Autor Thema: Oneshots  (Gelesen 178 mal)

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Offline claudrick

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Oneshots
« am: 17. Juni 2019, 12:45:17 Uhr »
Hallo ihr Lieben,

vielleicht geht es euch auch manchmal so, dass ihr zwar eine tolle Szene im Kopf habt, aber keine Story, in die ihr sie einbauen könnt. In diesem Thread könnte Platz für solche Szenen sein, die wahrscheinlich keine Fortsetzung bekommen aber trotzdem lesenswert sind. Fühlt euch gerne aufgefordert! Ich mach mal den Anfang...  :)



Einen grandiosen Triumph hatte es George Forrester, der Präsident der Solarregierung, vor versammelter Presse genannt. Einen massiven Schlag gegen einen Ring aus Waffen-, Drogen- und Menschenhändlern, Mördern und Räubern. Einen Schlag, von dem sich das organisierte Verbrechen nicht so schnell erholen würde, hatte er doch einen seiner führenden Köpfe das Leben gekostet, dem meistgesuchten Piraten des Sonnensystems: Dem Falken.

Die Pressekonferenz im Regierungsgebäude in New York war noch in vollem Gange, während Marschall Ezra Gurney an Bord seines Raumkreuzers der Planetenpolizei, der noch im Orbit des Jupiters stand, mit schweren Schritten den Korridor zur medizinischen Abteilung entlang ging. Um sicher zu gehen, dass es wirklich der Falke war, den man gestellt hatte, und nicht etwa einer seiner vielen Doppelgänger, war seine Leiche sichergestellt worden, um Proben für einen DNA-Abgleich zu nehmen. Die diensthabende Ärztin mit den großen, stark mandelförmigen Augen, wie sie typisch für die Bewohner des Ganymed waren, erwartete Ezra bereits.

„Darf ich ihn sehen, Dr. Ambani?“, erkundigte sich Ezra, kaum, dass die Ärztin dem Marschall etwas Blut, Speichel und Hautgewebe entnommen hatte. Der Blick aus ihren großen, dunklen Augen, der ihn daraufhin traf, sagte etwas anderes als ihre zögernde Antwort. „Natürlich, wenn Sie das möchten.“

Ezra folgte der Ärztin in einen Nebenraum. Dort entriegelte sie eine der Kühlboxen, zog die darin befindliche Liege heraus und öffnete den Reißverschluss eines Leichensacks. Dann trat Dr. Ambani etwas zur Seite und wandte sich ab, um dem Marschall etwas Privatsphäre zu geben. Allein lassen dürfte sie ihn mit dem Toten nicht.

Ezra holte Luft und trat mit versteinerter Mine an den Leichensack heran. Irgendwie hatte er geahnt, dass dieser Moment eines Tages kommen würde, und doch musste er sich jetzt zusammenreißen, als er in das Gesicht des Piraten blickte. Denn abgesehen von ein paar Brand- und Schürfwunden im Gesicht und schulterlangem grauem Haar, das dem Falken bis auf die Schultern fiel, war es, als schaue Ezra in einen Spiegel. Dieselbe markante Nase, ein grauer, an den Seiten etwas längerer Schnurrbart, das kantige Kinn. Eine aufwühlende Mischung aus Zorn, Enttäuschung und Trauer überkam ihn und ließ einen unterdrückten Laut durch seine zusammengepressten Lippen kommen.

„Verdammter Idiot!“, waren die Worte, die Ezra wohl ausgestoßen hätte, wäre Dr. Ambani nicht mit im Raum gewesen. Kurz ballten sich seine Fäuste, so als wolle er der Leiche seines jüngeren Bruders einen letzten Knuff verpassen, doch stattdessen wandte Ezra sich schnell ab und gab Dr. Ambani ein Zeichen, dass sie die Leiche wieder verstauen konnte. Der Marschall nahm noch den teilnahmsvollen Blick der Ärztin wahr, ehe er mit einem gemurmelten Dank hastig den Raum verließ.

Nein, Ezra konnte und wollte nicht um seinen Bruder trauern. Zu viele Verbrechen hatte dieses Monster begangen, zu viel Leid verursacht. Die Zeit, in der Ezra sich Vorwürfe gemacht hatte, weil es ihm nicht geglückt war, seinen Bruder wieder auf den rechten Weg zurückzubringen, war lange vorbei. Und die frühere Verbitterung darüber war nun endgültig größter Verachtung gewichen, wenn nicht sogar Hass, denn der Falke und seine Bande hatten nicht nur den Tod etlicher Einsatzkräfte der Polizei verschuldet, sondern auch den von Ezras engstem Kollegen und bestem Freund seit ihrer gemeinsamen Ausbildungszeit: John Randall. Dieser hinterließ eine fünfzehnjährige Tochter, Joan, mit der er auf dem Wohngelände der Planetenpolizei ein kleines Haus bewohnt hatte. Ezra kannte Joan, seit sie auf der Welt war, und sie betrachtete ihn durch die enge Freundschaft mit ihrem Vater als Familienmitglied. Ezra musste umgehend zu ihr und sich jetzt um sie kümmern. Das war er John schuldig!

not tbc  ;)
« Letzte Änderung: 9. Juli 2019, 22:21:18 Uhr von claudrick »
Wenn sich das Universum ausdehnt, warum finde ich dann nie einen Parkplatz? (Woody Allen)

Offline Mooncat

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Re: Oneshots
« Antwort #1 am: 1. September 2019, 09:50:10 Uhr »
 [master] [goodjob] [goodjob] [goodjob] [goodjob]

Sehr schöne Geschichte! *Seufz*

LG Mooncat
« Letzte Änderung: 1. September 2019, 23:33:26 Uhr von Mooncat »

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Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen. (John Lennon)

Offline Mooncat

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Re: Oneshots
« Antwort #2 am: 1. September 2019, 23:29:28 Uhr »
mir ist jetzt nur das eingefallen:

"Captain Future, Captain Future bitte melden" tönt es aus dem Televisor in Joans Appartment. Im ersten Moment glaubt Joan sich verhört zu haben. "Captain Future, Captain Future bitte melden" sagt die Stimme erneut. Verwundert und neugierig zugleich dreht sich Joan so um, dass sie den Televisor sehen kann.
Ein Fernsehsprecher liest einen Text vor: "Natürlich meinen wir nicht den richtigen Captain Future, der uns jetzt vielleicht hört. Wir suchen jemanden, der nur genau wie Captain Future aussieht. Wir planen einen Spielfilm mit dem Arbeitstitel "Held des Weltalls". deshalb möchten wir alle Herren, die glauben auszusehen wie Captain Future, einladen sich für diese Rolle zu bewerben. Dieser Spielfilm wird an Originalschauplätzen produziert..."
Denn Rest hört Joan nur noch mit halben Ohr. "Verfilmen? So eine bodenlose Frechheit, wer hat sich denn das ausgedacht?" denkt sie. "Was soll ich machen? Ezra kontaktieren? Curtis? Dem wird es egal sein, wenn er es überhaupt auf dem Mond oder wo auch immer er steckt mitbekommen hat. Schließlich habe ich schon seit Monaten nichts mehr von ihm gehört." überlegt Joan. "Am besten gehe ich der Sache sofort selber nach und danach informiere ich Ezra". Joan wartet nicht lange und loggt sich in ihren Dienstaccount ein, um an Hintergrundinfos zu kommen. " Wenn Ezra das mitbekommt wird er sich allerdings wundern da ich Urlaub habe."

Den ganzen Abend und fast die ganze Nacht recherchiert sie. Am nächsten Morgen hat sie alles herausgefunden: Den Namen der Filmgesellschaft, den Ort des Castings und den Finanzier der ganzen Sache und noch viel mehr.

Da klinget es. "Oh, das hatte ich fast vergessen. Das muss Ken sein, wir wollten eigentlich heute etwas zusammen unternehmen." fällt Joan ein und ruft daraufhin laut: "Komm rein, Ken"
Sichtlich aufgeregt betritt Ken Joans Wohnung: "Joan, Joan, hast Du das auch gesehen? Die wollen einen Film über Captain Futures Leben machen."
"Ja, Ken, ist das nicht grauenvoll?" antwortet Joan.
"Grauenvoll? Wieso denn grauenvoll?" fragt Ken irritiert.
"Die wollen nur seinen Namen ausnutzen um damit Geld zu machen. Wenn nicht sogar noch andere finstere Machenschaften dahinter stecken. Und glaube mir, Ken, die interessieren sich nicht im Geringsten dafür, wie es wirklich war. Außerdem ist es gar nicht im Interesse der Futurecrew noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen" sagt Joan
"Ja, wahrscheinlich hast Du Recht." Kens anfängliche Begeisterung ist verschwunden. "Ja, wir müssen das unbedingt verhindern! Kannst Du das nicht verbieten lassen?"
Joan sieht Ken an und schüttelt den Kopf: "Nun, die Weltraumpolizei oder der Präsident können sich da nicht einmischen, ich überlege mir gerade etwas anderes."
"Ist das nicht die Schauspielerin mit dem komischen Namen, Laura, Lulu oder so" fragt Ken als er die Bilder einer ersten vorläufigen Besetzungsliste auf Joans Display sieht.
"Lura" korrigiert Joan
"Soll die etwa Dich spielen?" fragt Ken. "Die ist gräslich, ich mag die nicht"
Joan muss grinsen.
"Nein, ich denke nicht, ich habe die Vorinfos zur Story bereits gecheckt. Ich glaube das ist eine Figur die sie in die Geschichten reingeschrieben haben. Wenn sie mich spielen würde, dann könnten wir das verbieten lassen.  Aber so, ach... Ken, ich habe eine Idee! Ich werde es direkt bei der Produktionsfirma versuchen." sagt Joan und springt auf.
"Ich komme mit" sagt Ken.
Joan blickt Ken kurz an. "Hmm....Ok, je mehr Aufsehen wir erregen, desto schwieriger wird es für die uns abzuwimmeln. Ich denke ich werde Ihnen auch meinen Dienstausweis zeigen, dann können Sie uns nicht ignorieren. Ken, lass uns sofort zum Casting fahren!"

- der Rest ist bekannt -
« Letzte Änderung: 1. September 2019, 23:34:26 Uhr von Mooncat »

Ich mag keine unordentliche Ordnung, Chaos ist mir lieber, da finde ich mich besser zurecht (Mooncat)

Offline claudrick

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Re: Oneshots
« Antwort #3 am: 3. September 2019, 08:32:16 Uhr »
Prima geschrieben, Mooncat!  [bthumbup]
Ich finde es immer interessant, wenn Winkel näher ausgeleuchtet und beschrieben werden, als das in der Original-Story der Fall ist.
Gefällt mir!

LG

claudrick
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