Autor Thema: CF der Film - Version 2772  (Gelesen 14006 mal)

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Offline DAOGA

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #60 am: 9. Mai 2019, 17:51:09 Uhr »
Etwas seltsames geschah. Denn während Roger Newton seine Pläne, wie sich ihr Verschwinden am besten kaschieren ließ und wie er sich den Aufbau einer heimlichen Zuflucht auf dem Mond ausmalte, weiter laut ausführte, waren Bilder der einzelnen Etappen zu sehen, irgendwie zeitgleich oder neben der Szene mit dem Auto auf dem Waldweg.
Wie auch immer das ging, die beiden Ebenen liefen zeitgleich ab, ohne sich gegenseitig zu überlagern, mit Roger Newtons Worten wie erläuternde Kommentare aus  dem Off.
Als Roger Newton von der Absturzstelle sprach, war sie zu sehen, in felsigem Gelände in einer unzugänglichen Bergregion, von den weitverteilten Trümmern kaum eines größer geblieben als eine Aktentasche, weil die abgestürzte Testmaschine sich anscheinend mit der Nase voran direkt in die Bergflanke gebohrt hatte, und bis die alarmierten Retter endlich bis dorthin vordrangen, hatte das regnerische Wetter die meisten Brände in den Trümmern gelöscht. 
Schon in den Wochen vorher war eine regelrechte Perlenkette an kleinen Transportraketen, unsichtbar für menschliche Beobachter genauso wie für Radar und andere elektronische Überwachungsanlagen, in Richtung Mond gestartet. Eine nach der anderen, von unterschiedlichen Startplätzen aus, einige unter dem Sichtschutz angemeldeter Starts, andere heimlich oder von vermeintlichen Weltraumfreaks privat und mit wohlwollender Duldung der offiziellen Raumfahrtbehörden gestartet. Doch kaum waren diese „Spielzeugraketen“ mit ausgebrannten Triebwerksstufen der Reichweite der erd- oder orbitalgestützten Überwachungsgeräte entkommen, hatten sie unbemerkt, mit Hilfe primitivster gasbetriebener Antriebe, die keine auffälligen Hitzesignaturen erzeugten, einen Kurs in Richtung des Erdtrabanten aufgenommen. 
Die allererste Rakete, die viele Tage später wegen des langen, langsamen und deshalb von keiner offiziellen Weltraumüberwachung bemerkten Anfluges programmgemäß an einer geeigneten Stelle des Kraters Tycho landete, war nicht sehr viel mehr als eine spärliche Hülle, nachdem sie kurz vor Landung ihre letzten Treibstoffbehälter abgeworfen hatte und lediglich mit Hilfe von druckluftgefüllten Düsen auf der Mondoberfläche aufsetzte.
Gleich danach klappte diese Hülle ringsum auf und in Segmenten auseinander, und zeigte auf ihrer anderen Seite nach Muster eines Wendemantels eine Beschichtung aus energiesammelnden Solarzellen.
Unter dieser Hülle steckte eine seltsame, spinnenbeinige Konstruktion, nicht unähnlich den allerersten Mondlandefähren, die vor vielen Jahren an anderen Stellen des Mondes aufgesetzt hatten, doch diese trug weder menschliches Leben an Bord, noch blieb sie untätig stehen wo sie gelandet war.
Denn kaum hatte sie Bodenkontakt, aktivierte sich das Programm, das ihr elektronisches Gehirn in sich trug. Ein versiegeltes rundes Gefäß in ihrer metallenen Leibesmitte öffnete sich, und eine honigzähe, graue Substanz folgte der geringen Mondschwerkraft und tropfte langsam nach unten, auf die staubige Felsoberfläche. Kaum berührte diese Substanz den Boden, begann eine Reaktion, wie Säure begann sich das graue Zeug in den Fels hineinzufressen.
Doch die Reaktion kam nicht bald wieder zu einem Ende, wie die beschränkte Menge des grauen Zeugs, etwa hundert Liter, zu suggerieren versuchte. Ein rundes Loch entstand in der Mondoberfläche, etwa zwei Meter im Durchmesser, genau unter den Spinnenbeinen des mechanischen Gefäßes, und es vertiefte sich langsam aber ständig weiter, bis auf etwa zwei Meter.
Danach schien die löcherschaffende „Flüssigkeit“ keine Lust mehr zu haben, der geringen Mondschwerkraft völlig zu folgen, denn sie fraß sich zwar weiter in die Tiefe, jedoch in einem flacheren Winkel, als wäre sie auf eine undurchdringliche, leicht abschüssig in die Tiefe des Felsens führende Gesteinsschicht gestoßen. Was jetzt entstand, war kein senkrechter Schacht mehr, sondern ein Tunnel. Der kerzengerade weiter in den Felsen hinein wuchs, sehr langsam aber stetig, und überall wo der für den Anfang vorgesehene Durchmesser von zwei Metern für den Tunnel erreicht wurde, zog die graue Masse dünne Metallfädchen am festgebliebenen Felsrand hinter sich her, Drähte, die zurück zur „Spinne“ und der sonnenkollektorbestückten umgedrehten Hülle der Landerakete führten und von dort Energie zuführten.
Die graue Masse bestand nämlich nicht aus Säure oder anderer Flüssigkeit, sondern aus sehr aktiver Nano-Technologie, mikrokleine Roboter, die die Fähigkeit besaßen, sich durch Schwächung molekularer Bindungen in Felsgestein hineinzufressen, so wie es manche Erde und Felsen „fressenden“ Mikroorganismen auf der Erde konnten, denen sie nachgebaut worden waren. Aber sie lösten das Gestein nicht nur, sondern formten es neu, komprimierten es in die Schachtwände, bis sie in einer zentimeterdicken Schicht deutlich härter waren als das Ursprungsgestein, aus dem sie geformt waren, eine fast diamantharte, wie von starker Hitze zu Glas geschmolzene Schutzschicht.
Was danach als Restmaterial als Berge von feinem Staub aus zerkleinerten Mondfelsen übrig blieb, „wandert in die Extraktionskette.“ erklärte Roger Newtons Stimme.

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #61 am: 13. Mai 2019, 14:51:52 Uhr »
Denn zwischenzeitlich waren rings um die erste Raketenspinne weitere gelandet, einige mit weiterem Nano-Schleim an Bord, der der im Tunnel arbeitenden Vorhut nachfolgte und sie verstärkte, so weit wie ihre Stromleitungen von der Oberfläche reichten (und da waren etliche Kilometer des dünnen Drahtes auf den Spulen), andere Raketen dagegen brachten anders programmierte Nanoroboter samt einer Batterie von großen, leeren Gefäßen, in denen das, was diese Roboter chemisch-mechanisch aus dem Mondstaub herauslösten, sortenrein gesammelt wurde.
„Sauerstoff, Wasser, Stickstoff, anorganische Kohlenstoffverbindungen, Metalle, Silikate ... alles was wir in der einen oder anderen Form für die Mondbasis brauchen werden. Bis unser Schiff auf dem Mond ankommt, ist der noch luftleere Rohbau im Untergrund schon fertig.“
(Hier war in der filmischen Überblendung eine schematische Darstellung der kompletten ersten Basis zu sehen, wie die Nanoroboter sie aus dem Mondgestein herausfraßen, tief genug unter der Oberfläche, um einen guten Schutz vor Mikrometeoriten und Strahlung zu gewährleisten.)
„Aus den Silikaten in Verbindung mit Polymeren läßt sich in energiesparender Dünnschmelztechnik beinahe unzerstörbares Glassit fertigen, aus dem die Drucktüren und Fenster entstehen werden. Die Maschinen, die wir für all das brauchen werden, sind alle bereits vorhanden oder erhältlich, wir müssen sie nur an lunare Verhältnisse anpassen und vorausschicken.
Algen- und Pflanzenkulturen für die Nahrungsgewinnung. Auf jeden Fall unsere Nanomaschinchen, die synthetisches Fleisch herstellen. Ohne Elaines fabelhafte Burger mit Zwiebeln möchte ich nämlich nicht auf dem Mond leben müssen ... und wir brauchen für wirklich alles und für jeden Zweck molekulare Mustervorlagen für unsere Nanobots, egal ob Türdichtungen, elektrische Anlagen oder Lufterneuerungsgeräte.
Die grobe, gefährliche und Schwerarbeit wird natürlich G.R.A.G. übernehmen. Ich überlege übrigens, für unsere Reise mehr G.R.A.G.s herzustellen, zumindest am Anfang wird es genug Arbeit für zehn von seiner Sorte geben. Viktor wird begeistert sein, wenn ich mich endlich dazu breitschlagen lasse, er belagert uns schon lange genug deswegen. Da wir ihm keinen einzigen hierlassen werden, ist das kein Risiko, und neu anlernen müssen wir die zusätzlichen Exemplare auch nicht, wir kopieren einfach die Inhalte des Elektronengehirns von G.R.A.G. auf die anderen Roboter. Wenn wir sie zu einer einzigen Einheit verlinken, weiß jeder, was der andere gelernt hat oder gerade tut, auf diese Weise können sie viel effektiver handeln.“
„Also tun wir genau das, was Viktor und seine Geldgeber von uns wollten, nur zum eigenen Vorteil. Der Zweck heiligt die Mittel, nicht wahr?“ raspelte Simon, diesmal mit deutlich erheitert wirkenden Unterton.
„Läßt sich leider nicht vermeiden. Verluste auf dem Transportweg wird es sicher geben, deshalb müssen wir von allem lieber ein paar Exemplare mehr losschicken. Aber wenn alles so läuft wie geplant, werden wir nicht allzu lange im Raumschiff kampieren müssen.“
Und hier war in der Überblendung zu sehen, wie Roger, im Raumanzug, im Überschwang der Gefühle über den erfolgreich abgeschlossenen Ausbau samt Sicherheitstests seine hochschwangere Frau Elaine, ebenfalls im Raumanzug, in die Höhe hob, dank Mondschwerkraft selbst mit den Zusatzgewichten der Anzüge kein schwieriges Unterfangen, und sie über die „Schwelle“ der äußersten Schleusentür trug.
Wie er es schon einmal einige Jahre zuvor, nur ohne Raumanzüge, am Tag ihrer Hochzeit getan hatte.
Der Eingangsbereich war inzwischen, wohl erneut über die Mikroroboter, deutlich vergrößert und verbreitert worden, im Vergleich zum ursprünglichen zwei-Meter-Tunnel, dafür jedoch als Sichtschutz nach oben mit einem scheinbar natürlich gewachsenen brettebenen Felsdach abgeschirmt.
Damit endete die Überblendung. Die Umsiedlung hatte wie geplant stattgefunden, das Bild des irdischen Waldes samt Raketenwagen verschwand, Konzentration jetzt allein auf die weiteren Geschehen auf dem Mond.

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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #62 am: 20. Mai 2019, 17:34:16 Uhr »
Eine Überschrift, als holographische Projektion schwebend, erschien: 20 Jahre später.
 
Ein offenes Mondfahrzeug samt Anhänger, auf dem Felsbrocken lagen, näherte sich dem Eingang der Basis, der sich seit dem offiziellen Einzug des Ehepaars Newton nicht mehr verändert zu haben schien. Vom Raumschiff von damals und den zahlreichen Transportspinnen und herumstehenden Geräten und Gefäßen war nichts mehr zu sehen, der Umkreis um den Eingang war wie leergefegt, nichts als ebener, kahler, ewig unfruchtbarer Mondfelsen, auf den völlig ungefiltert das grelle Licht der Sonne knallte. 
Sie spiegelte sich auch intensiv auf der abgedunkelten Helmscheibe des Fahrzeugführers, so daß sein Gesicht nicht zu sehen war, als er das Mondfahrzeug abbremste und langsam durch das aufgeglittene Tor steuerte. War es der ältere Roger Newton? Oder jemand anderer? Der Zuschauer sollte im Moment noch im Dunkeln gehalten werden.
Mehrere Schleusen durchfuhr das Fahrzeug, immer nur eine der Drucktüren öffnete sich, um den Luftverlust zu minimieren. Entsprechend langsam rollte der Mondrover. Endlich parkte er in einer Verbreiterung des Ganges, die wohl  speziell zu diesem Zweck geschaffen worden war. Die Wände waren kahl und glatt aber uneben, wie frisch aus dem rohen Gestein herausgeschmolzen, man hatte sie lediglich weiß gestrichen, um die Leuchtkraft der Lampen an der Decke zu verstärken. Offenliegende Energiekabel zogen sich entlang Wände und Decke, eingelassen in rinnenartige Vertiefungen zum Schutz vor Beschädigungen. Sie aus ästhetischen oder anderen Gründen extra abzudecken hatte man als überflüssig empfunden, denn so waren sie für Reparaturen leichter zugänglich.
Der Mann im Raumanzug kletterte von seiner Zugmaschine herunter und begann mit langsamen und bedächtigen Bewegungen seinen Helm abzunehmen. Die Geräusche, die er und sein Fahrzeug seit Einfahrt in den Tunnel verursachten bewiesen, daß der Tunnel luftgefüllt war - denn solange die Handlung „draußen“ stattgefunden hatte, war kein Laut zu vernehmen gewesen. Vakuum, klar, ergo keine Geräusche.
Der Helm kam herunter, die Person endlich im Profil zu erkennen -

... und das war der Moment, an dem die drei Zuschauer gleichzeitig vor Lachen losbrüllten,
denn da Frans für die Aufnahmen noch nicht zur Verfügung gestanden hatte,
hatten die Witzbolde der Hammer-Werft einfach den Kopf der Zeichentrickfigur in die Realaufnahme des Raumanzugs einkopiert.

Das Vergnügen steigerte sich noch, als die Figur sich fast wie irritiert, den Zuschauern zuzuwenden schien.
Denn in der telepathisch gesteuerten Total-Surround-Umgebung hatten sie den Eindruck, tatsächlich leibhaftig in diesem beinahe leeren Gang zu stehen, zusammen mit „Captain Future“, Anzug echt, Kopf aus Strichen und Farbe komponiert, samt dem legendären „Wanderscheitel“.  ;D

Und dann hörte Frans plötzlich auf zu lachen.
 
Denn er hatte das innige, irrsinnige? Gefühl, daß diese gezeichnete, animierte, und somit überhaupt nicht reale Figur, hinter der nicht einmal ein echter Schauspieler im Motion-Capture-Anzug gesteckt hatte, speziell ihn anblickte.
Signy und Siwa wurden ignoriert, allein auf Frans konzentrierten sich die Augen, die irgendwann, vor vielen hundert Jahren, ein japanischer Zeichner des Filmproduzenten Toei mit Farbe auf ein Stück Plastikfolie gemalt hatte.

Aber hinter diesen Augen war kein leerer Raum, wie es hätte sein müssen.

Da war etwas. Wissen, Intelligenz, Humor, Zielstrebigkeit, aber auch Trauer, Verlust und Verbissenheit -
war es real, oder projizierte Frans gerade sich selbst in sein Gegenüber, seine zukünftige Rolle, hinein?
 
Keiner der beiden bewegte sich, Frans nicht, und auch nicht „Captain Future“.
Und doch hatte Frans das Gefühl, gerade etwas überreicht zu bekommen.
Eine Staffel, nein, die prometheische Flamme der Hoffnung, des Wissens und des Fortschritts in einer unsichtbaren olympischen Fackel,
 
ewig weitergetragen, weitergegeben, wenn ein Träger nicht mehr konnte, an einen neuen, würdigen Träger, der dieser Verantwortung gerecht werden konnte,

Vertreter einer neuen Zeit, einer neuen Generation, die dort weitermachen würde, wo die Generation vor ihr zum Stillstand gekommen oder gescheitert war,
 
immer mit dem Ziel, mit der Flamme einen Großbrand zu entfachen, wenn die Zeit und Notwendigkeit dafür gekommen war, völlig unerheblich des Trägers, seiner Rasse, Geschlecht, seines Alters,
oder auch nur der unwichtigen Kleinigkeit, ob er überhaupt real, ein lebender Mensch war oder etwas ganz anderes ...

standhaft kämpfte Frans gegen den intensiven Wunsch an, vor „Captain Future“ zu salutieren, wie der Held in einem Kriegsfilm vor seinem inspirierenden Vorbild oder General.

War er würdig? Auf keinen Fall.
Einer Phantasiefigur, die in einer Reihe stand mit Superman, Sherlock Holmes oder Micky Maus im Gedächtnis der Menschheit als beinahe unsterbliches und sehr einflußreiches Mem, konnte schließlich keine reale, lebende Person das Wasser reichen.
 
Aber er war auserwählt worden, das wußte er jetzt.
Die Fackel war an ihn weitergereicht worden, als lebendige und deshalb chronisch fehleranfällige Person, und er mußte das beste daraus machen, solange er konnte.

Der Zeichentrick-Captain schien die Mundwinkel leicht zu einem Lächeln zu verziehen und Frans zuzunicken, und dann -

zerbröckelte er. Wie in einem Horrorfilm, oder wie in einem sehr lebhaften Alptraum.

Die ganze Umgebung, der kahle Höhlengang samt Mondfahrzeug, zerbröckelte und zerfiel rings um Frans, Siwa und Signy herum, und hinter den sich auflösenden immateriellen Filmbröseln tauchte das reale Cockpit der Hammer-SyMOr auf, in dem automatisch die Beleuchtung wieder hochfuhr.
Die telepathische Illusion war zu Ende, der Laptop hatte den gesamten Test-Filmschnipsel bis zum (vorläufigen!) Ende abgespielt.

Frans blinzelte, blinzelte noch einmal. Er stand hier, in diesem Cockpit.
In dem alles voll funktionstüchtig war, ein echtes Cockpit, das so echt war, daß es einem echten Captain Future angemessen gewesen wäre. Und das Teil eines Raumschiffs war, das genauso real war und dafür erschaffen, geflogen und benutzt zu werden mit allen Möglichkeiten, die es besaß, und das waren viel mehr als Frans auch nur ahnen konnte.
 
Erst jetzt begriff er all das so richtig, war bisher völlig unbewußt und vielleicht zum psychischen Selbstschutz davon ausgegangen, sich einfach in einer besonders aufwendigen Filmkulisse zu bewegen.
Denn, Zeitreise über mehr als siebenhundert Jahre hinweg und Flüge durchs Weltall, ein Aufenthalt auf einem fernen Planeten, in einem lebendigen Raumschiff, wie sollte ein einfacher Mensch der Erde des 20. Jahrhunderts das wirklich, vollständig, begreifen?
Frans fühlte sich, als wäre er soeben aus einem Traum aufgewacht und endgültig auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen.
Sicherheitshalber kniff er sich, und zuckte wegen dem Schmerz zusammen. Ja, es war real. Das alles war real.
Der Film, das Cockpit, er und die anderen, die bei ihm waren. Er tastete nach der Lehne des Pilotensitzes, neben dem er stand, und fühlte kaltes Metall und wärmeren, festen Kunststoff und den Boden unter seinen Füßen, atmete die wohlriechende Waldluft, die so typisch für die HammerSyMOrs war, und sah die stillstehende Metallstatue, die sein „Grag“ sein sollte.
Alles war echt, alles absolut real.
 
Und die Möglichkeiten an diesem Ende der Zeit ... waren unendlich.


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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #63 am: 17. Juni 2019, 17:08:39 Uhr »
Siwa hatte gemerkt, daß Frans gerade so etwas wie eine Epiphanie erlebt hatte, sein Finger bedeutete Signy, ebenfalls erst mal den Mund zu halten, bis Frans das Erlebnis entweder verdaut oder zwecks späterer genauerer Analyse in einer passenden Schublade verstaut hatte.
Er hatte selber nur bemerkt, daß Frans ungewöhnlich lange Blickkontakt zu seiner zukünftigen Rollenfigur gehalten hatte, nachdem sie mitten in der Bewegung plötzlich erstarrt war, weil die Testaufnahme hier anscheinend abrupt abbrach. Was Frans gesehen hatte oder zu sehen glaubte, wußte er nicht, aber wenn Benu die Klauen im Spiel hatten, war bekanntlich alles möglich.
Wenn Frans darüber reden wollte, konnte er das jederzeit tun, er wußte inzwischen, daß nichts, was er erzählen könnte, bei Siwa und Signy zu einem dezenten Stirntippen führen konnte, denn dafür hatten die beiden selbst schon zu viel scheinbar „Unmögliches“ miterlebt.
„Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir gefiel das ziemlich gut. Ein bißchen wird wohl noch daran herumgeschliffen, aber so auf Anhieb - allzu lang ist dieser Vorspann ja nicht.“ sprach Siwa deshalb ganz unverfänglich.
„Dieses Zerfallen am Schluß war echt rad!“  bemühte Signy den aktuellen Slangausdruck, was man zu anderen Zeiten mit „geil“ oder „cool“ umschrieben hätte.
„Das sollten sie auf jeden Fall irgendwo einbauen, vielleicht im Abspann.“ Sein simuliertes Gesicht zeigte ein erfreutes Grinsen.
„Oder im Übergang zwischen den beiden Zeiten, da paßt es auch hin. Peppt die Szene mehr auf als nur die Aufschrift ´Zwanzig Jahre später`, als fließender Übergang. Der Urzustand zerfällt, der aktuelle taucht auf.“ fand Siwa, der reichlich überlieferte Filme aus dem 20. Jahrhundert konsumiert hatte und sich daher mit damaligen Sehgewohnheiten auskannte. Wenn der geplante Film sich schon auf eine Vorlage aus dieser Zeit berief, durfte er auch sehr gern der Nostalgie Rechnung tragen.

„Aber es geht hier nicht nur um einen Film, nicht wahr?“ sagte Frans langsam, der über sein Erlebnis gerade noch nicht hinweg war.
„Eine Jagd der Benu durch Raum und Zeit. Das sagten Sie auf Otrona. Ein Köder für unbekannte Feinde. Auch Tom war dieser Ansicht. Er meinte, daß schon bei den Dreharbeiten mit Überraschungen zu rechnen wäre, und wenn der Film erst mal anläuft ...“ Er erinnerte sich an etwas.
„Als ich damals auf der Erde den Vorvertrag unterschrieb, das erste Angebot ... da hieß es, daß der Film weltweit zu sehen sein sollte. Ich ging selbstverständlich davon aus, daß das in meiner Zeit geschieht, denn daß ich gleich danach in die Zukunft gerissen würde, konnte ich nicht ahnen.“
Siwa glaubte fast materialisierte Fragezeichen über Fransens Kopf sehen zu können wie in einem verrückten Cartoon.
„Sie meinen, daß der Film vielleicht rückwärts in Ihre Zeit transportiert wird, und dadurch eine Verschiebung innerhalb der Realität stattfindet, denn im Moment wissen wir noch nichts davon, daß der Film, der ja noch nicht existiert, in der Vergangenheit jemals zu sehen war. Aber selbst das würde ich den Benu zutrauen. Denken Sie an den verhinderten Brand in Ihrer Zeit. Der Bericht darüber existierte trotzdem weiter, denn sonst hätten wir ja nichts davon erfahren und Sie hätten ihn nicht verhindern können. Das Ereignis wurde also wahrscheinlich in irgendeine Paralleldimension verschoben, zu der die Benu Zugang haben und wir nicht.
„Und so könnte also auch der Film rückwärts in der Vergangenheit in irgendeiner Paralleldimension landen.“ spekulierte Frans weiter, froh daß Siwa ihn verstand.   
„Vielleicht sogar in vielen Paralleldimensionen, und welche Folgen daraus entstehen könnten, Folgen die jetzt in unserer Zeit, längst passiert wären ...
Denn in dieser gigantischen ewigen Wahrscheinlichkeitsrechnung, die unser Universum ausmacht, ist eine glaubwürdige Illusion ähnlich viel wert wie eine tatsächlich eingetretene Realität, denken Sie an die weltweit bekannten Filmklassiker Ihrer eigenen Zeit und wie sie die Menschen beeinflußten. Niemand von uns kann jetzt im Augenblick ahnen, welche Folgen, welche Inspirationen dieser Film auslösen wird bei all jenen, die ihn sehen werden, heute oder in Ihrer Zeit.
Oder welche Wellen er im Multiversum, über unsere eigene Dimension hinaus, schlagen wird. Denken Sie an Ihre eigene Rettung vor dem Brand. Offenbar war das Ereignis, der Brand, für den ganzen Zeitablauf seither in unserer Realität einfach nicht wichtig genug gewesen, um „unbedingt“ stattfinden zu müssen. Die Erde hat sich auch ohne ihn weitergedreht. Nicht zum Besseren, nicht zum Schlechteren. Und nur eine Handvoll Personen wissen davon, jetzt und in der Vergangenheit. Für jeden anderen war es einfach immer schon so, wie es durch unser Eingreifen zustandegekommen ist.“
„Schon gut.“ seufzte Frans. „Ich denke lieber nicht mehr darüber nach, mein Hirn versucht jetzt schon, sich zu verknoten. Nehmen wir es einfach wie es kommt, und wundern uns später darüber.“
„Kluge Taktik.“ grinste Siwa, der das Phänomen des akuten Hirnverknotens aus eigener Erfahrung kannte.
„Das lebende Gehirn hatte aber wenig Ähnlichkeit mit dem im Zeichentrick.“ fiel Frans dann ein. „Diese seltsamen Fühler anstelle einfacher Augenstiele ...“
„Wenn ein körperloses Gehirn sowieso völlig auf künstliche Sinnesorgane angewiesen ist, macht es wenig Sinn, es wieder auf das beschränkte menschliche Wahrnehmungsvermögen zu beschränken.“ erklärte unerwartet Signy, nicht Siwa.
„Diese Fächerfühler sind multiple Wahrnehmungsorgane, Augen, Ohren und Nase zusammen. Dazu gibt es ein paar Backupsysteme direkt an der Hülle, falls die ausfahrbaren Antennen irgendwie beschädigt werden.
Die Augenlinsen können von mikroskopisch bis Adlerauge sehen, außerdem Wellenlängen weit über das normal sichtbare Spektrum hinaus, Ultraviolett und Infrarot bis hin zu harter Strahlung, die Mikrophone können Frequenzen unterscheiden, die das menschliche Ohr nicht mal wahrnehmen kann, und die Geruchssensoren riechen nicht nur auf menschliche Art, sondern können auch Giftgase und atmosphärische Zusammensetzungen wahrnehmen.“
Er lächelte entschuldigend, weil Frans ihn gar zu verdutzt ansah.
„Ich habe mich informiert. Für einen Wissenschaftler, der im physikalisch-technischen Bereich arbeitet und hin und wieder einem Abenteurer und Kriminalisten wie Captain Future zuarbeitet, aber Probleme hat mit dem Greifen und Bewegen von Gegenständen, macht so eine Rundumausstattung als sein eigenes Allround-Meßgerät absolut Sinn. Der Filminhalt soll so logisch und glaubwürdig wie möglich herüberkommen, da läuft ohne Modernisierung des alten Stoffes nichts.
Deswegen geht in der Geschichte im Moment alles auf Nanotechnologie zurück, denn nur diese Form von Technologie - von unserer Matrixtechnologie abgesehen - würde vieles in der alten Serie glaubwürdig erklären, von den Verwandlungsfähigkeiten der Helden bis dazu, daß praktisch ein Mann allein in der Lage wäre, ein komplettes Raumschiff zu bauen. Oder das simple Aufbauen einer Mondbasis, für das man in Ihrer Zeit einen gewaltigen Aufwand an Maschinen und Material benötigt hätte, der im Film - angesichts der Heimlichkeit, mit der der Bau geschieht - einfach nicht logisch zu erklären wäre.
Aber Nanotechnologie macht´s möglich. Ein bißchen übertrieben vielleicht, einiges davon ist selbst mit unserer heutigen Technologie noch nicht so möglich, aber gute Filme leben bekanntlich von ein paar kleinen Übertreibungen hier und da. Die geben Pfeffer in die Suppe.“ Er grinste verschmitzt.
„Nachdem Sie wieder weg waren und ich erfuhr, daß Signy den Otho spielen soll, haben wir zwei uns zusammengesetzt, sind die alten Geschichten und die Animefilme durchgegangen und was uns die Gerüchteküche auf Nh´Nafress liefern konnte, und dann haben wir ein Brainstorming gemacht, wie man zu Ihrer Zeit sagte.“ fügte Siwa an.
„Und das war das Ergebnis, worauf alles vermutlich hinauslaufen würde - Nanotechnologie. Nichts anderes ist logisch genug, um den Film glaubwürdig zu machen. Außer es wird noch abgefahrener, wenn Matrixtechnologie ins Spiel käme, und das würde kein kritischer Zuschauer mehr schlucken. Tom hat Ihnen vermutlich gezeigt, wie nahe Matrixtechnologie an echter Magie dran ist, und das soll ja kein Fantasy-Film werden, sondern gute alte hanebüchene Science Fiction.“
Das brachte jetzt sogar Frans wieder zum Grinsen.


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Re: CF der Film - Version 2772
« Antwort #64 am: Gestern um 14:33:52 »
„Wie geht es eigentlich dem Drehbuch?“ fragte er dann, zu Siwas Laptop blickend.
„Sehen Sie selber. Drehbuch!“ forderte Siwa laut an.
Und ganz wie bestellt erschien schwebend über dem offenen Gerät die holografische Simulation des - geschlossenen - Drehbuchs, aber es war nicht mehr ganz so wie beim ersten Mal.

„Was passiert denn da?“ fragte Frans verwundert.
Schon auf Otrona hatten sie beobachten können, wie das Drehbuch sich vor ihren Augen veränderte, Kapitel und Entwurfsskizzen verschwanden und andere neu dafür auftauchten, aber diese Aktivität hatte sich massiv verstärkt, das immaterielle „Drehbuch“ war in ständiger Bewegung, als würden virtuelle Ratten unter dem Deckblatt herumtoben, es wurde dicker, dünner, Lesezeichen und Markierungen erschienen und verschwanden wieder ...
„Da laufen Simulationen ab, Dutzende, vielleicht Hunderte gleichzeitig. Die animierte Version der gezeichneten Storyboards Ihrer Zeit, die den Machern des Films einen ersten visuellen Eindruck verschaffen sollen. In den letzten Tagen wurde das Filmprojekt für die Mitwirkung aller Kreativen auf Nh´Nafress freigegeben und fleißig beworben, die Entwürfe für einzelne Szenen wurden regelrecht versteigert, und diese Welt hat ungefähr drei Millionen Bewohner. Wenn da nur jeder Hundertste mitmacht, gibt das schon einen gewaltigen Input, aber ich vermute, daß die Zahl der Teilnehmer weitaus größer ist, alle Kreativen, an Filmen Interessierten, alle Vergan-genheits- und Retroliebhaber, Science-Fiction-Freaks, alle Geeks und Nerds, alle Durchgeknallten und Gelangweilten, Romantiker und Actionfans, jeder der irgendwie seine metaphorischen fünfzig Cent dazugeben will, eine neue Beschäftigungstherapie für die ganze Planetenbevölkerung ...
kein Wunder, daß das Ding gerade brodelt wie ein Kochtopf. Möchte wetten, da kommt gerade genug Masse herein, um gleich auch noch die nächsten zwanzig Fortsetzungen sicherzustellen, weil nämlich sämtliche Romanvorlagen verteilt wurden, und davon gab es ja etliche.“
Und Frans erinnerte sich an etwas, was Tom ihm erzählt hatte, daß es in dieser Zeit nämlich ganz normal war, Lehrstoffe zu jedem erdenklichen Thema über unterhaltsam aufgemachte Simulationsprogramme zu konsumieren, zu jeder Zeit und Gelegenheit und völlig kostenlos.
Und die meisten Menschen dieser Zeit waren dank simpler Computertools auch in der Lage, ohne große Anstrengung selber einfache Simulationen aus dem Ärmel zu schütteln, vor allem wenn Thema, Handlung und Figuren bereits vorgegeben waren.
„Natürlich ist längst nicht alles was kommt auch brauchbar, da dürften jede Menge private Phantasien von Steinzeitgeschichten oder Western bis zu hartem Porno eintrudeln. Das unbrauchbare Zeug wird auf dafür geeigneten Seiten abgelegt, für jeden der Interesse daran findet, weil es den meisten Absendern eh nur um die Veröffentlichung ihrer Werke geht. Das brauchbare wird ausgefiltert und dem inneren Kreis der verantwortlichen Designercrew zugeleitet, zwecks Begutachtung und weiterer Verwendung. Am Ende muß der ganze Film schließlich wirken wie aus einem Guß.
Ihnen ist sicher aufgefallen, daß von der Origin-Story noch die Erschaffung des Androiden und Corvos Überfall mit der Ermordung des Ehepaares Newton fehlen. Abgedreht wurden diese Szenen sicher schon, wir bekamen sie aber noch nicht überspielt, einmal weil sie wahrscheinlich chronologisch im Film erst später Erwähnung finden, und zweitens weil Signy seine Rolle noch nicht spielen konnte. Vermutlich steckt auch in diesem Teil im Moment der Zeichentrick-Otho als Platzhalter drin, und vielleicht auch der Zeichentrick-Grag, wenn keine andere Kay einen passenden Grag liefern konnte.“ Siwa lächelte.
Frans blickte unwillkürlich zu der stillen Metallstatue. Wohl wissend, daß der wie abgeschaltet wirkende Roboter in Wahrheit ihre Diskussion genauso mithörte wie die Kay direkt, die eh überall um sie herum war. 
Er wandte sich an Signy. „Wer wird die Programmierung des „Grag“ übernehmen?“
Weil Siwa doch vorhin behauptet hatte, daß Signy selbst sich um seinen metallenen Film-Bruder kümmern würde.
„Die Buchvorlagen wurden der Kay überspielt, sie weiß also, wie unsere zwei Figuren miteinander zu interagieren pflegen. Jede einzelne Szene. Grag ist mehr der Typ körperlich bärenstarke, aber geistig etwas zurückgebliebene große Bruder als ein klassischer, rein logikgesteuerter Roboter aus anderen Filmen, und so wird die Kay ihn führen, als menschliches Simulacrum. Otho und Grag allerdings in passende humoristische Szenen zu bringen, ist die Aufgabe der Drehbuchschreiber. Glaubwürdigen Instanthumor zu inszenieren ist so ziemlich das schwierigste was es gibt, damit wäre die Kay überfordert. Da muß dann die menschliche Kreativität wieder ran. Aber da Siwa mit dabei ist und Sie von Siwas Klon angelernt wurden, dürften Sie vom bekannt schrägen Humor der beiden profitieren können und Vorschläge für Situationskomik machen, alles was sich gerade ergibt.“
Er streckte Siwa frech die simulierte Zunge heraus.
Der grinste nur heiter. „Mal sehen welche Witze sich am Wegesrand finden lassen.“ meinte er.  „Kommt Zeit, kommt Witz.“
Er wandte sich Frans zu. „So, und jetzt spucken Sie´s aus. Sie haben doch etwas wahrgenommen, als der Captain uns anschaute. Irgendetwas, was uns entgangen ist, wir konnten nur Ihre Reaktion darauf sehen. Was war es?“
Denn jetzt war Frans vielleicht schon aufgelockert genug, darüber zu sprechen.
Der zögerte kurz, und seufzte als er merkte, daß die beiden gespannt auf seine Antwort warteten.
„Er hat mich angesehen, das ist richtig. Aber nicht wie eine Filmfigur, die bei jedem Abspielen genau die gleichen Bewegungen machen wird, sondern irgendwie - lebendig.“ Ein Einfall kam ihm, eine Analogie. „Als würde etwas anderes durch die Augen der Figur schauen, jemand anderer, wie durch diese Trickgemälde mit den Löchern hinter den gemalten Augen. Geht sowas überhaupt, bei einem immateriellen Filmbild?“
„Wenn Benu im Spiel sind, ist alles möglich. Sieht ganz so aus, als hätte einer unserer Oberbosse persönlich bei Ihnen vorbeigeschaut, um Ihnen ein „Daumen hoch“ zu verabreichen. Was haben Sie gefühlt dabei?“
„Ein Benu?“ Frans war geschockt, denn nach allem was ihm Siwa und Tom darüber erzählt hatten, waren diese Wesen sowas wie beinahe allmächtige Halbgötter. Daß sich solch ein Wesen persönlich hierher bemüht haben sollte, um einen Durchschnittsschauspieler aus einer längst vergangenen Ära zu begutachten, konnte er nicht begreifen.
„Sie sagten doch, man bräuchte hinterher jedesmal frische Unterwäsche.“
„Nicht immer.“ lächelte Siwa, der solche unheimlichen Begegnungen der n-dimensionalen Art bereits mehrfach erlebt hatte. „Sie können sich phantastisch tarnen und verstellen. Wahrscheinlich machen ihnen solche Spielchen mit niederen Wesen wie unsereiner einfach Spaß, so wie wir zuweilen Tiere necken, aus reinem Spieltrieb heraus. Aber jetzt erzählen Sie. Was haben Sie gefühlt?“
Frans dachte nach, wie es sich am besten in Worte fassen ließ.
Schließlich sagte er: „Es war, als stünde ich einem echten Captain Future gegenüber. Trotz des gezeichneten Kopfes. Der mich dazu aufforderte, seinen Platz einzunehmen. Nicht nur als Rolle, sondern mehr so ... wie Tom über sein „Reich“ herrscht. Mit Verantwortung, der Liebe zu selbst dem geringsten seiner Untertanen, und dem Mut, sich mit jedem Gegner und Bösewicht anzulegen, um zu schützen, was ihm am Herzen liegt. Nur daß ein Captain Future gleich das ganze Weltall zu beschützen versucht, nicht wahr?“ Er grinste etwas verunglückt.
„Ist gar nicht so weit von der Realität weg.“ fand Siwa, ohne darüber zu lachen. „Tom hat Ihnen vom „Unsichtbaren Feind“ erzählt, nicht wahr?“
Der hier auf Nh´Nafress zum ersten Mal in der modernen Zeit aktiv geworden war, wenn man Siwas Spekulationen über die möglichen Ursachen der Invasion auf Otrona einige Zeit vorher außer acht ließ.
Auch wieder etwas, was Fransens neu gespannte Nerven zum schmerzhaften Vibrieren brachte, denn er war ja hier, auf Nh`Nafress, eben jenem legendären Ort, wo es passiert war.
Und mit diesem phantastischem Raumschiff und der freundlichen Hilfe der beiden anderen konnte er sogar jederzeit die Orte besuchen, an denen Ereignisse stattgefunden hatten, das Goldfundament, das heute die Sicherheit des ganzen Planeten vor weiteren Angriffen dieser Art sicherstellen sollte, den Krater, in dem sich damals der mörderische psionische Schock mit der Kraft eines einschlagenden Asteroiden zersprengt hatte, die Stelle in einer der Kuppeln, in der Siwas damals noch winziger Drache den hinterhältigen, wie einer Lovecraft-Geschichte entsprungenen „Seelensauger“ des Feindes in die Luft gejagt hatte ...
alles echt, abermals.
Frans kniff die Augen zu. Er erinnerte sich, daß Siwa und Signy zusammen bereits im Kampf gegen Agenten des „Unsichtbaren Feindes“ gestanden hatten, auch Verluste dabei eingesteckt hatten. Und wie Tom in seiner eigenen Zeit nichts anbrennen ließ, wenn Hinweise auf Schläferagenten des Feindes in seiner eigenen Zeit bei ihm eintrafen.
Mit ernster Action auch an diesem Ende der Zeit mußte er jederzeit rechnen, und daß er jetzt mit einbezogen wurde.
Aber, was immer auch passieren würde - er würde nicht allein sein. Er hatte hier Freunde, Hilfe, Führung wenn nötig, als selbsterklärter Nicht-Held. Denn schließlich war und blieb er Schauspieler mit Leib und Seele, das abenteuern und kämpfen und als realer Held in der Schußlinie stehen überließ er lieber den anderen.