie die Hölle, und wenn es sie doch einmal durch irgendeinen Zufall aus ihrer Heimat verschlug, verbargen sie sich in Mooren und anderen unzugänglichen Gebieten, wo sie nicht Gefahr liefen, einem Dämon oder Dämonenjäger zu begegnen, weil die gleichermaßen gerne ihr Mütchen an den schwachen Kreaturen kühlten.
Interessanterweise rührte sich keine der anderen Kreaturen vom Fleck. Zamorra hatte eigentlich erwartet, daß sie sich nach der Auslöschung des einen schleunigst in die hinterste und finsterste Ecke verdrückten, so krankhaft feige wie diese Wesen waren... vermutlich hatte der Dämon sie schlicht und einfach an ihre Plätze festgebannt. So wie er sie auch dazu gezwungen hatte, in Vermummung als Lockvögel zu fungieren und Kultisten zu imitieren. Das ließ durchaus Rückschlüsse auf den Dämon zu. Wer sich auf solche armseligen Helfer verließ und nicht einmal über menschliche Anbeter verfügte, konnte in der infernalischen Rangordnung nicht weit oben stehen.
Zamorra war stark versucht, auf dem Absatz kehrtzumachen und den Dämon samt Kohorten einfach stehenzulassen. Er fühlte sich etwas veralbert. Er, der Meister des Übersinnlichen, sollte sich mit einer Horde Irrwische und deren armseligem Herrn und Meister herumschlagen? Als ob er nichts wichtigeres zu tun hätte - wie zum Beispiel sein Archiv zu aktualisieren! Dann siegte aber doch sein Pflichtgefühl. Schließlich wußte er aus Erfahrung, wieviel Unheil selbst ein Irrwisch anrichten konnte, wenn er auf ahnungslose Menschen traf. Ein paar gutgezielte Laserschüsse und ein paar Blitze aus dem Amulett - daß es noch nicht von selber „losgegangen“ war, sagte auch etwas aus - und die Sache war schnell und schmerzlos erledigt. Mit etwas Glück versäumten sie nicht ihren Schönheitsschlaf, der bei Dämonenjägern und ähnlichen Nachtschwärmern irgendwann um fünf Uhr früh begann. 
Fast bedauernd, denn die Irrwische taten ihm irgendwie leid, drückte er auf den Abzug.
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DAOGA / Re: Fanfic Professor Zamorra
« Letzter Beitrag von DAOGA am Gestern um 14:36:31 »
Nein, es war kein Ablenkungsmanöver. Hier schien sich tatsächlich etwas zu tun. Zamorra setzte den Feldstecher ab.
Nicht weit von der angegebenen Adresse entfernt, hatten sie einen Ort gefunden, an dem sie ihre Autos abstellen konnten und von dem aus sie obendrein einen idealen Einblick auf das Grundstück besaßen. In der letzten halben Stunde hatte er mindestens zehn Leute beobachtet, die sich in ziemlich konspirativer Weise, nach allen Seiten sichernd und jeden Schatten nutzend, dem alleinstehenden alten Haus genähert hatten und durch einen kleinen Nebeneingang darin verschwunden waren. Erkannt hatte er keinen von ihnen, sie hatten sich alle mit langen Mänteln und tief in die Stirn gedrückten Hüten oder Mützen so gut wie möglich vermummt. Mittlerweile war es auch stockfinster. Noch knapp eine Stunde bis Mitternacht. Es wurde Zeit, sich in die Höhle des Löwen zu wagen.
 „Wollen wir?“ fragte Nicole.
„Vorne, hinten, oben drüber?“
Die Vordertür war mit Sicherheit verschlossen, und an dem Nebeneingang konnte ein Türsteher warten, der die Ankömmlinge kontrollierte. Die Wahl fiel nicht schwer.
„Oben drüber natürlich.“ An einer Ecke des Gebäudes schloß sich ein niedrigeres an, offenbar eine alte Garage, und bildete mit dem ersten einen Winkel. Beide Gebäudewände waren mit stabil aussehenden Sprossengerüsten ausgestattet, an denen sich ein Gewirr wilder Efeu- oder Weinranken emporzog. Tagsüber bei Sonnenschein mochte die Ecke ein angenehm warmes Kleinklima bieten, doch jetzt in der Nacht war sie von einfallendem Licht weitgehend abgeschirmt und in tiefer Schwärze verborgen. Die wenigen Fenster dieser Gebäudeseite sahen altmodisch aus und waren vermutlich mit der Klinge eines Taschenmessers aufzubekommen.
Nicole kletterte als erste geschickt empor und wählte ein Fenster, dessen Staubschicht bewies, daß die Hauseigentümer eine regelmäßige Reinigung nicht für nötig hielten - wohl weil sie den dahinterliegenden Raum ohnehin nicht oft nutzten. Das Schlafzimmer dahinter war in der Tat seit längerem unbenutzt, wie die abgestandene Luft bewies.
Langsam tasteten sie sich durch das dunkle Haus nach unten. Alles war still. Wenn hier etwas ablief, dann im Keller. Dort fanden sie zuerst eine scheinbar normale Waschküche mit Waschmaschine, Trockner und nebenan liegender Heizungsanlage, brauchten aber nicht lange, die getarnte Tür zu entdecken. Der Gang, der sich dahinter anschloß, machte schon mehr her. Die Wände links und rechts waren kunstvoll mit großformatigen Motiven aus altägyptischen Gräbern bemalt, Säulenpaare trugen blakende Fackeln, und von strategisch günstigen Stellen der Gangdecke überblickten magische Symbole wie stumme Wächter den Weg.
Zamorra blieb sofort stehen und leuchtete die Symbole mit seiner Taschenlampe an. Bevor er sich in die Reichweite dieser Zeichen begab, wollte er lieber vorab wissen, mit welchen Überraschungen er zu rechnen hatte. Er studierte sie kurz und war erleichtert.
Der überwiegende Teil der Zeichen war zwar hübsch anzusehen, bestand aber aus reinen Phantasiemotiven ohne jede magische Wirkung, und der Rest war aus einigen öffentlich zu erwerbenden „Zauberbüchern“ abgepaust. Zamorra erkannte sie sofort wieder, die betreffenden Werke befanden sich selbstverständlich in seiner Bibliothek. Oder besser ausgedrückt, er erkannte die Fehler in den Zeichen wieder. Kein Dämonologe oder Zauberkundige, der seinen Verstand beisammen hatte, hätte jemals in einem für die breite Öffentlichkeit zugänglichen Werk korrekte Zauberzeichen oder Dämonensigille abgebildet, das Risiko des Mißbrauchs wäre viel zu groß gewesen. Alle einschlägigen Symbole in den einschlägigen Druckwerken enthielten deshalb mehr oder weniger viele absichtlich eingefügte Fehler, die jedem wahren Eingeweihten sofort als solche erkennbar waren, jedoch unbedarfte Möchtegern-Beschwörer schnell enttäuscht das Handtuch werfen ließen, denn die Zeichen waren infolge der Fehler magisch völlig wirkungslos. Alles in allem gab es in diesem Gang weniger echte Magie als in Zamorras Stillem Örtchen im Chateau. Das gab Anlaß zur Hoffnung. Zamorra war nicht so verbohrt, daß er jeden Bühnenzauberer, der sich in angemessener Dekoration mit Gleichgesinnten traf, um in aller Ruhe mal Hokuspokus zu treiben und eine Orgie zu feiern, gleich mit Feuer und Schwert verfolgt hätte. Mit etwas Glück war es nur das - eine harmlose Showeinlage.
Sie pirschten weiter. Irgendwohin mußten die Leute, die sie beobachtet hatten, doch verschwunden sein. Selbstverständlich war nicht auszuschließen, daß die hübsch-falsche Dekoration hier reine Täuschung war, und sich irgendwo, vielleicht in einem gut getarnten weiteren Kellergeschoß, eine echte Kultstätte befand. 
Der Gang endete scheinbar blind in einer kleinen Kammer, eine Art Altar mit einer auf alt getrimmten ägyptischen Götterfigur „Made in Hongkong“ versuchte vergeblich, die gesuchte Kultstätte vorzutäuschen. Und nirgendwo eine Menschenseele in Sicht. Also wieder eine Geheimtür, die weiterführte. Der Altar schied aus, überlegte Nicole im Flüsterton. „Wäre echt zu einfach.“ Sie fanden die Geheimtür schließlich ein paar Meter vor der kleinen Kammer, das Auge von einer der gemalten Figuren enthielt den Türöffner. Eine Doppeltür diente als Schleuse, die verhinderte, daß der typische Keller- und Höhlenmief verräterisch in den bemalten Gang vordrang. Hier unten, hinter der Doppeltür, müffelte es wirklich, es war kühl und feucht. Jeder Franzose hätte das typische Weinkeller-Aroma sofort wiedererkannt.
Bröselige gemauerte Stufen führten weiter nach unten, blakende Fackeln warfen mehr Schatten als Licht - und dann waren sie da. Sie hatten die wahre Kultstätte gefunden. Den schwingenden, von Echos gebrochenen murmelnden Sprechgesang hörten sie schon, bevor sie die lange Biegung des neuen Ganges nachvollzogen hatten.
Der Gang erweiterte sich zu einer großen Höhle, die vor langer Zeit sicher Weinfässer beherbergt hatte, der typische Geruch hing immer noch in der Luft. Doch die Fässer waren fort, gemauerte Raumteiler geschleift worden. Etwa ein Dutzend vermummter Gestalten hatte sich im Kreis anbetend zu Boden geworden, die Hinterteile als einziges Körperteil in die Höhe gereckt, und in ihrer Mitte, die Objekte ihrer Verehrung -
„Frechheit!“ zischte Nicole nach einem Augenblick des Staunens. „Das sind unsere!“
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DAOGA / Fanfic Professor Zamorra
« Letzter Beitrag von DAOGA am 8. Juli 2020, 18:35:44 Uhr »
Eine neue und etwas ungewöhnliche Fanfic.

Vor vielen Jahren schon (Kenner der Serie erkennen das an einigen kleinen Details) habe ich mir aus Jux eine Fanfic-Story zur Gruselserie "Professor Zamorra" aus den Fingern gesaugt.
Eine Ausfertigung wurde dem damaligen Redakteur W. K. Giesa zur allfälligen Verwendung zugesandt, aber zu einer Veröffentlichung in irgendeiner Form kam es leider nie.

Damit sie trotzdem der Öffentlichkeit zur Kenntnis kommt - es war ein ähnliches Spaß- und Fanprodukt wie "Ready Player One" von Ernest Cline, wenn auch natürlich lange nicht so gut (wer Film und/oder Buch nicht kennt: unbedingt besorgen!) - stelle ich sie ab sofort hier ein.

Kommentare sind selbstverständlich erlaubt, und wie immer die Anmerkung, daß mir weder die Hauptfiguren aus der Serie PZ noch die meisten anderen erwähnten Figuren (bis auf drei) lizenzrechtlich gehören.

Und los geht's:

Zamorra hielt sich gerade in der Bibliothek vor dem Computer auf und versuchte, sich in die verabscheute, aber notwendige Aktualisierung des Archivs zu vertiefen, als das Telefon sich meldete. Der Bildschirm des Geräts blieb dunkel, weil der Anruf von draußen kam. Allerdings kam auch keine Angabe der fremden Telefonnummer, und das war schon ungewöhnlich. Das Telefonsystem von Chateau Montagne war nämlich so konstruiert, daß es sich von handelsüblichen Systemen zur Telefonnummer-Unterdrückung nicht beeindrucken ließ. Ob Olaf Hawk da eine Art Virus eingebaut hatte, der selbsttätig „ermittelte“, oder wie er das sonst hinbekommen hatte, hatte Zamorra nie wissen wollen und auch nie gefragt.
Eine Stimme, die in ihrer Gleichmäßigkeit und ihrem eiskalt-unerbittlichen Tonfall sofort an eine Maschine erinnerte, teilte mit: „Heute nacht wird in Lyon der Dämon Archon-Stath beschworen. Fahren Sie hin und verhindern Sie es.“ Ein Straßennamen und eine Hausnummer folgte, und bevor Zamorra einen Ton herausbekam, war schon aufgelegt worden. Langsam ließ er den Telefonhörer sinken und dachte erst einmal nach.
Seine Profession als Dämonenjäger war nicht geheim, es gab mittlerweile genug Leute, die für den Fall des Falles Kontakt mit ihm hielten und seine Telefonnummer auch an andere weitergaben, wenn sie der Meinung waren, von dort könnten wichtige Neuigkeiten kommen. Die Meldung konnte also durchaus von jemandem stammen, der etwas aufgeschnappt hatte und sich nicht zu erkennen geben wollte. Aber genauso konnte es ein Köder sein, ausgelegt von einem Feind, der sie an Ort und Stelle lotsen wollte. Diese merkwürdig maschinenhafte Stimme hatte jedenfalls sehr nach einem Cyborg der Ewigen geklungen...
Die angegebene Adresse in Lyon kannte Zamorra oberflächlich, eine Straße am Stadtrand mit altehrwürdigen Villen in reichlich großen Privatgrundstücken, wo regelmäßig die Parties der Alt- und Neureichen stattfanden und auch keiner die Polizei rief, wenn die Feiernden mal in altmodischen Mönchskutten oder ähnlichen Vermummungen anrückten, wie sie bei Dämonenbeschwörungen bekanntlich Sitte waren. 
Er befragte kurz sein Archiv, und ging dann los, um Nicoles Meinung zu hören. Der Anruf war selbstverständlich mitgeschnitten worden. 
„Archon-Stath.“ überlegte sie. Im Archiv war kein Dämon dieses Namens zu finden gewesen, aber das mußte nichts heißen. Vermutlich handelte es sich um einen niederen Dämon, wie sie die Hölle jährlich zu Millionen ausstieß, die meisten von ihnen geboren zu keinem anderen Zweck als jenem, postwendend in den Klauen, Zähnen oder sonstigen Extremitäten eines mächtigeren Wesens zu enden. Doch auch solch eine niedere Kreatur konnte gewaltige Schäden anrichten, wenn sie von unvorsichtigen Dämonenanbetern auf die Erde beschworen und auf die ahnungslose Menschheit losgelassen wurde.
Sie wußten, es war ihre Pflicht, der Sache nachzugehen, egal, wie verdächtig der Anruf gewesen war. Und allzuviel Zeit hatten sie nicht mehr, es war bereits Nachmittag, und die Fahrt bis Lyon dauerte eine Weile. Die Regenbogenblumen wollten sie nicht benutzen. Es war durchaus möglich, daß sie dringend auf einen fahrbaren Untersatz angewiesen sein würden, falls es beispielsweise zu einer Verfolgungsjagd oder ähnlichem kam, und so schnell bekamen sie in Lyon keinen Leihwagen mehr.
Sie statteten sich mit allem aus, was sie möglicherweise sonst noch brauchen konnten, Dhyarras, Blaster, natürlich das Amulett, und zur Sicherheit auch noch Zamorras Zauberköfferchen. Auf den ersten Blick eine regelrechte Overkill-Kapazität an Waffen. Doch zu oft in letzter Zeit hatten sich scheinbare Routinefälle in haarige Einsätze verwandelt, deshalb wollten sie für jede Eventualität gerüstet sein. 
Natürlich konnte der Anruf auch andere Hintergründe haben. Vielleicht war es nur ein Spaßanrufer, der von den Dämonenjägern auf Chateau Montagne erfahren hatte und sie ein wenig hinters Licht führen wollte, oder ein Gegner hatte die Absicht, während ihrer Abwesenheit das Schloß zu besetzen und die Anwesenden gefangen zu nehmen.
Es war Zamorra durchaus bewußt, daß die M-Abwehr nur gegen dämonische oder dämonisierte Feinde wirkte, nicht jedoch gegen menschliche Angreifer, die vielleicht mit reichlich Dämonengold geködert worden waren.
Im vollen Bewußtsein dieser Möglichkeit wandte er sich an Fooly. Der kleine Drache hatte Nicoles Abhören des Anrufs zufällig mitbekommen und war ganz begeistert von der Aussicht, einigen Kultisten und vielleicht auch einem leibhaftigen Dämon mit seinem Drachenfeuer die Kutten, Schwänze und sonstigen Bestandteile anzukokeln. Jetzt zog er allerdings das weinerliche Gesicht eines Kleinkindes, das mehr als alles andere an sein wahres Alter - in Drachenmaßstäben - gemahnte. Denn leider durfte er, wieder mal, nicht mit.
„Warum glaubst du, daß wir dich so oft alleine hierlassen, wenn wir auf spannende Abenteuer ausziehen?“ fragte Zamorra. Er hatte sich auf ein Knie herabsinken lassen, um auf Augenhöhe mit Fooly zu sein. „Weil wir wissen, daß du die Burg und alle, die hier leben, beschützen wirst, wenn es nötig ist. Mit deinem Drachenfeuer, deinem Mut, deiner Zauberkraft, und, wie ich hoffe, auch deinem Verstand.“
Und das stimmte. Seit Fooly auf dem Chateau lebte, ging Zamorra ganz selbstverständlich von der alten Zauberer-Weisheit aus, wonach ein leibhaftiger Drache zum besten Schutz gehörte, den eine Burg gegen menschliche Angreifer haben konnte. Vielleicht lag es auch daran, daß er die Schäden, die Fooly mit seiner plumpen Art ständig verursachte, letztlich immer hinnahm und sie niemals dem Lohnkonto von William, Foolys „Adoptivelter“, belastete... Ohne Fooly hätte er sich schon längst um professionelle und teuer bezahlte Wächter bemühen müssen, wußte er, denn die Feinde schliefen nicht.
„William hat andere Pflichten. Er kann nicht den ganzen Tag auf den Zinnen stehen und nach möglichen Feinden Ausschau halten.“ so sprach er ernst zu dem kleinen Drachen. „Deshalb zählen wir auf dich.“
Da schien Fooly gleich um einen halben Meter zu wachsen, die trübe Miene hellte sich auf. „Ist das wahr?“ fragte er nochmals. „Fooly, der treue Burgwächter! Das ist besser als Feuerwehrmann!“ Und machte sich sofort auf, den höchsten Turm des Chateaus zu entern, von dem aus er das ganze Land ringsum im Blick behalten konnte.
„Feuerwehrmann? Wo hat er das nur her?“ machte ein kopfschüttelnder Zamorra. Das mühsam unterdrückte Feixen von William im Hintergrund übersah er großzügig. Ganz beherrschte der Schotte die für Butler übliche Selbstkontrolle noch nicht, dazu fehlten ihm vielleicht noch ein paar Jahre. Raffael hätte sich niemals so gehen lassen...
Zamorra fiel auf, daß er schon seit einer Ewigkeit nicht mehr an Raffael Bois gedacht hatte, den alten Butler und Hausdiener, Williams Vorgänger im Amt, der vor Jahren umgekommen war, als er den kleinen Sir Rhett beschützte. In der Zeit danach war er mehrfach als hilfreicher Geist erschienen, doch in letzter Zeit nicht mehr. Vielleicht hatte er ja mittlerweile die ewige Ruhe gefunden, was Zamorra ihm sehr gegönnt hätte. Vielleicht tauchte er auch irgendwann einmal wieder auf, um in einer Zeit der Not zu mahnen und zu helfen. Geister gehörten nicht zu den Wesenheiten, nach denen man die Uhr stellen konnte, sie entschieden selbst darüber, welche Ereignisse ihres Erscheinens wert waren, und das konnte jahrelang, manchmal jahrzehntelang nicht der Fall sein.
Egal. Im Augenblick stand etwas anderes an. Sie packten ihre Sachen und fuhren los, Zamorra vorneweg, Nicole direkt dahinter im zweiten Wagen. Für alle Fälle hatten sie beiden noch ihre Handys eingesteckt. Sie verabscheuten die Dinger zwar, doch in diesem Fall mußte es sein, falls es doch ein Ablenkungsmanöver war, und William sie dringend zurückrufen mußte.

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Romane und Edmond Hamilton / Re: Allen Steele - The Guns of Pluto
« Letzter Beitrag von claudrick am 19. Mai 2020, 23:00:56 Uhr »
Danke für den Tipp, Alari!

Hoffentlich nimmt die Geschichte in der Fortsetzung ein bisschen an Fahrt auf...  :-X

LG

claudrick
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Romane und Edmond Hamilton / Allen Steele - The Guns of Pluto
« Letzter Beitrag von Alari am 16. Mai 2020, 13:10:30 Uhr »
Ihr Lieben, es gibt eine neue Geschichte aus der Feder von Allen Steele. Sie beginnt direkt nach Ende der letzten, "Captain Future in Love".

https://www.amazon.com/dp/B08819JD5G?pldnSite=1&fbclid=IwAR3qcp9q20c_NLrykvU4c4IVJc_zRj4DWiDWJxOMFB-rWaMS8uZk3VmqqNQ
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FanFiction / Re: Continued Shortstory: Weihnachtsnachlese...
« Letzter Beitrag von Johanna am 16. Mai 2020, 00:24:20 Uhr »
Hi Claudrick,

wohl nicht das einzige lose Ende, was hier auf der Plattform noch so rumliegt... [wallbash]
Mea culpa...
Mal sehen, ob mich die Muse nochmal küßt...


Liebste Grüße
Johanna  :-*
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FanFiction / Re: Continued Shortstory: Weihnachtsnachlese...
« Letzter Beitrag von claudrick am 14. Mai 2020, 23:01:36 Uhr »
...und selbst nach fünf Jahren wissen wir noch immer nicht, wer hier in Ezras Revier wildert. Sozusagen ein Cold Case, der noch aufgelöst bzw. fortgesetzt werden möchte.  [poke]

Bussi

claudrick
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FanFiction / Re: Kleine Herausforderung gefällig?
« Letzter Beitrag von Johanna am 9. Mai 2020, 23:49:11 Uhr »
 :)
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FanFiction / Re: Kleine Herausforderung gefällig?
« Letzter Beitrag von Mooncat am 7. Mai 2020, 23:35:42 Uhr »
Hi Mooncat,

da hast du dir ja richtig viel Arbeit und Gedanken gemacht, Respekt! Das ganze liest sich in seiner Ausführlichkeit fast wie der Teaser zu einer längeren Geschichte. Hast du da etwa schon was im Hinterkopf?

Wenn ich das richtig verstanden habe, diente Joan hier mehr oder weniger als Köder bei den Ermittlungen ihrer Kollegin Michelle. Aber auch Captain Future scheint involviert zu sein, oder ist sein Auftritt am Ende nur purer Zufall? Da steckt Potenzial für mehr drin.  :

Also wenn Ausführlich die nette Beschreibung von länglich ist, kann ich da nur zustimmen. Irgendwie haben die Begriffe jeweils einzelne Szenen bei mit angeregt die ich notdürftig aneinandergetackert habe. Schön wenn da noch etwas roter Faden im Gewirr erkennbar geblieben ist...   :)

Das war gar nicht viel Arbeit, ich habe nur meine Bilder im Kopf in Worte gefasst was ja auch nicht zu m sprachlichen Höhenflug geführt hat, um es positiv zu formulieren. Aber ich hatte gehofft das es trotzdem einigermaßen lesbar ist ...

Was den Abschluss angeht, weiß ich noch nicht ob das  nicht alles Joans Einbildung war.....Champagnerrausch oder war da vielleicht was drinnen..
Nee ich habe noch keine Geschichte im Kopf, nur weitere einzelne Ideen und ich glaube am Ende wird es dann völlig absurd...
Also kehre ich lieber zu meiner eigentlichen Geschichte zurück...


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FanFiction / Re: Kleine Herausforderung gefällig?
« Letzter Beitrag von Lost In Space am 7. Mai 2020, 23:33:15 Uhr »
Hallo Moony,

....auch sonst etwas ungelenkt und noch zu spät -
Ach was, das macht doch nix. Ist doch super, dass du mitgemacht hast.  [goodjob] Und der Termin war einfach mal als Anhaltspunkt gedacht. Und super viel Arbeit hast du dir da gemacht!  [work]

Das ganze liest sich in seiner Ausführlichkeit fast wie der Teaser zu einer längeren Geschichte.
Genauso ist's mir auch vorgekommen. Da lässt sich doch bestimmt was stricken.  [jump] [invisible]


Aber auch Captain Future scheint involviert zu sein, [...]
Wenn Freddyboy ein Jugendfreund Joans war, dann ist unser großer rothaariger Held doch sicherlich ganz erpicht drauf, Näheres zu erfahren. Nicht, dass er eifersüchtig wäre oder so ...  [invisible]

Eigentlich stehst Du doch gar nicht auf Rothaarige - mit einer Ausnahme.
[globelaugh] Grund genug, dass sich die Ausnahme in die Annahme der Abnahme einer gewissen blonden Dame versteigen könnte ... oder so.  [ghost]


Vorfreudige Grüße  ;)
LiS

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